Fotomontage: Bußgeldbescheid der Polizei Berlin (Quelle: rbb24)
Bild: rbb24

Wird jetzt die Behörde umbenannt? - Wenn der Berliner Polizeipräsident eine Frau ist

Erstmals steht der Berliner Polizei mit Barbara Slowik eine Frau vor. Seit 1809 heißen Behörde und Amt aber offiziell "Der Polizeipräsident in Berlin". Kommt es nun zur Umbenennung? Die Polizei hätte nichts dagegen, doch die entscheidet das gar nicht. Von Mark Allhoff

Die Berliner Landeswahlleiterin Petra Michaelis hat sie, die Berliner Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk hat sie auch: eine offiziell weibliche Form ihrer Amtsbezeichnung. Auf der Internetpräsenz der Polizei Berlin begrüßt allerdings seit jeher "der Polizeipräsident in Berlin" die Besucher. Und das völlig zu Recht, bis heute. Denn künftig steht mit Barbara Slowik erstmals eine Frau an der Spitze der Berliner Polizei.

Müsste mit dieser Personalie aus dem Präsidenten nicht auch eine Präsidentin werden? "Eine berechtigte Frage", sagt Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft GdP, im Gespräch mit rbb|24. "Ich würde eine Umbenennung begrüßen und gehe auch davon aus, dass das passiert. So aufwändig ist das ja nicht."

Schilder, Autos, Briefköpfe, Mail-Signaturen

Im Handumdrehen wäre es allerdings auch nicht getan. Der Name der gesamten Behörde lautet nämlich schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts offiziell "Der Polizeipräsident in Berlin". Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Amt und Behörde weiter so benannt.

Dementsprechend prangt der Name nicht nur über dem Haupteingang des Polizeipräsidiums am Platz der Luftbrücke in Tempelhof, sondern ebenso auf diversen Schildern, bestimmten Einsatzfahrzeugen, Stempeln, Briefköpfen von Bußgeldbescheiden oder Mail-Signaturen. "Das alles zu ändern, wäre ein Wahnsinn", findet deshalb Alexander Kraus, Vorsitzender des Bundes der Steuerzahler Berlin. Für ein solches Amt "mit Schleudersitz-Charakter" würde das bedeuten, dass dann zeitnah wieder auf die männliche Form umgeschwenkt werden müsse. "Da muss man sich schon die Frage stellen, ob das wirtschaftlich ist."

Eingang zum Polizeipräsidium Berlin. (Quelle: imago/Steinach)
Bild: imago/Steinach

Polizeisprecher: "Das entscheidet die Innenverwaltung"

Bei der Berliner Polizei selbst hätte man nichts gegen einen neuen Behördennamen, berichtet Polizeisprecher Stefan Petersen. Auf ihrem offiziellen Twitter-Account posteten sie bereits ein bearbeitetes Foto des Behördennamens.

"Allerdings heißt ja nur die Behörde so, nicht eine Person. Deshalb gehe ich davon aus, dass der Name nicht geändert wird." Von einer Umbenennung sei ihm noch nichts zu Ohren gekommen, "aber das entscheiden nicht wir, sondern die Innenverwaltung."

Leitfaden will geschlechtergerechte Sprache

Auf Anfrage von rbb|24 berichten zwei Sprecher des Innensenats, dass Ihnen hinsichtlich einer Umbenennung der Polizeibehörde und des Amtes der Präsidentin "noch nichts auf den Schreibtisch gekommen" sei. Es gebe Ihres Wissens noch keine konkreten Pläne, den Namen zu ändern.

Bereits vor sechs Jahren hatte der Senat einen "Leitfaden für eine geschlechtergerechte Sprache in der Verwaltung" herausgegeben. Darin heißt es wörtlich, dass "das traditionelle Mitgemeintsein von Frauen" zu "handfesten Benachteiligungen" führe. Einzig die Verwendung der männlichen Form werde "dem Anspruch einer geschlechtergerechten Sprache nicht gerecht."

Im Bund werden diese Regeln bereits angewendet: Für Angela Merkel lautet der offizielle Amtstitel "Die Bundeskanzlerin".

Sendung: Abendschau, 10.04.2018, 19:30 Uhr

Beitrag von Mark Allhoff

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19 Kommentare

  1. 19.

    Stellen Sie sich einfach vor, Sie wären Polizeipräsident, und über dem Eingang Ihrer Behörde und auf dem Briefkopf stünde "Die Polizeipräsidentin". Signatur: Rudolf XY, Polizeipräsidentin.
    Ist doch absurd, oder?
    Ich bin auch für "Polizeipräsidium". Einmal ändern, passt immer.

  2. 18.

    Ich glaube, es ist nur eine Frage der Zeit, nachdem die postkommunistische Enteignung von Wohnraum, die Polizei in Volkspolizei umgewidmet wird. Die Bezeichnung ist zwar irreführend, aber sprich das ganze Volk an.

  3. 16.

    Polizeipräsidentender*Innenen

    Ist ja schließlich die ganze Behörde gemeint.
    Und früh am Morgen gehen sie durch Türendender*Innenen ins Amt.
    Gerechtigkeit muss hier schon sein.

  4. 14.

    Das Pozilei präsidierende von Berlin

  5. 13.

    Der Mangel an Abstraktion führt schließlich und endlich in konkretistische Endlosdebatten. Und Berlin führt dank rbb...

  6. 11.

    Ist doch egal, wer den Job vermasselt. Ob Frau oder Mann, Berlin verliert sich immer mehr. Städtetour mit Gefahrenpotenzial, mehr nicht!

  7. 10.

    Wie wäre es denn mit Polizeipräsidium? Dann muss bei künftigem personalwechsel nichts mehr geändert werden. Einmal alle 200 jahre eine änderung sollte finanziell selbst in berlin drin sein! Und es geht ja sowieso um die Behörde, nicht um die Person, die sie vertritt. Also einfach mal machen!

  8. 9.

    Das Amt sollte in diesem Fall natürlich “Polizeipräsidentin“ lauten, die Behörde an sich aber könnte man doch einfach umbenennen in “Polizei des Landes Berlin“. Dann weiß jeder dass nicht eine Person sondern eine Behörde gemeint ist, und es erspart sich in Zukunft jede Diskussion um eine geschlechtsadäquate Bezeichnung.

  9. 8.

    Also echt, worauf fusst denn dieser Bericht. So ein Tinnef.

    Ausserdem heisst die BEHÖRDE "Der Polizeipräsident IN Berlin"

    Das Amt, also die Person heisst "Der Polizeipräsident VON Berlin".

    Somit müsste der Schriftzug am Präsidium nicht geändert werden.

    Und ob Frau Slowik in Einzelfällen nun, analog zur Kanzlerin, mit "Die Präsidentin" unterschreibt...ist mir auch Latte. Gemessen wird sie an der Leistung - nicht die Leistung.

  10. 7.

    Polizeipräsidium Berlin (ohne der die das *in(nen))
    aber wo man Hauswände übermalen muss, Studierendenwerke die Überzahl der Kerle in wichtigen Berufen doch nicht kaschieren können, dreierlei Toiletten existieren wo EINE zum Sitzen auch durchaus reicht wenn kein D dran steht, in solchen Zeiten ist es wohl wichtig, wer da die Hosen an hat und was drunter ist.

    Mann Mann Mann.. (sic!) wenn man keine anderen Sorgen hat als die Bezeichnungen, dann sind wir offenbar nicht Deutschland sondern die Insel der Seeligen!

    Danke Frau Giffey, dass sie weiter Kleider tragen und sich doch tatsächlich (trotzdem?) durchsetzen konnten in Neukölln, hoffe, das bleibt so, dass der Kopf zählt und nicht das *in(nen)...

  11. 6.

    Die Probleme möchte ich haben!

    Hoffendlich wird dabei nicht der Kampf gegen den Terror vergessen. Von Links und Rechts.
    Der 1. Mai steht vor der Tür.

  12. 5.

    Das ist doch Mal wieder wirklich wichtig!

  13. 4.

    Der Innensenator sagte bei der Absetzung des alten Präsidenten: Bei der Entscheidung geht es nicht um das Parteibuch. Nun stimmt das Parteibuch doch mit der neuen Landesregierung überein. Dass es jetzt eine Frau ist, ist da eine willkommene Ablenkung der Diskussion. Traurig.

  14. 3.

    Es ist doch eh völlig egal, wer da oben am Schreibtisch schläft...

  15. 2.

    Ich glaube, nach den aktuell herrschenden Sprach-, Verhaltens- und Denkvorschriften heißt es korrekt "Der/die/das Polizeipräsidierende". (Bitte nicht das dritte Geschlecht vergessen und damit diskriminieren!) Und irgendwo sollte man natürlich unbedingt ein Sternchen unterbringen.

    Aber erfahrungsgemäß können sich solche Regeln ja täglich ändern.

  16. 1.

    Wiesooo?

    Man muß doch nur ein Leerzeichen weglassen, schon passt es.

    Der Polizeipräsident in Berlin.

    Nach der lätzden Rächdschraiprevorm passt das scho... :-DDD

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