Symbolbild: Polizisten stehen nach einem Messerangriff an einem Tatort in Berlin (Quelle: Imago)
Video: Kontraste | 05.04.2018 | Kolozik, Pohl, Wandt | Bild: imago

rbb exklusiv | Neun Bundesländer legen Daten offen - Zahl der Messerdelikte in Berlin gestiegen

Seit einiger Zeit wird über eine gefühlte Zunahme von Angriffen mit Messern in Deutschland diskutiert. Recherchen des ARD-Magazins Kontraste sowie des rbb kommen nun zu dem Ergebnis: Die Zahl der Messerdelikte hat sich in der Tat erhöht.

Die Zahl der Messerdelikte ist seit 2014 in vielen Bundesländern gestiegen. Das ist das Ergebnis einer Recherche des ARD-Magazins Kontraste. Dafür haben neun der 16 Bundesländer Daten zur Verfügung gestellt.

Danach hat die Zahl der Taten, bei denen ein Messer eine Rolle spielte, überall zugenommen. Die Berliner Kriminalstatistik zeigt seit 2014 bei diesen Fällen ein Plus von 13 Prozent. In Brandenburg gibt es eine Steigerung von rund 32 Prozent (von 2015 bis 2017).

Deutlicher Anstieg in Hessen und Leipzig

In Hessen lag der Zuwachs sogar bei 29 Prozent. In Sachsen ist der Anstieg in Leipzig besonders auffällig. Dort hat sich die Zahl der Messerdelikte fast verdoppelt. "Subjektiv, für uns in der Pressestelle und für jeden Kollegen auf der Straße, ist schon festzustellen gewesen, dass sich schwere Delikte wie Raub und Körperverletzung mit Tatmitteln gehäuft haben", sagte der Leipziger Polizeisprecher Andreas Loepki. "Nach der Auswertung muss man eindeutig konstatieren, dass sich die Anwendung deutlich erhöht hat."

Zuzug von Flüchtlingen führt zu mehr Gewaltkriminalität

Der Züricher Soziologe und Gewaltforscher Dirk Baier hat kürzlich eine Studie zu Flüchtlingen in Niedersachsen veröffentlicht. Demnach könne er zwischen 2014 und 2016 einen "zehnprozentigen Anstieg der Gewaltkriminalität feststellen". Das hänge zum Großteil auch mit dem Zuzug von Flüchtlingen zusammen. Das sei ein Fakt, ließe sich aber auch gut erklären. "Es sind sehr viele junge Männer nach Deutschland gekommen und junge Männer sind gewalttätiger als andere Bevölkerungsgruppen", sagt Baier. Und das gelte auch für die deutsche Bevölkerung.

Auch Opfer sind überproportional häufig nicht-deutscher Herkunft

Verlässliche Zahlen, wie häufig Nicht-Deutsche oder Flüchtlinge an Messerdelikten beteiligt waren, gibt es nicht. Nur vier Bundesländer haben entsprechende Daten geliefert. In allen ist der Anteil nicht-deutscher Tatverdächtiger gestiegen: in Hessen etwa um fast zehn Prozent, in Sachsen-Anhalt um fast 20 Prozent. Aus Berlin und Brandenburg lagen hierzu keine Daten vor.

Der Leipziger Polizeisprecher Loepki macht aber deutlich: "Das soll aber nicht bedeuten, dass im gesamten Stadtgebiet Zuwanderer mit Messern umherlaufen und darauf warten, Passanten damit zu bedrohen oder sie zu verletzen. Eine Vielzahl dieser Delikte spielt sich in Gemeinschaftsunterkünften, im häuslichen Umfeld von und unter Asylbewerbern ab." Auch die Opfer von Messerdelikten seien deshalb überproportional häufig nicht-deutscher Herkunft.

Sendung: ARD-Politikmagazin Kontraste, 05.04.2018, 21.45 Uhr im Ersten

Kommentar

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9 Kommentare

  1. 9.

    Es steht ihnen doch frei vermeintlich fehlende Statisken aufzuzählen, zu korrigieren oder selbst zu erstellen.

    Aber mit Belegen! Letztendlich scheitern ihre und ihresgleichen "alternative Fakten" immer an Belegen aus seriösen Quellen.

  2. 8.

    Vor ein paar Monaten meinte noch Herr Müller, dass sei alles nur gefühlt. Genau solche Äußerungen führten zu den entsprechenden Wahlergebnissen. Das anhaltende Nichtreagieren wird katastrophale gesellschaftliche Folgen haben.

  3. 7.

    Komisch bei rechten Tatstrafen & Tätern hat man immer gleich verläßliche Zahlen, und mit den Statistiken ist es ja wohl so -traue keiner Statistik die du nicht selber gemacht hast- wenn ich die letzten Messer Attacken in den Medien verfolgt habe waren von 5 Fällen nur 1 mit Deutschem Täter!! Statistik deshalb wohl auch nicht gewünscht ??

  4. 6.

    Zum Thema:
    http://meedia.de/2018/04/03/messerangst-in-mitteleuropa-oder-warum-die-kriminalstatistik-nur-dann-nuetzlich-ist-wenn-man-sie-versteht/

  5. 5.

    Sehr geehrter Herr Schulz.
    Was sind absolute Prozentzahlen?
    Vermutlich meinen Sie Zahlen zur absoluten Häufigkeit, statt relativer Häufigkeit.

  6. 4.

    Wie im Text, den Sie gelesen haben, erwähnt: "Verlässliche Zahlen, wie häufig Nicht-Deutsche oder Flüchtlinge an Messerdelikten beteiligt waren, gibt es nicht. Nur vier Bundesländer haben entsprechende Daten geliefert."

    Was Körperverletzung insgesamt angeht weist die Berliner Polizeiliche Kriminalstatistik für 2017 folgende Zahl aus: 37,3% der ermittelten Tatverdächtigen zu allen Körperverletzungen hatten nicht die deutsche Staatsangehörigkeit (Vorjahr: 37,8%).

    Beim Raub (der erst mit vorgehaltener Waffe zu einem solchen wird): 48,9% der ermittelten Tatverdächtigen hatten nicht die deutsche Staatsangehörig-keit (Vorjahr: 49,1%).
    Näher können Sie sich hier informieren: https://www.berlin.de/polizei/verschiedenes/polizeiliche-kriminalstatistik/

  7. 3.

    Interessant wäre es doch wenn man so mutig & offen wäre einmal die Zahlen zu veröffentlichen , wie viele Straftaten also Messerattacken von Migranten/Flüchtlingen verübt wurden, aber das will man ja gar nicht,da würde so manchen Gutmenschen Angst & Bange werden und das ist ja nicht gewollt, denn die Bösen das sind die Rechten & das soll ja auch so bleiben, na liebes rbb Team habt Ihr denn Mut wenigstens meinen Kommentar zu veröffentlichen oder habt Ihr auch schon einen Maulkorb verpaßt bekommen ???

  8. 2.

    Wie sieht es denn mit den absoluten Prozentzahlen aus? Im Bericht ist immer nur von +13%, +29% usw. die Rede.

  9. 1.

    Die Zahlen sind kaum aussagekräftig. Interessant wären die absoluten Zahlen! Dann könnte man die Prozentpunkte besser bewerten!!

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