Symbolbild: Gewitterwolken hängen in Berlin über Baukränen (Bild: dpa/Lisa Ducret)
Bild: dpa/Lisa Ducret

Deutlich weniger Baugenehmigungen - Berlin baut ab

Berlin braucht dringend viele neue Wohnungen, um den Mietpreisanstieg zu dämpfen, doch die Zahl der Baugenehmigungen bricht regelrecht ein. Die Opposition fordert nun, Bausenatorin Katrin Lompscher zu entlassen.

Der Berliner Senat muss bei seinem Ziel, mehr Wohnungen zu bauen, einen herben Rückschlag verkraften: Im ersten Quartal brach die Zahl der neu genehmigten Wohnungen im Vergleich zum Vorjahr um rund 19 Prozent ein. Das gab das Landesamt für Statistik bekannt.

Konkret genehmigten die Baubehörden demnach von Anfang Januar bis Ende März insgesamt 4.325 Wohnungen. Besonders stark brachen die Genehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser ein (- 37 Prozent), aber auch in Mehrfamilienhäusern wurden deutlich weniger Wohnungen genehmigt (-18 Prozent). Auch durch den Ausbau von Dachgeschossen entstehen deutlich weniger neue Wohnungen als im Vorjahr (- 21 Prozent).

"Scheitert die Bausenatorin, scheitert auch Müller"

Der Generalsekretär der Berliner CDU, Stefan Evers, fordert laut Tagesspiegel als Reaktion auf diese Zahlen die Entlassung von Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke). "Die Zahlen müssten für den Regierenden Bürgermeister Michael Müller ein Alarmsignal sein. Scheitert seine Bausenatorin, scheitert er selbst", sagte Evers laut Tagesspiegel.

Das Verhältnis zwischen Müller und Lompscher gilt schon länger als zerrüttet. Müller hatte Lompscher bei öffentlichen Veranstaltungen mehrfach dafür kritisiert, dass Planungsprozesse zu lange dauern und zu wenige neue Wohnungen entstehen. Der frühere Bausenator (2011 bis 2014) machte die Baupolitik immer mehr zur Chefsache. Wegen zahlreicher Beschwerden von Investoren über Lompscher entscheidet seit ein paar Monaten ein in der Senatskanzlei angesiedelter Lenkungskreis über strittige Neubauvorhaben. Im März warb Müller zudem Lompschers Abteilungsleiter für Wohnungsbau ab.

"Das war eine offene Kriegserklärung an Frau  Lompscher", kommentierte ein Linken-Politiker gegenüber rbb|24. Mit den neuen Zahlen dürfte der Druck auf Lompscher aus der SPD nun weiter steigen.  

Wer umziehen muss, wird oft aus seinem Kiez verdrängt

Denn obwohl sich vielerort die Baukräne drehen, reicht die Zahl der neu gebauten Wohnungen seit Jahren nicht aus, um die durch den massiven Zuzug gestiegene Nachfrage zu befriedigen. Das ist ein Hauptgrund für die weiter rasant steigenden Mieten in der Stadt. Um satte zwölf Prozent stiegen die Angebotsmieten allein im vergangenen Jahr. Das geht aus dem kürzlich erschienenen Wohnungsmarktreport der Berliner Investitionsbank hervor.

Eine Datenanalye des rbb zeigt anschaulich, was das für Folgen hat: Wer beispielsweise im Bezirk Mitte wohnt und über ein durchschnittliches Einkommen verfügt, müsste in seinem Kiez für eine neue Wohnung 40 Prozent seines Gehalts hinblättern.

Das können sich viele nicht leisten. Wer eine neue Wohnung braucht, muss deshalb oft aus seinem angestammten Kiez wegziehen.  

Kommentar

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14 Kommentare

  1. 14.

    Herr Zedler - ich glaube das Ihnen niemand zuhören muss. Sie haben nichts zu sagen dem man zuhören müsste. Wer einen 19-Jährigen Kandidaten des MFS - der glaubte er müsse das tun um in seinem Beruf, in seinem Leben, in seinem Studium voranzukommen - völlig unabhängig davon was er mit 19 Jahren dann tatsächlich getan hat in einer "inakzeptablen Stasitätigkeit" verurteilt - faktisch für den Rest seines Lebens, der sollte an keinem Punkt etwas zu sagen haben.
    Das unterscheidet Sie von Andrej Holm. Der hat was zu sagen, ist keineswegs bloss "linker Aktivist", hat sich wissenschaftlich mit dem Thema auseinandergesetzt und verfügt also über ein Wissen, dem sich jene halt nicht stellen wollen, die seit Jahrzehnten nicht genügend bezahlbaren Wohnraum, oder die Löhne nicht die Wohnraum bezahlbar machen zur Verfügung stellen. Die Kampagne gegen Andrej Holm - der 19 Jahre alt war als die DDR sich auflöste - kann man nur als niederträchtig bezeichnen.

  2. 13.

    Lieber Herr Bangert,

    die Gründe für den Rückgang der Baugenehmigungen sind vielfältig. Unter anderem steht in dem Artikel auch, dass schon öfter kritisiert wurde, dass die Baubehörde zu lange für die Planungsprozesse brauche.

    Investoren kritisieren die langwierigen Genehmigungsverfahren. Die Vorstandsvorsitzende des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen, Maren Kern, führt die Entwicklung auf die Politik des Senats zurück. Zitat Kern: "Im Berliner Umland, in Potsdam oder in Hamburg werde man von den zuständigen Behörden gefragt: Bis wann brauchen Sie die Genehmigung? Das hören Sie hier nirgendwo." Stadtentwicklungssenatorin Lompscher hat ihren pol. Schwerpunkt bislang auf den Schutz von Mietern und mehr Beteiligungsmöglichkeiten bei Neubau-Projekten gelegt.

    Hier der ganze Artikel: https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2018/05/Wohnungsunternehmen-Neubau-Kritik-Senat-Bezirke.html

    LG, die rbb24-Redaktion

  3. 12.

    RBB: bitte etwas mehr Recherche und Information: WARUM gab es weniger Baugenehmigungen?

  4. 11.

    "Bauarbeitende" LOL. Sie haben recht: Wir brauchen dringend eine Frauenquote auf den Baustellen. Bevor nicht mindestens jedes zweite "Bauarbeitende" eine Frau ist, sollten da keine Männer mehr eingestellt werden. Und im Gegenzug benötigen wir natürlich mehr männliche Friseusen und Nageldesignerinnen.

  5. 10.

    Ein einfacher Artikel und so viele Missverständnisse - bis Unmenschlichkeiten - bei Kommentierenden. Na klar, die Wohnungssituation ist so, weil die Bauarbeitenden den Deutschwunschkenntnissen von Crety und Plety nicht genügen und natürlich: die Geflüchteten sind schuld - an allem. Weiß man ja. Nichts Neues bei den Braunen.

    Neben dem im Wohnungsmarkt durchaus verbreiteten Rassismus kommt bei finanziellen Aspekten in unserer neoliberalen Gesellschaft wie zwangsläufig die klassistische Mär auf, es gäbe zu wenig Wohnraum für Menschen mittleren Einkommens. Das geht erstens von einer Leitungslogik aus, die Menschen nach konstruiertem Status vergleicht und in höher und weniger werte Personen einstuft und zweitens spricht es Normalsverdienenden, die nunmal in Berlin die Hauptnachfragegruppe nach Wohnungen stellen, den Bedarf an sozialem Wohnungsbau ab.

    Berlin steht derzeit für den Ausverkauf von Wohnraum sowie Kulturmöglichkeiten - eine zunehmend gentrifizierte, leblose Stadt.

  6. 9.

    Also in Bayern läuft es.
    https://www.wochenblatt.de/politik/regensburg/artikel/240065/statistik-zu-baugenehmigungen-im-ersten-quartal-2018-rekordkurs-vom-vorjahr-wird-gehalten
    In Berlin liegt es wohl wirklich an der Politik und nicht an nachlassender Nachfrage.

  7. 8.

    Glaubt irgendwer wirklich, dass die Mieten der bereits bestehenden Wohnungen sinken werden, wenn mehr gebaut wird? Glaubt jemand, dass die Mieten langsamer steigen werden? Das wird nicht passieren. Der Kapitalmarkt hat die Wohnungen Berlins für sich entdeckt und wird nicht loslassen, bis der Kapitalmarkt keinen Zugriff mehr auf uns hat.

    Im Klartext: Private Vermieter werden immer das tun, was ihnen am meisten Geld bringt und das bedeutet mehr Mieterhöhungen. Neue Baugenehmigungen und neue Wohnungen sind nur ein Nebenkriegsschauplatz, eine Ablenkung. Das Problem lautet Liberalisierung des Wohnungsmarktes. Der Fisch stinkt vom Kopf her.

  8. 7.

    die gute Frau ist doch bereits lange in der Politik und hat bisweilen nie für Aufregung gesorgt und obwohl ich nicht unbedingt mit ihrer Partei übereinstimme glaube ich nun wirklich nicht das sie die Verursacherin der zu wenig Wohnungen ist.
    Die Kapitalisierung jedes qm der Stadt ist der Grund und natürlich die hohe Aufnahme an illegalen Einwanderern die nicht abgeschoben werden die günstigen Voraussetzungen für Studenten die in Frankfurt oder Cottbus studieren jedoch in Berlin leben müssen oder besser wollen sind auch ein Grund.
    Und die starke Zunahme an illegalen Ferienwohnungen trotz das uns der Senat eine Reduktion verkauft trägt auch zur Wohnungsknappheit bei.
    Die fehlenden Baugenehmigungen beziehen sich auf Neubau der ist ohnehin für den Normalverdiener aktuell fast unerschwinglich und würde insgesamt den tatsächlich Betroffenen wie zum Beispiel den zahlreichen Rentnern keinen passenden Wohnraum verschaffen.

  9. 6.

    Es zeigt sich nun das ganze Desaster der Berliner Wohnungspolitik unter rot-rot-grün.

    Wer linke „Aktivisten“ zu Beratern macht, unabhängig von inakzeptabler Stasi-Tätigkeit, wer den Bürgerwillen beispielsweise im Blankenburger Süden derart missachtet, wer einseitig nur auf möglichst viel „sozialen“ Wohnungsbau setzt der in Wirklichkeit ein asozialer Wohnungsbau ist, weil er Steuergelder verbrennt und die Wohnungssuchenden mit mittleren Einkommen ausgrenzt, wer Dachgeschossausbauten durch bürokratische Hemmnisse hart ausbremst, wer privaten Bauvorhaben eine „soziale Quote“ von 30 % aufdrücken will und sie damit verhindern, hat nicht ein Problem, er ist das Problem.

    Wir brauchen keinen Austausch der Senatorin, wir brauchen eine Änderung der Wohnungspolitik.

    Angemessene und maßvolle Bebauung für alle Bevölkerungsschichten, auch insbesondere für die mittleren Einkommen, Ermöglichung der Eigentumsbildung, Genossenschaftsförderung, ist leider nicht der Schwerpunkt dieses Senats.

  10. 5.

    Für mich wird die entscheidende Frage leider nicht beantwortet. Woran liegt es?
    Frau Lompscher stellt ja nicht persönlich Baugenehmigungen aus und der Personalmangel in den Bezirken hat die SPD jahrzehntelang mit versucht, ebenso wie in den Landesbehörden. Alle wurden totgespart und eine rechtzeitige Wende verpennt.
    Auch wenn es viel mehr Baugenehigungen gäbe, hapert es dann an manpower und Material bei den Baufirmen.
    Subunternehmer mit Billiglöhnern aus dem Ausland sind ein Graus, wie ich letztes Jahr hier im Wege der Modernisierung erleben musste. Die Gerüstbauer konnten wegen voller Auslastung 3 Wochen den Auftrag nicht erfüllen und die Wärmedämmung und der Trockenbau in Bad und Küche machten Männer ohne Deutschkenntnisse und merkwürdigem Verhalten. Die Baustelle glich einem Saustall. Ansonsten Pfusch am Bau und mangels Verständigung nur Ärger.
    Baugenehmigungen allein lösen das Problem nicht.

  11. 4.

    Und weiß man die Gründe?

  12. 3.

    Frau Lompscher wächst wohl dieser anspruchsvolle Job über den Kopf. Auch mit Dachausbauten könnte man z.B. viel erreichen.

  13. 2.

    Soll das zum running gag der Opposition werden? Jeden Monat wird jetzt diese lächerliche Entlassung gefordert. Aber anscheinend hat die CDU sonst nichts Konstruktives beizutragen. Wie schon mal gesagt,die sollen sich lieber an ihre Chefin im Regierungsviertel wenden,da können sie mehr erreichen.

    Die Zahlen alleine sagen noch gar nichts aus. Viele Einfamilienhäuser werden die Wohnungsnot zum Beispiel nicht lindern.
    Aber nur mal um die Anzahl richtig einzuordnen,zitiere ich mal aus einem anderen Artikel: "In Berlin müssen nach Einschätzung des Senats bis 2030 fast 200.000 neue Wohnungen gebaut werden,.."
    4325 Wohnungen x 4 Quartale x 12 Jahre = 207.600 Wohnungen
    Soviel dazu.

    Das riecht schon langsam nach Kampagne ala Holm. Auch da hat sich der rbb nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

  14. 1.

    Selbst wenn es mehr Baugenehmigungen gegeben hätte, würde dies die Verdrängung von Menschen aus der Innenstadt nicht verhindert. Ich finde es gut, dass hier nicht auf die Schnelle überall neu gebaut wird. Sinn einer vernüftigen Stadtentwicklung kann es ja nicht sein, dass ab sofort alle Pendler sind.

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