AfD-Demonstration und Gegendemonstranten am Brandenburger Tor (Quelle: rbb)
Video: Abendschau | 27.05.2018 | Agnes Taegener und Christina Heicappell | Bild: rbb

Protestsonntag in Berlin - 25.000 protestieren laut aber friedlich gegen die AfD-Demo

Rund 25.000 Menschen sind am Sonntag in Berlin gegen eine Demonstration der AfD auf die Straße gegangen. Die Anti-AfDler waren auch mit wummernden Bässen und Booten unterwegs und verwandelten den Protest in ein riesiges Happening.

Techno, Boote, bunte Fahnen und Partystimmung: Rund 25.000 Menschen sind am Sonntag in Berlin nach Angaben der Polizei gegen eine Demonstration der AfD auf die Straße gegangen. Die insgesamt 13 angemeldeten Gegenveranstaltungen in der Innenstadt standen unter anderem unter dem Motto "Stoppt den Hass! Stoppt die AfD". Darunter waren ein Demonstrationszug von Berliner Clubbetreibern mit lautstarker elektronischer Musik auf der Straße des 17. Juni, eine Bootsdemonstration auf der Spree und ein Bühnenprogramm auf der Reichstagswiese.

Über 2.000 Polizisten aus dem gesamten Bundesgebiet waren im Einsatz. Die Demonstrationen verliefen nach Angaben von Polizeisprecher Thomas Neuendorf abgesehen von einigen kleinen Zwischenfällen "weitgehend störungsfrei". Neuendorf sagte dem rbb, allen Demonstranten konnte das Recht auf Versammlungsfreiheit gewährt werden. Es gab zwar Versuche von AfD-Gegnern, Absperrungen zu übersteigen. Das sei aber verhindert worden.  

AfD-Demo treibt tausende Berliner auf die Straße

5.000 kamen zur AfD

Zur AfD-Demonstration vom Berliner Hauptbahnhof zum Brandenburger Tor versammelten sich nach Polizeiangaben mehr als 5.000 Menschen. Viele trugen die Deutschland-Fahne und riefen "Merkel muss weg". Das Motto lautete "Zukunft Deutschland" und richtete sich gegen die Regierungspolitik.

Auf der Abschlusskundgebung sagte der AfD-Bundesvorsitzende Jorg Meuthen, durch die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) werde "Deutschland buchstäblich hergeschenkt".

AfD-Chef Gauland warf den anderen im Bundestag vertretenen Parteien vor, Deutschland und das deutsche Volk nicht zu lieben. Mit Blick auf die Flüchtlingsvolk erklärte er, das "Wohlergehen der Fremden" liege ihnen mehr am Herzen als das der Deutschen. "Wir sind die vielen, die Deutschland lieben."  

Immer wieder wurden aus der AfD-Demonstration heraus Rufe gegen Merkel, Flüchtlinge und Ausländer laut. Unter anderem sagte Bundesvorstandsmitglied Beatrix von Storch bei der Auftaktkundgebung: "Die Herrschaft dieses Islam in Deutschland ist nichts anderes als die Herrschaft des Bösen".  

Die Demos im Live-Ticker

13 Gegendemos - auf Flößen, mit Clubwagen und vor dem Bundestag

Die rund 25.000 Gegendemonstranten versammelten sich bei bestem Sommerwetter an verschiedenen Orten über insgesamt 13 Demonstrationen und Kundgebungen.

Zur zentralen Kundgebung vor dem Reichstagsgebäude unter dem Motto "Stoppt den Hass. Stoppt die AfD" hatte das Berliner Bündnis gegen Rechts und die Initiative Aufstehen gegen Rassismus aufgerufen.

Ganz in Silber und Gold verlief eine "Glänzende Demonstration" von Künstlern vom Weinbergspark über Unter den Linden zum Pariser Platz am Brandenburger Tor.

An der Spree - gegenüber vom Hauptbahnhof - hatten sich AfD-Gegner positioniert, die mit Rufen und Pfiffen ihren Unmut über die Demonstration äußern. Zudem waren Protestler mit Booten und Flößen unterwegs, an denen Spruchbänder gegen die AfD flatterten.

Unter dem Motto "AfD wegbassen" bewegte sich ein Zug mit rund 30 Musikwagen der Berliner Clubszene vom Hansaplatz zur Siegessäule und der Straße des 17. Juni. "Bass statt Hass", "Schabernack gegen Nazikack" und "Hier marschiert der rationale Widerstand" war auf Plakaten zu lesen. Organisiert wurde die lautstarke Karawane vom Netzwerk "Reclaim Club Culture".

Reiterstaffel der Berliner Polizei (Quelle:dpa/Schreiber)
Bild: dpa/Schreiber

Autonome versuchen Demo zu stören

Die befürchteten Zusammenstöße zwischen AfD-Demonstranten und Linksautonomen blieben aus. Laut Polizei kam es lediglich zu einigen kleineren Zwischenfällen. So versuchten am Kreuzberger Mehringplatz einige Anti-AfD-Demonstranten, Absperrungen der Polizei zu überwinden. Diese drängte die Protestierer nach eigenen Angaben zurück und setzte "Zwangsmittel" wie Pfefferspray ein. Zu dem Zeitpunkt sollen sich rund 1.000 Demonstranten am Mehringplatz aufgehalten haben.

In Mitte versuchten Linksautonome, den Demozug der AfD zu stören, und wurden in der Reinhardt- bzw. Marienstraße von der Polizei eingekesselt. Unangemeldete Demonstranten hatten sich am Vormittag auch von Gesundbrunnen zum Potsdamer Platz aufgemacht, wo die Polizei sie stoppte.  

Geplante AfD Demo am 27.05.2018 (blau) und verschiedene Gegendemonstrationen und Kundgebungen (rot) (Quelle: Bing/rbb24)
Demonstrationsroute der AfD und Kundgebung der GegendemonstrantenBild: Quelle: Bing/rbb24

Sendung: Abendschau, 27.05.2018, 19.30 Uhr

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