Der Nebel der Pyrotechnik lichtet sich langsam in Kreuzberg. (Quelle: dpa/Schreiber)
Video: rbb aktuell | 01.05.2018 | Arndt Breitfeld | Bild: dpa/Schreiber

Nur wenige Festnahmen - Revolutionäre Mai-Demo löst sich fast friedlich auf

Berlin hat einen weitgehend friedlichen 1. Mai erlebt: Auch die "Revolutionäre 1.-Mai-Demo" quer durch Kreuzberg hat sich gegen 21 Uhr aufgelöst. Zwar gab es einzelne Festnahmen und fünf verletzte Polizisten, aber keine größeren Ausschreitungen.

Die von linken Gruppen organisierte "Revolutionäre 1.-Mai-Demo" hat sich am Dienstagabend aufgelöst, ohne dass es nennenswerte Ausschreitungen gab. Die Zahl der Teilnehmer lag nach Polizeiangaben bei etwa 6.000 - im Vorjahr waren es 8.000 Menschen gewesen.

Am frühen Abend war der Protestzug am Oranienplatz in Kreuzberg gestartet und bis zum Schlesischen Tor gezogen. Laut Polizei drehten die Demonstranten dort um und versuchten, über die Skalitzer Straße wieder in Richtung Oranienstraße zurückzulaufen. Auf Höhe der Wrangelstraße seien sie von den Einsatzkräften jedoch gestoppt worden.

Polizeichefin Slowik zieht positives Zwischenfazit

Wie rbb-Reporter berichten, kam es auf der Skalitzer Straße auch zu kleinen Scharmützeln. Immer wieder hätten die Autonomen "Ganz Berlin hasst die Polizei" skandiert, auch einzelne Flaschen seien geflogen.

Bei den Zusammenstößen seien fünf Polizistinnen und Polizisten "leicht verletzt" worden, sagte die neue Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik am Abend in rbb aktuell. Die Zahl der Festnahmen habe "im unteren zweistelligen Bereich" gelegen; genaue Zahlen will die Polizei aber erst am Mittwoch bekanntgeben. Trotzdem zeigte sich Slowik mit dem Verlauf des Mai-Feiertags und dem Polizei-Einsatz sehr zufrieden. Da sich die Demo gegen 21 Uhr aufgelöst habe, würden die Einsatzkräfte nun in angemessener Weise abgezogen.

Die Zahl möglicher verletzter Demonstranten ist bislang nicht bekannt.

Bengalos, Böller und Öcalan-Porträts

Der Protestzug der Linken war auch in diesem Jahr nicht angemeldet worden. Nach Veranstalter-Angaben richtete er sich hauptsächlich gegen Gentrifizierung, also die Verdrängung der angestammten Wohnbevölkerung durch Bauunternehmer und Immobilienspekulanten. Auf dem Mariannenplatz hatte schon am Mittag die Politik im Vordergrund gestanden. Linke Parteien und Gruppen informierten über Mietwucher, Immobilienspekulation und Verdrängung.

Zu Beginn der eigentlichen Demo hatten die Teilnehmer dann vereinzelt Bengalos und Böller gezündet und Transparente mit Aufschriften wie "Befreiung, Solidarität, International" in die Höhe gehalten. An der Spitze des Zugs liefen schwarz gekleidete und zum Teil vermummte Demonstranten.

Vereinzelt wurden auch Porträts des in der Türkei inhaftierten Führers der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, Abdullah Öcalan, gezeigt. Das angekündigte "Fahnenmeer" kurdischer Flaggen sei jedoch ausgeblieben, sagte Polizeipräsidentin Slowik dem rbb. Straftaten seien "beweissichernd" dokumentiert worden; im Sinne einer Deeskalation würden die Delikte aber erst zu einem späteren Zeitpunkt weiter verfolgt. Am Wochenende hatte die Polizeichefin, die den 1. Mai in dieser Funktion zum ersten Mal erlebte, gesagt, dass die Polizei bei Straftaten sehr konsequent vorgehen würde.

Der 1. Mai - so haben ihn die Berliner erlebt

Polizei war mit 5.300 Beamten im Einsatz

Um für einen friedlichen Verlauf zu sorgen und Randale möglichst im Keim zu ersticken, war die Polizei am 1. Mai in Berlin mit rund 5.300 Sicherheitskräften im Einsatz: nicht nur in Kreuzberg, sondern auch bei anderen Veranstaltungen, wie zum Beispiel dem "Sommerfest" der AfD in Pankow und einer Satire-Demo im Grunewald.

Friedliches "MyFest" - bei Sonne und stürmischen Böen

Seit dem Vormittag hatten zehntausende Berlinerinnen und Berliner den "Tag der Arbeit" gefeiert - bei viel Sonne und stürmischen Böen aus Südwest. Das traditionelle "MyFest" rund um die Oranienstraße hatte bereits am Mittag begonnen und war - wie erwartet - sehr gut besucht. Bis zum späten Abend wurden insgesamt rund 100.000 Besucher erwartet. In der Oranienstraße, der Adalbertstraße und am Mariannenplatz gab es zahlreiche Konzertbühnen, Stände und gastronomische Angebote. Rund um das "MyFest" hatte die Polizei wie im vergangenen Jahr eine weiträumige Sperrzone für Autos eingerichtet. Damit sollte das Fest auch gegen Anschläge geschützt werden.  

Zugänge zum "Görli" schon früh geschlossen

Eine weitere offizielle Mai-Feier gab es in diesem Jahr zum ersten Mal im Görlitzer Park. Bereits gegen 17 Uhr musste die Polizei die Zugänge wegen drohender Überfüllung schließen. Bei "MaiGörli" gab es zwei Bühnen, eine davon stand Amateurmusikern offen, die spontan für Stimmung sorgen sollten.

Sachbeschädigungen bei Satire-Demo im Grunewald

Zu kleineren Ausschreitungen kam es am Nachmittag bei einer satirisch gemeinten Demo linker Gruppen im Berliner Ortsteil Grunewald. Unter dem Motto "1. Mai im Grunewald" war die Kundgebung für rund 200 Personen angemeldet, doch der Andrang war so stark, dass der S-Bahnhof Grunewald zwischenzeitlich wegen Überfüllung geschlossen werden mussste.

Polizeipräsidentin Slowik zeigte sich überrascht: "Das war so nicht erwartbar", sagte sie dem rbb. In der Spitze seien 3.000 Teilnehmer gezählt worden. Es sei zu einfachen Sachbeschädigungen, wie zum Beispiel besprühten Autos gekommen. Eine Person sei festgenommen worden, bestätigte Slowik dem rbb. Die Polizei hatte den Protestzug für nahezu eine halbe Stunde unterbrochen, bevor die Veranstaltung weiterlaufen konnte.

Gewerkschaften demonstrieren gegen "moderne Sklaverei"

Die Gewerkschaften, angeführt von ihrem Dachverband, dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), hatten schon am Vormittag demonstriert, einschließlich einer großen Kundgebung am Brandenburger Tor. Faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen waren die zentralen Forderungen.  Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sprach ein Grußwort. Weitere Demonstrationen und Kundgebungen gab es auch in Potsdam, Cottbus, und Frankfurt (Oder).

Kommentar

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44 Kommentare

  1. 44.

    Ich würde es nicht Gier nennen, woran der Sozialismus scheitert sondern einfach Egoismus. Jeder Mensch ist von Natur aus egoistisch. Dies lässt sich nur in kleinen Gruppen zeitweise unterdrücken. Je größer eine Gruppe wird, umso ausgeprägter wird der Egoismus zu Tage treten. Er ist dabei wesentliche Grundlage der Entwicklung des Menschen überhaupt. Ohne das Haben-Wollen hätte es wesentliche Entwicklungen nie gegeben.
    Solange es auf der Welt nicht flächendeckend Kommunismus bzw. Sozialismus gibt, kommt man um das Einsperren der Menschen und das Aussperren fremder Informationen gar nicht herum.
    Kurzum: Kommunismus ist eine tolle Theorie, die in der Praxis aber niemals längerfristig funktioniert. Selbst die 68er Kommunen sind daran irgendwann gescheitert, weil die Interessen und Ziele auseinander gelaufen sind.

  2. 43.

    @Franz
    <Zum Glück gehört Karl Marx nicht zu meiner bevorzugten Literatur. Ich ziehe da mehr Qualität vor. >
    Konsalik z.B. ... denke ich mal so ....
    Schon mal was von
    https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Marxistische_Werttheorie gehört? Glaube nicht - ist vermutlich zu kompliziert :-(
    Die Theorie ist nicht schlecht, scheiterte (auch im Sozialisums) an der Gier des Einzelnen oder am "System" selbst.
    Kommunismus und Sozialismus heisst grundsätzlich nicht "eingesperrt sein" - wurde aber auch nicht verstanden.

  3. 42.

    @Rainer...
    <Seit wann sind Bengalos verboten?! Das ist immer noch ein PTG der Klasse T1 und somit das ganze Jahr frei erwerbar und verwendbar.>
    Guck' mal ins Versammlungsrecht .... Jedermann - Friedlich - Ohne Waffen (auch ein Bengalo gehört ebenso dazu wie frei erwerbbares Pfefferspray)
    < Aber immer schön Bullshit erzählen!>
    Eben!

  4. 41.

    Da sieht man mal welche Ahnung sie von der deutschen Geschichte haben! Passt zu ihrer eindeutigen Gesinnung.

    Stolz ein Deutscher zu sein aber nicht den blassesten Schimmer von der eigenen Geschichte.

    Der 1. Mai wurde von den Nationalsozialisten als gesetzlicher Feiertag eingeführt. Vorher haben es die, im weitesten Sinne, Vorgängerparteien der NSDAP erfolgreich verhindert.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Mai#Deutschland_%E2%80%93_gesetzlicher_Feiertag

    Die bekannte Fernsehansagerin, Eva Herman, hat die NS-"Familienpolitik" positiv bewertet und auch sonst viel rechtspopulistischen Unsinn von sich gegeben.

  5. 40.


    Schauen Sie sich bitte das Video der Abendschau vom 1. Mai an: https://www.rbb-online.de/abendschau/archiv/20180501_1930/erster-mai-party-in-kreuzberg.html Bei Minute 1.48 sehen Sie die PKK-Fahnen in Kreuzberg.

  6. 39.

    wo bitte sind auf der demo pkk-fahnen zu sehen. zumindest nicht in dem video in deisem beitrag zu dem dies hier behauptet wird. aber ja, einfach unreflektiert den mist übernehmen der im vorfeld schon herbeigeschworen wurde. immer schön die kurdische bevölkerung weiter kriminalisieren. deutschland du hast ein problem.

  7. 38.

    Ich kann Ihren Ausführungen leider nicht folgen. Was zwingt Sie oder uns jetzt genau, bestimmte Dinge mitzumachen? Dass man arbeiten muss, um sich eine eigene Existenz aufzubauen? Es hindert uns doch niemand, zum Aussteiger zu werden, unsere Nahrungsmittel selbst zu produzieren, autark und autonom zu leben - entweder alleine oder in einer Kommune. Sicher verbleiben ein paar wenige staatliche Pflichten, aber im Großen und Ganzen steht es jedem von uns frei, sich aus der kapitalistischen Mühle selbst herauszunehmen. Nur will das kaum jemand, weil erstens die Selbstversorgung auch harte Arbeit ist und zweitens der gesamte geliebte Luxus (inklusive Urlaubsreisen) wegfallen würde. Seien wir doch mal ehrlich. Bei allen Problemen geht es uns verdammt gut, besser als unseren Vorfahren und besser als dem großen Rest der Welt. Wir meckern auf sehr, sehr hohem Niveau!

  8. 37.

    Dass Linke nicht begreifen, was Wettbewerb ist und Kapitalismus auch seine guten Seiten hat, ist nichts Neues.
    Ebensowenig wie die Tatsache, dass diverse Chaoten an diesem Tag die Sau rauslassen
    Doch die Überschrift ist ein Euphemismus, denn "fast friedlich" bedeutet letztlich, dass es eben NICHT friedlich war.
    Ich gebe zu, dass ich sehr bedaure, dass Berliner Polizisten "deeskalieren" (= stillhalten) müssen, statt sich wehren zu dürfen.
    Wer etwas zu kritisieren hat, sollte das durch Worte und friedliche, gesetzeskonforme Taten tun.
    Doch wessen Kinderstube nicht zu einem respektvollen Miteinander reicht, dem sollten knallhart die Grenzen aufgezeigt werden.
    Die sog. "Revolutionäre Mai-Demo" ist nichts weiter als eine Mixtur unverbesserlicher aber immerhin friedlicher Kommunisten (= untalentierter Kapitalisten) und gewaltbereiter Anti-Faschisten (wobei mir der Bindestrich diesbezüglich sehr wichtig ist).

  9. 35.

    Die einheitliche Bedeutung ergibt sich aus dem Wesen. Dies muss restaurativ sein.
    So passt es sich den Entwicklungen der globalisierten Welt an. Wen man zu begreifen hat regeln die Ampere.

  10. 34.

    Auf Wiedersehen, Ihr Hobby-Revoluzer!
    Man früher war echt was los, heute nur noch Geplänkel mit Handys, bis zum nächsten 1.Mai!

  11. 33.

    Seit wann sind Bengalos verboten?! Das ist immer noch ein PTG der Klasse T1 und somit das ganze Jahr frei erwerbar und verwendbar. Aber immer schön Bullshit erzählen!

  12. 31.

    Utopien, die der menschlichen Natur zuwiderlaufen...
    Die kommunistischen Träumereien mögen in kleinen Gruppen funktionieren, solange sie von außen nicht gestört werden.
    Eine Ausweitung muß zwangsläufig in der Unterdrückung von Idividuen enden.

  13. 30.

    Es war eine sehr friedliche Demo (wie Sie auch schreiben), trotzdem entscheiden Sie sich für ein Foto, das Gewalt und Ausschreitungen suggeriert. Wieso? Vielleicht sollten Sie auch selbstkritisch über die Rolle der Medien nachdenken

  14. 29.

    Lustig diese traurig-langweiligen Diskussionen über Kommunismus, Kapitalismus, Sozialismus... interessant ist doch, dass der Herr Kapitalismus schon längst futsch ist. Nichtzuletzt unsere heutigen Linken (ob nun mit Pflasterstein oder ohne) zeigen dies, durch ihre komplette Inhaltslosigkeit...

  15. 28.

    Der 1 Mai ist als Gendenktag für die Heumarkt Opfer in den USA (1890er o.s.) gegründet worden. Die NAZIS haben ihn nur missbraucht. Volksgemeinschaft statt Klassen.

  16. 27.

    Stalinismus und Leninismus in allen seinen Formen schliesst Freiheit aus nicht Kommunismus. Mensch sollte mal über den Tellerrand hinaus schauen.

    Anarchismus, Rätekommunismus, Utopischer Kommunismus , Urchristlicher Kommunismus ...

  17. 25.

    Das ganze Tamm Tamm ist leider seit Jahren keine politische Veranstaltung mehr!
    Man wartet nur noch auf die Randale! Öde!

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