Projektskizze: Wiederaufbau der Synagoge am Fraenkelufer in Berlin-Kreuzberg (Quelle: D/Form Gesellschaft für Architektur + Städtebau)
Video: rbb|24 | 29.05.2018 | Thomas Blecha | Bild: D/Form Gesellschaft für Architektur + Städtebau

Von Friede Springer bis Gregor Gysi - Synagogen-Neubau in Kreuzberg findet prominente Unterstützer

Die Idee stammt von SPD-Fraktionschef Raed Saleh: Um ein sichtbares Zeichen für das Wiederaufblühen jüdischer Kultur in Berlin zu setzen, soll die Synagoge in Kreuzberg wieder aufgebaut werden. Jetzt präsentierte Saleh namhafte Unterstützer für das Projekt.

Die Synagoge am Fraenkelufer in Berlin-Kreuzberg war eine der prachtvollsten Synagogen in Berlin - nun soll sie, rund 80 Jahre nach ihrer Zerstörung, wieder aufgebaut werden. Diesen Vorschlag hatte SPD-Fraktionschef Raed Saleh bereits im Herbst gemacht - am Dienstag nun hat er ein komplettes Kuratorium mit vielen prominenten Namen vorgestellt, das den Wiederaufbau umfassend unterstützen soll.

Ein deutliches Zeichen für jüdische Kultur in Berlin

In der Pogromnacht am 9. November 1938 war das Gotteshaus - wie weitere rund 2.600 jüdische Gotteshäuser in Deutschland - von den Nazis in Brand gesetzt und nahezu völlig zerstört worden. Als weithin sichtbares Mahnmal und als Erinnerung an die dunkelste Epoche der deutschen Geschichte, stand die Ruine des Hauptgebäudes noch bis 1958, dann wurde sie endgültig abgerissen. Das damalige Nebengebäude überstand das Pogrom und dient der Jüdischen Gemeinde zu Berlin bis heute als Synagoge. An die Pracht des alten Sakralbaus erinnern freilich nur noch Fotos. Doch nun soll das Gotteshaus wieder aufgebaut werden - als deutliches Zeichen für das Wiederaufblühen jüdischen Lebens und jüdischer Kultur in Berlin.

Anlässlich des Pogrom-Gedenkens im vergangenen November hatte Saleh gesagt, dass es nicht bei Lippenbekenntnissen bleiben dürfe. "Wer Schlösser und Kirchen rekonstruiert, muss auch von den Nazis zerstörte Synagogen wiederaufbauen", hatte der SPD-Politiker seinen Vorstoß begründet - unter Hinweis auf das Berliner Stadtschloss und die Potsdamer Garnisonkirche.

Erste Geldgeber fragen schon nach Kontonummer

Inzwischen hat die Idee des SPD-Politikers jede Menge Zuspruch erfahren. "Es gibt sogar Unternehmer in den USA und in Australien, die den Wiederaufbau finanziell unterstützen wollen und uns nach einer Kontonummer fragen", sagte Markus Frenzel, Sprecher der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, am Dienstag rbb|24.

Doch bevor die ersten Spenden fließen können, sei noch viel Vorarbeit erforderlich, sagt Frenzel, der zugleich auch Sprecher des Synagogen-Projekts ist und am Dienstag auf die vielen komplexen Fragestellungen aufmerksam machte, die mit dem Wiederaufbau des Gotteshauses verbunden sein werden - von die Finanzierung über den Architekten-Wettbewerb bis hin zum eigentlichen Bau.

Auch Gregor Gysi und Eric Schweitzer sind vertreten

Unterstützung für all diese Themen kommt von namhaften Persönlichkeiten aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft, die Initiator Saleh am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz vorstellte: vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) und der Verlegerin Friede Springer über den früheren Linken-Chef Gregor Gysi, den Präsidenten des Industrie- und Handelskammertags, Eric Schweitzer, bis hin zum Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, und der Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann.

Jeder der Kuratoren hat einen eigenen Aufgabenbereich

Sie und noch elf weitere Unterstützer bilden ein Kuratorium, das den Synagogen-Wiederaufbau konzeptionell voranbringen soll. Außerdem geht es natürlich um die Einwerbung von Spenden und die gesamte Finanzierung, ein Teilprojekt, für das künftig DIHK-Chef Schweitzer verantwortlich sein soll. Derzeit werde das Projekt auf mindestens 20 Millionen Euro taxiert, hieß es am Dienstag.

Auch die anderen Kuratoriumsmitglieder haben sich bereit erklärt, jeweils sehr konkrete Teilaufgaben zu übernehmen. Gysi wolle sich um die "kulturelle Verankerung" des Projekts kümmern, sagte Saleh am Dienstag. Friede Springer habe man als Ehrenbotschafterin gewinnen können, und Ole van Beust, der frühere Erste Bürgermeister von Hamburg, wolle den Synagogen-Bau bundesweit vernetzen. Für die Herstellung internationaler Kontakte wird die frühere Piraten-Politikerin, Psychologin und Künsterlin Marina Weisband zuständig sein. Auch Vertreter der christlichen Kirchen, der Muslime und der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, sind im Kuratorium vertreten.

"Wir haben die Schlüsselspieler alle beisammen", sagt Projektsprecher Frenzel. Als Nächstes müsse nun geklärt werden, "welche Rechtsform wir uns geben". So könnte das Kuratorium künftig als Verein auftreten, aber auch die Gründung einer Stiftung sei möglich - eine Lösung, die aus Sicht von Frenzel international eine größere Akzeptanz genießen würde.

Erste Projektskizze aus Berliner Architekturbüro

Auch ein erster konkreter Vorschlag für den Wiederaufbau liegt bereits vor - dieser stammt vom Berliner Architekten Kilian Enders. Der Diplom-Ingenieur und Gesellschafter eines Architektur- und Städtebau-Büros wohnt nicht weit vom Fraenkelufer und hatte schon vor einiger Zeit von Salehs Idee gehört. Daraufhin lieferte das Büro eine erste "Projektskizze", die einen weitgehend originalgetreuen Wiederaufbau vorsieht - allerdings kleiner und deutlich heller als der Originalbau. "Damit wollen wir den geschichtlichen Bruch dokumentieren, der durch die Zerstörung enstanden ist", sagte Enders am Dienstag rbb|24. "Allerdings sind wir von der konkreten Umsetzung derzeit noch weit entfernt", ergänzte Enders. Dazu gehört auch die Grundstücksfrage.

Derzeit besteht das Areal, auf dem die alte Synagoge neu entstehen könnte, aus zwei Parzellen, die beide dem Land Berlin gehören. Möglicherweise könnten diese im weiteren Verlauf an die Jüdische Gemeinde übertragen werden, sagte Projekt-Sprecher Frenzel. Aber diese sei nur eine von noch vielen offenen Fragen.

Finanziert werden soll der Bau aus Spenden, aber auch Geldern von Bund, Land, Stiftungen oder aus Lottomitteln. Saleh geht davon aus, dass die Umsetzung fünf bis sieben Jahre dauern wird. Im Herbst wolle sich das Kuratorium zum ersten Mal treffen, kündigte der SPD-Politiker an.

Sendung: Abendschau, 29.05.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

Das könnte Sie auch interessieren