Ein Mann in traditioneller Bekleidung steht vor einem Versammlungsort von Salafisten. (Quelle: dpa/Florian Schuh)
Bild: dpa/Florian Schuh

Sozialarbeiter fordern mehr Präventionsarbeit - Die Zahl der Salafisten in Berlin steigt weiter

Fast 1.000 Salafisten gibt es derzeit in Berlin, die Hälfte von ihnen ist gewaltbereit. Der Senat will sich mit seinem Deradikalisierungsprogramm auf Rückkehrer und Schulabbrecher konzentrieren. Sozialarbeiter wollen mit der Präventionsarbeit schon früher ansetzen.

Die Zahl der in Berlin lebenden Salafisten hat sich seit 2011 mehr als verdoppelt, das erklärte Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Mittwoch im Parlamentsausschuss für Verfassungsschutz. Nach Behördenangaben leben derzeit 990 Anhänger des Salafismus in Berlin, davon sind etwa 460 gewaltorientiert.

Geisel betonte, die Anhänger des Salafismus seien älter als lange angenommen. "Wir haben gesehen, dass die Salafisten in dieser Stadt gar keine Kinder und Jugendliche sind, sondern Erwachsene. Die sind Anfang 30", sagte er.

Sozialarbeiter fordern stärkere Prävention

Für Deradikalisierungsprogramme gibt der Senat in diesem Jahr 2,2 Millionen Euro aus. Gerade Rückkehrer aus Krisengebieten und Schulabbrecher müssten stärker in den Fokus genommen werden, erklärte Geisel. Der Chef des Berliner Verfassungsschutzes, Bernd Palenda, sprach von einer großen Notwendigkeit, gegen die Radikalisierung von Muslimen vorzugehen. Das Thema sei drängend.

Berliner Sozialarbeiter forderten im Ausschuss eine stärkere und bessere Präventionsarbeit. Diese müsse verstärkt in Schulen, Gefängnissen und im Internet erfolgen. Mirjam Gläser vom Verein Ufuq sagte, es müsse mehr Geld in die "ganz normale Jugendarbeit" fließen. Die Radikalisierung von jungen Menschen beginne bereits durch eine Ausgrenzung muslimischer Jugendlicher im Alltag. 

Derweil kritisierte die FDP das Programm des Senats. Ihr rechtspolitischer Sprecher, Holger Krestel, sagte, es sei angesichts der hohen Zahl an Salafisten "bestenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein", wenn man einzelne Personen deradikalisiere. Der Verfassungsschutz müsse gestärkt werden, um gegen kriminelle Strukturen vorzugehen.

Salafisten-Szene wächst deutschlandweit

Die Salafisten-Szene wächst deutschlandweit. Das Bundesamt für Verfassungsschutz gehe mittlerweile von 11.000 Anhängern der radikal-islamischen Strömung aus, sagte eine Sprecherin der Behörde. Das sind so viele wie nie zuvor und etwa 1.300 mehr als Ende 2016.

Der Salafismus ist eine besonders radikale Strömung des Islam. Salafisten halten ihr Religionsverständnis für das einzig gültige und bezeichnen auch Muslime mit anderen Islamverständnissen als Ungläubige. Die Sicherheitsbehörden sehen dieses Gedankengut als möglichen Nährboden für Terror.

Sendung: Abendschau, 09.05.2018, 19.30 Uhr

 

Kommentar

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10 Kommentare

  1. 10.

    Ich verstehe nicht warum man die Salafisten-szene nicht verbietet ?

  2. 9.

    Der Beruf Sozialarbeiter*inn ist ein harter und sehr ehrenwerter Beruf. Daran gibt es nichts auszusetzen. Alleine in meinem Bekanntenkreis kenne ich zwei, die aber das Handtuch geworfen haben wegen Überlastung. Dieser Beruf kann auch an die Substanz gehen.

  3. 8.

    Ah, danke rbb, endlich wird ufuq mal IM Text und nicht nur in den Kommentaren erwähnt. :)

    Und natürlich kann man mit Sozialer Arbeit viel erreichen, gerade wenn es um Politische Bildung geht. Der von Frau Gläser angesprochene Bereich der Kinder-und Jugendarbeit, der ausgebaut werden müsste, ist trotz Verbesserungen in Bezug auf Einrichtungen, Personalanzahl und -qualifikation in Teilen Berlins dramatisch unterfinanziert. Einrichtungen werden dauerhaft von den Bezirken übersehen/ -gangen und die dort Arbeitenden müssen unter höchstem Aufwand erfinderisch sein, damit sie die Klient*innen nicht verlieren.

    Dass Soziale Arbeit im Allg. hier im Forum massiv abgewertet wird, liegt oft im mangelnden Verständnis von dem, was Arbeit ist, begründet. Hier geht es als Berufsfeld nicht um quantitativ messbare Produkte etc., sondern um Menschen. Weil es oft keine 1:1 Nachweis- bzw. Nachvollziehbarkeit der Arbeit und ihrer Folgen gibt, kommt es teils zu unreflektierten Anmaßungen.

  4. 7.

    Hier ist ein rasches Handeln mehr als erforderlich. Diese Religionsfanatiker führen uns, den Staat, eindeutig an die Nase rum.

  5. 6.

    Sozialarbeiter - Präventionsarbeit, das wird nichts ändern.

    Wie wäre es mal mit Konsequenz und Durchgriff?

  6. 5.

    Sozialarbeiter sind keinster Weise für Deradikalisierungsprozesse ausgebildet.
    Es gibt auch deutschlandweit keine Ausbildung für solche spezifischen Themen, Leute dafür gäbe es schon. Der Staat schläft und schickt unspezifisch Ausgebildete los, weil das kostengünstig ist. (Übrigens genauso wie beim Antisemitismusproblem an Schulen.)
    Es bringt natürlich so gut wie nichts (s. immer weiter wachsene Zahlen. Bei den Dt. werden natürlich schon viele Kontakt mit "Sozialarbeitern" gehabt haben, sowohl in Schule und Freizeit als auch im Knast.)

  7. 4.

    Das Geld kann man bei den meisten gleich zum Fenster rauswerfen.
    Die werden sich nicht ändern.
    Es ist naiv darauf zu hoffen.

  8. 3.

    Mit der Übernahme des Opfermythos dieser Gruppe und der Schuldzuschreibung an die Mehrheit der Gesellschaft (Zitat: "Die Radikalisierung von jungen Menschen beginne bereits durch eine Ausgrenzung muslimischer Jugendlicher im Alltag.") demonstriert der Verein Ufuq, dass er Teil des Problems und nicht der Lösung ist.

    Man sollte bei der islamischen Variante des Faschismus nicht den Fehler mit der verstehenden/akzeptierenden Jugend- und Sozialarbeit wiederholen, mit dem in den 1990er Jahren die Herausbildung ostdeutscher Neonazi-Milieus befördert wurde und von der man sich seitdem zu Recht distanziert hat.

  9. 2.

    Wohin wollen sie denn deutsche Salafisten abschieben?
    Und warum behaupten sie, Sozialarbeiter seien Amateure? Es sind ja eben gerade keine Amateure, sonder Profis im Sinne des Wortes. Und haben
    Sie auch irgendetwas substanzielles beizutragen, oder nur Stammtischparolen?

  10. 1.

    Vollkommen verschwendetes Geld. Radikale,gewaltbereite Salafisten sind kein Arbeitsbeschaffungsprogramm für Sozialarbeiter, sondern ein Fall für die Polizei und die Abschiebebehörden. Anstatt die Salafisten zu schützen, sollte man die hier lebende friedliche Bevökerung schützen. Salafismus ist kein Sozialfall, an dem sich sozialromantische Amateure (=Sozialarbeiter) austoben können, sondern eine hochgefährliche, umstürzlerische Ideologie. Wenn irgendwo Geld gebraucht wird, dann bei der unterfinanzierten und unterbesetzten Polizei, insbesondere dem Staatsschutz.

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