Dieter Kunzelmann zur Trauerfeier für Fritz Teufel (Quelle: dpa/Kumm)
Video: Abendschau | 16.05.2018 | Christian Walther | Bild: dpa

Im Alter von 78 Jahren - Politaktivist Dieter Kunzelmann gestorben

Er war Mitbegründer der Kommune 1, saß später für die Alternative Liste im Berliner Abgeordnetenhaus, galt als Antisemit und geriet immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt - nun ist Dieter Kunzelmann im Alter von 78 Jahren gestorben.

Dieter Kunzelmann, linksradikaler Aktivist und Mitbegründer der anarchistischen Kommune 1, ist tot. Er starb bereits am Montag in Berlin - das bestätigte der Rechtsanwalt und ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele am Mittwoch dem rbb. Kunzelmann galt als Bürgerschreck. So hatte er vor 20 Jahren seinen Selbstmord mit einer Zeitungsanzeige vorgetäuscht. Nun starb er wirklich und wurde 78 Jahre alt.

Gründungsmitglied der Kommune 1

Denn Kunzelmann war auch Mitbegründer der linksradikalen Terrorgruppe Tupamaros West-Berlin, die zum Jahrestag der Novemberpogrome von 1938 am 9. November 1969 einen Bombenanschlag auf das Jüdische Gemeindehaus in Berlin verübte. Der Anschlag missglückte lediglich aufgrund eines technischen Defekts.

Mit seinen Happenings galt der gebürtige Bamberger als "Chef-Provokateur" der Studentenbewegung, obwohl er selbst gar kein Student war. Gemeinsam mit Fritz Teufel und Ulrich Enzensberger gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Kommune 1. Kunzelmann inszenierte sich gern als Politclown der 68er-Bewegung. Ein Selbstverständnis, das von seinen kriminellen Taten nicht ablenken konnte.

Mehrfach im Gefängnis

Von 1983 bis 1985 war Kunzelmann Abgeordneter der Alternativen Liste in Berlin, aus der später der Berliner Landesverband von Bündnis 90/Die Grünen hervorging. Dort trat er immer wieder mit Protestaktionen hervor, die als spektakulär, aber auch als geschmacklos beschrieben wurden. Für die Alternative Liste agierte er als justizpolitischer Sprecher. Dabei saß Kunzelmann selbst mehrfach im Gefängnis, unter anderem wegen Brandstiftung.

Beim Spatenstich zur Großbaustelle für den Wiederaufbau des Potsdamer Platzes bewarf Kunzelmann den damaligen Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) mit einem Ei. Auch bei der späteren Gerichtsverhandlung drückte er Diepgen ein Ei auf dem Kopf aus. Kunzelmann wurde zu einer Haftstrafe verurteilt, die er zunächst nicht antrat.

Einige Jahre später täuschte er seinen Freitod vor, trat daraufhin die Haft doch noch an und warf direkt nach seiner Entlassung erneut mit Eiern - diesmal auf die Gefängnismauer der JVA Tegel, in der er eingesessen hatte.

Sendung:  Abendschau, 16.05.2018, 19:30 Uhr

Kommentar

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17 Kommentare

  1. 17.

    Verhärtungen können wohl nur Menschen selbst aufbrechen. Selbst, wenn ein Mensch da von außen beigeht und was aufbricht, wird´s an anderer Stelle nur noch härter.

    Aber ich denke mal, für Außenstehende wären differenziertere Positionen schon von Gewinn, als dass sie vor lauter aufgewirbelten Staub nicht mehr erkennen, worum es eigentlich geht.

    Herzliche Grüße!

  2. 16.

    Genau.

    Und ich danke Ihnen für die Erklärung. Wobei ich der Meinung bin das ist bei einigen einschlägigen Schreibern hier "Perlen vor die Säue" werfen.

    Deren politischer Horizont endet wo deren Filterblase endet, wie die Kommentare hier erneut beweisen. Siehe #9 und 11.

  3. 15.

    Ja, diesen (Jürgen Rainer) Elsässer meinte ich, der lange Zeit für die linksradikale Monats-Gasette "KONKRET" schrieb.
    Meine Frage bezog sich auf den Beitrag 8 dieses in politischen Fragen omnipräsenten Users, ob er diese Person meinte.

  4. 14.

    Woraus erlesen sie denn "Sympathien für Kunzelmann"? Im Gegenteil, diese ganzen K-Gruppen waren mir schon immer äußerst suspekt.

    Und bei dem Thema Judenhass sollten sie mit ihren Sympathien etwas tiefer stapeln.

  5. 13.

    Gemeint ist Jürgen Elsässer als Herausgeber von Compact - nicht zu verwechseln mit Campact -, der sich selbst zur Aufgabe gemacht hat, eine "Querfront" aufzubauen. Der Mann agiert durchgängig nach dem Motto: Viel Feind, viel Ehr.

    Die Gebrüder Strasser - sich selbst als Sozialisten in der NSDAP sehend - lassen historisch grüßen.

  6. 12.

    Gerade Menschen von Dieter Kunzelmann zeigen für mich immer wieder, dass sich Menschen eben nicht in eine Schublade stecken lassen. Ich muss zu dem nicht hochschauen, doch in seiner Arbeit anerkennen kann ich den schon. Er hat auf sehr eigene Weise gehandelt, im anderen wiederum auch sehr "rigide" und auch unnachsichtig.

    Das Zweitgenannte ist dann bei Menschen wie Jürgen Elsässer und extremer noch bei Horst Mahler völlig verrutscht, bis hin zu Verschwörungstheorien und sich selbst als Anführer der einzig mögilchen Gegenbewegung dazu zu sehen. Da läuft´s mir eben kalt den Rücken runter.

    War es schon vorher klar angelegt oder hat sich hier im Laufe eines Lebens "nur" etwas unglaublich verhärtet. Kunzelmann steht wohl menschlich irgendwo dazwischen.

  7. 11.

    Sympathien für Kunzelmann zu hegen, heißt, die Taten der RAF zu relativieren und Judenhass zu etablieren.
    Egal, ob es 5, 10, 30 oder 80 Jahre her ist.

  8. 9.

    Schön, wie Sie sich die Tatsachen immer (passend) zurecht legen. Das liegt wohl an der fordwährenden AAS-Schulung?
    Mich wundert's nicht. Sicherlich relativieren Sie auch die Spitzel-Dienste für die Stasi - ist doch schon 30 Jahre her.
    Zeierlei Maß? Da fassen Sie sich mal an die eigene Nase.

  9. 8.

    Wenn ich da an Elsässer und Gedeon denke hat er es aber uns und sich wenigstens erspart nach ganz rechts zu rutschen.

    Und merkwürdig, was sie Rechtsradikalen zutrauen, nämlich seine Meinung zu ändern, trauten sie Hr. Kunzelmann nicht zu?

    Immerhin liegt das eine 49 Jahre zurück und da bei dem anderen nur 11 Jahre. Zweierlei Maß?

  10. 5.

    R.I.P.
    Wir sind Kinder unserer Zeit , ich werde seine Provokationen vermissen.
    Gruss
    Juergen Schoefer

  11. 4.

    Der heute so liebevoll in den Medien als "Bürgerschreck" und "Chef-Provokateur" verherrlichte Kunzelmann war auch ein Antisemit, ein Judenhasser.
    Nun ist der gestorben.
    Mein Mitgefühl hält sich in Grenzen.

  12. 2.

    Polit-Clown?
    Ein Antisemit!
    Mehr ist zu diesem Judenhasser nicht zu schreiben.

  13. 1.

    Apropos Attentate: Es lohnt sich, sich in diesem Zusammenhang über die Rolle des Peter Urbach zu informieren. Das ist spannender als jeder Krimi.

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