Besuch der Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) in einer Kita in Berlin-Marzahn (Quelle: imago/Christian Ditsch)
Video: Abendschau | 31.05.2018 | Agnes Taegener | Bild: imago/Christian Ditsch

Treffen noch vor Sommerpause geplant - Berlins Bildungssenatorin kündigt Kita-Spitzengespräch an

In Berlin fehlen Tausende Kita-Plätze und Erzieher. Nach großem Protest von Eltern und Erziehern hat Bildungssenatorin Scheeres ein Spitzengespräch mit Eltern, Politik und Betreibern angekündigt. Außerdem fordert sie bessere Löhne für Erzieher.

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat ein Spitzengespräch zur Kita-Situation mit Eltern, Gewerkschaftern und Kita-Betreibern angekündigt. Das Treffen solle noch vor der Sommerpause stattfinden, sagte Scheeres am Donnerstag im Abgeordnetenhaus.

Dabei werde sie unter anderem das Thema Wartelisten ansprechen und fordern, dass Kitas die Eltern frühzeitig darüber informieren, ob sie einen freien Platz haben oder nicht. Außerdem nehme sie die Forderungen nach mehr Erziehern, mehr Kita-Plätzen und einer Verbesserung der Arbeitssituation in den Einrichtungen sehr ernst, so die Senatorin.

Bildungssenatorin will sich für bessere Bezahlung in der Kita einsetzen

Scheeres betonte, dass die steigende Geburtenrate in Berlin große Herausforderungen mit sich bringe. Es fehle vor allem an Fachkräften in den Kitas. "Wir müssen viele Menschen überzeugen, in diesen Beruf zu gehen", sagte die Senatorin. "Und ja, wenn man den Beruf attraktiver gestalten möchte, dann muss man auch über bessere Bezahlung reden." Sie setze sich für eine höhere tarifliche Eingruppierung von Erziehern ein, hierfür sei jedoch ein gemeinsames Vorgehen aller Bundesländer notwendig.

In Berlin werden Erzieher nach dem Tarifvertrag der Länder bezahlt. In Flächenländern wie Brandenburg ist das anders: Hier richtet sich die Bezahlung nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst, der für den Bund und die Kommunen gilt. Dadurch entsteht ein deutlicher Unterschied bei den Löhnen. "Es kann nicht sein, dass eine Berliner Erzieherin rund 400 Euro weniger verdient als eine Erzieherin in einem anderen Bundesland", sagte Marianne Burkert-Eulitz (Grüne) im Abgeordnetenhaus.

Opposition kritisiert "Schaufensterpolitik" und legt Plan vor

Auch die Opposition hält eine bessere Bezahlung von Erziehern für notwendig. Paul Fresdorf von der FDP warf der rot-rot-grünen Regierung vor, das Problem zu spät anzugehen. "Die bisherigen Maßnahmen von Bildungssenatorin Scheeres sind reine
Schaufensterpolitik", sagte er. Bereits in der vergangenen Woche hatte die FDP gefordert, die Leiterinnen von Kitas durch die Einstellung kaufmännischer Angestellter zu entlasten.

Die CDU legte im Abgeordnetenhaus einen Sieben-Punkte-Plan für die Verbesserung der Kita-Situation vor. Neben der besseren Bezahlung von Erziehern verlangt sie einen Plan für die Ausbildung von mehr Fachkräften. Als Sofortmaßnahmen solle die Stadt außerdem private Betreuungskosten unbürokratisch übernehmen und die Quote für Quereinsteiger in den Erzieherberuf gerade für kleine Kitas lockern.

Scheeres weist Vorschläge der Opposition als unzureichend zurück

Die Forderung der FDP, das letzte Kitajahr wieder zur Vorschule zu machen, wies Scheres bei der Debatte im Abgeordnetenhaus zurück: Das sei eine Missachtung der Bildungsarbeit, die von den Erzieherinnen bereits geleistet werde. Eine Absage erteilte sie auch der Forderung der CDU, die Kosten für eine Ersatzbetreuung unbefristet weiter zu zahlen: Das sei eine verkappte Herdprämie, so Scheres.

Ziel müsse bleiben, den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz zu erfüllen. Dafür halte sie an ihrem Vorschlag fest, eine zeitlang Überbelegung zu dulden.

Großdemo gegen die "Kitakrise" in Berlin

Am vergangenen Samstag hatten rund 3.000 Eltern, Kinder, Erzieher und Gewerkschafter in Berlin für mehr Plätze in Kitas und in der Tagespflege demonstriert.

Trotz einer gesteigerten Kapazität fehlen in Berlin etwa 2.500 Betreuungsplätze. Die Folge ist, dass viele Eltern keine wohnortnahe Betreuung für ihren Nachwuchs bekommen - obwohl sie darauf einen Rechtsanspruch haben.

Sendung:  Abendschau, 31.05.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Ersteinmal den Begriff Kita sanktionieren.
    KinderGÄRTEN braucht das Land mit geschützten Grün und Spielflächen vor und ums Haus. Ein Kinderladen geht vielleicht als Musikschule aber mehr nicht. Weiterhin
    nicht benötigte/genutzte Freiflächen der Seniorenresidenzen dem Betreiber entziehen und KinderGÄRTEN draus machen. Nicht ausgelastete Seniorenheime(Preisstruktur) zu Kinderkrippen umrüsten da die Grundstruktur vorhanden ist. Alt und Jung können von einander lernen.
    Soetwas neu zu denken wiederspricht dem Profitstreben der Heimbetreiber, die bekanntlich exorbitante Renditen versprechen.
    Es kann nicht sein,dass ein wundgelegener"Senior" in seiner Residenz mehr Freifläche hat, als zwei
    bis Sechsjährige in Ihrem Kinderladen, weil der nahe Spielplatz voller Spritzen und Glasscherben ist. Und so weiter usw.

  2. 2.

    Wurde eigentlich die Einwilligung der Eltern eingeholt, dass ihre Kinder als Staffage für die Öffentlichkeitsarbeit der Bildungssenatorin dienen "dürfen"........?

  3. 1.

    Kitaleitungen sind für eine gute Zusammenarbeit des Kitateams sowie für pädagofische Belange und eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern verantwortlich. Dieser Aufgabenbereich kann nicht von einer Bürokraft übernommen werden.
    Man sollte den Kitas nicht durch noch mehr Vorgaben ihre Individualität nehmen.

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