Karina Dörk /CDU (Quelle: CDU Kreisverband Uckermark)
Video: rbb aktuell | 06.05.2018 | Andreas König | Bild: CDU Kreisverband Uckermark

Landratswahl | Uckermark - Dörk wird neue Landrätin in der Uckermark

In der Uckermark war Karina Dörk (CDU) am 22. April nur knapp an der absoluten Mehrheit gescheitert: Landrat Dietmar Schulze (SPD) kam damals nur auf 36 Prozent. In der Stichwahl am Sonntag setzte sich Dörk deutlich durch - und auch das Quorum ist erfüllt.

Im Landkreis Uckermark hat Karina Dörk die Stichwahl um das Landratsamt am Sonntag deutlich für sich entschieden.

Nach Auszählung aller Wahlbezirke kommt die CDU-Politikerin laut vorläufigem Endergebnis auf 67,6 Prozent der Stimmen. Der amtierende Landrat Dietmar Schulze von der SPD erreicht dagegen nur 32,4 Prozent.

Da Dörk 17.918 Stimmen geholt hat, ist auch das Quorum (15 Prozent aller Wahlberechtigten) erfüllt. Es liegt in der Uckermark bei rund 15.600 Stimmen.

Schulze war am Sonntag nur als Zweitplatzierter in die Stichwahl gegangen. Im ersten Wahlgang hatte Dörk 47,7 Prozent aller Stimmen geholt (14.666) und war damit nur knapp gescheitert. Schulze erreichte dagegen nur 36,5 Prozent der Stimmen (11.218). Da keiner von beiden die absolute Mehrheit für sich gewinnen konnte, war die Stichwahl notwendig geworden.

Der 55-jährige Bankangestellte Torsten Gärtner (BVB/Freie Wähler) war als Außenseiter ins Rennen gegangen. Er konnte 15,8 Prozent der Wählerinnen und Wähler (4.846) überzeugen. Insgesamt gaben 31.158 Uckermärker, knapp 30 Prozent aller Wahlberechtigen, ihre Stimmen ab.

Dörk war bereits stellvertretende Landrätin

Dörk war bereits stellvertretende Landrätin in der uckermärkischen Kreisverwaltung, ist dann aber als Bürgermeisterin ins mecklenburgische Strasburg gewechselt. Die 53-jährige Unternehmerin setzt sich für Breitbandausbau, höhere Attraktivität für Wirtschaft und Ärzte sowie besseren Nahverkehr ein. Außerdem möchte sie die Verwaltung anders führen als ihr ehemaliger Chef und etwa Personalentscheidungen zur Chefsache machen.   

Zwar setzte der 65-Jährige Schulze auf massive Präsenz bei regionalen Terminen. Doch seine Zögerlichkeit bei der geplanten Kreisgebietsreform haben ihm möglicherweise einige übel genommen. Als Landrat möchte er seine begonnene Arbeit fortführen:  Ehrenamt, Schulstandorte und Kultur fördern. Auch den Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit und die Verbesserung der Infrastruktur strebt er an. Schulze war Staatssekretär unter Platzeck und wurde 2010 von den Kreistagsabgeordneten als Landrat gewählt.

Kurz erklärt

Stichwahl

Die Stichwahl wird notwendig, wenn ein Kandidat das notwendige Quorum nicht erreicht: 50 Prozent der abgegebenen Stimmen und außerdem mindestens 15 Prozent der Stimmen ALLER Wahlberechtigten eines Landkreises muss ein Bewerber erreichen, wenn er per Direktwahl zum Landrat - oder auch Bürgermeister - gewählt werden soll.  

Ansonsten folgt eine Stichwahl. Hier treten dann die beiden Kandidaten mit den höchsten Stimmenanteilen erneut gegeneinander an, es gilt dasselbe Reglement.

Scheitert auch die Stichwahl (was schon mehrfach vorgekommen ist), bestimmt der Kreistag eine Kandidatin oder einen Kandidaten. 

Die Herausforderungen der Uckermark

Auch wenn sich die Zahlen in den vergangenen Jahren etwas verringert haben: Die  Uckermark im Nordosten Brandenburgs hat noch immer eine Arbeitslosenquote von 12,1 Prozent (Stand: 29. März 2018, Quelle Arbeitsagentur) und liegt damit fast doppelt so hoch wie der brandenburgische Landesdurchschnitt von 6,8 Prozent. Ein Hauptproblem ist vor allem die Langzeitarbeitslosigkeit.

Ein Grund für die Beschäftigungszahlen ist die Randlage: Speckgürtelprobleme kennt man hier nicht. Im flächenmäßig größten Landkreis Brandenburgs mit gut 3.000 Quadratkilometern haben Berufstätige genauso wie Ehrenamtler und regionale Akteure oft weite Strecken zu bewältigen. Hier war der Widerstand gegen die geplante Kreisgebietsreform (die einen Zusammenschluss mit dem Barnim bedeutet hätte) besonders groß.

Drängende Themen: ÖPNV, Breitband und Lehrermangel

Der Ausbau der Infrastruktur, vor allem des öffentlichen Nahverkehrs, ist deswegen die große Herausforderung für die lokale Politik. Zwar gibt es schon einige Erfolge zu verzeichnen: Der durchgehend zweigleisige Ausbau der Bahnlinie Berlin-Stettin wurde endlich beschlossen, eine bessere Taktung ist in Sicht. Doch die Frage, wie man trotz weiter Strecken und wenigen Einwohnern den öffentlichen Nahverkehr (Bus) sinnvoll und verlustarm bewältigt, ist ein Dauerthema. Zuletzt gab es durch die Kreisverwaltung vorgegebene Kürzungen, nun rudert man zurück und will neu planen.  

Funklöcher und schwaches bis nicht vorhandenes Internet sind ebenfalls Alltag für viele Uckermärker. Entsprechend ist der Breitbandausbau ein wichtiges Wahlkampfthema.

Wie überall in Brandenburg ist es vor allem auch in der Uckermark (noch schlimmer ist es wohl in Elbe-Elster) durch die "unattraktive" Berlinferne schwierig, Lehrkräfte und Ärztinnen in die Uckermark zu locken. Die Zentralisierung der Schulämter in Potsdam wird hier sehr kritisch gesehen.
 

die kandidaten

weitere landratswahlen in Brandenburg

Barnim

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Die Frau muss richtige Zukunftsthemen anpacken und junge Leute in die Uckermark holen. Berlin schwächelt gerade an allen Ecken (Verwaltung, Wohnung, Kinderbetreuung, Sicherheit), hier kann doch die vermeintlich unattraktive Uckermark echt Punkten. Ich befürchte durch die Altersstruktur in der Uckermark werden aber eher wieder Rentnerthemen bearbeitet. Die jungen Leute sind die Zukunft, das muss auch mal transportiert werden.

  2. 2.

    Für die Uckermark vorerst genau die richtigen zu bearbeitenden Problemfelder. Da ich Frau Katarina Dörk als ehemalige Stellvertreterin des Landrates kenne, freue ich mich für sie die Stichwahl gewonnen zu haben. Ich bin überzeugt, dass sie die anstehenden Aufgaben im Interesse der Uckermärker lösen wird.

  3. 1.

    Meine Frau und ich freuen uns, dass Sie die Stichwahl gewonnen haben. Wir habe gebangt, ob das Quorum erreicht wird.
    Mit dem Demokratiewillen der Uckermärker steht es anscheinend doch nicht so schlecht. Für Ihre Tätigkeit wünschen wir Ihnen Kraft, Geduld und Weisheit und eine gute Kondition.
    Mit freundlichem Gruß
    Horst Riedel

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