Bürgerbus des Vereins in Belzig (Quelle: Bürgerbus)
Bild: Bürgerbus

Angebote in Berlin und Brandenburg - Fortkommen ohne Auto im Alter - aber wie?

Nach der tragischen Kollision eines 81-Jährigen mit einer Radfahrergruppe in Brandenburg wird wieder über Senioren am Steuer diskutiert. Viele fahren sicher und gut, andere dagegen fühlen sich unsicher und würden den Autoschlüssel gern abgeben - aber welche Alternativen haben sie?

Die Zahl der Verkehrsunfälle, die von älteren Menschen verursacht werden, nimmt zu. Das belegen aktuelle Zahlen des Bundesamts für Statistik bis zum Jahr 2016. "Jenseits der 75 Jahre verursachen Senioren 75 Prozent aller Unfälle, an denen sie beteiligt sind, selbst", konkretisiert der Leiter der Unfallforschung der Versicherer (GDV), Sigfried Brockmann dem rbb.

Er spricht sich deshalb für verpflichtende Fahrtests ab einem bestimmten Alter aus, sogenannte "Rückmeldefahrten", die jedoch nicht direkt den Verlust des Führerscheins zur Folge hätten, sondern den Senioren lediglich Aufschluss über die eigene Fahrtauglichkeit geben. Damit sie eine bessere Selbsteinschätzung bezüglich des Fahrens bekommen.

In einer nicht repräsentativen rbb|24-Umfrage spricht sich die Mehrheit der Befragten allerdings für eine restriktivere Lösung aus: rund 36 Prozent befürworten eine verpflichtende Fahrprüfung für Senioren im Zweijahresrhythmus. Wer sie nicht besteht, sollte den Führerschein abgeben. 

Umfrage: ÖPNV ist nicht gefragt

Die Frage, wie sich ältere Menschen selber fortbewegen möchten, stellte das Brandenburger Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft (MIL) vor einigen Jahren Betroffenen in den beiden Landkreisen Oder-Spree und Uckermark. Dadurch wollte die Brandenburger Landesregierung einen "Leitfaden zur Mobilität älterer Menschen" erstellen, der auf die verschiedenen Möglichkeiten der Fortbewegung eingeht.

Das Ergebnis: Die meisten wollen auf ihr Auto nicht verzichten. Hauptsächlich wegen eines nicht ausreichenden Angebots oder einer grundsätzlichen Ablehnung des Öffentlichen Nahverkehrs. Für viele Senioren ist das Autofahren zudem Bestätigung dafür, sich im Alltag weiterhin selbständig zu bewegen, im ländlichen Raum sind viele darauf angewiesen.

Ideen und Angebote, älteren Menschen den Umstieg von Auto oder Rad auf den Öffentlichen Nahverkehr oder Mitfahrgelegenheiten attraktiver zu machen, gibt es dennoch - auch wenn es noch nicht alle nach Berlin und Brandenburg geschafft haben. Dazu gehören ermäßigte oder kostenfreie Angebote des Nahverkehrs oder Gemeinschaftsverkehrsprojekte:

Auto-Alterantiven für Senioren

  • Kostenfreier Nahverkehr

  • Das Senioren-Ticket des VBB

  • Der Bürgerbus

  • Die Mitfahrerbank

ILLUSTRATION - Ein Hinweisschild mit QR-Code ist am 19.08.2016 an einer Mitfahrerbank (Quelle: dpa/Tittel)
Bild: dpa/Tittel

VCD: Viele wollen den Autoschlüssel nicht eintauschen

Auch Rainer Hauck vom Verkehrsclub Deutschland findet, dass es in Berlin und Brandenburg genug Möglichkeiten für Senioren gibt, den Umstieg vom eigenen Auto auf den Öffentlichen Nahverkehr zu meistern. "Gerade das Senioren-Ticket des VBB kenne ich für diesen Preis und in Anbetracht des verfügbaren Netzes in Deutschland nicht nochmal", so Hauck.

Das Problem sei also nicht, dass es zu wenige Angebote gebe. "Den Autoschlüssel dagegen einzutauschen, davon muss man aber erstmal die Menschen überzeugen - egal in welchem Alter." Das sei in den meisten Fällen sehr schwierig. Deshalb würden viele dieser Alternativen der Mobilität kleine Strohfeuer bleiben.

Sendung: Brandenburg aktuell, 16.05.2018, 19:30 Uhr

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    ÖPNV ist nicht gefragt? Es gibt Gegenden, da ist er schlicht weg nicht vorhanden. Oder völlig unsinnig organisiert. Und dazu muß man nicht mal in die Prignitz oder Uckermark. Ich habe hier zwei Bahnhöfe, die ich mit dem Auto in drei bis fünf Minuten erreiche. Mit den Öffentlichen brauche ich zu diesen Bahnhöfen 46 Minuten bis knapp zwei Stunden! Da fragt man sich doch wer sich sowas ausdenkt.

  2. 6.

    Unfälle passieren eben. Dass jetzt von den Medien ältere Menschen "zerfleischt" werden ist mehr als mies.
    Man muss nicht nur mal überlegen wie schön es doch unsere Nachbarstaaten haben, da zählt der Bürger noch.

  3. 5.

    In den Ländern mit Fahrzest für Senioren sibd die dann doch sicherlich weniger häufig in Unfälle verwickelt. Gibt es dazu Statistiken?

    Der ÖPNV ist in Berlin eigentlich so gut, dass es nur wenige Gründe für ein privates Fahrzeug gibt. Doch schon in den Rabdbezirken wird das Angebot dünner und ist in der Fläche Brandenburgs vielfach unzureichend. Daran ändert auch das Seniorentucket des VBB nichts.

  4. 4.

    Wann wird endlich mit der Hetze gegen ältere Autofahrer aufgehört.Die Unfallursache von Kleine-Mann Koeritz ist nicht geklärt.Aber trotzdem gibt es viele Besserwisser

  5. 3.

    @Marion Heinisch, ich Argumentation machen gar keinen Sinn. Die älteren Menschen riskieren also lieber Unfälle wo zum Teil auch andere Verkehrsteilnehmer verletzt werden können als eventuell komisch im ÖNPV behandelt zu werden. Wenn sie ist haben sie gezeigt das sie nicht mehr über die Verhalten nachdenken können und es muss eine verpflichtende Prüfung alle zwei Jahre geben. Überall gibt es sowas, somit verstehe ich nicht wo das Problem ist außer natürlich die Starke Autolobby, die ihre finanzstarke Gruppe nicht verlieren will. Alles für das Auto ist eh die defivise in diesem Land.

  6. 2.

    Komisch:
    Die Senioren sollen nur wegen ihrer Geburtsurkunde darauf verzichten, mit dem Auto zu fahren, aber die mit der " späten Geburt" dürfen Autorennen auf öffentlichen Straßen durchführen und sich während der Fahrt elektronische Botschaften schicken.

    So ist es recht !!

  7. 1.

    Der Umgang der Generationen miteinander ist häufig alles andere als rücksichtsvoll. Da sitzen junge Frauen und Männer telefonierend in den öffentlichen Verkehrsmitteln und der Senior oder die Seniorin müssen stehen. Nachfragen der Älteren werden unflätig von Ihnen kommentiert. Liebe Realitätsfremde ab ins Berliner Großstadtleben und Augen auf.
    Erst wenn wir dies Problem gelöst haben, werden Senioren gerne bereit sein, auf ihre Vorschläge einzugehen.

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