Archivbild: Studentische Beschäftigte streiken (Quelle: imago/Christian Mang)
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Keine Einigung mit Hochschulen - Studentische Mitarbeiter kündigen Ausweitung von Streiks an

Wer als Student an einer Berliner Hochschule arbeitet, bekommt in der Regel 10,98 Euro pro Stunde. Nach Streiks für mehr Gehalt haben Hochschulen nun Zugeständnisse gemacht. Doch Studenten und Gewerkschaften wollen eine grundlegende Änderung.

Studentische Mitarbeiter werden im Juni wohl wieder auf die Straße gehen statt im Büro zu sitzen: Die Hilfskräfte an Berliner Hochschulen weiten ihre Streiks aus. Das teilten die Gewerkschaften Verdi und GEW Berlin am Mittwoch mit. Geplant sind zwei Wochen vom 4. bis 16. Juni, in denen die Studenten ihre Arbeit niederlegen wollen.

Forderung nach dynmischer Anpassung an Beschäftigte im öffentlichen Dienst

Die Gewerkschaften reagieren damit nach eigenen Angaben auf "eine erneut ergebnislose Verhandlungsrunde am 24. Mai über einen neuen Tarifvertrag für die studentischen Beschäftigten (TVStud)."  Seit rund einem Jahr wird verhandelt. Den Gewerkschaften geht es im Kern darum, die Tariflöhne der Studenten denen der Hauptbeschäftigten anzupassen. Verdi und GEW wollen 14 Euro Stundenlohn, der in Zukunft dynamisch an die Entwicklung im öffentlichen Dienst angepasst werden soll.

Derzeit bekommen die studentischen Mitarbeiter 10,98 in der Stunde - mit Ausnahme der Technischen Universität, wo eine Zulage gezahlt wird: Dort erhalten studentische Hilfskräfte 12,50 Euro.

Die Freie Universität Berlin verteidigt ihre Linie innerhalb einer Verhandlungsgemeinschaft der Hochschulen - darunter auch die Humboldt und die Technische Universität Berlin.

FU: "Mehrere sehr gute Angebote" gemacht

Diese habe mehrere sehr gute Angebote mit deutlichen Verbesserungen der tariflichen Rahmenbedingungen unterbreitet, heißt es schriftlich von Goran Krstin, Sprecher des Präsidenten der Freien Universität Berlin, in einer Antwort an rbb|24. "Hierzu gehört zuletzt u.a. auch die Erhöhung des Stundenlohns von 10,98 Euro auf 12,13 Euro 2018 mit weiteren Anhebungen schrittweise auf 13,04 Euro in den folgenden fünf Jahren, insgesamt also um fast 19 Prozent."

Das letzte Angebot, das am 24. Mai von den Gewerkschaften ausgeschlagen wurde, beinhalte auch eine Verlängerung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall von sechs auf zehn Wochen und eine Erhöhung der tariflichen Urlaubsdauer von jährlich 25 auf 30 Tage.

"Die Tarifentscheidung wirkt sich auf alle Berliner Hochschulen aus, auch auf die kleineren Einrichtungen mit geringerem Haushalt", so Krstin.

Gewerkschaften: "17 Jahre lang gab es keine Lohnerhöhung"

Die Gewerkschaft GEW bestätigte im Gespräch mit rbb|24 das Angebot der Hochschulen. Sie gingen aber nicht weit genug. "17 Jahre lang gab es keine Lohnerhöhung. Wir wollen nicht, dass sich in den nächsten 17 Jahren wieder ein solch skandalöser Lohnverfall aufbaut", so Markus Hanisch von der Gewerkschaft GEW. Außerdem hätten die Arbeitgeber, also die Hochschulen, die Verhandlungen abgebrochen.- und das, obwohl man sich kompromissbereit gezeigt habe: "Wir sind bereit, ein Sonderkündigungsrecht zu vereinbaren, wenn es kein Geld vom Land mehr geben sollte. So könnte eine automatische tarifliche Anpassung ausgesetzt werden."

Angebot eines Sonderkündigungsrechts

Seiner Ansicht nach haben die Hochschulen Angst, sich dauerhaft an Tarife bei den Studierenden zu binden - sollte das Geld vom Land ausbleiben. Deshalb biete man ein Sonderkündigungsrecht an.

Verdi-Verhandlungsführer Matthias Neis teilte mit: "Die Hochschulen behaupten, studentischen Beschäftigten stünde grundsätzlich keine gleiche Behandlung mit der übrigen Belegschaft zu. Besser kann man seine Geringschätzung nicht ausdrücken. Die kommenden zwei Wochen werden zeigen, dass sich die Beschäftigten das nicht gefallen lassen."

Zuletzt hatten die Berliner Studenten im Januar für höhere Gehälter gestreikt.

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7 Kommentare

  1. 7.

    Ich arbeite in einer Bibliothek und niemals könnte ein Student meine ganzen Tätigkeiten machen. Es sind eben nur Hilfskräfte und nicht Leute, die alles von der Pike auf gelernt haben. Unsere Studis können während ihrer „Arbeit“ im Netz surfen, oder sich mit ihren Unikram beschäftigen. Die 3-Tage Regelung (krank sein ohne Krankenschein) wird vorzugweise an den Tagen genommen, an denen man zur Arbeit gehen müsste. Kriegen immer frei wann sie wollen und ansonsten kann man sich ja auch wieder krankmelden oder Dienste tauschen. Unzuverlässigkeit hoch 10. Pünktlichkeit? Warum sollten sie? Pause nehmen obwohl man gar keine hat? Klaro. Man man man...was für Missstände, ja da muss man ja wohl streiken. Da hat es ein Student, der kellnern geht viel schwerer. Ich kenne außerdem viele Leute, die anstrengendere Berufe ausüben und unter 10 €/h verdienen. Wo bleibt da die Gerechtigkeit? Das Angebot der Hochschulen ist doch vollkommen ausreichend. Noch weiter zu fordern ist einfach nur ausverschämt.

  2. 6.

    Sie sagen es, deswegen ist es trotzdem keine erlernte Tätigkeit selbst wenn sie es machen.
    Tarifverträge sind dazu da um die Spreu vom Weizen zu trennen, möchte jemand DEN Lohn oder DAS Gehalt, muss er einen Abschluss bringen, oder langjährige Berufserfahrung auf dem Sektor vorweisen.
    Beispiele Pflegebereiche, Verwaltung, Handwerk, Einzelhandel = Aushilfen werden wie Hilfskräfte bezahlt.
    Wer ungelernt ist, kann auch gar nicht einschätzen ob er absolut die gleiche Tätigkeit macht wie ein Erlernter.
    Sonst könnte ja jeder ein Bachelor oder Master-Gehalt einfordern.
    Ich finde diese Forderungen der Studierenden haltlos.

  3. 5.

    Alles Gründe, die für ein zügigen Abschluss des Studiums sprechen, und für die Kosten von Unterkunft und Lebenshaltung müssen alle Menschen täglich kämpfen. Es gibt genügend Leute, die nicht studieren und sich trotz Arbeit nur das nötigste leisten können. Der Mindestlohn in der Alten- und Krankenpflege beträgt z.B. 10,85 Euro. Das ist Vollzeit und Schichtarbeit, körperlich und seelisch schwere Arbeit - ein Knochenjob! Wie wollen Sie einem hart arbeitenden Menschen denn erklären, dass ein Student nebenbei z.B. 12.00 Euro verdient und die Allgemeinheit dieses letztlich bezahlt. Löhne müssen doch differenzieren, sie müssen Leistung belohnen, aber auch zu mehr Leistung anspornen und z.B. auch zu Qualifikation. Alles über einen Kamm scheren funktioniert nicht, auch wenn ich dafür Verständnis habe, dass jeder gerne möglichst viel haben will. Am Ende muss immer einer die Rechnungen für alles zahlen und das ist - wer hätte das gedacht - der Steuerzahler.

  4. 4.

    Vielleicht haben die Studierenden aber gerade Lust in der Forschung oder Lehre zu arbeiten. Waren soll das nicht ausreichend bezahlt werden?

    Und die Universitäten bekommen ja das Geld schon seit 2010 dafür, wollten es aber nicht den studentischen Beschäftigten geben, sondern zweckentfremden dieses Geld für andere Dinge, obwohl es vom Berliner Senat extra dafür vorgesehen wurde.

  5. 3.

    @Ingolf, die studentischen Beschäftigten machen dort nicht nur Hilfstätigkeiten, sondern viele Tätigkeiten, die eigentlich Festangestellte machen müssten, aber die Universitäten Geld sparen wollen und lieber Studenten einstellen.

    Auch sind die Studiernden zwar nicht fertig mit Ihrer Ausbildung, haben aber mindestens die allgemeine Hochschulereife und teilweise schon einen Bachelor, werden aber von den Universitäten schlechter bezahlt als der TV-L Ungelernte ohne Schulabschluss bezahlt.

    Außerdem müssen die meisten Studierenden nebenbei arbeiten. Oder glauben Sie, dass Eltern einen ausreichend finanzieren kann, wenn schon allein ein WG-Zimmer 400 Euro oder mehr kostet. Der Bafög-Mietzuschuss sind 220 Euro! Können Sie Ihre Kinder mal nebenbei mit 800 Euro unterstützen? Am besten bei mehreren?

    Sprich entweder müssen die Löhne gewaltig steigen oder die Mieten wieder massiv sinken, aber im Grunde werden die geforderten Gehaltssteigerungen gleich wieder von der Miete aufgefressen.

  6. 2.

    Manche Aktionen sind an Frechheit nicht mehr zu überbieten. Ein Student, der in seiner Uni nebenbei auch noch arbeiten kann um Geld zu verdienen... Was will man mehr?
    Man muss bedenken, es handelt sich da nicht um ausgebildete Fachkräfte oder so, sondern um studentische Hilfskräfte, die - und auch dass sollte man nicht vergessen - nebenbei kostenfrei studieren. Auch bedenken muss man, dass die meisten Studenten während ihres Studiums nicht wissen, was sie hinterher eigentlich machen sollen und da sehe ich die Gefahr, dass bei all zu guter Bezahlung der Tätigkeiten während des Studiums dieses aus Ungewissheit über die Zukunft oder der Furcht vor dem, was nach dem Studium kommt, unnötig in die Länge gezogen wird (was ja ohnehin schon jetzt oft genug der Fall ist)
    Ganz abgesehen davon sind Lehrjahre keine Herrenjahre und das gilt nicht nur in der freien Wirtschaft. Haut rein Leute, werdet fertig und erst dann kann die "dicke Kohle" gemacht werden...

  7. 1.

    Ich verstehe die Aufregung nicht! 10,98 ist doch ein angemessener Lohn. Natürlich verdient man in anderen Berufen mehr. Nur wird ja niemand daran gehindert, einfach seinen Facharbeiter zu machen um bspw. auf dem Bau zu arbeiten.

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