Archivbild: 35 Fahrzeuge eines US-Militärconvoys fahren im Mai 2016 für die Saber Strike Übung ins Baltikum. (Bild: imago/Pavel Nemecek)
Video: Aktuell | 15.05.2018 | Bild: imago/Pavel Nemece

Operation "Atlantic Resolve" - US-Panzer und Soldaten werden quer durch Brandenburg verlegt

Einen Monat lang werden Gleise und Autobahnen der Region mit schwerem Gerät befahren: Mehr als 5.000 US-Militärfahrzeuge, Panzer und Truppen sind quer durch Brandenburg unterwegs ins Baltikum und Polen.

Von Ende Mai bis Ende Juni wird es in Brandenburg auf Eisenbahnstrecken und Autobahnen Truppenverlegungen von mehreren tausend US-Militärfahrzeugen geben. Darüber informierten am Dienstag Oberst Olaf Detlefsen vom Landeskommando Brandenburg und der stellvertretende Kommandeur des US-Unterstützungskommando in Deutschland, William S. Galbraight, in Potsdam. "Wir wissen, dass die Stimmung der Bevölkerung hier anders ist, als zum Beispiel in Osteuropa. Darum bemühen wir uns um volle Transparenz und sprechen mit den Behörden vor Ort, welche Route wir nehmen. Es geht uns um Einvernehmen", sagte Galbraight.

Die Truppenbewegungen haben zwei Gründe: Erstens ist die US-Armee seit der Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 im Baltikum und Polen präsent und tauscht alle neun Monate ihre mehrere Tausend Soldaten umfassenden Einheiten und Gerät aus, um den Status einer Stationierung zu umgehen. Zweitens wird in Polen und Litauen die Übung "Saber Strike" abgehalten. Dabei üben rund 20.000 Soldaten aus 19 Nato-Mitgliedsländern.

Um Demonstrationen mache man sich keine Sorgen, hieß es bei den US-Amerikanern in Potsdam. Man sei auch offen für Kennenlerntreffen, wenn eine brandenburgische Gemeinde dies wünsche.

Verkehrseinschränkungen: Konvois mit maximal 20 Fahrzeugen

Mehr als 5.000 Militärfahrzeuge, darunter Panzer und schweres Gerät, sollen von der kommenden Woche an über Brandenburger Gebiet in Richtung Polen, Litauen, Lettland und Estland transportiert werden. Diese Truppenbewegungen sollen nach Angaben von Bundeswehr und US-Army zu 85 Prozent auf dem Schienenweg abgewickelt werden. Mit dem Innenministerium in Potsdam sei abgesprochen, die Verkehrseinschränkungen auf Straßen und Autobahnen so gering wie möglich zu halten. Einzelne Konvois wie auf der A9, A11 und A12 werden maximal 20 Fahrzeuge umfassen. In kleinere Städte, so hofft Detlefsen, werde man sich nicht verirren.

Linke übt Kritik, Woidke wägt ab

Mit den Truppenbewegungen durch Brandenburg würden politische Beschlüsse der NATO umgesetzt, sagen die Offiziere Galbraight und Detlefsen - und unter anderem auch das Recht auf freie Meinungsäusserung verteidigt. Demonstrationen fürchte man nicht. Die in Brandenburg mitregierenden Linke sehen die Truppenbewegungen kritisch. SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke wägt Argumente ab: "Erstens sind wir Bündnispartner in der NATO und Polen kann sich auf uns verlassen." Als zweites führt Woidke an, dass ein intensiver Dialog mit Russland gebraucht werde.  

Als Teil der US-Truppenbewegung "Atlantic Resolve III" nach Osteuropa legen am 20. Mai in Antwerpen drei Schiffe mit 3.500 Soldaten sowie rund 1.400 Fahrzeugen samt Material an.

Sendung: rbb Aktuell, 15.05.2018, 16:00 Uhr.

Kommentar

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14 Kommentare

  1. 14.

    Die Schiffe dürfen / können nicht durch den Nord - Ostsee Kanal wegen der Größe. Mfg

  2. 12.

    Wenn die Polen so gern die Amipanzer im Land haben wolen, warum legen dann nicht die Schiffe in polnischen Häfen an, sondern müssen durch Deutschland rollen?
    Wie wäre es, wenn der größte Teil der amerikanischen Truppen auch endlich Deutschland verlassen würden, so wie es die Sowjets vor 20 Jahren taten?

  3. 11.

    2+4 Vertrag, Art. 5 (3)
    "[...] Ausländische Streitkräfte und Atomwaffen oder deren Träger werden in diesem Teil Deutschlands [die ehemalige DDR] weder stationiert noch dorthin verlegt."

    Protokollnotz zu besagtem Vertrag:
    "Alle Fragen in bezug auf die Anwendung des Wortes 'verlegt', wie es im letzten Satz von Artikel 5 Abs. 3 gebraucht wird, werden von der Regierung des vereinten Deutschland in einer vernünftigen und verantwortungsbewußten Weise entschieden, wobei sie die Sicherheitsinteressen jeder Vertragspartei, wie dies in der Präambel niedergelegt ist, berücksichtigen wird. "

    Ist danach zumindest fragwürdig, ob Ostdeutschland als Transit- und Aufmarschgebiet für US-Truppen dienen darf. Es ist auch relativ offensichtlich, dass es nicht im Geiste des Vertrags ist, dass noch weiter östlich NATO-Truppen stationiert werden, wenn doch der Sowjetunion als Vertragspartner schon zugesichert wurde, dass diese noch nicht einmal in Ostdeutschland stehen dürfen.

  4. 9.

    Es gibt sehr wohl einen grossen Unterschied ! Ich muss sie ja wohl nicht belehren. Es reicht schon aus , wenn man sich mit den Zeitzeugen, z.b Leute aus dem ehemaligen Ostsektor auseinandersetzt.

  5. 7.

    Kleine Korrektur, der Westalliierten.
    Und die Rahmenbedingungen aufgrund des Viermächtestatus waren andere. Aber was die Lebensqualität in Westberlin betraf, volle Zustimmung.

  6. 6.

    Ich weiß gar nicht was ihr gegen die Amis habt ! Oder wäre es besser es rollen russische Panzer durch Brandenburg?

  7. 5.

    Nun gibt es wieder einen Anlass für die deutschen Besserwisser darüber zu befinden was andere Völker zu tun oder zu unterlassen haben.
    Die Innen-und außenpolitischen Angelegenheiten jenseits von Oder und Neiße sind Angelegenheiten des polnischen Volkes.
    Interessant wären die Ergebnisse einer Umfrage, wie die polnische Bevölkerung die Stationierung der US-Tuppen bewertet. Leider erfahren wir in den Medien nur was deutsche Interessenverbände, Politiker oder andere "wichtige Personen" verkünden.
    By the way: Nach Zerschlagung des deutschen Faschismus war die Lebenssituation für 2/3 der Berliner Bevölkerung(Westsektoren) während der amerikanischen Militärregierung (1945-1991)von innerem Frieden,sozialer Marktwirtschaft, geringer Kriminalität, geordnetem Grenzmanagement und großer Freizügikeit geprägt.


  8. 4.

    Hier der Hyperlink zum sogenannten 2+4-Vertrag (Vertrag über die abschließende Regelung in bezug auf Deutschland) vom 12.9.1990 zwischen der BRD, DDR, Frankreich, UK, USA und UdSSR
    http://www.documentarchiv.de/brd/2p4.html

  9. 2.

    Ich darf übrigens nur mal daran erinnern, dass Bedingung für die Deutsche Wiedervereinigung war, dass es keine Osterweiterung der NATO geben wird. Diese Vereinbarung schloss auch das Staatsgebiet der ehemaligen DDR ein. Die NATO-Osterweiterung und die jetzige US-Amerikanische Truppenpräsenz widerspricht dem und provoziert nur unnötig einen Nuklearkrieg. Es gab übrigens auch das Angebot seitens Russlands Königsberg zurückzugeben. Aber das wurde von Genscher damals abgeleht.

  10. 1.

    Frieden schaffen mit immer mehr Waffen. So retten wir den Frieden in Europa. Warum fahren die nicht einfach noch weiter? Das schafft noch mehr Frieden und Vertrauen...

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