Jörg Meuthen, AfD-Bundesvorsitzender, spricht am 02.12.2017 beim Bundesparteitag der Alternative für Deutschland im HCC Hannover Congress Centrum in Hannover (Foto: dpa / Julian Stratenschulte)
Video: Brandenburg aktuell | 04.05.2018 | Michael Schon | Bild: dpa / Julian Stratenschulte

Geplante Podiumsdiskussion am Saldern Gymnasium - Auftritt von AfD-Parteichef sorgt für Diskussionen an Schule

Ein Brandenburger Gymnasium setzt sich gerade intensiv mit dem Thema Demokratie auseinander - außerhalb des Lehrplans: Bei einer schulinternen Podiumsdiskussion soll AfD-Parteichef Jörg Meuthen sprechen. Einigen Schülern ist das ein Graus. Von Bettina Rehmann

Anonyme Flugblätter tauchen im Umfeld des Von Saldern-Gymnasiums in Brandenburg an der Havel auf:  "Keine AfD am Europatag!" fordert ein Flyer, oder: "Zeig Courage und verhindere den Auftritt von Vertreter*innen einer rassistischen Partei", auf einem anderen steht: "Wer nicht handelt, der toleriert die AfD", und weiter: "die demokratische Legitimation der AfD rechtfertigt nicht ihr[en] fremdenfeindlichen Auftritt an unserer Schule".

Ein Aufruf der Gruppe 'Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage' zum Protest gegen die AfD am Europatag (Bild: Anonym)
Anonym an der Schule verteilter Flyer | Bild: Anonym

Worum geht es: Jörg Meuthen, AfD-Parteichef, soll bei einer schulinternen Veranstaltung an einer Podiumsdiskussion teilnehmen. Und ein Teil der Schülerschaft ist dagegen. Allerdings waren es auch Schüler, die ihn überhaupt erst eingeladen haben: Jedes Jahr richtet das Gymnasium, das auch Europaschule ist, den sogenannten Europatag mit Workshops und Diskussionsrunden aus – in diesem Jahr am 9. Mai. Das Orgateam bilden einige Schüler der 11. Jahrgangsstufe, die dazu Politiker aller im Bundestag vertretenen Parteien eingeladen haben. Sie sollen an einer Podiumsdiskussion zum Thema "Macht und Verantwortung - Deutschlands Rolle in Europa in Anbetracht globaler Krisen" teilnehmen.

Zugesagt haben bereits die frühere Oberbürgermeisterin von Brandenburg/Havel, Dietlind Tiemann für die CDU, die Publizistin Anke Domscheit-Berg für Die Linke, der Landtagsabgeordnete Ralf Holzschuher für die SPD, Linda Teuteberg, Bundestagsabgeordnete der FDP, Marie-Luise von Halem, die die Grünen im Landtag vertritt - und für die AfD deren Vorsitzender Jörg Meuthen.

Anonymer Schüler: "Als würde sich die Geschichte wiederholen"

Ein Schüler der Oberstufe, der anonym bleiben will, glaubt, es sei ein Fehler, die AfD einzuladen, besonders deshalb, weil die Schule den Titel "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" trage. Bereits die Einladung zeige Akzeptanz für die intolerante und unmoralische Sichtweise der AfD. Einem Vertreter der AfD in der eigenen Schule zuhören zu müssen, fühle sich an "als würde sich die Geschichte wiederholen" sagt der Schüler emotional aufgewühlt. Es bringe nichts, die AfD einzuladen, wenn man auf unterschiedlicher Werteebene diskutiere.

Das Argument, dass die Partei als stärkste Oppositionspartei in den Bundestag eingezogen ist und nur eine der unterschiedlichen eingeladenen Parteien repräsentiert, lässt er dabei nicht gelten.

Ein Aufruf der Gruppe 'Einhörner gegen AfD' zum Protest gegen die AfD am Europatag (Bild: Instagram)
Instagram-Account gegen Auftritt der AfD bei der Schulveranstaltung | Bild: Instagram

Sorge um anonyme Kritik

Schulleiter Thomas Reuß betont, es gebe selbstverständlich unterschiedliche Meinungen zur Teilnahme der AfD am Europatag an der Schule, "von Zuspruch bis Ablehnung". Aber Meinungsfreiheit sei ein hohes Gut. Die innerschulischen Gremien hätten teilweise kontrovers diskutiert. "Enttäuscht sind vor allem die Organisatoren, dass Kritiker der Anwesenheit der AfD bisher ausnahmslos aus der Anonymität heraus reagieren", sagt der Schulleiter.

Neben anonymen Flugblättern kritisiert auch der Instagram-Account "Einhörner gegen die AfD", hinter dem vier Acht-, bzw. Neuntklässler stehen sollen, den Auftritt von Meuthen an der Schule. Schulleiter Reuß beklagt, dass sich ernsthafte Kritik auch mit Aufrufen vermische, "die sich am Rande tolerierbarer Aussagen bewegen". Die Schule werde alles unternehmen, um die Veranstaltung ungestört durchführen zu können. Dabei liege ihm die Sicherheit aller Teilnehmer am Herzen.

Ein Aufruf zum Protest gegen die AfD am Europatag, dem 09.05. (Bild: Anonym)
Schulleiter Reuß zu Flugblättern: "Aufrufe am Rande tolerierbarer Aussagen" | Bild: Anonym

Schulleiter: Diskussion im Vorfeld "Bereicherung"

Reuß beschwichtigt die Sorgen der Kritiker: Rassistische Äußerungen würden in der Podiumsdiskussion nicht toleriert, es gebe Regeln, an die sich alle Teilnehmer halten müssen. "Sollte es dennoch dazu kommen, besteht gerade darin unsere Aufgabe und die der anderen beteiligten Diskussionsteilnehmer, dem entschieden entgegen zu treten." Mittlerweile werde die Schule zur Vorbereitung der Podiumsdiskussion durch die Landeszentrale für Politische Bildung und den Verein RAA Potsdam Demokratie und Integration Brandenburg e.V. beraten.

Der Europatag ist eine schulinterne Veranstaltung. Für die Teilnahme an der Podiumsdiskussion müssen sich die Schüler anmelden. Vorgesehen ist die Teilnahme für Schülerinnen und Schüler der zehnten und elften Klassen. Die Diskussion um den Europatag bereits im Vorfeld ist aus Sicht von Schulleiter Reuß im Übrigen als "Bereicherung" zu sehen: "Einen besseren 'Unterricht in politischer Bildung' kann es kaum geben."

Sendung: Brandenburg Aktuell, 04.05.2018, 19:30 Uhr

Kommentar

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130 Kommentare

  1. 130.

    Ach, sie nehmen mich ernst, sehr sogar. Sonst würden sie schon längst nicht mehr antworten.

    Vor allen nicht so...

  2. 129.

    Ich hatte ihn mal ernst genommen, aber seine gebetsmühlenhaften Zurechtweisungen, die jeder Grundlage entbehren, die schlussendlich immer damit enden, dass sein politischer Gegner ein Nazi oder mindestens ein Rechtsradikale sei, langweilen.

  3. 128.

    Ist schon der Liebling von rbb24, denn@IchMeinJaNur hat nachgeladen und feuert ein Feuerwerk von polemischen Nebelkerzen ab.
    Schade, ich dachte es kommt mal etwas Neues, als nur die abgedroschen Phrasen.

  4. 127.

    Na das ist doch schön wenn sie mal was anderes mitbekommen was außerhalb ihrer Echokammer ist.

    Sie müssen sie uns dafür nicht einmal danken. ;-)

  5. 125.

    Hätte es nicht gedacht bei dem schönen Wetter, dieses interessante Thema lädt ja immer noch zur Diskussion ein!
    Es gibt hier viele tolle Beiträge zu diesem polarisierenden Thema, denke alle sind gleichermaßen wertvoll. Ausdrücklichen Dank vor allem auch an solche User wie Lothar und IchMeinJaNur! Wie oft habe ich mich gefragt was in den Köpfen dieser Bürger vorgeht, jetzt habe ich eine Vorstellung davon.
    Vielen Dank auch für die gestrige unzensierte Moderation an den RBB, es gibt Hoffnung!

  6. 124.

    Jeep, das Lächerliche passt schon. Sie merken es aber nicht mal. Schönes Wochenende.
    Wird mir jetzt hier zu langweilig und der Moderation wahrscheinlich auch.

  7. 122.

    ICH soll meinen Beitrag den ich selbst verfasst habe nicht verstanden haben?

    Langsam werden ihre Versuche nicht nur immer verzweifelter, jetzt wird es lächerlich.

  8. 121.

    Es ist noch schlimmer als ich dachte...
    Einfach noch mal den eigenen Beitrag lesen und verstehen bitte. Habe ihn extra zitiert.

  9. 120.

    Die Art wie das Wort "demokratisch" von der AfD und deren Anhängern mißbraucht wird nervt nicht nur, sie ist im höchsten Maß demokratiefeindlich.

    Wohin die Tugend Gelassenheit im Zusammenhang mit solchen Parteien führt hat man in der Weimarer Republik spät. 1933 gesehen.

    Und wem die "Realität dem eigenen mühsam zurechtgezimmerten Weltbild" dazwischenfunkt merkt man z.B. wenn ein ranghohes Mitglied dieser "Partei" in Deutschland lebenden Türken pauschal als «Kümmelhändler» und «Kameltreiber» verunglimpft, die in Deutschland «nichts zu suchen und nichts zu melden» hätten.

  10. 119.

    Wann haben sie zuletzt eine Bundestagsdebatte verfolgt? Argumente sind von dieser "Partei" nicht zu erwarten, eher primitive Provokationen.

    https://www.tagesschau.de/inland/afd-bilanz-sechs-monate-101.html

  11. 118.

    Ständige rassistische "Ausrutscher", wie sie keiner anderen Partei passiert empfinden sie demnach als normal?

    Die Verharmlosung der Verbrechen der Wehrmacht auch?

    Das zeugt von ihrem Weltbild und ihrer Einstellung zur Demokratie.

  12. 117.

    Mein Gedächtnis ist nicht so kurz wie ihres.

    Wo habe ich "Schreiber als Geschichtsrevisionisten verunglimpfen" geschrieben?

    Schlechte Aushilfe, das sollten sie nochmal üben.

    Falls sie Mitglieder dieser besagten "Partei" meinen, die kann man nicht verunglimpfen. In dieser Partei tummeln sich eben "Revisionisten, Rassisten, Nationalisten, Chauvinisten und Antisemiten". Das ist Fakt.

  13. 116.

    "Dieses Pseudoargument "demokratie" nervt einfach."
    Tja, so ist das, wenn die Realität dem eigenen mühsam zurechtgezimmerten Weltbild dazwischen funkt.
    Ich empfehle die Tugend: Gelassenheit

  14. 115.

    Endlich mal ein Schulleiter, der Vernunft zeigt und seinen Schülern die Möglichkeit gibt, sich umfassend zu informieren, anstatt blablabla nachzuplappern. Der staatlich finanzierten und inhaltslosen Hetze gegen die AFD muß dringend Einhalt geboten werden. Eine Begriffsklärung was Meinungsfreiheit und eine Begriffsklärung was Rassismus ist, ist dringend geboten. Im Moment werden sie nur als inhaltslose hohle Worte benutzt um zu diffamieren, das ist unfassbar dumm. Es ist ein Geschenk, dass die Politiker der AFD mit großem Sachverstand, Weitblick und Mut die Menschenrechte verteidigen. Und zwar für alle Menschen! Den einen oder anderen Ausrutscher findet man bei jeder anderen Partei auch.

  15. 114.

    Seit die AfD im Bundestag sitzt, lohnt es sich wieder, die Debatten zu verfolgen.... Interessant, wie aus einer öden und rhetorisch oft langweiligen Veranstaltung endlich wieder Leben in die Bude kommt, weil die Vertreter der AfD argumentativ von den Abgeordneten der etablierten Parteien, die endlich ihre argumentativ-rhetorische Wohlfühloase verlassen müssen, widerlegt werden (was leider nicht immer gelingt)!
    Im Kleinen sollte das auch für die Schüler miterlebbar sein (vielleicht sogar aktiv im Auditorium, durch zwei besonders politisch und argumentativ taffe Vertreter).....
    Wir können natürlich auch weiter die unangenehme politische Realität in unserem Land negieren - und schlimmer, sie den jungen Leuten vorenthalten....

  16. 112.

    Jemanden, der schon in der "Elefantenrunde" nach der Bundestagswahl rassistische Ideologien persönlich vertrat, gehört in keine Podiumsdiskussion, die dem Anspruch einer demokratischen Rahmung gerecht werden möchte. Über so jemanden kann man reden, über die Ideologien der Ungleichwertigkeit seiner Partei, aber nicht mit ihm.

    Ich finde es mühselig, immer wieder vorhalten zu müssen, dass zur Demokratie so viel mehr gehört, als lediglich gewählt zu werden. Man schaue sich dazu nur die freiheitlich-demokratische Grundordnung an: Man trifft nicht gerade zufällig auf soetwas wie Menschenrechte und Pluralismus, eben jene Dinge, die Teile der AfD nicht allen Menschen zugestehen.

    Zu Gesellschaftskritik gehört auch, Rechtspopulismus, v.a. in seiner Demokratiefeindschaft, zu benennen u. zu bekämpfen u. nicht etwa, ihn in Schutz zu nehmen. Wer in der AfD ist o. sie wählt, ist nicht zwingend rassistisch, sexistisch, antisemitisch - hat aber keine Probleme, solche Menschen zu unterstützen.

  17. 111.

    Kurzes Gedächtnis? Beitrag #76:
    Zitat: "Diese "Partei" mag bei Revisionisten, Rassisten, Nationalisten, Chauvinisten und Antisemiten respektabel sein.
    Das beweist nicht nur das Personal und die Wählerschaft, alleine schon wie man vor der angeblichen "Masseneinwanderung und der Islamisierung warnt" verrät die Gesinnung, die in dieser "Partei" vorherrscht."
    Damit haben Sie ein paar Millionen Mitbürger genau das unterstellt. Okay, "Geschichts-" hatten Sie weggelassen. Ihr Demokratieverständnis ist genau so inakzeptabel wie das dieser "anonymen" Schüler. Dass Sie meines auch inakzeptabel finden, weiß ich bereits, kann aber gut damit leben.

    @Annabelle: Gern ausgeholfen. :-)

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