Ein voller Mülleimer beim Maifest in Berlin-Kreuzberg (Quelle: imago/Leber)
Video: Abendschau | 17.05.2018 | Robert Holm | Bild: imago/Leber

Beschluss des Abgeordnetenhauses - Berlin soll den Kampf gegen den Müll aufnehmen

Das Berliner Abgeordnetenhaus verlangt mehr Maßnahmen zur Reduzierung des Mülls in der Stadt. Der Senat soll entsprechende Konzepte entwickeln, lautet der Beschluss, den das Parlament am Donnerstag fasste.

Nötig seien mehr Abfallvermeidung und Wiederverwertung, um die Restmüllmengen drastisch zu verringern. Angeregt wird auch ein Modellprojekt, in dessen Rahmen noch funktionsfähige Elektrogeräte, Möbel und andere Haushaltsgegenstände aufgearbeitet, repariert und verkauft werden. Hilfreich seien zudem mehr Abfallberatung und Umweltbildung.

Auch Leihfahrräder seien ein Problem

In der Debatte beklagte die AfD eine ihrer Ansicht nach zunehmende Verwahrlosung der Stadt. "Überall Müll, wohin man schaut. Die Hauptstadt ist nur noch ein jämmerliches Abziehbild ihrer selbst", sagte der AfD-Abgeordnete Frank Scholtysek. Problematisch seien neben dem Abfall auch Leihfahrräder, die auf den Straßen herumliegen.

Danny Freymark von der CDU kritisierte außerdem eine Verschmutzung öffentlicher Gebäude. Den Senat fragte er: "Wie können Sie eigentlich zulassen, dass wir in jedem Bezirk verwahrloste Schulen haben?" Freymark warf der Regierungskoalition Untätigkeit vor. "Googeln Sie mal 'Müll' und 'Linke', da gibt's nichts!", rief er ins Plenum.

"Ja, wir haben ein Müllproblem"

Vertreter der rot-rot-grünen Regierungskoalition betonten, der Handlungsbedarf sei erkannt, und es werde bereits einiges getan. Der Senat habe bereits 35 Millionen Euro für ein Aktionsprogramm "Saubere Stadt" bereitgestellt, sagte Daniel Buchholz von der SPD. Es gehe darum, einerseits für ein stärkeres Engagement der Bürger in ihren Kiezen zu werben und andererseits die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) zu unterstützen. Die BSR werden am 1. Juni die Reinigung von 34 weiteren Parks, Grünflächen und Spielplätzen übernehmen - eigentlich ist das Sache der Bezirke.

"Ja, wir haben ein Müllproblem. Und es gibt Ecken, da wird es schlimmer. Uns geht es um Lösungen", sagte der Abgeordnete Georg Kössler von den Grünen. Man werde unter anderem dafür sorgen, dass es mehr Mülleimer gibt. Außerdem könne schon jetzt jeder Bürger Verschmutzungen beim Ordnungsamt melden. "Eine saubere Stadt ist auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit", sagte Kössler. Gerade Familien mit geringem Einkommen könnten nicht einfach ins Grüne fahren und der Verschmutzung entfliehen.

In Berlin produzieren allein private Haushalte jährlich 1,35 Millionen Tonnen Abfall, die zum Großteil verbrannt werden. Außerdem werden in der Hauptstadt 175 Millionen Einwegbecher pro Jahr verbraucht - das sind 20.000 pro Stunde.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) kündigte jüngst an, dass die Bio-Mülltonne im kommenden Jahr flächendeckend eingeführt werden soll. Der gesammelte Müll soll vor allem zur Gewinnung von Biogas eingesetzt werden. Pflicht ist die Biotonne eigentlich schon seit 2015, festgelegt durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz des Bundes. Doch in Berlin klappt die Einführung vor allem in den Randbezirken nicht.

Die Becherflut

  • geschätzt 170 Millionen Becher werden pro Jahr in Berlin konsumiert, das macht 460.000 am Tag
  • durchschnittlich verbraucht ein Mensch in Berlin somit 49 Wegwerf-Becher jährlich
  • 85 Prozent der Berliner finden, dass To-Go-Becher die Stadt verschmutzen
  • 75 Prozent fordern, dass Einwegbecher extra kosten
  • die Lebensdauer eines To-Go-Bechers beträgt nur 15 Minuten
  • für die Herstellung der in Deutschland pro Jahr verbrauchten Becher werden etwa 43.000 Bäume gefällt

Quelle: Deutsche Umwelthilfe 2017

Sendung: Inforadio, 17.05.2018, 14:00 Uhr

Kommentar

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12 Kommentare

  1. 12.

    Wie eine Stadt sauber wird und bleibt kann man bei tagesschau.de vom 26.04. lesen:
    https://www.tagesschau.de/ausland/singapur-muell-101.html
    Hier könnte Herr Müller mit seiner RRG Koalition richtig Pluspunkte machen!
    Es würde dauern aber es geht alles, man muss es nur wollen!

  2. 11.

    Ein Produkt von "To Go", man sollte hier für "To Go"-Müll erhebliche Steuern ansetzen.

  3. 10.

    Warum werden nicht gesunde Hartz 4 Empfänger dazu verpflichtet oder auch Asyl suchende die Städte, Parks,Wälder sauber zu machen, es ist keine schwere Arbeit, es ist zumutbare Arbeit , man könnte doch einen Anreiz von 2.50 Euro pro Stunde geben, sowie freie Bus & Bahnfahrt sowie ein Essen Gutschein über 3,. Euro Mittagsessen pro Tag, ich glaube das es genug Freiwillige sogar geben wird, für viel ist es doch auch mal eine Abwechslung raus aus der Wohnung, oder Spielhalle/Kneipe, rein in die Natur, es fehlt nur der Wille der Politik oder die Idee, ist das wirklich so schwierig & aufwendig, wer hunderttausend Euro für Krötentunnel übrig hat der sollte hier die Kosten doch für überschaubar halten.

  4. 9.

    Vielen Dank für die guten Kommentare von Larissa und Lars. Ich fühle mich als Berliner seit langem in dieser Stadt nicht mehr wohl. Berlin suggeriert jedem Besucher, dass man hier alles darf und es zum guten Ton in dieser Stadt gehört eine Flasche Bier in der Hand zu halten. Na ja, die Besucher nehmen halt das Verhalten der Berliner an. Man muss sich nur den öffentlichen Nahverkehr anschauen, wo trotz trendigen gelben Verbotszeichen in den Waggons, Bahnhöfen gegessen, getrunken und geraucht werden. Alleine das Umfeld vom U-Bahnhof Hallesches Tor ist mit Graffiti, Bierflaschen, Zigarettenkippen, Spitzbesteck etc. stark verunreinigt. Eigentlich könnte diese Brücke mit den Marmorfiguren über den Landwehrkanal, welche ebenfalls mit Graffiti übersäht sind, ein schönes Aushängeschild für Berlin sein. Das schlimme ist, selbst vielen Berlinern ist der Zustand dieser Stadt egal.

  5. 8.

    Zu diesem Thema aus meiner Sicht nur soviel:
    Konsum- und Wegwerfgesellschaft verträgt sich nur mal nicht mit Natur-, Umwelt- und Gesundheitsschutz!
    Hier läuft seit Jahrzehnten irgendwas schief. Und es stellt sich die Frage "Kohle" oder Charakter. Wann begreift die Menschheit (...und vor allen Dingen unsere Politiker), dass wir nicht mehr so weiter leben können ?! Machen "wir" so weiter, na dann prost Mahlzeit. Und das muss man insbesondere der Jugend und zwar beginnend in der Kita, Schule und im Elternhaus klarmachen (Müllentsorgung in Straßen, Parks, und, und, und ??).
    Um zu dieser Erkenntnis mit etwas Sachverstand zu kommen, muss man nich "links- oder rechtsorientiert" sein, es sei denn, man ist Egomane oder profitorientiert...

  6. 7.

    leider muss ich ihnen in allen Punkten recht geben.
    Ob illegale Müllentsorgung, Umweltbewustsein, Farbschmierereien, Hundekot oder Straßenverkehr. Entgegen allen Umfragen ist die Praxis in dieser Stadt in nahezu allen Lebensbereichen von rücksichtslos egoistischem Verhalten geprägt.
    In der Hauptstadt der Gesetzlosen und Egoisten helfen nur umfangreiche Kontrollen und schmerzhafte Bußgelder. Apelle fruchten nichts. Das zeigen die Zustände im öffentlichen Raum seit Jahren tagtäglich.

  7. 5.

    Umweltbildung...in jedem Klassenraum unserer Schule stehen blaue, gelbe und schwarze Mülleimer. Am Anfang eines jeden Schuljahres wird das gemeinsam mit den Kinder besprochen. Die Kinder nutzen sehr viel Mehrweg, die Eimer sind selten voll. Aber am Ende des Tages sehen die Schüler wie die Reinigungsfirmen alle Eimer in einen Sack leeren.

  8. 4.

    Der Umgang der sogenannten etablierten Parteien mit der Kritik der AFD ist so primitiv wie das Bildungswesen der Stadt. Sie vergessen immer, das sie gefordert sind, sie regieren, die AFD kann noch nur auf die Probleme aufmerksam machen, solange bis sie dann die Regierung bilden wird.

  9. 3.

    Alles nett gemeint, aber fruchtlos.
    Auf jeden Kaffeebecher 1Euro Müllabgabe, und den Fahrradverleihfirmen feste Standorte zuweisen, die auf ihre Kosten zu erschließen sind. Alles was anderweitig steht, auf Kosten der Firmen entsorgen. Dann klappts auch mit dem Müll. Mit der Eigenverantwortung des mündigen Bürgers zu spekulieren, geht erfahrungsgemäß ins Nirgendwo. Bestes Beispiel Verkehrswertes Parken. Leider hilft nur der griff in die Geldbörse.

  10. 2.

    Ich kann nur dazu raten, betroffene Parks, Grünflächen und Spielplätze abzusperren und zu überwachen oder Eintritt zu verlangen. Wenn es Geld kostet, dann kommen diese Vermüll-Menschen nämlich gar nicht erst. Ausserdem sollte man so etwas wie Wegwerfbecher, Plastiktüten oder sonstige Müllverursacher hoch besteuern oder verbieten, damit sich das finanziell nicht lohnt. Mehr fällt mir jetzt erstmal nicht ein. Man sollte auch die Bussgelder erhöhen, dann lohnt es sich mehr zu kontrollieren.

  11. 1.

    Ein Müllproblem in Berlin ?! ... Dazu finde ich die Auffassung des Grünen Kössler fragwürdig.
    >>"Eine saubere Stadt ist auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit", sagte Kössler.<<
    Ganz falsch sage ich. Das Problem ist lediglich Ausdruck von Zivilisation bzw. Charakter.

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