Hausbesetzung in Berlin Neukölln: Aus Protest gegen steigende Mieten, spekulativen Leerstand und Wohnungsnot besetzten Aktivisten an Pfingsten mehrere Gebäude in Berlin. (Quelle: imago/Mang)
Audio: Inforadio | 23.05.2018 | Thomas Rautenberg | Bild: imago/Mang

Experten gehen von niedriger Rate aus - Wohnungsleerstand in Berlin nicht offiziell erfasst

Nach der Besetzung unbewohnter Häuser in Berlin wird über spekulativen Leerstand diskutiert. Experten sagen: Ja, den gibt es - aber längst nicht in dem vermuteten Maß. Ihrer Ansicht nach liegen die Probleme auf dem Berliner Wohnungsmarkt woanders.   

Offizielle Zahlen über leer stehende Wohnungen gibt es in Berlin nicht - das haben rbb-Recherchen ergeben. Das letzte Mal wurden demnach vor acht Jahren leer stehende Wohnungen gezählt: Damals waren es nach Angaben des Amtes für Statistik rund 66.000. Erfasst wurde diese Zahl über die Ablesung der Stromzähler – daraus wurde geschlossen, welche Wohnungen möglicherweise leer stehen. Dieses Verfahren gibt es mittlerweile nicht mehr.

Institut schätzt den Leerstand auf ein Prozent

Das unabhängige Sozialforschungsinstitut Empirica schätzt, dass zurzeit 18.000 Wohnungen leer stehen. Das sei ein Prozent des Bestandes und ganz normal, weil Wohnungen saniert werden, oder Mieter umziehen, sagte Vorstandsmitglied Reiner Braun: "Wenn keine Wohnung leer steht, dann kann auch keiner umziehen. Wir brauchen also einen gewissen Fluktuationsleerstand, und wir bewegen uns hier auf einem Niveau, das nur wenig über dieser notwendigen Fluktuation liegt." Braun betonte, nur zusätzliche Wohnungen könnten das Berliner Wohnungsproblem lösen.

Auch Wibke Werner, stellvertretende Geschäftsführerin des Berliner Mietervereins, sagte, die Annahme, dass jede zweite Wohnung leer stehe, sei nicht richtig: "Das bestätigten die Zahlen einfach nicht." Auch die Anspannung auf dem Wohnungsmarkt spreche dagegen. Diese führe letztlich zu den massiven Mietanstiegen. Die jüngste Besetzung leer stehender Häuser geht nach Ansicht des Berliner Mietervereins an der Berliner Realität vorbei.

Mieterverein: Berlin braucht zusätzliche Wohnungen

Spekulanten, die ihre Wohnungen leer stehen ließen, um beim Verkauf höhere Preise zu erzielen, gebe es natürlich auch, räumt Werner ein. Die machten aber nicht die Masse aus – deshalb sieht Werner keine Notwendigkeit, die gesetzlichen Regelungen weiter zu verschärfen: "Ich denke, weiterer Regelung bedarf es eigentlich nicht, sondern es muss vielmehr die Frage sein, wie man wieder günstige Wohnungen schafft, weil der Leerstand in Berlin nicht das drängende Problem ist, sondern die Frage, dass wir zusätzliche Wohnungen benötigen."

Sendung: Inforadio, 23.05.2018, 06.00 Uhr

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Antwort auf [Puntila] vom 23.05.2018 um 11:43
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2 Kommentare

  1. 2.

    Ja,wir haben verstanden,nur zusätzliche Wohnungen lösen das Problem.. Die Betonung sollte aber auf bezahlbaren Wohnraum liegen.
    Das größere Problem sind doch die Mietpreise,dass eine Wohnung wie eine ganz normale Ware gehandelt werden darf. Es kann einfach nicht sein,dass Mieten jedes Jahr um 10-20 Prozent steigen dürfen. Menschen werden so aus ihrem Wohnraum vertrieben und andere,die umziehen wollen,unterlassen es,weil die neue Wohnung im Verhältnis viel teurer wäre.

    Wer behauptet denn,dass jede zweite Wohnung leer steht? Ich glaube auch nicht,dass es einen großen Leerstand an Mietwohnungen gibt und trotzdem ist jedes ungenutzte Haus eines zu viel.

  2. 1.

    "Erfasst wurde diese Zahl über die Ablesung der Stromzähler – daraus wurde geschlossen, welche Wohnungen möglicherweise leer stehen. Dieses Verfahren gibt es mittlerweile nicht mehr."
    Achso, es gibt es genauere Verfahren a la Pi mal Daumen.
    "Braun betonte, nur zusätzliche Wohnungen könnten das Berliner Wohnungsproblem lösen."
    Wie wäre es mit: Zuzug begrenzen oder Wegzug fördern oder Grundsteuererhöhungen?
    Das Land Berlin hat sehr wohl ordnungspolitische Instrumente.
    Alle freien Flächen zubauen ist ein schlechtes Instrument, weil es die Lebensqualität nicht verbessert; insbesondere bei Verdichtung im Bestand.

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