Teilnehmer nehmen an einer antisemitischen und antiisraelischen Demonstration anlässlich des jährlich stattfindenden al-Quds-Tages teil. Der al-Quds-Tag ruft alle Muslime auf, am letzten Freitag des Fastenmonats Ramadan ihre Solidarität mit dem palästinensischen Volk zu erklären. (Quelle: dpa/Carsten Koall)
Video: Abendschau | 08.06.2018 | Andrea Everwien und Kerstin Breinig | Bild: dpa

Israelfeinde und Israelfreunde ziehen durch die Stadt - Al-Quds-Marsch spaltet Berlin

Über 1.000 Menschen sind am Samstag beim israelfeindlichen "Al-Quds-Marsch" durch Berlin gezogen. Mehrere hundert pro-israelische Demonstranten stellten sich ihnen entgegen. Die Proteste verliefen weitgehend friedlich, die Polizei hielt beide Lager getrennt.

Rund 1.600 Menschen haben nach Polizeiangaben am Samstag in Berlin an dem israelfeindlichen "Al-Kuds-Marsch" teilgenommen. An zwei Gegendemonstrationen beteiligten sich jeweils mehrere Hundert Menschen. Die Proteste verliefen ohne größere Zwischenfälle. Rund 600 Beamte hielten die Demonstrationen getrennt. Laut Polizei nahmen deutlich weniger Teilnehmer an allen Veranstaltungen teil als erwartet.

Im Vergleich zu den Vorjahren sei der Verlauf der Al-Kuds-Demonstration weitestgehend unauffällig gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Lediglich eine Flagge der radikal-schiitischen Hisbollah wurde beschlagnahmt. Am Rande kam es immer wieder zu Wortgefechten zwischen Israel-Unterstützern und -Gegnern. In den vergangenen Jahren war es wiederholt zu antisemitischen Zwischenfällen gekommen.

Im Vorfeld der Versammlungen soll es zu "Plakatierungen, Sachbeschädigungen, Störaufrufen und Versuchen, polizeiliche Maßnahmen zu behindern" gekommen sein, wie die Berliner Polizei twitterte.

Strenge Auflagen für Al-Quds-Demonstration

Die Polizei hatte vorab angekündigt, sie werde "konsequent und mit dem nötigen Nachdruck" darauf achten und durchsetzen, dass antisemitische Parolen unterbleiben. Die Versammlungsbehörde habe zu der Demonstration, an der besonders Palästinenser teilnehmen, strenge Auflagen erteilt.

In den vergangenen Jahren war es bei den Al-Quds-Demonstrationen immer wieder zu antiisraelischen und antisemitischen Zwischenfällen gekommen. Im Dezember hatte die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem zu mehreren Protesten in Berlin geführt, bei denen mehrfach Israel-Fahnen verbrannt wurden - auch in der Folge kam es in Berlin zu antisemitischen Angriffen.

Teilnehmer einer Demonstration in Berlin gegen eine antisemitische und antiisraelische Demonstration anlässlich des jährlich stattfindenden al-Quds-Tages. (Quelle: dpa/Carsten Koall)
Die Gegendemonstranten fordern Solidarität mit Israel. | Bild: dpa/Carsten Koall

Hunderte Gegendemonstranten ziehen zum Breitscheidplatz

Auch deshalb hat sich am "Al-Quds-Tag" ein breites Bündnis aus Gegendemonstranten gebildet, und zwar von links bis rechts. Vertreter aller im Abgeordnetenhaus sitzenden Parteien riefen dazu auf, sich den Gegenprotesten anzuschließen. Am Nollendorfplatz und dem U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße starteten am Mittag zwei Protestzüge. 

Der Grünen-Politiker Volker Beck forderte von den Islamverbänden in Deutschland, sich klar gegen den "Al-Quds-Tag" zu positionieren. Es gehe darum, nicht nur demokratische Spielregeln zu akzeptieren, sondern sie auch aktiv zu verteidigen, sagte Beck zum Auftakt. Die Abschlusskundgebung fand in der Nähe des Breitscheidplatzes statt.

Existenzrecht Israels wird in Frage gestellt

"Al Quds" ist die arabische Bezeichnung für Jerusalem. Der "Al-Quds-Tag" wurde 1979 vom iranischen Revolutionsführer Ayatollah Khomeini ausgerufen und dient dazu, das Existenzrecht Israels infrage zu stellen und den arabischen Anspruch auf ganz Jerusalem zu untermauern. Er findet traditionell am Ende des Ramadans statt.

Behörden konnten Al-Quds-Marsch nicht verbieten

In diesem Jahr wurde der Widerstand gegen den Al-Quds-Marsch durch einen Beschluss des Abgeordnetenhauses zwar unterstützt, jedoch sah sich das Land Berlin nicht in der Lage, den Marsch komplett zu verbieten. Die Anmelder seien einfach "haarscharf am Rande des formal Zulässigen", heißt es in einer Mitteilung der Organisatoren.

Sendung: Inforadio, 09.06.2018, 07.00 Uhr

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64 Kommentare

  1. 64.

    Sehr geehrter Herr Christian K, Entschuldigung, ich vergaß, beizufügen, dass Israel laut eigener Aussage(!) ein durch und durch demokratischer Staat ist. Mit der "gelebten Realität" dieser Demokratie dort haben Sie wahrscheinlich Recht. Ich wollte mit meinem Kommentar aber vor allem darauf aufmerksam machen, dass hier(!) israelfreundliche (also angeblich doch demokratiefreundliche(!)) Menschen auf selbstverständliche demokratische deutsche Grundrechte mit Beschimpfungen, Beleidigungen und Verbotsforderungen reagieren. Warum? Weil Meinungen geäußert wurden (friedlich und gesetzeskonform), die ihnen nicht gefallen. Damit muss man aber in einer Demokratie leben können. Wir erwarten dies mit Recht von allen, egal ob alteingesessen oder neu angekommen, die in diesem Land leben. Ich erwarte mindestens Respekt für unsere Freiheit und Demokratie in diesem Land hier in dem wir hier leben. Ich erwarte dies hierzulande(!) auch von Israelfreunden!

  2. 63.

    Sehr geehrte Frau Andrea,

    seit wann ist Israel ein demokratischer Staat? Demokratie = gleiche Rechte für alle Bürger
    Dem ist leider nicht so da Israel laut eigener Definition ein jüdischer Staat ist welches schon einmal ca. 25% der dort lebenden Menschen ausschliesst, Christen, Muslime etc. was sich in vielen Aspekten des Lebens widerspiegelt.

    Die israelische Gesellschaft an sich ist auch nicht so heterogen wie Sie uns immer präsentiert wird.

  3. 62.

    "Der Zionismus ist ein Hauptglauben im Judentum" ....... seit wann denn das?
    Der Zionismus ist 1897 in Basel als koloniale Siedlerbewegung durch Theodor Herzl gegründet worden und da gab es das Judentum schon ein paar Jahrtausende. Der Hauptfehler welcher sehr oft gemacht wird ist das Israel = Judentum verwechselt wird! Das fängt bei der Bevölkerungsstruktur in Israel an, nur ca. 75%, der dort lebenden sind Juden unterschiedlichster Glaubensausrichtungen und die verbleibenden ca. 25% sind Muslime, Christen etc.
    Bei den jüdischen Bürgern Israels sind ca. 450 000 orthodoxe welche den Staat Israel nicht anerkennen da nach Ihren Vorstellungen dieser entsteht wenn der Messias zurückkehrt und auf den sie vor Ort warten. Die Restlichen ca. 8 Mio Menschen jüdischen Glaubens ziehen ein Leben in der Diaspora vor.

    Sollten Sie sich intensiver mit diesem Thema befassen wollen würde ich Ihnen die Bücher von Noam Chomsky, Abraham Melzer, Uri Avnery und Moshe Zuckermann etc. empfehlen.

  4. 61.

    „ Im Dezember hatte die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem zu mehreren Protesten in Berlin geführt, bei denen mehrfach Israel-Fahnen verbrannt wurden - auch in der Folge kam es in Berlin zu antisemitischen Angriffen.“
    Eine israelische Fahne zu verbrennen ist zunächst einmal keine antisemitische Äußerung und erst recht kein antisemitischer Angriff. Es handelt sich dabei um eine antiisraelische Äußerung. Um einen Angriff gegen Israel handelt es sich ebenfalls nicht. Israel ist ein Staat, in dem überwiegend Menschen jüdischen Glaubens leben.
    Wenn jede Kritk an dem Verhalten Israels als antisemitische Äußerung betrachtet wird, bedeutet das, dass man Israel nicht kritisieren darf. In den USA haben zionistische Juden in einerüberwältigend großen Zahl gegen Israel demonstriert. Es kann ja wohl schlecht sein, dass man diese Demonstration als antisemitisch betrachten kann.

  5. 60.

    Kurz und knapp: Ja!

    Heuchlerisch wird es aber dann wenn man seine Xenophobie noch als Verteidigung gegen den Antisemitismus auslegt.

    Diese Leute können oder wollen nicht verstehen das Antisemitismus nichts anderes wie Rassismus ist. Sie wollen Rassismus mit Rassismus bekämpfen. Das ist krank...oder Kalkül.

  6. 59.

    Ob und inwieweit Sie etwas durcheinander gebracht haben, vermag ich nicht zu beurteilen, weil Sie nicht auf meinen Kommentar von 18.30Uhr eingehen. Mein Verständnis der Demonstrationsfreiheit begründet sich auf Art. 5 und 8 GG, denn ohne Meinungsäußerung und Versammlung kann keine verfassungsrechtlich geschützte Demonstration stattfinden.

  7. 58.

    "Hat Palästina auch ein Existenzrecht?"
    Ja selbstverständlich, die Palästinänsergebiete sind doch autonom. Eine dauerhafte und friedliche, insbesondere aber mit einem eigenen Staat versehene Lösung wird es aber erst geben, wenn sie Israel anerkennen und der Gewalt tatsächlich abschwören. Ich befürchte nur, in unserem Leben werden wir das nicht mehr erfahren. Bis dahin wird die Hamas wohl noch ein paar Generationen indoktrinierter Jugendlicher sinnlos verheizen.

  8. 57.

    Israel ist doch eine Demokratie. Ein demokratischer Staat, durch und durch. Ich verstehe deshalb irgendwie nicht, warum man sich so über ein grundlegendes demokratisches Grundrecht aufregen kann, wie das hier geschieht. Das Recht eine von der eigenen Meinung abweichende Meinung zu äußern und dafür auch zu demonstrieren. Wie groß ist das Verständnis für Demokratie, wenn man sich derart darüber aufregt, diejenigen mit abweichender Meinung als "Judenfeinde" und noch Schlimmeres bezeichnet, und sogar so weit geht, solche selbstverständliche Ausübung deutscher Grundrechte verbeiten zu wollen?

    Haben diejenigen, die sich so äußern, vielleicht ein grundsätzliches Problem mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung Deutschlands?



  9. 56.

    Sie haben Ihren ersten Post, auf den ich erwiderte, doch auf die Mitteilung von Herrn Schmidt (justiceBerlinSonntag, 10.06.2018 | 12:11 Uhr)Antwort auf [Thomas Schmidt] vom 10.06.2018 um 09:06 abgesetzt? Herr Schmidt hatte - so habe ich ihn verstanden - die o.g. Demonstration im Focus und hat seine Meinung dazu geäußert. Habe ich da irgendetwas durcheinander gebracht? Den Unterschied und die Wechselwirkungs* zwischen den einzelnen Grundrechten meinte ich eigentlich im Grundesatz zu verstehen.

  10. 55.

    Zur logischen Erwiderung: Nicht alle, die sich versammeln, handeln in einer Demonstrationsabsicht und nicht jeder, der seine freie Meinung nach Artikel 5 GG äußert, führt eine Demonstration durch. Mit anderen Worten, eine Demonstration entsteht erst durch Versammlung mit Meinungsäußerung.

  11. 54.


    Nur zur Klarstellung:
    Das Demonstrationsrecht ist im GG in Art. 8 geregelt: 
    (1) Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.
    (2) Für Versammlungen unter freiem Himmel kann dieses Recht durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes beschränkt werden.
    Ansonsten gilt das VersG.

  12. 53.

    Falsch mein freund, Zionismus ist eine von die Hauptglauben in Judentum. Zionismus ist die bedarf nach unsere Heligeheimat zurück zu kommen weil gibt es viellen Mitzwot (Gebote) wir können nicht praktizieren solange wir nicht in unsere Heimat leben.

  13. 52.

    Die Grenze des Rechts der freien Meinungsäußerung in Wort, Schrift und Bild (Artikel 5 Abs. 1 GG) ist durch Artikel 5 Abs. 2 Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland festgelegt. Wenn schon in israelfreundliche und -feindliche Demonstranten unterschieden wird, steht zumindest beiden Interessengruppen das Demonstrationsrecht nach Art. 3 Abs. 3 GG zu, weil niemand verfassungsrechtlich benachteiligt werden darf. Es handelt sich also nicht um eine Frechheit, sondern um die Ausübung von deutschen Grundrechten.

  14. 51.

    Danke für Ihre sachliche, kurz aber umfassende Zusammenfassung des Nahost-Problemes, ganz ohne Polemik.
    Es ist erschütternd, welch endloses Gekeife zum Thema Israel in den Kommentarspalten einem die Zeit stiehlt, und vor allem dass diese Gekeife lediglich die internationale Politik und die Haltung der Politiker wiederspiegelt.
    Wo Du freiwillig hingehst, da bist Du dann auch. So beschwere Dich nicht, wenn Du aufs Eis gehst, nimm das richtige Werkzeug mit und Du brichst nicht ein. Oder so halt das junge israelische Volk, das sich in Palästina ansiedeln wollte, wo freilich Menschen lebten.

  15. 50.

    Sehr geehrter Herr Meier,

    da es sich bei dem Plakatträger um einen orthodoxen Juden handelt steht dort wohl etwas anderes!
    Ich würde sagen das Zionismus und Judentum nicht das gleiche ist!

  16. 49.

    Hallo zusammen

    Ein Teil der Kommentare sind echt witzig nur sollten Sie sich den Beitrag noch einmal genauer ansehen!
    Hier demonstrieren Muslime, Christen und Juden zusammen gegen die derzeitige Politik von Israel! Ein orthodoxer Jude hält sogar noch ein Schild auf dem steht das Zionismus und Judentum nicht das gleiche ist.

    Was ich in diesem Beitrag etwas geschmacklos finde ist das ein Deutscher dann den "Oberlehrer" spielen darf und diese Demo als Antisemitisch Brandmarkt, also auch die orthodoxen Juden! Er hätte sich mal lieber mit diesen über Ihre Beweggründe unterhalten sollen um auch einmal den Oberlehrer spielen zu dürfen.

  17. 48.

    Ich finde es echt schwierig mich auf irgend eine Seite zu stellen. Auf der einen Seite möchte ich mich nicht an einer Demo der Hisbollah beteiligen, die Menschenrechtsverletzungen anprangert aber deren Initiatoren kein Problem mit denen von Assad haben. Da müssen die Muslime einfach besser aufpassen, wem sie hinterher laufen. Auf der anderen Seite finde ich Plakate wie "Israel muss sich verteidigen" einfach nur zynisch. Soll das die Antwort auf die Plakate der anderen sein?! Nein Danke, ich bleibe zu Hause.

  18. 47.

    Genozid?
    Was stimmt mit euch "Israel Kritiker" nicht?
    Auf diese Weise und mit diesen Unterstützern, werden die Palästinenser niemals etwas erreichen, nicht auf friedlicher Weise.

  19. 46.

    Die Palästinenser haben schon mehrmals die Chance vertan, auf friedliche Weise ein eigenen Stat zu bekommen.

  20. 45.

    Dann mal bitte prüfen wer wirklich die "Ureinwohner" des Landstriches sind. Und da wird man feststellen das es nicht die "Palästinenser waren. Palästina wird nämlich erstmals zur Zeit der römischen Besatzung erwähnt, die Römer benannten zu der zeit Judäa in Palästina um.
    Die Ureinwohner sind für diesen Landstrich das jüdische Volk.

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