Eine Englisch-Lehrerin einer Grundschule in Frankfurt (Oder) wischt nach dem Unterricht einer 5. Klasse die Tafel ab.
Video: Aktuell | 11.06.2018 | Bild: dpa/ZB/Patrick Pleul

Schuljahr 2018/19 - Berliner Schulen suchen noch mehr als 1.000 Lehrer

2.100 neue Lehrerstellen muss Berlin für das neue Schuljahr besetzen. Bisher sind davon erst 900 vergeben. Um die Lücke zu schließen, will Bildungssenatorin Scheeres vermehrt auf Quereinsteiger setzen.

Berliner Schulen haben weiterhin ein Personal-Problem. 2.100 neue Lehrer werden für das neue Schuljahr gebraucht. Bislang konnten davon jedoch erst 900 Stellen besetzt werden, wie Bildungssenatorin Scheeres am Montag mitteilte.

Die SPD-Politikerin hatte schon vor gut einer Woche gewarnt, dass vermutlich einige Stellen unbesetzt bleiben würden. Derzeit laufen aber noch die Bewerbungsverfahren für Quereinsteiger. 1.000 Anwärter sind zu Gesprächen eingeladen worden. Der Bedarf ist insbesondere in den Naturwissenschaften, in Musik, Sport und in den sonderpädagogischen Fächern groß. An den Grundschulen fehlen zudem Englisch- und Deutschlehrer.

Auch dieses Jahr werden Quereinsteiger gebraucht

In den vergangenen Jahren hatten trotz Schwierigkeiten immer alle offenen Stellen besetzt werden können. 2017 etwa brauchten die Berliner Schulen insgesamt 3.000 neue Lehrer. Zum Schuljahresbeginn Anfang September hatten sich schließlich genug Bewerber gefunden. Viele von ihnen waren Quereinsteiger: Etwa 40 Prozent, 1.247 Personen, kamen aus anderen Berufen an die Schulen.

Berlin setzt auch in diesem Jahr vermehrt auf Quereinsteiger, um das Personalproblem in den Griff zu bekommen. Scheeres will die Lücke auch durch pensionierte Lehrer schließen, die freiwillig weiter arbeiten. Zudem wirbt die Bildungssenatorin dafür, Lehramtsstudenten an den Schulen einzusetzen.

AfD-Sprecher: "Zu spät und ungenügend durchdacht"

Der bildungspolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Franz Kerker, bezeichnete die Pläne der Senatsverwaltung als viel zu spät und ungenügend durchdacht.  "Die Misere ist hausgemacht. Die wachsende Schülerzahl war lange absehbar. Doch wieder einmal wird erst reagiert, wenn der Notstand eingetreten ist. Wenn Berlin im Herbst nicht alle Lehrerstellen besetzen kann, ist der Rücktritt von Senatorin Scheeres fällig", so Kerker. "Hinzu kommt: Selbst eine hunderprozentige Besetzung aller Stellen wäre nicht ausreichend. Erst bei 110 Prozent wären Verbesserungen erwartbar."

Auch die FDP fordert schnelles Handeln von der Berliner Regierung. "Der Senat muss endlich dafür Sorge tragen, dass der Lehrerberuf in Berlin attraktiver wird", sagte Paul Fresdorf, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Dazu gehöre vor allem auch ein "angemessener Arbeitsplatz" sowie ein faires Gehalt und gerechte Altersvorsorge auch für nicht verbeamtete Lehrer. "Es muss schnell und entschieden gehandelt werden sonst ist diese Abwärtsspirale nicht mehr aufzuhalten", so Fresdorf.

Kommentar

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14 Kommentare

  1. 14.

    Es gibt viele erfahrene Rentner, die lange Berufsjahre mitsichbringen und dennoch wird Ihr Wunsch, ein weiteres Jahr zur Arbeit, nicht erfüllt. Andererseits stehen Lehrer deren Verträge über die Ferien nicht verlängert worden auf der Straße.

  2. 13.

    Sehr lustig, ihre Argumentation: Seit wann sind denn Lehrer für die Konzeption der Lehrpläne verantwortlich?????
    Das Schulsystem ist Ländersache, und das gleich 16x in diesem föderalen Land...und Kürzungen der Stundentafel sehen viele Lehrer
    kritisch.... Das bisschen "pillepalle"???
    Ich merke, Sie haben investigativ recherchiert.... ;-)
    Ferien ohne Ende, fettes Gehalt, mittags schultaschenschlenkernd nach Hause... und das bisschen Unterricht vor 30 Schülern aus unterschiedlichsten sozialen Verhältnissen, Herkuenften und Voraussetzungen.... Da reisst man doch locker seine Stunden runter, weil ja auch alle Kinderlein artig und wissbegierig den Frontalisten da vorne anhimmeln....
    Na dann: es werden ja Quereinsteiger gesucht, übrigens auch für Sonderschulpaedagogik..... Das ist so richtig was zum Ausruhen...

  3. 12.

    Das bisschen Pille-Palle?
    Kein Verständnis für Burnout und Resignation?
    Fehlt nur noch der Hinweis darauf, dass Lehrer ja Dienstleister seien und zu funktionieren hätten.
    Was soll das?
    Als Pädagogin, Mutter, Grossmutter und jahrelang ehrenamtlich in Kitas und Schulen aktiv, kann ich nur den Kopf schütteln über solche respektlosen Äusserungen.
    Wer genau beobachtet und selbst mittenmang die veränderten Positionierungen von Eltern, Lehrern und Schulleitungen beobachtet hat weiß, dass man es sich nicht so leicht machen darf.
    Es gibt fürchterlich ignorante und motivationslose Lehrer, auch tendenziell sadistische.
    Das sind aber Ausnahmen.
    Die meisten Lehrer versuchen verzweifelt ihren Unterricht auf einem akzeptablen Niveau zu halten und das meist ohne Rückendeckung der Eltern, die oft versäumen ihre Kinder zu sozialkompetenten und ausbildbaren Menschen zu erziehen.
    In meinen Jahren als Elternvertreterin habe ich hinlänglich begriffen, was das für ein ermüdender Krampf sein kann. Es muss dringend auf allen Ebenen nach neuen und sinnvollen Lösungen gesucht werden. Das hätt's schon längst gemusst.
    Und hört auf auf Lehrern rumzuhacken.
    Ich möchts nicht machen müssen...

  4. 10.

    Das kann ja Ihre Meinung sein.
    Ich beurteile es so wie es mir vorkommt. Ich habe was anderes in unserem Umfeld beobachtet, und sehe wie es bergab an unterschiedlichen Schulen und Gymnasialeinrichtungen geht.
    Und man wundert sich echt über den Kollaps der Lehrer bei dem bisschen Pille-Palle heutzutage.
    Selbst Technologien werden heute immer noch nicht unterrichtet, Informatik Fehlanzeige, Naturwissenschaften werden vernachlässigt, auf das Minimum heruntergefahren, damit die Kinder Halbwissen im Fernsehen konsumieren können.
    Hauptsache Ethik, Religion, Literatur und WWII, Kinder können heute einen Bruchteil von dem was wir mit Leichtigkeit erlernt haben, ergo dass Lehrer überfordert sind erschließt sich mir nicht, tut mir leid, da kann ja nun wirklich bei dem Schnecken-Pensum (fast) jeder mithalten und in den "Beruf" einsteigen... völlig überbezahlt.

  5. 9.

    Ich hazte das große Glück vornehmlich Lehrer und Lehrerinnen zu haben, die ihre Aufgabe mit Leib und Seele gemacht haben. Noch zu einer Zeit, als sich Eltern ihrer eigenen Verantwortung bewusst waren und als es in der Gesellschaft nicht so respektlos zuging wie heute. Bei Treffen mit ehemaligen Schülern und Lehrern ist das auch immer wieder Thema.
    Ich möchte heutzutage nicht Lehrein sein, denn die vorhandenen gesellschaftlichen Probleme können nur mit vereinten Kräften gelöst werden. Die vereinten Kräfte gibts aber nicht und die Lehrer werden alleine gelassen, auch mit der zusätzlichen Unterbesetzung. Schule kann nicht leisten, was Elternhäuser selbst nicht hinbekommen.

  6. 8.

    Es ist immer wieder interessant: nur, weil man/frau eine Schule besucht hat und vielleicht Schulkinder sein/ihr eigen nennt, meint man/frau in der Lage zu sein, den Beruf des Lehrers beurteilen zu können.... Ich bin auch ab und zu beim Arzt, habe Handwerker im Haus und maße mit trotzdem nicht an, undifferenziert einen Berufsstand abzuqualifizieren!! Und das trotz einiger negativer individueller Erfahrungen....!!
    Aber das ist ja auch kein Wunder: Lehrer kann ja jeder!! So nebenbei: sechs Jahre Studium, zwei Staatsexamen, Referendariat,.....
    Und demnächst übernimmt in Berlin der Hausmeister den Wirtschaftsunterricht!!!
    Noch was zum "Burnout": es sind meist die bis zur Selbstaufgabe Engagierten betroffen, deren Engagement teilweise auch an ihren Schulen massiv ausgenutzt wird, die viele Aufgaben übernehmen (müssen) - im Prinzip unentgeltlich, denn in Deutschland wird man als Lehrer für die Unterrichtsstunden bezahlt!! Wer zusätzlich Schülerexkursionen organisiert, an Schülerwettbewerben teilnimmt, Verwaltungsaufgaben zu stemmen hat, Klausuren kontrolliert, das Abitur abnimmt,.... Elterngespräche sucht... und so nebenbei insgesamt bis zu 30O völlig unterschiedliche Schülerpersönlichkeiten (oft auch Mal "Un"persönlichkeiten) unterrichtet, der kann "brennen" und eben auch "ausbrennen". Da reicht pro Klasse ein einziger Schüler, um Unterricht fast unmöglich zu machen.... Hinzu kommt of verbale und körperliche Gewalt (auch von Eltern, die sich einen ",Dreck" um ihren Nachwuchs kümmern)!
    Und.... Lehrer haben wenig Sanktionsmöglichkeiten, erfahren oft zu wenig gesellschaftliche Unterstützung - von den Schulbehörden ganz zu schweigen.....Und ja: es gibt, wie in jeder Berufsgruppe, auch hier wenige, das Geld, was sie erhalten, nicht "verdienen"!!
    In Finnland gab es vor Jahren zehn Bewerber auf einen Lehramtsstudienplatz ... Irgendwie komisch, nicht wahr...

  7. 7.

    Das Schuljahr beginnt deutlich früher als letztes Jahr. Dadurch schaffen vermutlich viele Lehramt-Masterstudent*Innen den direkten Übergang in die Schule nicht, weil die Unis die Zeugnisse nicht rechtzeitig ausstellen können. Nachreichung des Masterzeugnisses auch nach Vereidigungstermin wäre eine gute Sache. Vorher nur Bescheinigung, dass Master bestanden ist.

    Außerdem sind letztes Jahr vielleicht viele Quereinsteiger abgeschöpft worden, der Markt ist leer.

  8. 6.

    Das Problem des Lehrermangels und mit den Schulausfällen ist schon seit 20 Jahren in der BRD präsent.
    Es kommt nichts mehr lehrplanmäßig rüber, es wird im untersten Niveau unterrichtet, damit alle Klasseninsassen halbwegs gemeinsam auf der Stelle rudern. Der schlechteste zieht den begabtesten Schüler herunter.
    Die Eltern wundern sich andauernd über unbenutzte Schulbücher.
    Ansonsten ist bei Lehrern frei wegen Psychose & Frühpensionierung angesagt. Wenn Lehrer nicht belastbar sind, wozu haben sie das studiert? Ich dachte gerade das macht eine Lehrerausbildung unverzichtbar?!
    Menschen mit Berufsabschluss sollten als Lehrer in den unteren Klassen völlig ausrechen, dafür gibt es genug prädestinierte Bundesbürger, die mehr im Kopf oder Lebenserfahrung haben als politisch zurechtgebogene Lehrer-Newbies um den Schülern eine Gehirnwäsche zu verpassen, das ist wenn überhaupt Sache der Eltern.
    Wann wir wieder unterrichtet?

  9. 5.

    Die Stadt wächst nicht erst seit RRG. Es wurde jahrzentelang versämt Lehrer auszubilden. Schulen, Strassen, S-Bahnen, Strassenbahnen, Radwege usw entstehen auch nicht mal eben durch Fingerschnippsen. Und der knappe Platz wird nicht durch einen Wechsel der Regierung auf einmal wundersam mehr.

    Was allerdings mal getan werden sollte ist die Anzahl der Studienplätze in Berlin in der Breite und insbesondere im Lehrerberuf zu erhöhen. Auch braucht es mehr Uni-Gebäude.

    Und wenn wir schon dabei sind, die Schulen brauchen einen Sicherheitsdienst. Wir wissen doch alle, warum Lehrer burn-outs usw haben heutzutage. Am besten landeseigen. Denn die Tarifverträge der privaten Sicherheitsdienste sind menschenunwürdig.

  10. 4.

    was hört man denn da, Regelunterricht gesichert, 4TSD Stellen in Teilungsunterricht, Sprachförderung und Inklusion (!) kann man überdenken....äh, was hab ich verpasst, weil die Inklusion ohnehin nicht funktioniert, sparen wir sie ein ?
    Das ist ja wohl das allerletzte Frau Sernatorin....

  11. 3.

    Also den Grundschulabschluss habe ich. Wann kann ich anfangen?

  12. 2.

    Die FDP weiß ALLES besser von BER bis Lehrer etc., egal ob im Land Berlin oder als "Lindner-Liste im Bund. Macht sich aus der Oposition auch immer gut, vor Allem wenn man sich der Verantwortung des mitregierens aus fadenscheidigen Gründen verweigert hat.
    Unbesetzte Lehrerstellen sind in Berlin leider schon länger Standart. Wie bei allen Stellen und Üositionen reicht auch nicht die Finanzierung sondern man muss auch geeignete Kandidaten/innen für. Beim Lehrerberuf besonders wichtig. Wer ständig lobt, dass diese Stadt wächst, sollte sich auch der Folgen bewusst sein und rechtzeitg und weitsichtig handeln. Daran hapert es in Berlin leider in allen Verantwortungsbereichen von RRG.

  13. 1.

    Was meint der FDP Mann Paul Fresdorf mit „faires Gehalt“ ? Neueinsteiger mit 2. Staatsexamen beginnen ihre Berufstätigkeit mit 5.300,-€ Arbeitnehmerbrutto. Was ist daran unfair ? Fragen Sie die alten Kolleginnen und Kollegen, mit welchem Gehalt die ihren Job begannen.
    Einen Arbeitsplatz als Lehrer habe ich zu Hause. Hier habe ich alle Materialien, einen Drucker/Scanner/Kopierer, einen digitalen Arbeitsplatz und meine Ruhe. Ich will nicht in der Schule vor- und nachbereiten müssen. Wieso glaubt dieser Mann von den Arbeitsbedingungen und Wünschen der Lehrer zu wissen?

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