Die Urne mit der Asche eines Toten steht in einer Kapelle (Quelle: dpa/Friso Gentsch)
Video: Brandenburg aktuell | 27.06.2018 | Ismahan Alboga | Bild: dpa/Friso Gentsch

Bestattungsgesetz-Novelle abgelehnt - Brandenburgs Landtag will keine Diamanten aus Totenasche

Nirgendwo in Deutschland darf Totenasche aus der Urne entnommen werden. Die Brandenburger Regierung wollte mit diesem Tabu brechen - der Landtag hat aber anders entschieden. Und: In Zukunft sind nur noch fair gehandelte Grabsteine zugelassen.

Mit knapper Mehrheit hat der Brandenburger Landtag entschieden, dass sich Angehörige auch künftig keine Erinnerungsstücke aus Totenasche fertigen dürfen. 40 Abgeordnete stimmten am Mittwoch im Landtag gegen einen Gesetzentwurf der Landesregierung, der Angehörigen erlauben sollte, aus einer geringen Menge der Asche von Verstorbenen etwa Erinnerungsdiamanten pressen zu lassen.

Aus Respekt keine Dinge aus Menschen machen

Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) hatte den Regierungsentwurf damit begründet, dass sich Angehörige zunehmend solche Erinnerungen an die Verstorbenen wünschten. Dagegen erklärten Abgeordnete mehrerer Fraktionen, im Hinblick auf Respekt und Würde dürften aus toten Menschen keine Dinge gemacht werden.

Die Abstimmung war von den Fraktionen freigegeben worden, weil es sich um eine Gewissensentscheidung handele. Für das weitere Verbot der Entnahme von Totenasche stimmten 40 Abgeordnete, 31 stimmten dagegen. Sechs Abgeordnete enthielten sich. Ursprünglich sollte die Abstimmung erst am Freitag stattfinden, dieser Termin war aber nur sicherheitshalber anberaumt worden - für den Fall, dass es am Gesetzestext noch wesentliche Änderungen gegeben hätte. Das sei aber nicht der Fall gewesen, sagte der Pressesprecher des Landtags, Mark Weber, am Mittwoch rbb|24. "Ich gehe davon aus, dass eine dritte Lesung nicht mehr erforderlich ist."

Bestattungspflicht für Fehl- und Totgeburten ab 500 Gramm

Die Abgeordneten plädierten zudem mit großer Mehrheit dafür, anders als im Gesetzentwurf ursprünglich vorgesehen eine Bestattungspflicht für Tot- und Fehlgeburten bereits ab einem Gewicht von 500 Gramm einzuführen. Bisher gibt es eine Bestattungspflicht ab einem Gewicht von 1.000 Gramm. Eine abschließende Entscheidung des Landtags über das neue Bestattungsgesetz steht am Freitag auf der Tagesordnung. Die geplanten Neuregelungen sehen unter anderem vor, Beisetzungen in Mausoleen und Zubettungen in bestehenden Gräbern zuzulassen sowie Bestattungen nach jüdischer und islamischer Tradition zu erleichtern.

Nach einer ernsten und nachdenklichen Debatte über ethische Fragen des Umgangs mit Gestorbenen sprach sich der Landtag am Mittwoch überraschend auch für einen Antrag der oppositionellen Grünen-Fraktion aus, nur noch Grabsteine zu verwenden, die nachweislich aus fairem Handel stammen und ohne ausbeuterische Kinderarbeit hergestellt wurden. Für den Antrag stimmten 38 Abgeordnete, 31 votierten dagegen. Der Grünen-Fraktion gehören sechs der insgesamt 88 Landtagsabgeordneten an.

Brandenburger Landtag stimmt am 27.06.2018 über das Bestattungsgesetz ab (Quelle: rbb/Dominik Lenz)
Der Brandenburger Landtag stimmt über das Bestattungsgesetz ab. | Bild: rbb/Dominik Lenz

Insgesamt sechs Änderungsanträge auf Tagesordnung

In der Debatte über die mögliche Entnahme von Totenasche zur Anfertigung von Erinnerungsgegenständen wie künstlichen Diamanten betonten verschiedene Abgeordnete, dies verstoße gegen die Menschenwürde. Dadurch werde "aus einem Menschen eine Wertsache gemacht", kritisierte der CDU-Abgeordnete Sven Petke. Damit drohe eine "Privatisierung des Toten", kritisierte die SPD-Politikerin Klara Geywitz.

In Patchworkfamilien bekomme so die letzte Familie des Toten gewissermaßen ein Recht auf den Leichnam. Der Friedhof als Ort der Trauer für alle sei eine große kulturelle Errungenschaft.

Für Mittwoch waren kurzfristig insgesamt sechs Änderungsanträge zu dem Gesetzentwurf auf die Tagesordnung gesetzt worden. Darunter waren je ein Antrag von Grünen, CDU und AfD sowie drei fraktionsübergreifende Anträge. Ausgangspunkt der Gesetzesnovelle waren Bemühungen des Stahnsdorfer Südwestkirchhofs, des größten evangelischen Friedhofs in Deutschland, zur Förderung des Erhalts denkmalgeschützter Mausoleen dort Bestattungen von Grabpaten zuzulassen.

Kommentar

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17 Kommentare

  1. 17.

    Ich betone jetzt mal: das GEWISSEN des Abgeordneten soll darin bestehen, den WÄHLERWILLEN -oder besser: die mehrheitliche Meinung der Wähler- durchzusetzen und sich dabei nicht von Geld, Worten oder evtl. Drohungen abhalten zu lassen. Die persönliche Meinung eines Abgeordneten war noch nie Thema im Wahlkampf, da zählt immer nur das Parteiprogramm und wie sich als mögliche Volksvertreter "verkaufen".
    Wo in meiner Anmerkung erkennen Sie, daß ich behaupte, den Wählerwillen in allen Wahlkreisen zu kennen? Ich habe gefragt, wann und wo welcher Abgeordnete in seinem Wahlkreis Bürger zu diesem Thema befragt hat.

  2. 16.

    Es geht überhaupt nicht um die Toten.
    Deren Existenz endete schließlich mit dem Tod, danach ist nichts.
    Es geht nur um die Befindlichkeiten der Lebenden, und denen sollte selbst überlassen werden, ob und wie sie gedenken möchten.
    Wer also Omas Urne im Garten begraben möchte, sollte das tun dürfen. Wer die Asche irgendwo verstreunen will, dem sollte das gestattet sein. Und wer sich gern einen Diamanten pressen ließe, dem sollte das ermöglicht werden.

  3. 15.

    War zu erwarten, es geht um viel Geld . Ein Volksentscheid würde wahrscheinlich zu einem anderen Ergebnis führen,aber da man dies weiß, haben unsere "Volksvertreter" nach Ihrem Gewissen entschieden. Hoffentlich auch den Versuchengen der "Bestattungsmafia"

  4. 14.

    Doch, genauso das bedeutet es. Denn ein Gewissen ist dem einzelnen Menschen eigen, oder sollte es bei Ihnen tatsächlich anders sein? Das ist auch der Sinn der Erststimme, dass die Wähler*innen einen Menschen auswählen, dessen Urteil sie auch in Gewissensfragen weitgehend vertrauen. Und es ist auch der Sinn von Vertretungsdemokratie. Aber schön, dass Sie in allen Wahlkreisen den Willen aller Wähler*innen kennen. Ansonsten könnten Sie ja nicht eine derart pauschale Kritik abgeben.

  5. 13.

    Damit werden die Angehörigen und alle Beteiligte weiter gezwungen es heimlich zu machen. Schade dass der Gesetzgeber hier mal wieder die gelebte Realität nicht sieht und gegen den Bürgerwillen entscheidet. Warum wird hier nicht mal der Bürger gefragt?

  6. 12.

    "Gewissensentscheidung" bedeutet nicht, daß der Abgeordnete nach seiner persönlichen Meinung abstimmt. Es bedeutet, daß er nach dem Wunsch und Willen seiner Wähler die Stimme abgibt und sich davon durch nichts abbringen läßt. Welcher Abgeordnete hat bei den jeweiligen "Gewissensentscheidungen" vorher in seinem Wahlkreis die wahlberechtigten Bürger nach deren Meinung befragt?

  7. 11.

    Und was ist mit fair gehandelten Rohstoffen für die Akkus unserer Handys, Laptops.... Da gehen in Afrika kleine Kinder in die Minen und holen das Zeug für uns raus und keiner kräht danach. Fair gehandelte Grabsteine, ich lach mich kaputt...typische Symbolpolitik!

  8. 10.

    Politik soll das Zusammenleben der Bürger regeln und dieses geregelte Zusammenleben begleiten und schützen. Mehr nicht. Da ist auch noch genug zu tun. Doch lieber maßen sich diese Politiker an, uns vorzuschreiben, wie wir mit Omas Asche umzugehen und welche Grabsteine wir zu setzen haben. Und das wird dann auch noch als Sternstunde der parlamentarischen Demokratie gefeiert. Ich glaube es einfach nicht.

  9. 9.

    Darf ich dann auch keine Haarsträhne meiner Mutter oder meines Mannes als Erinnerung aufheben? Ist doch eben solches "Material" eines Menschen, was auch in der Asche landen würde.

  10. 8.

    Die meisten Friedhöfe stehen unter kommunaler Verwaltung, nicht unter kirchlicher. Wer die Friedhofsgebühren kennt, weiss, dass es kein Gewinngeschäft ist, eher das Gegenteil ist der Fall.

  11. 7.

    Da stimme ich Ihnen voll zu. Friedhofsgärten sind zum Großteil Kircheigentum und wer darauf bestattet wird oder ist, hierfür wird eine Gebühr erhoben. Diese verfällt meistens nach zehn Jahren und muß dann“ aufgefrischt „ werden. Tut man dies nicht kommt an gleicher Stelle ein neues Grab drauf. So kenne ich das von der kath. Kirche. Bei meiner Mutter ist dies so geschehen.
    Bei einer Beerdigung verdienen in erster Linie die Bestattungsinstitute daran. Aber von einer Bestattungsmafia halte ich wenig, denn jedem Angehörigen ist es überlassen zu entscheiden wer von diesen Firmen den Auftrag erhält. Manche lassen sogar ihre Verstorbenen nach Holland oder die Schweiz bringen, weil es da preiswerter ist und wesentlich unkomplizierter.

  12. 6.

    Friedhofsgebühren? Was glauben Sie, warum Kirchen aber auch Kommunen so verbissen am Friedhofszwang festhalten wollen?

  13. 5.

    An der Bestattung eines Toten verdient die Kirche im Normalfall garnix. Selbst eine Trauerrede durch einen Pfarrer kostet nichts.

  14. 4.

    "...Es brauche neue Formen bei der Bestattung - denn die Hinterbliebenen würden das erwarten..."

    Meine verstorbene Mutter wollte zu Lebzeiten nie in einem Grab bestattet werden. Ihr Wille war es, dass ihre Asche in einer Gegend, zu der sie eine innige Beziehung pflegte, verstreut wird. Dank des Krematoriums, in dem sie kremiert wurde, konnten wir ihren großen Wunsch, wenigsten zu einem kleinen Teil, erfüllen.

  15. 3.

    Die Kirchen sind doch nur dagegen weil Ihnen Einkünfte in beträchtlicher Größenordnung verloren gehen können.

    Die Bestattung eines totgeborenen Kindes ist in Thüringen möglich, ich kenne einen Fall.

    Und was spricht dagegen wenn jemand einen geliebten Menschen in Form eines Diamanten behalten möchte? In der Schweiz wird das gemacht. Ist wohl auch nicht ganz billig.

    Das Letzte was trauernde Angehörige brauchen sind unnötige Vorschriften darüber wie man gefällst
    damit umzugehen hat.

  16. 2.

    Alles gehört den Götter*n und Göttin*en - nichts kann einem Menschen gehören! Wir sind nur kurz hier und nehmen nichts mit. Die Kirchen dürfen alle Zäune abbauen und die Ländereien wieder der Allgemeinheit zurück geben zur freien Nutzung für alle. Bitte auch alle Gotteshäuser zur freien Nutzung offen lassen.

  17. 1.

    Diese Gesetzesänderung ist mehr als überfällig. Gelebt wird diese Praxis schon seit Jahren. Habe es im letzten Jahr selber erlebt, der Bestatter bot eine Entnahme kleiner Mengen Asche für eine ganz kleine Urne an. Für unsere Schwiegermutter war dies eine kleine Erlösung, so konnte ein Wunsch unseres Schwiegervaters entsprochen werden.

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