Der Hinterhof der Bremer Höfe in Berlin-Prenzlauer Berg (Quelle: rbb/Annika Klügel)
Audio: radioeins, 18.06.2018, Hendrik Schröter | Bild: rbb/Annika Klügel

Freiheitspreis für Bremer Höhe - Eine Genossenschaft wird zum Vorbild auf dem Wohnungsmarkt

Wie hoch müssen Mieten eigentlich sein, damit Mieter und Vermieter gut damit leben können? Eine kleine Berliner Genossenschaft macht das seit Jahren vor - fair und trotzdem wirtschaftlich. Dabei war ihre Gründung eine reine Notreaktion. 

Die Berliner Wohnungsbaugenossenschaft Bremer Höhe ist mit dem Freiheitspreis des Domstifts Brandenburg an der Havel ausgezeichnet worden. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert.  

Wolfgang Huber, Leiter der Jury, sagte der Nachrichtenagentur epd, die Preisträgerin zeige auf eindrucksvolle Weise, wozu Genossenschaften imstande seien. Gerade in der Region Berlin-Brandenburg stünden beim Thema Wohnen viele Menschen vor unlösbaren Fragen. Der Umgang mit Wohnraum sei deshalb ein besonders wichtiger Prüfstein.

Kein Profitstreben

Ulf Heitmann, der dem Vorstand der Bremer Höhe angehört, sagte dem rbb, dass seine Genossenschaft gar nicht so viel anders mache als andere. "Wir machen vielleicht ein bisschen mehr. Wir waren eine der ersten, die den Schritt gemacht haben von Berlin nach Brandenburg. Im Jahre 2010 haben wir dort das ehemalige Stadtgut Hobrechtsfelde erworben und sanieren es seitdem denkmalgerecht [...], aber letztendlich auch zu relativ moderaten Preisen", so Heitmann im radioEins-Interview. "Wir vermieten dort die Wohnungen zwischen fünf Euro und sieben Euro netto kalt. Haben Regelungen für soziale Härtefälle."

Grundlage für solch niedrige Mieten sei, dass die Bremer Höhe Grundstücke möglichst günstig erwerbe und sich anschließend mit den Mietern über die Kostenbeteiligung für die Instandsetzung einige. "Wir legen, anders als das andere Private vieleicht machen, nicht elf Prozent der Kosten auf die Miete um", so Heitmann. Stattdessen betrage die Miete etwa fünf bis sechs Prozent der Modernisierungskosten.

Derzeit würden kleine Wohnungsgenossenschaften wie die Bremer Höhe allerdings unter den rasant steigenden Grundstückspreisen in Berliner und dem Berliner Umland leiden. Heitmann forderte deshalb, dass die Politik Wege finden müsse, um ähnliche nicht-profitorientierte Projekte zu fördern.

Ein Zug der Berliner U-Bahn fährt über eine Brücke an der Ecke Pappelallee und Danziger Straße (Quelle: imago/Schoening)
Die Bremer Höhe liegt mitten im Herzen von Prenzlauer Berg zwischen Schönhauser Allee und Pappelallee | Bild: imago stock&people

Das eigene Zuhause den Investoren weggeschnappt

Die Wohnungsbaugenossenschaft Bremer Höhe wurde im Jahr 2000 gegründet und war eine Reaktion auf den drohenden Verkauf der Bremer Höfe zwischen Schönhauser Allee und Pappelallee in Prenzlauer Berg. Um zu verhindern, dass ein privater Finanzinvestor den das Areal übernehmen könnte, gründeten die Bewohner eine Genossenschaft und kauften die im Kiez bekannten roten Backsteingebäude selbst.

Die Genossenschaften ist nicht profitorientiert und beschreibt sich selbst mit den Begriffen Selbsthilfe, Selbsverwaltung und Selbstverantwortung. Stattdessen sollen die Bewohner dauerhaft von stabil günstigen Mieten profitieren können.

Unter Schirmherrschaft des Bundespräsidenten

Der Preis wird von der Deutsche Bank AG gemeinsam mit dem Technologiekonzern ZF Friedrichshafen gefördert. Schirmherr ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Vorsitzender der fünfköpfigen Jury ist Huber, der am Domstift Brandenburg als Domdechant tätig ist.

Seit Oktober hatte das Domstift der Stadt Brandenburg an der Havel nach Personen, Instituten oder Unternehmen gesucht, die "in dem Spannungsfeld von wirtschaftlicher Freiheit und gesellschaftlicher Verantwortung vorbildlich" handeln.

Das Domstift Brandenburg ist eigenen Angaben zufolge die älteste Institution des Bundeslandes mit einer mehr als 850 Jahre währenden Tradition. Zu ihren Aufgaben gehören die Erhaltung und zeitgemäße Nutzung des umfangreichen historischen Gebäudeensembles aus Dom, Klausur, Kurien und Nebengebäuden.

Sendung: radioEins, 18.06.2018, 11.40 Uhr

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Schön so etwas auch mal zu lesen, es zaubert einem doch gleich mal ein Lächeln ins Gesicht. Also geht es doch.

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