Zelle im früheren Stasi-Untersuchungsgefängnis in Berlin-Hohenschönhausen. (Quelle: Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen/Gvoon)
Bild: Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen/Gvoon

Streit in Hohenschönhausen - Stasi-Gedenkstätte kündigt Kooperation mit Förderverein

Der Leiter der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen im ehemaligen Stasi-Gefängnis, Hubertus Knabe, hat die Zusammenarbeit mit dem Förderverein vorläufig beendet. Er sehe mit Sorge die vermehrten inneren Konflikte in dem Verein, schrieb Knabe an den Vorsitzenden des Fördervereins, Jörg Kürschner. Diese Auseinandersetzungen schadeten auch der Gedenkstätten-Stiftung. Zuvor hatte die "Berliner Zeitung" (Mittwoch) berichtet.

Knabe betonte am Mittwoch, der Verein sei eine private Vereinigung, die unabhängig von der Gedenkstätte agiere. Er hoffe, dass sich der Verein "wieder auf seinen eigentlichen Auftrag besinnt, die Gedenkstätte zu unterstützen", hieß es in der Mail des Historikers an den Vereinsvorsitzenden weiter.

"Nicht hinnehmbares Politikum"

Hintergrund soll nach Medienberichten die AfD-Nähe von Kürschner sein. Der promovierte Jurist schreibt für die rechtsgerichtete Wochenzeitung "Junge Freiheit". Kürscher war bislang für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Laut "Berliner Zeitung" nahmen an Kürschners Äußerungen und Verhalten sowohl der Historiker Jens Gieseke, Mitglied des Beirates von Hohenschönhausen, öffentlich Anstoß, als auch der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Stephan Hilsberg, der als Schriftführer im Förderverein amtiert. Hilsberg schrieb laut dem Blatt an Knabe, Kürschner mache den Förderverein "zu einem Aufmarschplatz für die AfD". Dies sei "ein nicht hinnehmbares Politikum".

Kürschner war viele Jahre Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio. 2017 wurde er für seine Arbeit im Förderverein Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen mit dem Verdienstorden geehrt.

Zeitzeuge Siegmar Faust suspendiert

Zuletzt gab es im Zusammenhang mit der Stasi-Gedenkstätte Wirbel um den früheren DDR-Häftling Siegmar Faust. Er darf jetzt sowohl in der Gedenkstätte Hohenschönhausen als auch im Menschenrechtszentrum Cottbus keine Führungen als Zeitzeuge mehr machen. Zur Suspendierung des 73-Jährigen in Hohenschönhausen hieß es dort, Faust habe sich nicht an die Pflicht gehalten, parteipolitisch neutral aufzutreten. Es habe Beschwerden von Besuchern gegeben, dass Faust bei Führungen für die AfD werbe. Auch andere öffentliche Äußerungen entsprächen in keiner Weise der Meinung der Stiftung. Faust habe der Gedenkstätte durch sein Verhalten erheblich geschadet.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Beitrags hieß es, Jörg Kürschner werde vorgeworfen, auch bei Führungen offen mit der AfD zu sympathisieren. Laut der Gedenkstätte Hohenschönhausen hat Jörg Kürschner jedoch keine Führungen durchgeführt.  

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Was ist an der AfD so schlimm?
    Was hat das mit dem Verdienstorden zu tun?
    In welchem Kontext schließen sich AfD und Verdienstorden aus?

  2. 1.

    Donnerwetter: Hubertus Knabe fühlt sich genötigt, sich nach rechts abzugrenzen? Ich wusste gar nicht dass er dazu in der Lage ist. Wenn er in der Vergangenheit über seine Forschungs- und Kuratorentätigkeit hinaus Politik gemacht hat, schien es mir immer, er könne politisch nichts als pauschal nach links auszuteilen... Wie muss es da in dieser Stiftung wohl zugehen?

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