Ein junger Mann schlägt mit einem Gürtel auf einen anderen Menschen ein (Quelle: Screenshot Jüdisches Forum)
Screenshot Jüdisches Forum
Video: rbb|24 | 25.06.2018 | Bild: Screenshot Jüdisches Forum

Angriff auf Kippa-Träger - Berliner Gürtel-Schläger zu Arrest verurteilt

Weil er einen Kippa tragenden Israeli in Berlin mit einem Gürtel angegriffen und beleidigt hat, ist ein 19-jähriger Syrer zu einem Arrest von vier Wochen nach Jugendstrafrecht verurteilt worden. Doch wegen der Untersuchungshaft gilt der Arrest als verbüßt.

Im Prozess um die Attacke auf einen Kippa tragenden Israeli in Berlin hat das Amtsgericht Tiergarten den 19-jährigen Angeklagten am Montag zu einem Arrest von vier Wochen nach Jugendstrafrecht verurteilt. Der Arrest gilt wegen der Untersuchungshaft als verbüßt, der Verurteilte kommt frei. Er wird aber für ein Jahr unter Erziehungsaufsicht gestellt. Zudem muss er innerhalb eines Monats an einer Führung im Haus der Wannseekonferenz teilnehmen.

Der Syrer hatte den Israeli und dessen Freund - einen Deutsch-Marokkaner - antisemitisch beschimpft und mit einem Gürtel geschlagen, als diese am 17. April im Stadtteil Prenzlauer Berg mit Kippa unterwegs waren. Das Opfer hatte die Tat selbst als Video aufgenommen. Der Fall löste eine Welle der Empörung, aber auch der Solidarität mit dem Angegriffenen aus.

Der 19-jährige Syrer, der für das Schlagen eines Kippa-Trägers vor Gericht verurteilt wurde. (Quelle: rbb/Abendschau))
Der angeklagte 19-jährige Syrer vor Gericht. | Bild: rbb/Abendschau

Staatsanwalt spricht von Hasskriminalität

Der Staatsanwalt sagte am Montag in seinem Plädoyer, der Angeklagte habe den Israeli und dessen Freund wegen der Kippa für Juden gehalten. Sein Ziel sei gewesen, zu beleidigen und zu schlagen. Es handele sich um einen Fall von Hasskriminalität.  

Die Staatsanwaltschaft hatte neben dem Arrest noch 40 Stunden gemeinnützige Arbeit gefordert. Die verhängte das Gericht nicht - wegen der U-Haft.

Wie eine Gerichtssprecherin mitteilte, erkannte das Gericht einen antisemitischen Hintergrund der Attacke an. Einen eigenen Straftatbestand Antisemitismus gebe es allerdings nicht, sagte die Sprecherin.

Zum Prozessauftakt hatte der Angeklagte gestanden, den Israeli mit einem Gürtel geschlagen zu haben. Antisemitische Motive bestritt er aber. Er sei von dem späteren Opfer beleidigt worden. Zudem habe er Drogen genommen. Der junge Israeli sagte hingegen aus, er habe mit dem Angreifer kein Wort gewechselt. 

Der Student der Tiermedizin fühlt sich nach eigener Aussage bis heute unsicher in Berlin. "Ich würde die Kippa nicht wieder aufsetzen, wenn ich allein bin", sagte der 21-Jährige als Zeuge.

Schuster: Problem nicht strafrechtlich lösbar

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, begrüßte, "dass der Täter ganz klar wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung schuldig gesprochen wurde". Es zeige sich aber auch, dass mit dem Strafrecht alleine das Antisemitismus-Problem nicht in den Griff zu bekommen sei, "sondern in der Schulbildung und bei der Integration der Migranten sehr viel Nachholbedarf besteht", erklärte Schuster.

Sendung:  Inforadio, 25.06.2018, 17.00 Uhr

Kommentar

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62 Kommentare

  1. 62.

    Egal aus welchem Grund der Täter mit einem Gürtel zuschlug, keiner ist endschuldbar und auch kein Drogenkonsum. Wer sich, womit auch immer zudröhnt, macht das bewusst und muss dann auch die vollen Konsquenzen für sein Tun in diesem Zustand tragen.
    Kein Mensch, egal welchen Glaubens,welcher Hautfarbe, Herkunft oder sexueller Orientierung darf Opfer einer Gewalttat werden und nichts anderes war das. Die Reaktion des Täters zeigt ja nun, dass die Strafe wegen fehlender Reue und Einsicht wohl zu lasch ist.

  2. 61.

    https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2018/07/Guertel-Schlaeger-berlin-verlangt-Haftentschaedigung.html Mir scheint wegen fehlender Reue und fehlender Dankbarkeit für das ausgesprochen milde Urteil, eine wesentlich höhere Strafe angemessen gewesen zu sein. Vielleicht ließe sich nachträglich im gesetzlichen Rahmen die Einsichtsfähigkeit fördern. Zum Problem antisemitischer Straftaten in Deutschland hier ein beleuchtender Artikel https://faktenfinder.tagesschau.de/hintergrund/antisemitismus-147.html

  3. 59.

    Also, verstehe ich Sie jetzt richtig, Antisemiten sind Rassisten und da es auch unbestritten arabischen Antisemitismus gibt, sind also arabische Migranten Antisemiten? Gute Schlussfolgerung, ist auch meine Meinung.

  4. 57.

    "Lediglich Krininelle braucht wirklich KEIN Land ... !!" Nein Kriminelle braucht unsere Heimand Mutter Erde keine! Nur leider sind die Menschen nicht vom grunde ihrer Natur, nur gut.
    Wir können nur alle gemeinsam daran arbeiten, dass es besser wird, was uns in der Geschichte doch schon sehr gut gelungen ist, wenn wir mal ehrlich zurückblicken. Vieleicht sind es immer nur kleine Schritte, ggf auch 2 vor und einer zurück, nur wir gehen den richtigen Weg und sollten uns nicht von schlechten Menschen, wie die AFD, IS, Trump, und Ko, vom Weg abbringen lassen.
    Leider wird es, für die meisten, nicht möglich sein, dass wir unsere Heimat Erde, mit eigenen Augen zu sehen und begreifen das wir nur ein kleiner Teil eines ganz besonderen sind, Leben! Was wir alle zu schützen haben und auch unsere Brüder und Schwestern, da wir Menschen ja gerade mal von 1000 Menschen Abstammen und uns näher verwand sind, wie die meisten Eintagsfliegen.

  5. 56.

    Keine Sorge, Antisemitismus scheint wieder ein Kavaliersdelikt zu sein und nicht auf die bösen Rassisten schimpfen, sondern dem Rechtsstaat vertrauen. 4 Wochen Haft, mit der Untersuchungshaft abgegolten und für die zusätzlich abgesessenen 4 Wochen 750 Euro Haftentschädigung, ein Besuch der Gedenkstätte „Wannseekonferenz“ und einen Betreuer, der den Jugendlichen moralisch bis zu Erwachsenenalter begleitet, auf Steuerzahlers Kosten versteht sich. Der Drogenkonsum mindert selbstverständlich die Schuldfähigkeit. Na, wenn das keine knallharte Reaktion des Rechtsstates auf eine Straftat ist, die um die Welt ging und signalisierte, dass es neben den Nazis nun auch noch viele antisemitische Flüchtlinge gibt.

  6. 55.

    Ob es aus antisemitischen, oder anderen Menschen verachtenden Gründen gescha, ist mir egal. Für mich ist es Fremdenfeidlichkeit, die zu verachten gild, aber auch nicht schlimmer oder weniger schlimm ist, wie jede andere Art von Fremdenhass.
    Sicherlich ist er dafür zu Rechneschaft zu ziehen, nur nicht mehr oder weniger wie jeder andere Mensch in unserer Geselaschaft auch und das war nicht der Fall. In vielen anderen Fällen die ich kenne, bei dem wesendlich mehr Schaden angerichtet wurde, z.T. sogar mit bleibenden körperlichen Schäden, wurde viel milder bestraft. Weil es Europäer waren?
    Man sollte nicht mit verschiedenen Massstäben arbeiten, nur weil es ein Mensch in unserer Geselschaft war, der erst neu zu uns gekommen ist.
    Man sollte jetzt auch nicht auf unsere Justiz schimpfen, die zwar auch ihre Fehler hat, nur gennerell alle wegsperren, bringt uns eher das Gegenteil was wir erhoffen, eine friedliche Geselschaft. Erst recht wenn sie noch so Jung sind!

  7. 54.

    Daß auch immer wieder die fehlende "Schulbildung" bemüht wird, ist ebenfalls ein Ablenkungsmanöver, um den Schuldigen bei "denen da oben" zu suchen, welche jedoch nie konkret greifbar sind.
    Unterschiedliche Schulsysteme produzieren keine Gangster - und auch Gewalttaten gibt es in sämtlichen Bevölkerungs- und Bildungsschichten.
    Fakt ist: Aus einem Ochsen macht niemand ein Rennpferd - wichtig ist nur, daß jeder seinen Anlagen/Fähigkeiten entsprechend geschult werden kann, damit niemand unter- aber auch nicht überfordert wird.
    Schließlich benötigt ein Land nicht ausschließlich Akademiker, sondern ebenso "einfache" Berufe und Arbeiter!
    Lediglich Krininelle braucht wirklich KEIN Land ... !!

  8. 53.

    Genau das, was Sie fordern, ist vor Gericht passiert. Antisemitismus ist kein Straftatbestand, Beleidigung und Körperverletzung schon. Dafür wurde der Täter verurteilt - unabhängig davon, ob sein Opfer Kippa trug.

  9. 52.

    Was wäre wenn ... der Täter ein Deutscher gewesen wäre?
    ... oder nur das Opfer??
    Egal ob Kippa oder nicht - wenn ich als blonder Mensch angegriffen werde, weil ich blond bin, ist es keine geringere Straftat als wenn ich Kippa tragen würde oder dunkelhäutig wäre!!
    Es ist an der Zeit, die ganzen paranoiden Motive oder unterstellten/spekulierten Motive endlich mal komplett außen vor zu lassen: nur die Straftat selbst zählt! Egal, gegen wen und von wem!
    Einfach mal nach "gefährlicher Körperverletzung" usw. bestrafen, wie es hierzulande vorgesehen ist - aber dann auch (für jeden!) gleichberechtigt durchdrüken, damit es auch Strafe ist und nicht Belohnung oder Auszeichnung!!

  10. 51.

    Die wurde 1945 abgeschafft und seitdem haben wir eine rechtsstaatliche Justiz, auch wenn das einige Kommentatoren hier offen bedauern.

  11. 50.

    "Vor einigen der Kommentare hier bekomme ich definitiv mehr Angst als vor diesem Schläger."

    Schade dass man hier nicht in Fettschrift kommentieren kann, dieser Satz verdient es eingerahmt zu werden.

    Zumal die Rassisten hier nur mühsam ihre wahren Motive verbergen können und das als Kampf gegen der Antisemitismus ausgeben wollen. Widerlich ist das.

  12. 49.

    Na ja das mit den Richtern als Vollblutjuristen in Deutschland ist wie mit den Ärzten, es gibt gute und schlechte. Bei einer Pfusch OP haette ich auch Wut auf den behandelnden Arzt. Es gibt einfach zu viele Fehl - und Unrechtsurteile in der Vergangenheit, was zu einem massiven Unrechtsempfinden in der Bevölkerung führt. Die Opfer bleiben eher auf der Strecke. Mir persönlich macht dieses Unrechtssystem mehr Angst als alles andere. Und als Gast in einem fremden Land, habe ich mich entsprechend zu verhalten und nicht so asozial.

  13. 48.

    Ein erneutes Urteil der Kuscheljustiz. Warum,- weil er noch so jung war? Das kennen wir zu genüge. Was soll als nächstes kommen? Warum hat man so einen Fall nicht in sein Heimatland befördert?

  14. 47.

    Selbst wenn der "Kippa-Träger" etwas gesagt hätte, hat er es nicht verdient, dafür geprügelt zu werden. so etwas kann man in einem zivilisierten Land auch anders klären. Da der Täter nach eigener Aussage unter Drogen stand, war seine Wahrnehmung offensichtlich beeinträchtigt. Dass Sie diesen Vorfall mit einer Schulhofschlägerei vergleichen, ist meines Erachtens grob fahrlässig. Was Sie hier betreiben, ist aus meiner Sicht Victim-Blaming.

    P.S. Ihr Verweis, dass "israelis" bei der selben Sache angeblich besser weg kämen als de junge Syrer, könnte durchaus die Kriterien des Antisemitismus erfüllen. Denn Sie unterstellen, dass die Justiz nach zweierlei Maßstab urteilt und sich "Israelis" hier alles erlauben könnten. Dies ist jedoch nicht der Fall.

  15. 46.

    Tja, was die Gäste so alles anstellen dürfen und unsere Luftnummerjustiz danach bestimmt auch noch verhöhnen! Es hat sich seit 2015 vieles verändert, leider nicht zum Guten!

  16. 45.

    "...häufiger angezeigt, obwohl sie im schnitt seltener kriminell sind. Trotzdem werden sie von mehr Menschen als kriminell gelesen... fällt da jemandem etwas auf?" - Ja, mir. Wie üblich fehlen die Beweise für "im Schnitt seltener kriminell".

  17. 43.

    "Darf ich jetzt auch, mir ungeliebte Menschen, auf der Straße mit dem Gürtel schlagen und mit einer lächerlichen Bestrafung rechnen?! "

    Mit hoher Wahrscheinlichkeit ja, wennsde z.B. Israeli bist. Dann läuft das wie seit der "Urzeit" nur unter "Schulhofprügelei", für die sich weder die Medien noch die Polypen interessieren und die chronisch überlastete Justiz mit zig Monaten Rückstand bei der Verhandlung richtiger Verbrechen schon mal gar nicht.
    -------------
    "Das Video wurde auch im Gericht gezeigt. Zu Beginn ist auf Arabisch der Angeklagte zu hören, der fragt: „Warum beleidigst Du uns?“."
    Tja, warum wohl fiel dieser Satz? Der blosse Anblick des Kippaträgers mit Handycam wirds nicht gewesen sein. *kopfkratz*

    "Der Israeli sagte dazu, damals habe er den Satz nicht wahrgenommen." Scheissegal, denn der Satz ist nunmal objektiv vorhanden, nicht wegzudiskutieren und hat eine Vorgeschichte.

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