Anhänger der rechtsextremen NPD demonstrieren am 01.05.2013 im Berliner Stadtteil Schöneweide. (Quelle: dpa/Florian Schuh)
Audio: Antenne Brandenburg | 18.06.2018 | Ari Gosch | Bild: dpa/Florian Schuh

Bundesregierung korrigiert Zahlen - Durch rechte Gewalt starben mehr Menschen als angenommen

Die Bundesregierung muss ihre Opferstatistik nach oben korrigieren: Eine Nachprüfung hat ergeben, dass seit der Wende mehr Menschen infolge rechter Gewalt starben als bisher angenommen.

Die Bundesregierung hat in ihre Statistik über Todesopfer rechter Gewalt einige neue Fälle aufgenommen. Darin sind nun 76 Tötungsdelikte mit 83 Todesopfern seit der Wiedervereinigung 1990 erfasst, wie das Innenministerium laut "Tagesspiegel" auf eine Anfrage der Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau und ihrer Linksfraktion mitteilte.

Neue Überprüfung von Todesfällen in Berlin

Zuletzt hatte eine Bilanz der Regierung vom März 2017 insgesamt 70 Fälle aufgeführt, bei denen Neonazis und andere Rechte 76 Menschen getötet hatten.  

Grund für die erhöhte Zahl ist eine Überprüfung von mutmaßlich rechts motivierten Gewalttaten in Berlin. Das Zentrum für Antisemitismusforschung der technischen Universität hatte im Auftrag des Landeskriminalamtes mehrere Altfälle geprüft und im Mai die Nachmeldung von sechs Verbrechen mit sieben Todesopfern als rechte Delikte empfohlen.

Anlass der Untersuchung in Berlin war eine Langzeitrecherche des Tagesspiegel, die eine bundesweit erheblich höhere Zahl der Todesopfer seit der Wiedervereinigung ergibt als die offizielle Bilanz - nämlich mindestens 150 Tote seit dem 3. Oktober 1990.

Auch Fälle in Brandenburg wurden neu bewertet

In der offiziellen Statistik sind nach Angaben der Regierung auch neun Todesfälle in Brandenburg enthalten, die zunächst nicht als rechte Gewalttaten eingestuft worden waren. Das Moses-Mendelssohn-Zentrum der Universität Potsdam hatte die Verbrechen, die offiziell als unpolitisch eingestuft waren, neu bewertet.

Anstoß für die Untersuchung war die Aufdeckung der NSU-Mordserie ab Ende 2011. Bei diesen zehn Morden war ein rechtsextremer Hintergrund zunächst ebenfalls ausgeschlossen worden. Das Brandenburger Innenministerium hatte in der Folge dem Moses-Mendelssohn-Zentrum den Auftrag erteilt, zahleiche Fälle erneut zu überprüfen.

Amadeu Antonio-Stiftung zählt noch mehr Tote

Die unabhängige Amadeu Antonio-Stiftung betreibt ebenfalls eine Statistik über die Todesopfer rechter Gewalt und kommt dabei zu einer noch höheren Zahl: Nach ihrer Zählung sind seit der Wende bereits 193 Menschen an den Folgen rechter Gewalt gestorben.

Die Stiftung ist nach Amadeu António Kiowa aus Angola benannt. Er starb an den schweren Verletzungen, die ihm eine Gruppe von Neonazis im November 1990 zufügte. Er war eins der ersten bekannten Todesopfer rechter Gewalt seit der Wende.

Sendung: Antenne Brandenburg, 18.06.2018, 08:00 Uhr  

Kommentar

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17 Kommentare

  1. 17.

    Lach mich schlapp. Verwechselt da sicher was.....

  2. 16.

    Hallo Horst, wir reden aneinander vorbei. Nach rechtstaatlichen Grundsätzen ist es egal, ob ein niedriger Beweggrund "Hass" oder ein niedriger Beweggrund "rechter Hass" vorliegt. Das Gericht hat zu prüfen, ob ein solcher Beweggrund vorliegt und nicht anhand der Gesinnung selbst zu urteilen. Soll heißen: Das Urteil hat nicht deswegen hart zu sein, weil es ein Nazi war sondern weil er die Tat aus bestimmten Beweggründen begangen hat. Die Gesinnung kann dafür aber durchaus ein Indiz sein.

  3. 12.

    Auch sie sollten sich an die Netiquette halten, neben einer höflichen Ansprache gehört es auch dazu fremden Menschen nicht irgendeine Einstellung oder politische Haltung zu unterstellen.

  4. 11.

    Das hat nichts mit Gesinnungsjustiz, Volksgerichtshof oder DDR-Justiz zu tun, sondern damit, dass dann niedrige Beweggründe vorliegen könnten. Und damit könnte aus Totschlag Mord werden. Ganz legitim, ganz demokratisch.

  5. 10.

    Ich hoffe doch mal nicht, dass die Urteile anders ausgefallen wären, dann hätten wir ja eine Gesinnungsjustiz. Dass die nicht gut wäre, hat der Volksgerichtshof und auch die DDR-Justiz nachdrücklich bewiesen. Ich hoffe dagegen, dass jede Tat (unabhängig ob rechtsextrem oder anders hass-geprägt) mit der notwendigen Sorgfalt hinterfragt und streng beurteilt wurde. Aufgabe und Ziel des Staates muss es sein, solche Straftaten für die Zukunft nach allen Möglichkeiten zu verhindern. Eine nachvollziehbare Begründung, warum ein Mensch getötet wurde, gibt es ohnehin nicht, denn jeder einzelne Grund ist abartig und grausam genug.

  6. 9.

    Letztendlich irrelevant, ob es nun 76 oder 83 Opfer gibt. Jeder einzelne Mensch ist eine zuviel, der durch Rechten wegen dessen kranken Ideologie ermordet wurde.

    Wichtig ist es vermutlich für die Angehörigen und Freunde der Opfer, dass der Staat und damit die Gesellschaft bestätigt, dass solch ein Verbrechen vorliegt. Was ich mich frage, wie die Urteile in diesen 7 Fällen lauten und ob diese anders ausgefallen wären, wenn dieser Hintergrund schon damals ermittelt / anerkannt worden wäre.

  7. 8.

    Zu meinem Kommentar möchte ich anmerken, das unabhängig davon wer Gewalt anwendet jedes Opfer eines zuviel ist und schrecklich vor allem für die betroffenen Angehörigen und das Sicherheitsgefühl der Menschen ist!

  8. 7.

    Von wem wollen sie die Zahlen denn sonst bestätigt wissen? Von der AfD, der NPD oder von Fr. Schäpe?

    Aber keine Angst, es werden hier noch mehr von ihnen die Zahlen bezweifeln und somit die rechtsextreme Gewalt und Täter verharmlosen und vertuschen wollen.

    Das hat hier gerade Mode, falls nicht sogar System.

  9. 6.

    Also Lothar, die ausgefeilten Statistiken der Bundesregierung und der von ihr mit Geld ausgestatteten Antonio Amedeo Stiftung zu bezweifeln, wäre genauso wie Politikern zu unterstellen sie lügen das Volk an, einfach grundabwegig. Schliesslich gibt es ja keinen Beruf der so das Vertrauen der Bevölkerung, gerade wegen seiner Geradlinigkeit geniesst wie der des Politikers, gleich hinter Autoverkäufern.

  10. 5.

    >>Durch rechte Gewalt starben mehr Menschen als angenommen<<
    Ermittelt von --> Zentrum für Antisemitismusforschung.
    Auftraggeber --> Landeskriminalamt.
    Mein Fazit --> Das Ergebnis war in der Tendenz vorhersehbar.

  11. 3.

    also wenn die Amadeu Antonio-Stiftung die Zahlen bestätigt bestehen keine Zweifel.

  12. 2.

    Selbst wenn man 'nur' die konservativ gerechneten Zahlen heranzieht, so sind das deutschlandweit mehr Todesopfer als durch den vielbeschworenen internationalen Terror, dessen Verkündung durch die Behörden uns viele Freiheiten gekostet hat und noch immer kostet, ganz zu schweigen von der sogenannten 'gefühlten Sicherheit'.
    Es sind somit auch weit mehr Todesopfer durch politisch rechte Gewalt als durch irgendeine andere politische Strömung zu beklagen (Linksradikalismus, Reichsbürger,..).

    Das alles sollte uns zu denken geben und klare Aussagen sowie noch klareres Handeln nach sich ziehen, sofern wir als Gesellschaft eine Meinung dazu haben.

  13. 1.

    Wieso wundert mich das nicht? Mal schauen wer hier als erstes diese Statistik anzweifelt und wieder auf das altbewährte Thema Zuwanderer, Asylsuchende zu sprechen kommt.

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