Zwei Polizisten stehen am 11.06.2018 im Brandenburger Landtag und sichern den NSU-Untersuchungsausschuss. (Bild: Dominik Lenz)
Video: Brandenburg Aktuell | 11.06.2018 | L. Alboga / M. Schon | Bild: Dominik Lenz

Aussage im NSU-Untersuchungsausschuss - "Piatto" will sich an wichtige Einzelheiten nicht erinnern können

Der frühere V-Mann "Piatto" sagt im Brandenburger NSU-Untersuchungsausschuss aus. Zu vielem gibt er dabei Auskunft, doch an entscheidende Einzelheiten rund um seine Anwerbung kann er sich angeblich nicht mehr erinnern.

Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen hat der NSU-Untersuchungsausschuss des Potsdamer Landtags am Montag den früheren V-Mann "Piatto" vernommen.

Der einstige Zuträger des Brandenburger Verfassungsschutzes berichtete, er habe sich Anfang der 1990er Jahre in der Untersuchungshaft der Behörde angedient, weil er aus der rechten Szene aussteigen wollte. Es sei ihm um einen Schlussstrich und eine Teilwiedergutmachung gegangen, sagte "Piatto", der im Ausschuss mit seinem bürgerlichen Namen Carsten Szczepanski angesprochen wurde.

Der Zeuge kann sich nicht erinnern

In der Befragung gab Szczepanski ausführlich Auskunft über seine frühen Aktivitäten in der regionalen Nazi-Szene. Doch an andere wichtige Einzelheiten konnte er sich nach eigener Angabe nicht mehr erinnern - auch nicht an das genaue Jahr, in dem er sich dem Amt andiente. Es sei in der Untersuchungshaft wegen versuchten Mordes an einem Nigerianer gewesen, sagte er. Wegen der Tat war er später verurteilt worden. "Piatto" schilderte, wie er sich Ende der 1980er in West-Berlin der rechten Szene anschloss und später nach Königs Wusterhausen zog. Er habe Kontakt zum rechtsterroristischen Ku-Klux-Klan in den USA aufgenommen. "Das wirkte auf mich sehr anziehend", sagte er.

Der einstige V-Mann lebt seit seiner Enttarnung im Jahr 2000 in einem Zeugenschutzprogramm. Die Vernehmung erfolgte in einem Raum nur mit ihm und den Ausschussmitgliedern. Journalisten und die Öffentlichkeit konnten die Vernehmung in einem anderen Raum verfolgen, in den sie per Lautsprecher übertragen wurde. Rund um das Gebäude des Potsdamer Landtags wachten aus Sorge vor Racheakten aus der Neonazi-Szene Polizeibeamte.

Der Saal im Brandenburger Landtag am 11.06.2018 vor der Verhörung von "Piatto" vor dem NSU-Untersuchungsausschuss. (Bild: rbb24/Dominik Lenz)
Bild: rbb24/Dominik Lenz

Zu vielen Fragen kam es noch gar nicht

"Piatto" soll in dem Ausschuss erklären, was er vor rund 20 Jahren über die Mitglieder der späteren Terrorgruppe NSU wusste und an die Brandenburger Behörden weitergegeben hat. Zu diesen Fragen kam es zunächst allerdings noch nicht.

"Piatto" hatte im Sommer 1998, also noch bevor das bereits untergetauchte Trio Böhnhardt, Zschäpe und Mundlos den ersten Mord beging, konkrete Hinweise auf die drei geliefert.  Der Ausschuss soll klären, ob der Verfassungsschutz des Landes  seine Informationen nicht ausreichend an Behörden in anderen Bundesländern weiterleitete.

Über Auskunftsfreudigkeit überrascht

Holger Rupprecht (SPD), der Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses, äußerte sich in "Brandenburg aktuell" überrascht über die Auskunftsfreudigkeit Piattos. Ursula Nonnemacher (Grüne) erklärte, einige Details seien ihres Wissens neu gewesen. Laut Volkmar Schöneburg (Linke) wurde deutlich, dass es offensichtlich in Brandenburg noch weitere enge Mitwisser über das NSU-Trio gibt. Björn Lakenmacher (CDU) machte viele Widersprüche aus: "Wir müssen das alles noch in Ruhe auswerten."

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Der Verfassungsschutz hat doch kein Interesse an einer Aufklärung dann würde nämlich rauskommen, dass der NSU erst durch diesen Verein gegründet wurde. Jahre an Ermitllungen und Nichts kommt raus. Nur Vertuschung, Akten verschwinden, Erinnerungslücken usw. und der Verfassungschutz war bei einem Anschlag im Hinterzimmer dabei, Zufällig. War glaubt da noch Aufklärung oder Wahrheit. Die Einen kämpfen um Aufklärung und die Anderen tun viel dafür das ganze Ausmaß des Versagens zu vertuschen.

  2. 1.

    Bedarfsamnesie kann Leben retten.

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