Zwei Bewohner in Nord-Neukölln (Quelle: rbb)
Video: rbb24 | 09.06.2018 | Tobias Goltz | Bild: rbb

Neues Sozialmonitoring veröffentlicht - Das sind die sozial abgehängten Kieze in Berlin

Jeder zehnte Kiez in Berlin ist sozial abgehängt. Das besagt die neueste Ausgabe des Sozialmonitorings. Die Zahl der Brennpunkte hat sich fast nichts geändert - aber es sind jetzt teilweise ganz andere als noch vor zwei Jahren.

Die Zahl der sozial abgehängten Gebiete in Berlin bleibt fast unverändert. Das ist das Ergebnis der neuesten Ausgabe des Sozialmonitorings [stadtentwicklung.berlin.de], das alle zwei Jahre veröffentlicht wird. Ausgewertet wurden jetzt die Jahre 2015 und 2016. "Nur wer die soziale Lage in den Kiezen kennt, kann Strategien und Konzepte entwickeln, die den Problemen vor Ort wirklich gerecht werden", sagte Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) am Donnerstag. Berlin sei mit dem sozialen Monitoring Vorbild und Vorreiter für andere Städte, so Lompscher weiter.

Zehn Prozent Berlins haben "sehr niedrigen sozialen Status"

Berlin ist für die Studie in 447 Gebiete aufgeteilt. Für etwa zehn Prozent(44 Gebiete) ergibt sich im Untersuchungszeitraum ein sehr niedriger sozialer Status. Sie gelten als "Gebiete mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf und sollen in der Stadtentwicklungsplanung besonders berücksichtigt werden. Überraschend ist dabei, dass lediglich vier der 44 genannten Gebiete mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf im Osten Berlins liegen.

In zehn Gegenden hat sich die Lage merklich verschlechtert

In neun sozialen Brennpunkten Berlins hat sich die Lage laut der Sozialstudie etwas verbessert. In Reinickendorf beispielsweise in der Teichstraße und am Hausotterplatz. Auch in Kreuzberg rund um den Askanischen Platz oder in der Havemannstraß, der Böhlener Straße und im Gelben Viertel in Marzahn-Hellersdorf sowie in Jungfernheide in Charlottenburg-Wilmersdorf und in Falkenberg Ost und dem Rosenfelder Ring in Lichtenberg ging es bergauf.

Dafür hat sich allerdings, so die Studie, die Lage in zehn Gegenden merklich verschlechtert. Sie werden neu aufgeführt. Dazu zählen in Neukölln vor allem der nördliche Abschnitt der Buschkrugallee, das Gewerbegebiet Köllnische Heide sowie Gropiusstadt Nord. In Mitte sind Hutten- und Beusselkiez sowie Heidestraße neu hinzugekommen. Aufgeführt wird auch die Thermometersiedlung in Steglitz-Zehlendorf. In Spandau sind Eiswerder und Magistratsweg neu erfasst.

Insbesondere für den Huttenkiez im Stadtteil Moabit, die Thermometersiedlung im Stadtteil Lichterfelde und die Neuköllner Buschkrugallee Nord sieht es düster aus. Hier gibt es nicht nur eine sich verschlechternde Negativentwicklung im Vergleich zu den vergangenen Jahren, sondern auch die sich abzeichnende Dynamik für die Zukunft sieht schlecht aus.

Bezug auf die vor allem im Jahr 2015 hinzugekommenen Flüchtlinge nimmt die Studie nicht.

Arme Menschen werden an den Stadtrand gedrängt

Die Sozialstudie warnt jedoch vor mehreren problematischen Trends für Berlin: Arme Menschen würden zunehmend aus dem S-Bahn-Ring an den Stadtrand gedrängt, so die Experten. Außerdem bleibt die Zahl der Menschen, die zwar arbeiten, aber trotzdem Hilfe vom Staat brauchen, nahezu gleich. Einen Unterschied gibt es allerdings auch hier: Im westlichen Berlin, so die Studie, verschlechtere sich die soziale Lage mehr als im östlichen Berlin.

Das Monitoring Soziale Stadtentwicklung wird seit 1998 regelmäßig erstellt. Die Grundlagen für die Studie sind die Indikatoren Arbeitslosigkeit, Langzeitsarbeitslosigkeit, Transferbezug der Nicht-Arbeitslosen und Kinderarmut. Für den jetzt vorgestellten Untersuchungszeitraum – 31.12.2014 bis 31.12.2016 – haben sich die Werte hierfür insgesamt leicht verbessert, insbesondere was die Faktoren Langzeitsarbeitslosigkeit und Kinderarmut betrifft. Letztere befindet sich im Bundesvergleich aber weiter auf hohem Niveau.

Kommentar

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9 Kommentare

  1. 9.

    Es gibt 5 Eingänge zum Spielplatz in der Rostocker Straße, keine 150m vom Quartiersmanagement, am Siemens Parkplatz. Nur 2 Eingänge verfügen über einen winzigen Sticker, der darauf aufmerksam macht, dass dort Rattengift ausliegt. Ich sehe ständig Familien mit kleinen Kindern auf dem Spielplatz, weil am hauptsächlich genutzten Eingang gar keine Warnung ist. Dazu verstehen manche Menschen kein Deutsch in einem multi-kulturellen Kiez! Gerade lief mir genau dort mal wieder eine Ratte über den Weg.

    Das Quartiersmanagement ist Steuerverschwendung pur!

  2. 8.

    Eben. Daran ist gar nichts überraschend, sondern das war erwartbar. Man muß sich nur die gewachsene Bevölkerungsstruktur ansehen.

  3. 7.

    Korrekt. Was viele nicht wissen oder einfach verdrängen ist, dass es die CDU - also die nette Mutti und ihre Partei - war, die die Hartz-IV-Reformen nochmals deutlich verschärft haben, indem sie für die Berechnung des Regelsatzes statt Schröders 20% nur noch 15% der unteren Einkommen berücksichtigt haben. Das hat den Regelsatz bzw. dessen Angleichung nochmals deutlich nach unten gedrückt und auch die Steuern (Steuerfreibetrag hängt mit dem Regelsatz zusammen) deutlich höher gehalten als nötig. Die Auswirkungen auf die Löhne sind auch nicht zu vergessen. Und was macht die SPD aus dieser Steilvorlage? Schweigt in Sack und Asche und kuschelt weiter mit Mutti, um an den Futtertrögen zu bleiben. Mein Fazit daher: Diese Partei braucht wirklich niemand mehr, kostet nur, kann weg.

  4. 6.

    Ja, eine Partei wie die AFD kann sich unser "Sozialstaat" vielleicht gerade noch so leisten, aber auch nur wenn diese angeblichen "Volksparteien" sich wieder um das gesamte Volk kümmern und nicht nur um die, die mit Parteispenden um sich werfen um an ihr politisches Ziel zu kommen.
    Eine 2. Gefahr kommt vielleicht schon in nächster Zukunft aus einer ganz anderen Ecke. Die vielen Investoren und Profiteure aus der Finanzwirtschaft planen eine Partei zu gründen, weil sie mit der Realwirtschaft nichts mehr anfangen können, für die herrscht im Lande noch zu viel "Sozial-Romantik"! Viele von denen sind Wähler der CDU. Das wäre dann der 2. Untergang einer "Volkspartei." Leute wie Volker Kauder (CDU) haben den Ernst der Lage bestimmt noch nicht begriffen, wenn sie sich als "Patronen-Träger" für Geld bei der Waffen-Lobby enttarnen lassen.

  5. 4.

    Diese Grafiken sind mit allergrößter Vorsicht zu genießen. Ich habe spontan mehrere Stellen entdeckt, wo ich genau sagen kann, dass die Zuordnung und die tatsächliche Situation (Einfamilienhäuser mit Großsiedlung in einen Topf geworfen) nichts mit einander zu tun haben. Das muss für die betroffenen Leute ziemlich ärgerlich sein, wenn sie einem "Problemkiez" zugeordnet werden, obwohl sie da nicht hingehören. Kann sich sogar negativ auf Grundstückswerte auswirken. Auf diese Form von Schlechtmachung kann ich gerne verzichten.

  6. 3.

    "Überraschend ist dabei, dass lediglich vier der 44 genannten Gebiete mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf im Osten Berlins liegen."
    Warum ist das überraschend? Was wurde denn erwartet?

    @Roland
    Ja,das ist ein Problem,dass viel zu viele Wähler glauben,man geht mit einer Partei eine Beziehung ein und muss diese ein Leben lang wählen. Den Eindruck habe ich jedenfalls manchmal. Eine wenig mehr Flexibilität würde schon viel bringen.
    Gerade die AfD ist eine gutes Beispiel dafür,wieviel Einfluß auch eine kleine Partei auf die Politik ausüben kann,selbst wenn sie noch nicht mal im Bundestag vertreten ist. Ich würde aber viel lieber eine soziale Partei als Beispiel aufführen.

  7. 2.

    Ich wohne an der Buschkrugallee und die Situation ist sehr schwierig. Vor dem Haus rasen Autos auf mehreren Spuren, die Autobahn ist auch keine 20 Meter weiter weg.
    Die Luftqualität ist zum Heulen...ich wünschte die Stadt würde einfach mehr Bäume pflanzen. Naja das ist ja nur das eine Problem.
    Wenn man auf die Straße geht, sieht man immer mehr Jugendliche die perspektivlos in der Gegend rumhocken und sich oft mit Rechtsgesinnten streiten oder schlagen...Überhaupt sind hier viel zu viele potentielle AFD-Wähler. Die Gegend um die Buschkrugallee hat aber eigentlich so viel Potenzial (Fluss, Parks, noch viele unbebaute Stücke etc.). Ich hoffe es bewegt sich bald etwas!

  8. 1.

    Das wundert mich nicht, hätte die SPD noch was mit dem Thema zutun, dann wäre dieser Martin Schulz auch nicht so gnadenlos gescheitert! Die Menschen lassen sich immer noch von dieser SPD blenden und wählen sie, weil man glaubt die kümmern sich. Nein, die kümmern sich nur noch um sich selbst und die Existenz dieser überflüssigen Partei.
    Es ist schon lange nicht mehr diese SPD die sich mal für die "kleinen leute" engagiert hat. Die dümpeln planlos vor sich hin und hoffen bei jeder Wahl dass sich die Wähler noch an die Zeiten erinnern wie es sich noch lohnte SPD zu wählen.
    Nur frage ich mich wirklich, als der der damals die Flyer in die Briefkästen geworfen hatte, mit dem Slogan, Wiilly wählen, wie oft man enttäuscht werden muss bis man begriffen hat das die ausser Personalwechsel an den Spitzen nichts anderes mehr zu bieten haben!!

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