Archivbild: Antisemitische Schmierereien auf der Gewegplatte am Marx Engels forum in Berlin (Bild: imago/PEMAX)
Video: Abendschau | 18.07.2018 | Christian Titze | Bild: imago/PEMAX

Studie der TU Berlin - Antisemitismus im Internet nimmt stark zu

Antisemitismus ist nicht nur in der rechtsextremen Szene weit verbreitet, sondern auch in der Mitte der Gesellschaft: Das ist eines der Ergebnisse einer Studie zum Antisemitismus der TU Berlin. Hauptmultiplikator für das "besorgniserregende Phänomen" sei das Netz. 

Antisemitismus im Internet hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Technischen Universität (TU) Berlin, die am Mittwoch vorgestellt wurde. Vor allem in den Kommentarbereichen der Qualitätspresse sowie in den sozialen Medien sei eine "semantische Radikalisierung" omnipräsent, sagte die Sprachwissenschaftlerin Monika Schwarz-Friesel. Dabei hätten die Forscher festgestellt, dass es sich nicht nur um Antisemitismus im rechtsextremen Milieu handle. Auch linker und muslimischer Antisemitismus fänden sich in den Kommentaren, ebenso wie antisemitische Statements von Usern der gebildeten Mitte. "Hauptmulitiplikatoren sind ganz normale User und Userinnen."

"Antisemiten sind wie Hamster im Hamsterrad"

Trotz der unterschiedlichen politischen und ideologischen Einstellungen zeichne sich bei den antisemitischen Äußerungen eine große Uniformität und Homogenität in der Stereotypisierung von Juden auf. Es sei noch immer das alte Phantasma des "Ewigen Juden" dominant. Vor allem die Schnelligkeit, freie Zugänglichkeit, globale Verknüpfung und Anonymität förderten die Verbreitung solchen Gedankengutes. 

Schwarz-Friesel kritisierte in diesem Zusammenhang Versäumnisse in der Bildungspolitik der vergangenen Jahre. Zu lange sei mit gutem Willen sehr viel falsch gemacht worden, um gegen Antisemitismus zu kämpfen und darüber aufzuklären. Junge Menschen und Mitläufer seien aber nicht durch dogmatische Belehrungen zu erreichen. "Wir werden das nicht mit Fakten und Bildung bekämpfen." Schwarz-Friesel beschrieb das Verhalten von Antisemiten mit der sogenannten Affekt-Logik: Solche Menschen seien wie Hamster in einem Hamsterrad. Sage man ihnen "Das stimmt nicht, das hat es nicht gegeben", sei ihre Reaktion: "Das ist aber trotzdem wahr".

Antisemitismusforscherin fordert neue Aufklärungskonzepte

"Wir müssen versuchen, sie emotional anzusprechen und nicht auf die Oberlehrer-Art: 'Du bist ganz schlimm, wir verdammen dich jetzt'. Es bringt nichts, zum 20. Mal einen Film über den Holocaust zu zeigen – da entsteht eine starke Abwehr und Empathieverweigerung", so die Antisemitismusforscherin. Stattdessen forderte sie, Aufklärungskampagnen in neue Formate zu bringen, durch die junge Menschen emotional erreicht werden könnten. 

Für die Studie hatten Forscher der TU seit 2014 mehr als 300.000 Texte ausgewertet, die im Internet kursieren. 

Sendung: Inforadio, 18.07.2018, 12:40 Uhr

Kommentar

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32 Kommentare

  1. 27.

    @RBB: Entspricht DIESER Beitrag etwa Ihrer Netiquette, die Sie sonst berechtigterweise so gern anmahnen? Dieser Nutzer ist seit seinem ersten Post hier völlig unsachlich, versucht das Thema beständig abzulegen und greift alle direkt und persönlich an, die nicht seine Meinung vertreten. Wäre sehr schön, wenn die Spielregeln für ALLE hier einheitlich gehandhabt würden. Danke!

  2. 26.

    Eine sehr sachliche "Diskussion" die sie da führen, muß ich schon sagen...

    Aber das kennen wir ja von ihnen und ihresgleichen. Würden sie nur mal die gleichen Maßstäbe an sich anlegen die sie von anderen verlangen könnte man sich einige sinnlose Kommentare sparen.

  3. 23.

    Ja! Sie verweigern sich einer sachlichen Diskussion. Sie verkaufen Ihre Meinung als absolute Wahrheit. Als Linker müssten Sie aber wissen, dass es diese nicht gibt. Oder haben Sie den ML nicht verstanden?

  4. 21.

    Antisemitismus besteht mMn zum größten Teil aus Unverständnis und mangelndem Wissen über den jüdischen Glauben und den Menschen, die mit diesem verbunden sind. Der folgende Artikel im DLF Kultur zeigt mit Fakten auf, wie Missverständnisse zu Vorurteilen führen. https://www.deutschlandfunkkultur.de/fluch-oder-segen.1079.de.html?dram:article_id=176190

  5. 20.

    Wir schließen an dieser Stelle die persönliche Diskussion zwischen Steffen und IchMeinJaNur. Tauschen Sie doch gern Email-Adressen aus. Sie haben sich offenbar viel zu sagen, das sich leider im Laufe der Diskussion immer weiter vom Thema des Artikels entfernt.

  6. 19.

    Fein. Lesen sie meinen Beitrag nochmal durch. Sie schlachten das Ergebnis für eigene Zwecke aus.

    Es muß natürlich "ist nunmal typisch, nicht NUR für "Steffen"" heißen.

    EOD und BTT

  7. 18.

    Sie befinden sich im vollkommenen Irrtum. Insofern sie auf die sozialen und ökonomischen Konflikte verweisen, die regelmässig und in der Geschichte bereits mehrfach zum grossen Schlachten des irgendwie Anderen geführt haben, sind die "Studien" zur den Ursachen der Konflikte zahllos. Seit Jahrzehnten. Man könnte mit den ausgedruckten Stapeln sämtliche Zugänge des Bundestages zumauern. In Jugoslawien hat der "Mittelstand" gemeinsam mit Nationalisten zuletzt in Europa ein Schlachten angerichtet. Als es um die Verteilung der Ressourcen ging. Seit Jahrzehnten, fordern, mahnen, forschen die Vernünftigsten unter uns, probieren Projekte, entwerfen Ideen - im Allgemeinen im Moment und angeblich "linker Mainstream" genannt - aber nichts oder nicht genug ist tatsächlich passiert. Handelsverträge- und Beziehungen zum europäischen "Vorteil" bis vor Ort nichts mehr zu holen ist. Auch für die nicht die dort geboren sind. Da ist der Hass nützlich, damit es so weiter geht.

  8. 17.

    Ich zitiere einfach für Sie mal aus dem RBB-Artikel, der Ihre verzweifelte Argumentation schon ad absurdum führt:
    >>Dabei hätten die Forscher festgestellt, dass es sich nicht nur um Antisemitismus im rechtsextremen Milieu handle. Auch linker und muslimischer Antisemitismus fänden sich in den Kommentaren, ebenso wie antisemitische Statements von Usern der gebildeten Mitte. "Hauptmulitiplikatoren sind ganz normale User und Userinnen."<<

  9. 16.

    Sie ignorieren, ebenso wie "Steffen" das Ergebnis der Studie oder vielmehr schlachtet er das Ergebnis für eigene Zwecke aus. Und sie stoßen in das gleiche Horn.

    Ich habe nie den Antisemitismus bestimmter (!) "linker" Gruppen bestritten. Aber das Ergebnis der Studie zu benutzen um "aber die machen das ja auch" ist nunmal typisch, nicht für "Steffen"

    PUNKT

  10. 15.

    Danke, Havelländer! Genau so ist es und dies misszuverstehen, benötigt schon Absicht. Ich fürchte nur, Sie werden mit Argumenten durch diese Mauer aus Starrsinn nicht durchkommen. Der User wird es noch weiter drehen und verwinden, um seinen Fehler nicht zugeben zu müssen. Er ist der Weise, alle anderen verharmlosen den ihm abhanden gekommenen Feind.

  11. 14.

    Schon im 19.Jh. war Antisemitismus im sog. Bildungsbürgertum weit verbreitet (Heinrich v. Treitschke und Richard Wagner lassen beispielhaft grüßen...) , das dürfte sich nicht wesentlich geändert haben!! Der wird heutzutage entweder subtil oder über asoziale Netzwerke direkt geäußert, bei Rechtsextremen kommt dann noch brachiale Gewalt hinzu - bei Antisemiten aus muslimischen Kulturkreisen bei direkter Konfrontation mit dem, was sie für "jüdisch" halten (jetzt bitte keine Schnappatmung!!) wohl auch (siehe die letzten Gewaltakte!). Kritik an der Politik Israels ist berechtigt und solange nicht antisemitisch, wie nicht mit Doppelstandards bewertet wird, was aber oft geschieht!! Welches Land lässt z.B. den Beschuss von Raketen auf die eigene Zivilbevölkerung militärisch unbeantwortet???

  12. 13.

    Also ich meine, dass es in den letzten 25 Jahren regelmäßig Studien gab, die zu dem Ergebnis kamen, dass latenter Antisemitismus unter Deutschen weit verbreitet ist. Die Aufregung war natürlich immer groß und die Studien wurden in Frage gestellt. Außerdem müsse man ja mal einen Schlussstrich ziehen.

    Warum sollte es heute zur Zeiten von AfD anders sein?!

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