Feuerwehrmann in Berlin im Einsatz (Quelle: dpa/Bänsch).
Video: Abendschau | 31.07.2018 | Rainer Unruh | Bild: dpa/Arne Immanuel Bänsch

Nach "Berlin brennt"-Protesten - Feuerwehrleute bekommen Überstunden ausbezahlt

Wochenlang hatten Berlins Feuerwehrleute im Frühjahr für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld protestiert. Nun gibt es für sie gute Nachrichten: Die Überstunden werden ausbezahlt. Außerdem hat die Feuerwehr ab sofort einen neuen Chef.

Berlins Feuerwehrleute bekommen über Jahre angehäufte Überstunden ausbezahlt. Insgesamt stellt das Land dafür sieben Millionen Euro zur Verfügung, teilte der Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Dienstag mit. Die Zahlungen begännen Ende August und geschähen dann in drei Phasen.

Zunächst sollen die Mitarbeiter der Wachen und des technischen Dienstes als größte Gruppe ihr Geld bekommen. Ende September sind dann die Mitarbeiter des Fernmeldeeinsatzdienstes, der Rettungswachen, des Lagedienstes und der Leitstelle dran. Voraussichtlich Ende Oktober folgen Leitungskräfte und andere Beschäftigte wie Ärzte. Durchschnittlich bekommt jeder Mitarbeiter gut 2.300 Euro - aber die Höhe unterscheidet sich von Fall zu Fall erheblich.

Geisel: "Vereinbarung mit Gewerkschaften wird umgesetzt"

Bei der Berliner Feuerwehr, der ältesten und größten Berufsfeuerwehr Deutschlands, klagen viele Einsatzkräfte seit längerem über veraltete Ausrüstung und Überlastung. Nach einer Mahnwache vor dem Rathaus hatten Gewerkschaften und Innenverwaltung am 30. April eine Vereinbarung geschlossen, um die Arbeitsbedingungen der insgesamt rund 4.200 Mitarbeiter zu verbessern. Ein Punkt war die Auszahlung der Überstunden.

Andere Anliegen wie die Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 48 auf 44 Stunden und ein neues 12-Stunden-Schichtmodell wurden laut Geisel schon umgesetzt. Zudem habe die Finanzverwaltung einen Gesetzentwurf erarbeitet, um die Feuerwehrzulage wie versprochen zu erhöhen. Dieser werde voraussichtlich bis Ende des Jahres im Abgeordnetenhaus beschlossen und gelte dann rückwirkend zum 1. Januar 2018.

Bis zuletzt scharfe Kritik von Gewerkschaften

Geisel erinnerte daran, dass Rot-Rot-Grün im Doppelhaushalt 2018/2019 354 zusätzliche Stellen und die Beschaffung von 98 neuen Fahrzeugen eingepreist habe. Die Anschaffung bestimmter Löschfahrzeuge werde nun sogar vorgezogen. "Ich weiß, das reicht nicht aus. Aber der Senat hat verstanden, dass wir an dieser Stelle handeln müssen und dass der Fuhrpark der Feuerwehr aufgerüstet werden muss", so Geisel.

Die nun geplanten Verbesserungen könnten keine einmalige Aktion sein, sondern müssten "verstetigt werden". Zuletzt hatten mehrere Gewerkschaften den Innensenator scharf kritisiert. "Keine dieser Zusagen wurde aktuell eingelöst", erklärte der Verhandlungsführer Roland Tremper von der Gewerkschaft Verdi noch Mitte Juli.

Berlins neuer Landesbranddirektor Karsten Homrighausen (Quelle: dpa/Kruse).
Berlins neuer Landesbranddirektor Karsten Homrighausen | Bild: dpa/Stefan Kruse

Neuer Landesbranddirektor soll Zukunftskonzept erarbeiten

Die Verbesserungen bei der Feuerwehr soll der neue Landesbranddirektor Homrighausen mitsteuern. Der Senat ernannte ihn am Dienstag zum Nachfolger von Wilfried Gräfling, der in den Ruhestand ging. Der 50-Jährige trägt nun als Behördenleiter die Verantwortung für die rund 4.200 Mitarbeiter der Berufsfeuerwehr sowie 1.500 Einsatzkräfte freiwilliger Wehren.

"Ich habe die Chance, die größte und älteste Feuerwehr zu leiten. Diese Chance bietet sich im Leben nur einmal", sagte Homrighausen im rbb. Er sehe ein, dass viele Dinge nicht von heute auf morgen zu lösen seien: Feuerwehrautos hätten lange Lieferzeiten, Person lange Ausbildungszeiten. "Die Feuerwehr hat eine kritische Infrastruktur, die es zu härten und zu stärken gilt", so der neue Landesbranddirektor.

Homrighausen ist Chemiker und war bisher Landesbranddirektor in Baden-Württemberg. In Berlin soll er nun ein Konzept namens "Feuerwehr 2030" erarbeiten, um die Behörde zukunftsfähig zu machen, wie der Innensenator sagte.

Sendung: Abendschau, 31.07.2018, 19:30 Uhr

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4 Kommentare

  1. 4.

    Überstunden ausbezahlt, Hurra.
    12 Stunden leisten und 9,x werden aus bezahlt, aber 12 Stunden werden „gestrichen“. Begründung Bereitschaftszeit/nicht Inanspruchnahm Zeit. Aber trotzdem wird man 12 Stunden lang alarmiert.

  2. 3.

    Überstunden werden ausbezahlt....
    Bereits geleistete Arbeit wird vergütet - prima und besten Dank an die Verantwortlichen. Es kann doch wirklich nicht sein eine solche schändliche Schlagzeile als Durchbruch zu verkaufen! Ich wünschte mir, daß so manchem Politiker das eigene Haus abbrennt und die Feuwehr bewußt spät oder auch viel später zum Einsatz gelangt.
    Ich habe solch eine Wut im Bauch was das politische Führen in Berlin aber auch in gesamt Deutschland angeht.
    Traurig (gefährlich) wenn die Steuerzahler schon so reagieren...

  3. 2.

    Zitat : "Zudem habe die Finanzverwaltung einen Gesetzentwurf erarbeitet, um die Feuerwehrzulage wie versprochen zu erhöhen. Dieser werde voraussichtlich bis Ende des Jahres im Abgeordnetenhaus beschlossen und gelte dann rückwirkend zum 1. Januar 2018."

    Hier sei anzumerken, daß wir von einer Erhöhung von ganzen 6€ pro Monat reden. Soviel zum Thema Wertschätzung

  4. 1.

    Riskieren ständig und immer wieder ihr Leben für andere (mitunter auch Dummköpfe und aggressive Idioten) werden beleidigt, bespuckt, kommen oftmals nicht rechtzeitig wegen überforderten Verkehrsteilnehmern und werden dann auch noch angeblökt, erfahren Angriffe von Unbeteiligten oder besoffenen Vollpfosten, oder solchen, die sich einfach nicht helfen lassen wollen - und machen immer weiter und warten viel zu lange auf die gerechte Entlohnung.

    RESPEKT und Danke dafür, nicht aufzugeben und den Idealismus nicht den Blinden und Bekloppten zu opfern.

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