Die Beuth Hochschule für Technik in Berlin (Quelle: imago/Schöning)
Audio: Radioeins | 05.07.2018 | Interview mit Monika Gross | Bild: imago/Schöning

Namensgeber soll Antisemit gewesen sein - Berliner Beuth-Hochschule prüft Umbenennung

Die Berliner Beuth-Hochschule für Technik prüft, ob sie an ihrem Namensgeber festhält, obwohl er nach neuen Forschungen Antisemit war. Am Mittwoch hat erstmals eine Arbeitsgruppe getagt, die sich mit der Frage der Umbenennung befasst.

In mindestens einer Rede Juden den Tod gewünscht

Es habe noch niemand eine abschließende Meinung dazu, sagte die Präsidentin der Hochschule, Monika Gross, am Donnerstag im rbb. Sie sagte, die judenfeindlichen Äußerungen von Christian Peter Wilhelm Beuth als Mitglied der Deutschen Tischgesellschaft Anfang des 19. Jahrhunderts müssten im historischen Kontext gesehen werden.

Im vergangenen Jahr war ein Gutachten erschienen, das Beuth antisemitische Haltungen nachwies. Er hatte demnach in mindestens einer Rede Juden den Tod gewünscht und sich antisemitischer Ressentiments bedient. Es gelte, immer, die gesamte Person zu betrachten. Trotzdem könne man auch zu der Entscheidung kommen, die Haltung nicht akzeptieren zu können.

Beuth gelte, so Gross weiter, als Begründer der Ingenieurwissenschaften, er habe sich aber auch als Mitglied im Preußischen Staatsrat gegen Liberalisierung eingesetzt. Das habe auch ein zweites, von der Hochschule initiiertes Gutachten erbgeben.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsere Netiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

3 Kommentare

  1. 3.

    Und Eddy Stoiber hat sich Anfang der 90er gegen eine "rassisch durchmischte" Gesellschaft ausgesprochen...Wieso könnte der Kanzlerkandidat werden???
    Werden die Wagner-Festspiele ("Die Juden in der Musik"), das Lutherjahr rückwirkend und der Reformationstag insgesamt abgeschafft (Luthers Antisemitismus traf vor allem die Juden, die sich nicht für seine Lehre missionieren ließen..).
    Beuth hat in einer Rede antisemitische Klischees bedient und Juden den Tod gewünscht!! Das ist nicht zu verharmlosen, allerdings ist der historische Kontext und die damalige "Normalität" solcher Reden zu berücksichtigen..(siehe auch Friedrich Ludwig Jahn).. Brechen wir jetzt die Beziehungen zum Iran ab, deren Führung nachweislich islamistischen Terror unterstützt und das Existenzrecht Israels in Frage stellt!!!????
    Goethe war jüngeren Dichterkollegen gegenüber, die hoffnungsvoll nach Weimar reisten, gegenüber ein "Arschloch" (u.a. Kleist und Novalis litten darunter).
    Wenn die "Guten" und "Immerrechthaber" ihre P.C. - Standards weiter hochsetzen, werden bald öffentliche Institutionen nur noch nach Pflanzen und Tieren benannt!!
    Übrigens: Sophie Scholl war vor ihrer beeindruckenden Widerstands"Karriere" Mitglied des BDM und Anhängerin des NS, etliche Widerstaendler des 20.Juli vorher in Kriegsverbrechen verstrickt....

  2. 2.

    Eigentlich wollte ich hier nix schreiben, Sie haben mich dann doch dazu ermuntert.
    Sie haben völlig recht! Das passiert, wenn wir mit unserer heutigen Moral-Brille über damals völlig andere Voraussetzungen und Bedingungen urteilen. Es gab Zeiten, da dürfte, mit Ausnahme der Juden selbst, nach heutigen Maßstäben so ziemlich jeder Deutsche oder auch nur in Deutschland Lebende ein Antisemit gewesen sein. Egal ob Bauer, Pfarrer, Arzt, Bürger oder Handwerker, alle hatten Vorbehalte gegen Juden, haben sie meist irgendwie toleriert, jedoch regelmäßig auch für ihr persönliches Unglück verantwortlich gemacht, was immer wieder zu schlimmsten Pogromen führte. Wer diesen historischen Kontext, den ich nicht gutheißen oder verharmlosen möchte(!), nicht beachtet, weiß auch nicht die Leistungen unserer Vorfahren zu würdigen. Unsere heutige Überheblichkeit über diese Menschen vernebelt unseren Blick.

  3. 1.

    Richtig! Man sollte die Äußerungen immer im historischen Kontext betrachten. Sind seine Leistungen für die Wissenschaft jetzt nicht mehr so viel Wert, nur weil er eine heute nicht mehr zeitgemäße Sozialisierung erfahren hat?

Das könnte Sie auch interessieren

Archivbild: Antisemitische Schmierereien auf der Gewegplatte am Marx Engels forum in Berlin (Bild: imago/PEMAX)
imago/PEMAX

Studie der TU Berlin - Antisemitismus im Internet nimmt stark zu

Antisemitismus ist nicht nur in der rechtsextremen Szene weit verbreitet, sondern auch in der Mitte der Gesellschaft: Das ist eines der Ergebnisse einer Studie zum Antisemitismus der TU Berlin. Hauptmultiplikator für das "besorgniserregende Phänomen" sei das Netz.