Essensreste, Pflanzenteile und ueberlagerte Lebensmittel in einer Biotonne (Quelle: dpa/Andrea Warnecke)
dpa/Andrea Warnecke
Audio: Inforadio, 6.07.2018, Karsten Zummack | Bild: dpa/Andrea Warnecke

Bundesweite Nabu-Studie - Brandenburg auf dem letzten Platz beim Biomüll-Sammeln

In Brandenburg kann so wenig Biomüll verwertet werden wie in keinem anderen Bundesland. Das geht aus einer Studie der Naturschutzorganisation Nabu hervor. Die Biotonne ist meist nur freiwillig - und in einem Landkreis in Brandenburg gibt es überhaupt keine.

Nirgendwo funktioniert das Einsammeln von Biomüll so schlecht wie in Brandenburg. In einer neuen Studie des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) landet das Bundesland abgeschlagen auf dem letzten Platz. Pro Einwohner und Jahr könnten in Brandenburg durchschnittlich nur sieben Kilogramm Biomüll durch die Abfallentsorger eingesammelt werden. Der bundesweite Schnitt liegt rund achtmal höher, bei 59 Kilo.

Nabu-Sprecher Benjamin Bongardt kritisiert, dass es in Brandenburg meist nur freiwillige Angebote zur sogennanten Biotonne gebe. Dabei wurde 2015 ein Gesetz eingeführt, laut dem Städte und Gemeinden ihren Bürgern die Möglichkeit bieten müssen, Biomüll getrennt vom Restmüll abholen zu lassen.

Allerdings finde mittlerweile ein Umdenken statt. So führen im kommenden Jahr unter anderem die Kreise Elbe-Elster und Spree-Neiße Biotonnen ein. Die Uckermark in Brandenburg wird jedoch im Bericht explizit hervorgehoben - als Landkreis, in dem den Bürgern keine Biotonnen angeboten werden.

Nabu fordert Quersubventionierung für die Biotonne

Wie der Nabu am Freitag in Berlin beklagte, geht auf diese Weise Biomüll als Rohstoff verloren, der zur Gewinnung von Bioenergie, Erde und Dünger genutzt werden könnte. Bundesweit könnten demnach mehr als vier Millionen Tonnen Bioabfälle pro Jahr mehr gesammelt werden, das würde die derzeit gesammelte Menge von 4,8 Millionen Tonnen fast verdoppeln.

Warum viele Brandenburger Kommunen noch keine Biotonne eingeführt haben, könne unterschiedliche Gründe haben, so der Nabu. Oft sei ein Hemmschuh, dass die Einführung der Biotonne zusätzliches Geld koste. "Weil sie natürlich die Abfüllrhytmen der schwarzen Tonne reduzieren, und gleichzeitig die Biotonne alle zwei Wochen abholen müssen. Sie brauchen dafür gegebenfalls mehr Fahrzeuge und Personal, und das muss gegenfinanziert werden."  Meist durch höhere Gebühren für die Verbraucher. Der Nabu fordert deshalb eine Quersubventionierung der Biotonne, damit sich das Trennen weiter durchsetzt.

Auch Berlin hinkt im Bundesvergleich hinterher

Laut Nabu gibt es bundesweit 24 Kreise und kreisfreie Städte in denen Lebensmittelreste und Gartenabfälle gar nicht gesammelt werden könnten. In vielen anderen Orten können die Bürger ihren Biomüll immerhin an zentralen Sammelstellen abgeben, was die Naturschützer jedoch als wenig verbraucherfreundlich kritisieren.

Den vorletzten Platz unter den Bundesländern bei der Verwertung von Biomüll belegt Berlin. Vor allem in dem Randbezirken schmeißen die Berliner vergleichsweise wenig Biomüll. Im April kündete die grüne Wirtschaftssenatorin Ramona Pop deshalb an, dass sie im Jahr 2019 Abhilfe schaffen will. Notfalls müsse man Anreize schaffen, indem beispielsweise die Biotonne kostenlos bereitgestellt wird. Oder die Restmülltonne wird seltener geleert, dann müssten die Leute ihren Müll disziplinierter trennen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 6.07.2018, 11 Uhr 

Kommentar

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20 Kommentare

  1. 20.

    Wenn ich den sog. Bio-Müll in die allgemeine Mülltonne werfe habe ich meinen Part getan und korrekt entsorgt, indem ich ihn nicht auf die Straße geworfen habe, der ganze Bio-Hype geht mir auf den Geist. Straßenmülleimer werden auch nicht "getrennt". Bei den Preisen können sie den Müll selber sortieren.

  2. 19.

    Das war ja wohl nix, liebe Freunde vom NABU - mit dem Finger auf Leute zu zeigen, die Biomüll vermeiden statt ihn entsorgen zu müssen!

  3. 18.

    Das stimmt so nicht ganz. Die Biomülltonne wird sehr wohl gesondert abgeholt.
    Nur warum Gaststätten ihren Biomüll im Hausmüll entsorgen können, kann ich nicht verstehen.

  4. 17.

    Weil die meisten noch einen Kompost haben !

    Wozu Biotonne....das ist lächerlich!

  5. 16.

    Kann ich mich den meisten nur anschließen. Daten erheben ist das eine im korrekten Zusammenhang auswerten das andere. In unserer städtischen Eigentümergemeinschaft produzieren wir sehr wenig Biomüll ohne eigenen Kompost und noch weniger Restmüll. Ich interpretiere daraus einen sehr verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln mit sehr wenig Abfall.

  6. 15.

    Ich beobachte das Abholverhalten der BSR seit 7 Jahren. Anfangs sortierte ich den Bio-Müll gesondert, wie ich das bereits seit etlichen Jahren in Augsburg machte. Dort wurde der Biomüll ohne Plastiktüten und Katzendreck gesondert gesammelt und kompostiert. Die Blumenerde wurde verbilligt an die Bevölkerung verkauft. Das fand ich gut. In Berlin beobachtete ich jedoch, dass der Biomüll mit der normalen Müll-Abholung mit entsorgt wird. Aus diesem Grund sehe ich keinen Sinn mehr darin, meinen Biomüll gesondert zur Tonne zu bringen.

  7. 14.

    In den von dir genannten Städten gibt es Biotonnen und die werden da auch gut genutzt. Da im Land Brandenburg aber ein großer Teil der Bevölkerung in Eigenheimen lebt oder einen eigenen Garten hat (in meiner letzten Wohnung in einem Plattenbau in Ffo hatten 8 von 10 Mietparteien einen Garten) ist die Menge Biomüll der in der Biotonne landet pro Kopf gesehen recht recht niedrig. Den Schluss den der Nabu zieht, dass alles im Hausmüll landet ist Unsinn.
    Auch das beispiel mit Berlin erklärt sich von selbst. In den Randbezirken gibt es auch in Berlin viele Eigenheime, dass dann dort weniger in den Biomülltonnen landet als im Stadtzentrum kann sich selbst ein Erstklässler ausrechnen.

  8. 13.

    Der NABU ist für mich so wenig glaubwürdig wie der WWF oder die DUH. Was hat er wie in seiner Studie untersucht? Wie er jetzt allerdings dazu kommt, die Bürger verpflichten zu wollen, ihren Bioabfall gegen Gebühren abholen zu lassen, anstatt ihn ohne Transportaufwand selbst zu kompostieren, kann ich mir nur mit dem Sommerloch erklären. Er muss sich mal wieder ins Gespräch bringen.
    In unserem Ort wird die Biomüll-Entsorgung zur Kompostierung angeboten. Wer auf seinem Grundstück nicht genug Platz hat oder als Mieter im Mehrfamilienhaus keine Möglichkeit zur Kompostierung hat, nimmt dieses Angebot auch gern an. Wer aber eine eigene Kompostbox hat und so das Problem selbst regeln kann, braucht keine Bevormundung durch den NABU.
    Dass es diese Meldung sogar mehrmals täglich in die Regionalnachrichten schafft, ohne dass auch nur etwas die Hintergründe beleuchtet werden oder auf die Vielzahl der gegenteiligen Meinungen eingegangen wird, halte ich nicht für richtig.

  9. 12.

    Lach.....meine Güte hat NABU Probleme....

    Mein BIOMÜLL geht auch auf den Kompost.

    Ob die mal einen Blick auf die Karte geworfen haben? Sicher nicht, dafür ist man bei dem Verein bestimmt zu gebildet.

  10. 11.

    Der Nabu will im Ernst dem brandenburgischen Kleingärtner vom Schreibtisch aus ermahnen, warum die Durchschnittswerte nicht erreicht werden??? Da fehlt es wohl an der Schulbildung und dem "Ein mal Eins".

  11. 10.

    Den Kommentaren nach scheint Brandenburg nur aus Dörfern zu bestehen. Alle haben einen Garten und da natürlich einen Komposthaufen. Und in Potsdam, Cottbus, Brandenburg usw. scheint es nur Einfamilienhäuser zu geben - mit Garten und Komposthaufen.

  12. 9.

    So leid es mir tut, aber ist man jetzt vollkommen übergeschnappt? Wenn man sich Brandenburg als Bundesland mal anschaut, dann weiss man das selbst die meisten Ortschaften mit "Stadtstatus" eher dorfähnlich sind. Fast alles in Brandenburg ist auf Landwirtschaft ausgerichtet und selbst die Privathaushalte nehmen ihren Biologischen müll als ressource für sich selbst. Denn fast jeder Privathaushalt mit eigenem Garten hat in diesem Garten auch einen Komposthaufen. Demnach müsste Brandenburg eigentlich mit der Entwicklung von so Wenig Biologischem Abfall als gutes Beispiel vorran gehen, statt wie in diesem Beitrag kritisiert zu werden.

  13. 8.

    Ich widerspreche ihrer Verpflichtung von Biotonnen in den Städten. Das sollte jeder Kommune und auch jedem Vermieter selbst überlassen bleiben. Es gibt dabei, gerade in Wohnkomplexen bei Häusern mit Gemeinschaftstonnen und locker mal 50 Wohnungen / Familien, ein technologisches Problem. Nicht jeder ist so gebildet, um wirklich Bioabfall zu erkennen. Und noch eins: Wenn hier in der Mülltonnenbox noch zusätzlich eine Biotonne stehen würde mit lecker stinkenden Abfällen, freuen sich die Waschbären und Ratten auch. Nicht nur der NABU mag Bioabfälle! Auch Tiere, die wir in unserem Umfeld nicht haben sollten. Wenn die Tonnen jeden Tag geleert werden würde, wäre das natürlich keine so großes Problem. Aber eben das kann die Kommune nicht leisten.

  14. 7.

    Man müsste Geld verlangen, dafür dass andere mit dem Abfall Geld verdienen.
    Als Gartenbesitzer würde ich meinen Bioabfall trotzdem nicht hergeben. Den brauche ich regional und höchst umweltverträglich auf dem eigenen Komposthaufen.

  15. 6.

    Man ist der Nabu weit von uns entfernt. Bestimmt sind 90 % der Einfamielenhausbesitzer selbstkompostierer in diesem Flächenland. Und der Rest in den Städten sollte verpflichtet werden zu der Tonne, wenn ein Mehrfamilienhaus vorhanden ist und oder er nachweislich kompostiertieren verzichten können. Bei mir war noch keiner zu einer Umfrage vom Nabu zur Kompostkontrolle :-). Wie kommen diese Zahlen tiefenungeprüft zustande?

  16. 5.

    Ich lebe in einer Gemeinde in Brandenburg, in der kein Biomüll abgeholt wird. Trotztem trenne ich meinen Müll und der organische Abfall kommt auf den Kompost! Wie vermutlich auch bei allen anderen Nachbarn im Dorf.

  17. 4.

    Ein Glück, dass es in Brandenburg noch viele Haushalte gibt, die ihren Biomüll selbst sammeln, kompostieren und so neuer Bestimmung zuführen. Das wäre eigentlich auch das »biologischste« und naheliegendste - keine Müllfahrten, direktes Zugutekommen denjenigen nährstoffarmen Böden, denen die Biomasse eventuell vorher entnommen wurde...
    Unser eigener Bioabfall geht jedenfalls keineswegs verloren – höchstens denen, die damit ihr Geschäft machen wollen.

  18. 3.

    "Brandenburger sind im Trennen von Biomüll schlecht."

    was nen Quatsch - wo/ wie wird das belegt, wurden die restlichen Tonnen auf Biomüll kontrolliert und waren damit überproportional befüllt?
    Ich behaupte jetzt einfach mal, dass die meisten nen Komposthaufen haben und es daher nicht entsorgen brauchen.

  19. 2.

    Ist auch normal, haben fast alle einen Kompost...

  20. 1.

    Bio-Mülltonnen sind NUR erträglich, wenn im Sommer Abholung täglich
    auf dem Land in Brandenburg wird auch kompostiert---
    Doch was gehört in den BIO-Müll- doch NUR BIO-Produkte--

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