Siegel der Polizei Brandenburg nach einer Durchsuchung (Quelle: dpa/Bernd Settnik)
Audio: Antenne Brandenburg | 03.07.2018 | Torsten Sydow | Bild: dpa/Bernd Settnik

Aktuelle Kriminalitätsstatistik - Polizei verzeichnet weniger Straftaten in Brandenburg

Der Trend von 2017 setzt sich offenbar fort: Im ersten Halbjahr 2018 wurden in Brandenburg weniger Straftaten erfasst. Auch die Aufklärungsquote sei gestiegen, teilte Polizeichef Hans-Jürgen Mörke am Dienstag mit. Zwei Bereiche aber machen ihm Sorgen.

Die Zahl der erfassten Straftaten in Brandenburg ist im ersten Halbjahr 2018 gesunken, doch Sexual- und Drogendelikte haben zugenommen. Das teilte der brandenburgische Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke am Dienstag bei der Vorstellung der jüngsten Kriminalitätsstatistik mit.

Demnach wurden im Vergleich zum Vorjahreszeitraum über alle Kriminalitätsbereiche hinweg insgesamt drei Prozent weniger Fälle registriert.

Starker Anstieg bei Sexualdelikten

Von 85.358 registrierten Straftaten konnten die Ermittler 56,6 Prozent aufklären. Damit lag die Quote etwas höher als im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres (55 Prozent).

Allerdings sind Delikte wie Vergewaltigung und sexueller Missbrauch um rund ein Drittel angestiegen, sagte der Polizeichef. "Das macht mir - ehrlich gesagt - Sorgen." Ein Grund sei sicherlich die gestiegene Sensibilität in der Bevölkerung; weitere Gründe müssten aber noch analysiert werden. Mörke betonte, dass der Anstieg überwiegend auf deutsche Verdächtige zurückzuführen sei. Lediglich in fünf von 187 zusätzlichen Fällen gehe man von Zuwanderern aus. "Im letzten Jahr haben wir es noch anders sagen müssen."

13-Jährige in Frankfurt (Oder) mit Drogen erwischt

Auch bei den Drogendelikten ist ein Anstieg zu verzeichnen. So wurden im ersten Halbjahr 2017 gut zehn Prozent mehr Drogendelikte erfasst als im selben Zeitraum des Vorjahres. "Das spricht für die Kollegen, dass sie hier sehr intensiv hinschauen", sagte Mörke. Doch vor allem im Straßenverkehr bereite Drogenmissbrauch der Polizei zunehmend Sorgen. Es seien knapp ein Viertel mehr Fälle bei einfachen Kontrollen aufgefallen. Hier sei auch die Gesellschaft gefragt, etwa durch Aufklärung in den Schulen. In Frankfurt (Oder) sei zum Beispiel bereits eine 13-Jährige mit Drogen erwischt worden.

Zu den weiteren Schwerpunkten der Polizeiarbeit gehörten die Bekämpfung des islamistischen Terrorismus sowie die Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Zuwanderern in Cottbus, Frankfurt (Oder) und Eisenhüttenstadt. In allen Städten habe die Lage aber beruhigt werden können, sagte Mörke. Die Gewaltkriminalität sei in ganz Brandenburg nach einem "besorgniserregenden Anstieg" im vergangenen Jahr zuletzt um 7,7 Prozent zurückgegangen.

Großes Lob für Zusammenarbeit mit polnischer Polizei

Auch die grenzüberschreitende Kriminalität bliebt für die Polizei ein weiterhin wichtiges Thema. Typische Delikte in diesem Bereich wie Einbrüche und Fahrzeugdiebstähle gingen insgesamt im Land zurück. Einen Zuwachs verzeichnete die Polizei dagegen bei Fällen, in denen Lastwagen-Planen aufgeschlitzt wurden, um die Ladung zu stehlen.

Ganz besonders lobte Mörke in diesem Zusammenhang die Zusammenarbeit zwischen den Ermittlungsbehörden in Brandenburg und Polen. Gemeinsam mit deutschen Beamten hätten polnische Polizisten eine Bande von Autodieben auffliegen lassen, die sich vor allem auf die Marke Skoda konzentriert habe. "Ich denke, dass wir gerade in diesem Bereich eine nie gekannte Qualität in der Zusammenarbeit haben", sagte Mörke am Dienstag dem rbb.

Viehdiebstähle weitgehend aufgeklärt

Praktisch aufgeklärt seien auch die zahlreichen Viehdiebstähle aus den Jahren 2016 und 2017. So hätten einige Verdächtige einer polnischen Tätergruppe, die in Brandenburg und Sachsen zahlreiche Rinder gestohlen haben sollen, verhaftet werden können. Das Ermittlungsverfahren laufe aber noch, daher wollte der Polizeichef keine näheren Angaben dazu machen.

Die Beamten registrierten zwar weniger Verkehrsunfälle (minus 6,7 Prozent). Auf Brandenburgs Straßen starben dennoch im ersten Halbjahr des Jahres 69 Menschen, nach 70 im Vorjahreszeitraum. Hauptursache für Unfälle sei nach wie vor zu hohe Geschwindigkeit, warnte Mörke.

DHL-Erpresser: Noch keine gerichtsfesten Beweise

Angesprochen auf den Aufsehen erregenden Fall des DHL-Erpressers sagte Mörke auf Nachfrage: "Ich hoffe - das kann ich nicht garantieren -, dass wir zu einem Ergebnis kommen." Das komplizierte Ermittlungsverfahren könne schnell gehen, aber auch noch lange dauern. Manchmal wisse man nach einem halben Jahr, wer die Täter seien, "aber Sie müssen das gerichtsfest beweisen". Dem oder den Tätern, die den Paketdienstleister DHL um einen Millionenbetrag erpressen wollen, werden vier Fälle in Berlin und Brandenburg in 2018 und 2017 zugeordnet. Jeweils waren Pakete mit Sprengmaterial gefunden worden.

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