Protest der Feuerwehr (Symbolbild, Quelle: dpa, Paul Zinken)
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Unzufriedenheit bei manchen Feuerwehrleuten - Ein wenig brennt Berlin immer noch

Die Anpassung der Feuerwehrzulage von sechs Euro, hunderte Beförderungen und neue Investitionsmillionen hatten Berlins Feuerwehrleute mit ihrem "#BerlinBrennt"-Protest vom Senat erstritten. Doch einige Feuerwehrmänner sind skeptisch. Sie protestieren weiter.

David Hemmerling ist unzufrieden mit der Frühjahrseinigung von Feuerwehrleuten und Senat. Und er will diese Unzufriedenheit auch den Berlinern erklären. “#BerlinBrennt“ nannte sich der Protest in den Frühjahrsmonaten des Jahres. Vor dem Roten Rathaus brannten Feuertonnen,  und der Innensenator und seine Mitarbeiter versuchten in Gesprächen und Verhandlungen, die populären Retter zu beruhigen. Am 30. April sprachen Gewerkschaften und Senat dann von einer Lösung in den wichtigsten Vergütungs- und Einsatzfragen - und mit ein paar Tagen Verzögerung erloschen dann auch die Protesttonnen. Die Feuerwehrleute gingen wieder auf die Wachen.

Die Gewerkschaften haben gesagt: 'Es passiert was!' - Aber es passiert nichts.

Feuerwehrmann und Protestaktivist David Hemmerling

Jetzt entzündet die Initiative “Bürger für 'Berlin brennt'“ mit Feuerwehrmann David Hemmerling an der Spitze neue Protesttonnen. Auch wenn nur einige wenige kommen - was zähle, sei das Signal, sagt der Aktivist. Die Überschrift für sein "Aktionstreffen am Neptunbrunnen" am Freitagabend trägt die alte Protestnote in sich und nennt sich so, weil die Aktivisten der Gruppe unzufrieden sind mit dem, was der Senat den Feuerwehrleuten nun zugesteht. Die Besoldung, die Arbeitszeiten, die Belastung durch häufige Fehlalarme, die Nachwuchsgewinnung und die Ausstattung waren die Streithemen.

Im September kommt das Überstundengeld, aber noch keine Zulage

“Die Gewerkschaften haben damals gesagt, es passiert 'was. Aber es passiert nichts", lautet der Vorwurf des Feuerwehrmannes, der mit den Arbeitnehmervertretern von Verdi und der Deutschen Feuerwehrgewerkschaft unzufrieden ist. "Auch die Kollegen -  95 Prozent sehen das so wie ich", sagt Hemmerling als Beleg dafür, dass er nicht allein ist. Und er präzisiert: "Alle stehen hinter uns!" Sein Vorwurf: "Wurde etwa die Forderung erfüllt 'Reduzierung der Feuerwehreinsätze' ? – Nein. Oder: 'Erhöhung der Zulage' – Nein, auch nicht!"

Die Polizeigewerkschft widerspricht

Micha Quäker von der Deutschen Feuerwehrgewerkschaft widerspricht. “Etwa die Beförderungen: Seit der Vereinbarung im April gab es bereits 170 Beförderungen. 120 weitere gibt es noch Ende Juli." Hinzu komme die Übereinkunft  über die Deckelung der Wochenarbeitszeit auf 44 Stunden. “  Diese gelte ab 1. September verbindlich mit einer Übergangsregelung bis dahin, in der noch vier Überstunden pro Woche möglich seien. “Und die Abrechnungsstelle hat heute die Listen mit den Namen und der Anzahl der Überstunden bekommen und hat die ersten Zahlungen für September angekündigt“, sagt der Gewerkschafter.

Allerdings räumt Quäker ein, dass sich einiges auch verzögere. “Die Einführung der Zulage? – Da wurde uns gesagt, dass zwar die dafür nötige Vorlage bereits erarbeitet sei, diese aber noch nicht ins Abgeordnetenhaus eingebracht worden sei. Vereinbart ist hier die Zahlung rückwirkend zum 1. 1., und ich gehe davon aus, dass sich die Politik auch an diese Zusage hält."

Neues Equipment? - Zur Not auch erstmal gebraucht!

Quäker allerdings zeigt auch Verständnis für die Unzufriedenheit vieler Feuerwehrleute: “Uns ist bewusst, dass die Kollegem nicht ganz zufrieden sind. Aber ich bitte auch um Verständnis, dass wir nicht innerhalb weniger Wochen alles zu 100 Prozent umgesetzt bekommen." Hier verweist der Gewerkschafter auch auf weitere Gespräche mit dem Senat im September. Quäkers Hoffnung: zusätzliche Mittel für Investitionen in die Ausstattung der Feuerwehren und deren Equipment: “Der Senat hat erkannt, dass hier dringend Investitionen nötig sind und hat Verbesserungen zugesagt." Quäker erklärt, dass wohl geplant sei, dass der Senat sogenannte SIWANA-Mittel, also Gelder für die Entwicklung der wachsenden Stadt, zusätzlich ab September auch für Investitionen bei der Feuerwehr einsetze. Zwar wären auch dann nicht sofort neue Fahrzeuge und Ausrüstungen da. “Aber es könnte Equipment angeschafft werden für die Stellen, wo es brennt. Zur Not auch erstmal 'gebraucht'."

Weitere Gespräche im September? - Feuerwehrmann Hemmerling sieht das Vorgehen der Gewerkschaften, also von Verdi, der Feuerwehrgewerkschaft und der Gewerkschaft der Polizei, bislang nur als "wenig erfolgreich": "Die Gewerkschaften haben gesagt: 'Es passiert was!' - Aber es passiert nichts." Darum auch will er weiter protestieren - denn nur wenn weiterhin Protest zu sehen und zu spüren sei, verbessere sich auch etwas für die Feuerwehrleute.    

Kommentar

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13 Kommentare

  1. 13.

    inzwischen hat herr hemmerling ein e eigene "BerlinBrenn" gruppe auf facebook gegründet. sonderbareweise als geschlossene gruppe.
    und wer ist da schuld an den feuerwehrproblemen? richtig, die flüchtlinge, wer sonst.
    nich fehlen dürfen dann natürlich auch strafbewehrte aufrufe zur selbstjustiz.
    es ist immer ratsam die 7 w des journalsismus zu behertzigen.

  2. 12.

    Genau das wollen Feuerwehrmänner eben nicht! Bedeutet es doch viel Leid. Das wir kennen. Das will keiner einem anderen antun.
    Leider scheint das die einzige Möglichkeit zu sein. Die Londoner Kollegen haben das mal gemacht - und ihre Forderungen so durchsetzen können. Müßte etwa 15 bis 20 Jahre her sein.
    Aber wenn es so weitergeht, müssen wir das gar nicht! Der Senat und die Feuerwehrführung machen das mit Mißwirtschaft und Inkompetenz ganz alleine: Keine Fahrzeuge mehr für die Freiwilligen, kein Personal bei der Berufsfeuerwehr, keine festbesetzen Drehleitern mehr, im Löschfahrzeug nur noch die Fensterplätze besetzt ...
    Berlin brennt schon ab! Jeden Tag ein bißchen mehr!

  3. 11.

    Tja, darauf hinweisen reicht eben offensichtlich nicht! Vielleicht sollten sich die Gewerkschaften mal auf alte Traditionen zurückbesinnen und sich nicht schon dafür toll finden, daß ein Senator mit ohnen redet! Ui!

  4. 9.

    Last Berlin doch einfach abbrennen. Vielleicht merkt man es ja dann auch. Ein Verlust wäre es nicht.

  5. 8.

    Nutzt euren vorhandenen Zusammenhalt (bei anderen Institutionen ist jedes Zusammengehörigkeitsgefühl dem Konkurrenzdenken zum Opfer gefallen) und laßt euch einfach nicht mehr verarschen.
    Ihr kennt doch den Senat, da werden ein Beruhigungsglobulis verteilt, damit wieder Ruhe herrscht und bessern tut sich nichts!

  6. 7.

    Wer mit dem hohlen Spruch "Es passiert `was" diejenigen Feuerwehrleute Berlins, die tagtäglich ihr Leben und ihre Gesundheit zum Schutz der Allgemeinheit und von Mitmenschen einsetzen, abspeisen will, ist mMn zu deren Vertreter gegenüber dem deutschen Staat ungegeignet. Wer Substanz will, muss auch Substanz liefern! Die Berliner Feuerwehrleute tun es, doch Politiker, Staat und Gewerkschaften haben versagt, denn der jahrelange Raubbau an Personal und Material hätte im Vorfeld erkannt und verhindert werden müssen. Dass nur wenige ihre Skepsis und herbe Enttäuschung momentan zum Ausdruck bringen, könnte auch die Ruhe vor dem Sturm bedeuten. Was für eine Schande!

  7. 6.

    Von den 20 Forderungen sollen 5 teilweise erfüllt werden !
    Das wars.
    Und von diesen 5 ist bislang nicht eine einzige bis jetzt erfüllt worden.
    Bei den Beförderungen frage ich mich, wer denn da bislang befördert wurde ?
    Auf meiner Wache ist bis jetzt überhaupt niemand befördert worden ! Ich bin auch fast 25 Jahre bei der Feuerwehr und wurde vor über 10 Jahren bislang das erste und letzte Mal befördert. Zum Oberbrandmeister A8.
    In Brandenburg ist das demnächst Einstellungsamt !
    Was die Gewerkschaften da ausgehandelt haben, ist ein Witz !

  8. 5.

    Es ist nichts dabei rausgekommen. Wir stehen an der selben stelle wie vor der Tonne bzw sind noch tiefer im Abgrund.
    Fast tägliche Ausnahmezustände, kaum noch funktionsfähige Fahrzeuge, Alarmzahlen höher als davor, trotz neuer Berechnungsgrundlage.neue Stellen? Wo ? Alles schon vorher beschlossen gewesen und wenn neu, dann eh nur für den notsan, aber nicht für die Feuerwehr. Wachen sind marode usw

  9. 4.

    Auch zu erwähnen: die 350 neuen Stellen beinhalten nur rund 75 neue Feuerwehrleute (wenn überhaupt). Der Rest geht drauf für den Stab und die sonstige Fw-Verwaltung. Das geht aus einer Anfrage hervor.
    Berlin schafft sich ab!!

  10. 2.

    Haha, wer will denn bei den Bedingungen noch zur Feuerwehr? Die meisten werden nach A7 oder A 8 besoldet. Zahlen ihre Krankenversicherung vom nettolohn. Dann lieber etwas weniger Geld mit Hartz 4 und das Leben genießen.

  11. 1.

    Hallo liebes RRB-Team, was ich mal los werden wollte. Die ganzen Beförderungen, neuen 350 Stellen und die versprochenen 100 neue Fahrzeuge sind keine Ergebnisse der #BERLINBRENNT Aktion. Dies war alles im Haushalt 2018 längst beschlossen. Das solltet ihr auch mal so berichten.
    Die einzigen Ergebnisse waren die 6€ mehr Feuerwehrzulage (im Monat), jetzt bekommen auch Kollegen die Feuzul. die sich nicht in Gefahr begeben, wozu diese gedacht ist. Des Weiteren das der Senat öffter mit dem Gewerkschaften reden möchte und die so tolle 44h Woche.
    Die 44h Woche wollen die meisten Kollegen gar nicht. Wir sind weniger zu Hause, 6 Wochenenden im Jahr haben wir mal frei und höchst unflexibel ist dieses System auch. Es fehlen da die Ruhezeiten zwischen den Diensten usw. Letzt endlich werden wir eh wieder verarscht und hin gehalten.

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