Illustration - Wissenschaftler aus der ganzen Welt teilen ihre Texte (Bild: imago/Eva Bee)
Bild: imago/Eva Bee

ARD-Recherche zu scheinwissenschaftlichen Verlagen - So reagieren die Forschungseinrichtungen in der Region

Auch mehr als 250 Wissenschaftler aus Berlin und Brandenburg haben laut rbb-Recherchen bei dubiosen Raubverlegern ihre Forschungsergebnisse publiziert. Die Universitäten und Forschungseinrichtungen kündigen Konsequenzen an. Eine Übersicht von Dominik Wurnig

Große Betroffenheit unter den Spitzenforschungseinrichtungen in Berlin und Brandenburg: Auch mehr als 250 Forscher aus der Region sind in den weltweiten Skandal um scheinwissenschaftliche Publikationen verwickelt. Die Wissenschaftler veröffentlichten - oftmals auch unwissentlich - ihre Forschung in unseriösen Verlagen, die eine wissenschaftliche Qualitätskontrolle oft nur vortäuschen.

Das ergaben Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung gemeinsam mit rbb|24 und weiteren nationalen und internationalen Medien. Dafür wurden 175.000 von fünf der wichtigsten scheinwissenschaftlichen Plattformen veröffentlichte Forschungsartikel ausgewertet.

"Beschädigung der Glaubwürdigkeit"

Charité, Technische Universität, Brandenburgische Technische Universität, Beuth Hochschule, HWR, Humboldt-Universität oder Freie Universität - überall ist man überrascht, dass auch eigene Wissenschaftler bei dubiosen Verlagen ihre Forschung veröffentlichten. "Jedem muss bewusst sein, wenn die Wissenschaft nicht glaubwürdig ist, wenn wir mit Fake-Konferenzen und Fake-Journalen arbeiten, dann beschädigen wir die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft und daran hat keiner Interesse", sagt Steffen Krach (SPD), Berliner Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung.

Die betroffenen Wissenschaftler haben Forschungsergebnisse gegen Zahlung teilweise hoher Gebühren in zumeist über das Internet verfügbaren, scheinwissenschaftlichen Journalen publiziert, die von Unternehmen in Südasien, der Golfregion, Afrika oder der Türkei herausgegeben werden. Diese Firmen behaupten Forschungsergebnisse wie international üblich vor Veröffentlichung anderen erfahrenen Wissenschaftlern zur Prüfung und Korrektur vorzulegen. Den Recherchen zufolge geschieht dies jedoch meist nicht.

Mehr als 100 zweifelhafte Papers

Die rbb|24-Datenauswertung fand mehr als 100 zweifelhafte Papers - oftmals erstellt von mehreren Co-Autoren - mit Verbindungen zu fast allen renommierten Forschungseinrichtungen in Berlin und Brandenburg. rbb|24 hat die Hochschulen mit den Vorwürfen konfrontiert - hier ihre Stellungnahmen:

  • Charité

  • Brandenburgische Technische Universität Cottbus - Senftenberg (BTU)

  • Beuth Hochschule für Technik Berlin

  • Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR)

  • Technische Universität Berlin (TU)

  • Humboldt-Universität zu Berlin (HU)

  • Freie Universität Berlin (FU)

Sendung: Abendschau + Brandenburg Aktuell, 19.07.2018, 19:30 Uhr

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    Und wenn man sich bemüht, dann findet man auch konventionelle redaktionelle Medien, beispielsweise technische und wissenschaftliche Fachzeitschriften/Periodika, wo man seine wissenschaftlichen Beiträge publizieren kann. Sogar in konventionellen Medien/Zeitungen können fundierte wissenschaftliche Publikation – natürlich in einer allgemeinverständlichen Sprache (Wissenschaft muss immer kommunizierbar sein!) veröffentlich werden. Man ist also gar nicht auf unseriöse Anbieter für wissenschaftliche Publikationen angewiesen! Man muss sich eben nur bemühen, nach dem Motto „Wer suchet, der findet! Und wenn alle Stränge reißen, dann kann man ja seine wissenschaftlichen Resultate auch im Eigenverlag veröffentlichen – der Computer bietet hier ungeahnte und exzellente technische und technologische Möglichkeiten (Stichwort: Erstellung einer DIN A 5 Broschüre bis zu 160 Seiten, inklusive wissenschaftlicher Expertisen/Beurteilungen von Experten).
    Siegfried Marquardt, Königs Wusterhausen

  2. 6.

    Es ist nahezu unverständlich, dass Autoren für die Veröffentlichung ihrer wissenschaftlichen Arbeiten an unseriöse „Wissenschaftsverlage“ einen nicht unbeträchtlichen Obolus entrichten (müssen)! Wenn solche unseriöse Konditionen existieren, dann haben sich die Verlage (und die Autoren) bereits selbst disqualifiziert respektive diskreditiert und man sollte als wissenschaftlicher Autor die Hände davon lassen (mit gewissen Ausnahmen bei Druckkostenzuschüssen für Masterarbeiten und Dissertationen). Denn: Es gibt bereits eine größere Anzahl von modernen Medien und insbesondere das Internet, wo man ganz seriöse Anbieter für wissenschaftliche Veröffentlichungen findet. Exemplarisch hierfür ist beispielsweise das Internetportal spektrum.de, wo man kleinere Beiträge nach entsprechender Prüfung der Redaktion publizieren kann. Aber auch das Internetportal „Wissenschaft3000“ wäre hierfür exemplarisch! Siegfried Marquardt, Königs Wusterhausen

  3. 5.

    Ich denke auch, dass die Probleme im Wesentlichen durch den gestiegenenen Publikationsdruck resultieren, insbesondere die Bewertung von Stellenbewerbern vor allem nach der Anzahl der Publikationen. Vielleicht wäre es einen interessante Alternative, die Anzahl der Publikationen pro Wissenschaftler zu begrenzen? Dann würde sich sicher jeder überlegen müssen, ob er am Ende mit einer Liste wenig bedeutender Erkenntnisse oder lieber mit wirklich interessanten Resultaten dastehen möchte.

  4. 4.

    Ich bitte zu beachten, dass es sich bei den angesprochenen Zeitschriften keineswegs um 'High Impact' Journale handelt. Häufig wird sogar ueberhaupt kein 'Impact' (die durchschnittliche Anzahl der Zitate eines Artikels in der jeweiligen Zeitschrift) ermittelt. Ausserdem wird hier nicht das 'peer review' System kritisiert sondern seine Aushebelung durch Betrug. Ein peer-review selber mag Schwächen haben, gilt aber als aktuell immer noch bestes System zur Kontrolle von Qualität.

  5. 3.

    Ist natürlich klar das bei den sog. "High Impact"-Journalen da alle Alarmglocken läuten, es geht ja um Geld. Es ist schon lange bekannt das das Peer Reviewing System kaputt ist. Die Wissenschaft ist in einer Krise gerade WEIL so viele Publikationen der High Impact-Journale sich als falsch bzw. nicht reproduzierbar herausgestellt haben. Das ist ein Schmierentheater ohnegleichen. Da kann man den Peer Review Prozess dann ja auch gleich umgehen, um schneller und günstiger publizieren zu können, der Druck ist einfach zu groß. Letztendlich geht es ja primär um den Inhalt der Publikation und wenn dieser transparent und nachvollziehbar dargestellt wurde, ist mir herzlich egal wo das publiziert wurde. Es braucht ein komplett neues Publikationssystem, ohne die mafiösen Strukturen des bestehenden Systems.

  6. 2.

    Ist natürlich klar das bei den sog. "High Impact"-Journalen da alle Alarmglocken läuten, es geht ja um Geld. Es ist schon lange bekannt das das Peer Reviewing System kaputt ist. Die Wissenschaft ist in einer Krise gerade WEIL so viele Publikationen der High Impact-Journale sich als falsch bzw. nicht reproduzierbar herausgestellt haben. Das ist ein Schmierentheater ohnegleichen. Da kann man den Peer Review Prozess dann ja auch gleich umgehen, um schneller und günstiger publizieren zu können, der Druck ist einfach zu groß. Letztendlich geht es ja primär um den Inhalt der Publikation und wenn dieser transparent und nachvollziehbar dargestellt wurde, ist mir herzlich egal wo das publiziert wurde. Unfassbar wie hier versucht wird, die Öffentlichkeit für dumm zu verkaufen. Es braucht ein komplett neues Publikationssystem, ohne die mafiösen Strukturen des bestehenden Systems.

  7. 1.

    Ist natürlich klar das bei den sog. "High Impact"-Journalen da alle Alarmglocken läuten, es geht ja um Geld. Es ist schon lange bekannt das das Peer Reviewing System kaputt ist. Die Wissenschaft ist in einer Krise gerade WEIL so viele Publikationen der High Impact-Journale sich als falsch bzw. nicht reproduzierbar herausgestellt haben. Das ist ein Schmierentheater ohnegleichen. Da kann man den Peer Review Prozess dann ja auch gleich umgehen, um schneller und günstiger publizieren zu können, der Druck ist einfach zu groß. Letztendlich geht es ja primär um den Inhalt der Publikation und wenn dieser transparent und nachvollziehbar dargestellt wurde, ist mir herzlich egal wo das publiziert wurde. Unfassbar wie hier versucht wird, die Öffentlichkeit für dumm zu verkaufen. Es braucht ein komplett neues Publikationssystem, ohne die mafiösen Strukturen des bestehenden Systems.

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