SYMBOLBILD - Grundschüler meldet sich, Lehrerin ruft ihn auf (Quelle: dpa/chromorange/Iris Kaczmarczyk)
Audio: Inforadio | 02.07.2018 | Kirsten Buchmann | Bild: dpa/chromorange/Iris Kaczmarczyk

Moabiter Grundschule blickt aufs kommende Schuljahr - Wenn ein Viertel des Kollegiums keine Lehrerausbildung hat

Zum kommenden Schuljahr braucht Berlin mehr als 2.000 neue Lehrer. Ein großer Teil davon wird Quereinsteiger sein. An der Moabiter Grundschule werden sie ein Viertel des Kollegiums stellen. Die Rektorin muss daher schwierige Entscheidungen treffen. Von Kirsten Buchmann

An ihrem Schreibtisch in der Moabiter Grundschule geht Rektorin Undine Zeibig ihre Lehrer für das kommende Schuljahr durch. Inzwischen sieht es so aus, dass sie mit ihrem Personal im neuen Schuljahr rechnerisch alle Stunden abdecken kann. Gerade hat sie verabredet, dass eine weitere Quereinsteigerin bei ihr anfängt und Gesellschaftswissenschaften – kurz: GeWi – unterrichtet.

"Ich habe eine Quereinsteigerin gefunden, die im Moment gerade in einer Bank arbeitet, aber für den GeWi-Bereich bei uns einsteigen kann, weil sie da auch eine wissenschaftliche Ausbildung absolviert hat", erklärt Zeibig.

Fast ein Viertel Quereinsteiger

Mit dieser neuen Kollegin hat sie sieben Quereinsteiger an Bord - fast ein Viertel ihres Kollegiums. Dieser hohe Anteil bereitet ihr Kopfzerbrechen, die Situation sei "ganz schwierig", so Zeibig. "Es gibt Leute, die haben ein Naturtalent und es gibt Leute, wo es ganz schlecht läuft." Dazwischen gebe es eine große Bandbreite von Kollegen, die sich mit Unterstützung innerhalb der dreieinhalb Jahre ihrer Ausbildung entwickelten.  

An Zeibigs Schule überwiegen inzwischen diejenigen, die nicht für den Grundschulunterricht ausgebildet sind. Zu dem 31-köpfigen Kollegium zählen neben den sieben Quereinsteigern und einer Referendarin elf ausgebildete Grundschullehrer sowie zwölf Oberschullehrer etwa mit Fächerkombinationen wie Russisch/Latein oder Mathe/Physik.

Zahlreiche Mangelfächer

In bestimmten Fächern hat sich die Lage nicht entspannt. Beispiel Sport. Da geht nun eine Lehrerin, die nur dieses Fach unterrichtet hat. Sie habe zwar Personal, sagt Undine Zeibig. Aber wie sie es einsetze, sei eine schwierige Frage. "Da ist die Entscheidung: Setze ich jetzt die Kollegin als Sonderpädagogin ein oder als Sportlehrerin. Ich habe eine, die hat Sonderpädagogik und Sport studiert."

Für Musik fehlt ihr ebenfalls eine Lehrerin. Musik und Sport gehören an den Grundschulen zu den Mangelfächern, ebenso Deutsch, Mathe, Englisch und Naturwissenschaften. Schwer Nachwuchslehrer finden laut der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft vor allem Schulen am Stadtrand und in sozialen Brennpunkten - wie die Moabiter Grundschule.

Wer sollte Studenten betreuen?

Ihre Rektorin Undine Zeibig, würde grundsätzlich auch auf Studierende zurückgreifen, wenn sie zusätzliches Personal benötigt: Wenn in eine Schule mit erfahrenen und ausgebildeten Lehrkräften ein, zwei Studenten mit insgesamt zehn Stunden kämen, könne man sich mit ihnen eine Klasse teilen oder ihnen einzelne Sequenzen abgeben. Angesichts der bereits sieben Quereinsteier an ihrer Schule stelle sich jedoch die Frage: "Wer soll sich um sie kümmern?"

Froh ist die Rektorin, dass eine Pensionärin einige Stunden pro Woche weiter unterrichtet. Auch alte Hasen braucht sie, um die Neuen zu unterstützen.

Beitrag von Kirsten Buchmann

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsere Netiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

3 Kommentare

  1. 2.

    Wie passt die Überschrift "Wenn ein G R O S S T E I L des Kollegiums keine Lehrerausbildung hat." zu der im Artikel später genannten Zahl von 25%?
    Ist das Angstmache oder kann hier jemand nicht rechnen?

  2. 1.

    An staatlichen Schulen gibt es wenigstens 75% ausgebildete Lehrer und ebensolche Schulleiter. Bitter ist es, wenn man an einer privaten Schule in Berlin monatliches Schulgeld in Höhe von 400,-€ zahlen muss und sein Kind mit 100% Quereinsteigern konfrontiert sieht. Da haste keine Fragen mehr. Das Berliner Schulgesetz macht’s möglich.

Das könnte Sie auch interessieren