In Berlin gibt es aktuell 98 Moscheen und islamische Gebetsräume. (Quelle: dpa/Emmanuele Contini)
Video: Abendschau | 16.07.2018 | Bild: dpa/Emmanuele Contini

Studie zu islamischem Gemeindeleben - Berlin hat fast 100 Moscheen

Die Anzahl der Moscheen in Berlin ist seit 2006 um mehr als ein Fünftel gestiegen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie. Sie setzt sich auch mit dem Problem der Radikalisierung in Moscheen auseinander.

In Berlin gibt es aktuell 98 Moscheen und islamische Gebetsräume. Das sind etwa 20 mehr als noch vor zwölf Jahren. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Studie des Berliner Senats über "Islamisches Gemeindeleben in Berlin" hervor. Im Stadtbild ist das kaum sichtbar, denn reguläre Moscheebauten sind weiter die Ausnahme – es gibt nur sieben davon. Seit der Vorgängerstudie im Jahr 2006 wurden drei neue Moscheebauten in der Hauptstadt eingeweiht, drei weitere sind in Planung.

"Die meisten Gebäude sind weiterhin sogenannte Hinterhofmoscheen", sagte Studienautorin Riem Spielhaus vom Erlanger Zentrum für Islam und Recht in Europa. 91 dieser umfunktionierten Räume zählten die Autoren. Schätzungen zufolge leben in Berlin zwischen 250.000 und 300.000 Muslime. Rund jeder fünfte ist Mitglied einer Gemeinde.

Weniger als ein Promille der Muslime werden als extremistisch eingestuft

Die Studien-Autorin betonen, dass sich die Berliner islamischen Gemeinden sehr viel stärker als noch vor zehn Jahren für die Berliner Gesellschaft engagieren. "Die Kontakte der Berliner Gemeinden zu unterschiedlichen Partnern in der Zivilgesellschaft haben sich intensiviert, die Mehrheit der befragten Gemeinden wünscht sich aber mehr und bessere Kontakte“.

Ein Kapitel der Studie widmet sich auch dem islamischen Extremismus. Denn in vier Berliner Moscheevereinen traten wiederholt salafistische Hassprediger auf. Die Al-Rahman Moschee im Wedding ist inzwischen aufgelöst, der Moscheeverein Fussilet 33 in Moabit – hier radikalisierte sich der Breitscheidplatz-Attentäter Anis Amri - wurde verboten. Ein Funktionär der Moschee wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Die Autoren heben hervor, dass weniger als ein Promille der Muslime in Berlin vom Verfassungsschutz als extremistisch orientiert eingeschätzt wird. Zudem gebe es in Berlin vier Präventionsprojekte, deren Sozialarbeiter daran arbeiten, dass beispielsweise unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sich nicht radikalisieren. Dringlich sei nun eine "angemessen finanzierte personelle und institutionelle Verstetigung solcher Initiativen, um die gewonnen Expertise und das aufgebaute Vertrauen auch mittel- und langfristig nutzen zu können", heißt es in der Studie.

Nur zwei Moscheegemeinden in Ost-Berlin

Bei der Verteilung der islamischen Gebetsräume gibt es auch 28 Jahre nach dem Mauerfall weiterhin ein großes West-Ost-Gefälle.

Im Osten Berlins gibt es ganze zwei Moscheen, in Pankow-Heinersdorf und in Berlin-Mitte. Die restlichen Sakralräume befinden sich alle im westlichen Teil der Stadt. Mehr als die Hälfte verteilen sich auf Wedding (23), Neukölln (20) und Kreuzberg (16).

Mehr Moscheegemeinden in Dachverbänden organisiert

Zugenommen gegenüber 2006 hat auch der Organisierungsgrad der Berliner Moscheen. Etwa zwei Drittel der islamischen Gemeinden sind inzwischen in regionalen oder bundesweiten Dachverbänden organisiert, vor zwölf Jahren war erst knapp jede zweite Gemeinde entsprechend eingebunden.

Für die Studie wurde etwa ein Drittel der knapp 100 islamischen Gemeinden von den Autoren um Riem Spielhaus in Interviews befragt. Die Professorin für Islamwissenschaft hatte bereits die Vorgängerstudie aus dem Jahr 2006 durchgeführt.

Kommentar

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23 Kommentare

  1. 23.

    @ 22: Agnes, warum rechnen Sie nach alttestamentarischer Art hier gegeneinander auf? Auch ich will keine Muezzin, genauso wie ich nicht von Kirchenglocken genervt werden will. Religioese sollen ueberall auf der Welt Ihre Rituale ausueben koennen, aber andere dabei nicht belaestigen, ganz einfach.
    Ihre Forderung nach weltweiter freier Religionsausuebung auch fuer Christen ist selbstverstaendlich richtig ((so lange dabei niemand zwangsmissioniert wird)). Aber hierauf haben Muslime in Deutschland nur begrenzten Einfluss. Genauso wie Christen in Deutschland nur begrenzten Einfluss darauf haben, dass im Namen des Christentums anderswo z.B. Homosexuelle noch immer massivst diskriminiert oder gar ermordet werden.
    - Den Kern Ihres Beitrags verstehe ich als sehr unterstuetzenswerten Appell an Glaeubige aller Religionen in aller Welt, fuer Toleranz ggueber Anders- und Nichtglaeubigen einzutreten - auch und gerade dort, wo man selbst sich in der Mehrheit glaubt.

  2. 22.

    Mir sind Gebetsglocken tausendmal lieber als das Geschrei des Muezzins alle paar Stunden zum Gebet in muslimischen Ländern, wenn Sie schon dieses Thema ansprechen.
    Außerdem sehe ich eben solche Aktionen der Muslime in der heutigen säkularen Zeit wie in München überhaupt nicht ein, solange die christen in den muslimischen Ländern unterdrückt werden und keine freie Religionsausübung dort haben und auch keine Kirchen bauen können , wie sie wollen, so wie hier die Muslime.
    Wenn die Muslime hier in D freie Religionsausübung fordern, fordere ich dies auch in allen muslimischen Staaten für die Christen.

  3. 21.

    @ 15, 17: Sybille, nun bin ich aber mal gespannt: Was wuerde denn passieren, wenn Leute ihr Gebet EINMAL auf dem MARIENPLATZ verrichten wuerden? Was befuerchten Sie konkret?
    Ich dachte bisher immer, Muenchner waeren liberal und weltoffen. So, wie jene Muenchner Buerger, die 1638 not amused waren, dass ein Kurfuerst die MARIENsaeule als MACHTdemonstration auf ihrem Platz errichtete. Oder wie jene Muenchener Christen, die laut folgendem Artikel 2017 den Muenchner Muslimen Ihre Kirche als Gebetsraum zur Verfuegung stellten:
    http://www.sueddeutsche.de/muenchen/muslime-in-muenchen-freitagsgebet-auf-dem-marienplatz-faellt-aus-1.3512754
    Persoenlich habe ich mit hierarchisch organisiertem Glauben zwar nichts am Hut. Aber offenbar gibt es ja genug Christen, Muslime und Juden, die das moegen. Und so lange die mir und anderen diesen Glauben nicht dauernd aufzwingen wollen (wie etwa mit taeglich mehrfach ohrenbetaeubend laeutenden Kirchenglocken), kann ich das tolerieren.

  4. 19.

    ..., aber nur 11 Synagogen. http://www.jg-berlin.org/service/kultus/synagogen-in-berlin.html mit rund 10.000 Mitgliedern. https://www.zwst.org/de/service/mitgliederstatistik/

  5. 18.

    Viel Spaß wenn sie mal als freier Mensch in einen türkischen Kulturverein reinwollen, nur um einen Tee zu trinken.... Bin gespannt, wie sie dort empfangen werden, oder wenn sie als Ungläubiger in eine kleine Moschee zum Gottesdienst gehen möchten.
    Berichten Sie von Ihren Erfahrungen, wäre sehr interessiert dies zu erfahren.
    Ich respektiere alle Religionen, habe nur ein Problem, selbst von einigen religiösen Menschen toleriert zu werden. Schade eigentlich und leider gibt das den Bekloppten Parteien hier Aufschwung.....
    Also: aufstehen und aufrecht gehen - und wenn es der Besuch einer Moschee oder Synagoge ist, um den Menschen mresoekt zu zollen. Fertig.
    würden mehr Leute unvoreingenommen sein und dies tun, würden sich einige mehr nicht selbst ausgrenzen und so fühlen.

  6. 17.

    Laut Welt und SZ ging es darum, dass die einzige Innenstadt-Moschee schließen musste. Daraufhin wurde ein Protest angemeldet, die Anmelder rechneten mit 200 Teilnehmern. Der Protest wurde dann abgesagt.

    https://www.welt.de/politik/deutschland/article164728110/Muslime-sagen-Freitagsgebet-auf-Muenchner-Marienplatz-ab.html

    http://www.sueddeutsche.de/muenchen/demo-muslime-planen-freitagsgebet-am-muenchner-marienplatz-1.3508572

  7. 16.

    Gut so, ich bin ebenfalls ganz weit weg von der AfD, aber deshalb brauche ich nicht den Islam in D lieb zu gwinnen.
    Ich möchte den Islam nicht in D, auch wenn Merkel und Wulff meinen, der "Islam gehört zu Deutschland".
    Ich lehne den Islam ab, NEIN er gehört ganz und gar nicht zu Deutschland.
    Ich bin auch ehrenamtlich tätig in unserer Kirchengemeinde, aber garantiert nicht bei Merkels Gästen.

  8. 15.

    Richtig so! Sie haben es auf den Punkt gebracht.
    In München, als so viele Migranten nach D strömten und plötzlich die Innenstadtmoschee aus den Nähten platzte und die Baupolizei eingriff, daß nicht alle gleichzeitig ihr Freitagsgebet dort verrichten könnten, haben sie die Stadt München richtig erpreßt, indem sie drohten, öffentlich am MARIENLATZ ihr Freitagsgebet zu verrichten, wonach dann die Stadt zusammen mit Organisationen einen Saal für diese suchten.

  9. 14.

    "Wer kontrolliert denn die Aussagen von so manchen Priestern?"

    Welche Hass-schürenden "Aussagen" von so manchen Priestern meinen Sie denn? Kann ja sein, dass sowas an mir vorbei ging.

    Wenn man mal in die letzten paar Jahrzehnte (eigentlich reichen bereits die letzten paar Jahre) schaut und einmal Ranking für religiösen Fanatismus erstellt (gemessen an Opferzahlen), dann gibt es da einen ganz klaren Favoriten.

    Natürlich sind diese Bombengürteltragenden-Spinner nur die Minderheit der knapp 1,7 Mrd Islam-Anhänger, aber muss das denn sein, dass man so einen Kack macht, nur um zu zeigen, dass Ihr Gott den Längeren hat?

    Was wäre wenn sich andere Spinner aus anderen Religionen auch so verhalten würden? Ach ja, hatten wir bereits... das nannte sich damals Mittelalter. Das ist hunderte Jahre her und altbacken.

    By the Way: Wieviel westlich geprägte Kirchen gibt es denn in arabischen Hauptstädten?

    Ich bin weit weg von der AfD & Co, aber gegen Islamisierung!

  10. 13.

    Das sind fast 100 Moscheen zu viel!

  11. 12.

    @ 7: Sie machen es sich mit Ihren Pauschalisierungen aehnlich einfach wie Leute, die von 'Islamisierung' sprechen. Der Opfermythos von den strukturell benachteiligten und in Hinterhoefe gedraengten muslimischen Migranten wird zwar u.a. von Gangsta-Rappern und Ghetto-Romantikern gern kultiviert, hat aber m.E. nur begrenzt mit der Wirklichkeit zu tun. Haeufiger als die von Ihnen beklagte strukturelle Ausgrenzung durch die Mehrheitsgesellschaft scheint mir die Abgrenzung durch die Migranten selber zu erfolgen; etwa durch mangelhaften Erwerb der Landessprache und Schulverweigerung, oder auch durch religioes-nationalistische Identitaetsbildung wie etwa in den vom tuerkisch-nationalistischen Verband Ditib betriebenen 17 Moscheen. Die Probleme des Fortbestehens von teilweisen Parallelgesellschaften sind nicht so immens gross wie manche befuerchten, sie sind aber durchaus vorhanden und muessen angegangen werden. Panikmache hilft dabei ebenso wenig wie das ewige Relativieren.

  12. 10.

    Laut dem Statistischen Landesamt waren im Jahre 2010 8 % der Berliner Mitglied der islamischen Gemeinde (neuere, aufgrund der Zuwanderung vermutlich höhere Zahlen habe ich nicht).

    Bei 3,6 Millionen Einwohnern entsprechen 8% 288.000 Muslimen, ein Tausendstel davon entspricht 288. Es ist ungemein beruhigend zu wissen, dass nicht einmal 288 Muslime in Berlin als extremistisch eingestuft werden (also potentielle Attentäter sind), vielen Dank an den Berliner Senat.

  13. 9.

    Ich bin auch absolut gegen Islamisierung, sowohl in Berlin als auch im Rest von Deutschland.
    Merkels und auch die Aussage von Wulff "der Islam gehört zu Deutschland" darf nicht akzeptiert werden.
    Der Islam gehört nämlich nicht zu Deutschland, Deutschland ist ein christlich-jüdisch geprägtes Land und kein muslimisches.

  14. 8.

    Es würde ja schon helfen, wenn sämtliche Hassprediger, bekannte Gefährder und antisemitische Hetzer konsequent ausgewiesen oder in Haft genommen werden. Aber nein. Wenn mal einer ausgewiesen werden soll wie dieser Sami A. sind auf einmal die Rechte des Terroristen wichtiger als das Leben der Menschen hier. Keiner macht was und keiner macht den Mund auf. Dann interessiert es mich aber auch nicht mehr. Selbst schuld sage ich.

  15. 7.

    Der Kommentarbereich trifft genau meinen Humor. Bei vor allem Hinterhofmoscheen, die ergo strukturell benachteiligt werden, ein Bedrohungsszenario aufzubauen und die Nähe zur Kriminalisierung von Muslim*innen zu suchen, ist ebenso absurd wie die Verwendung rechtsextremen Vokabulars wie etwa "Islamisierung". Pauschal Kontrollen von Moscheen einzufordern, ist ja gerade die Konsequenz solch verallgemeinernden und vereinfachenden Denkens. Wer kontrolliert denn die Aussagen von so manchen Priestern? AfD & Co und Kirche passen an manchen Stellen bzw. Personen ja schon zusammen. Vor allem trifft meinen Humornerv aber, wenn hier im Forum Hass geschürt und gleichzeitig vor Hasspredigern gewarnt wird. Vielleicht fängt man bei sich selbst einmal an?

    In diesem Land herrscht Religionsfreiheit und Berlin ist eine Weltmetropole. Da hat nicht nur der provinzielle Osten aufzuholen. Strukturelle Ausgrenzung bedingt zwar nicht, aber begünstigt Radikalisierungen.

  16. 6.

    Selbst wenn die Zahl der Extremisten im Promille-bereich liegt, sind es immer noch viele Hundert und somit nicht für unsere Behörden in den Griff zu bekommen ..... aus Mangel an Personal, Geld, Ausrüstung und 1000 anderen Gründen. Neuerdings werden ja abgeschobene Gefährder / Islamisten wieder zurückgeholt ...... siehe Leibwächter von Bin Laden .... aus rein humanitären Gründen sicherlich ...... er wird sich freuen wieder nach Deutschland zu kommen und von unserem Geld zu leben und nebenbei den Hass über die "ungläubigen" schüren .... immer weiter so ..... wir schaffen das .... bis alles in die Luft fliegt .....

  17. 5.

    Für die Beantwortung Ihrer Frage brauchen Sie nicht 100 Jahre zu warten.

    Sie brauchen sich nur zum Schulbeginn an eine der Sekundarschulen in Neukölln und im Wedding stellen.

  18. 4.

    Ich bin gegen die Islamisierung. Wie wird es wohl in 100 Jahren in Berlin aussehen ?

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