Demo für mehr Kitaplätze am Brandenburger Tor (Quelle: imago/Emmanuele Contini)
Audio: Inforadio | 17.08.2018 | Sebastian Schöbel | Bild: imago/Emmanuele Contini

Bilanz von Rot-Rot-Grün - Für die Bildungspolitik gibt's nur ein schwaches "Ausreichend"

Lehrermangel, marode Schulen und fehlende Kitaplätze beherrschen die Bildungsdebatte in Berlin. Immerhin konnte der rot-rot-grüne Senat einige seiner Koalitionsversprechen einlösen, doch noch immer fehlen tausende Kitaplätze und Lehrer. Von Sebastian Schöbel

Spaß haben, spielen, mit anderen Kindern zusammen sein und gleichzeitig schon möglichst viel lernen: Für die Kleinsten ist die Kita viel mehr als nur der Ort, an dem sie unter Aufsicht die Arbeitszeit ihrer Eltern absitzen. Damit möglichst viele Kinder davon profitieren, hat Rot-Rot-Grün (R2G) versprochen, die Bedarfsprüfung fur einen Kita-Platz überflüssig zu machen.

"Willkommensgutschein" allein schafft keine Kitaplätze

Dieses Versprechen hat R2G gehalten: Seit dem 1. August erhält jedes Kind zum ersten Geburtsag einen "Willkommensgutschein" fur sieben Stunden Betreuung am Tag - egal, ob die Eltern Arbeit haben oder nicht. Es sei gut, dass sich Eltern somit die Bildungseinrichtung für ihr Kind aussuchen könnten, sagte Tom Erdmann, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) rbb24 - und die Ämter nicht mehr den Türsteher für die Kitas spielen. Problematisch könne aber sein, dass dadurch der Personalbedarf in den Berliner Behörden steigt.

Und genau dieses Problem bleibt ungelöst. Geschätzt 3.000 Kitaplätze fehlen in Berlin - vor allem, weil das Land nicht genug Erzieherinnen und Erzieher findet. Auch eine Frage der Bezahlung - und zwar nicht nur in den Kitas, sondern auch in den Grundschulen. Deswegen hat Rot-Rot-Grün im Koalitionsvertrag versprochen, "die Bezahlung der Grundschullehrkräfte schrittweise anzuheben".

Auch dieses Versprechen hat R2G gehalten: Ab dem kommenden Jahr werden sie ihren Kollegen am Gymnasum gleichgestellt und bekommen 500 Euro mehr. Der Berliner Elternsprecher Norman Heise begrüßt diese Entscheidung. Es sei ein "wichtiger Schritt, die Lehrkräfte angemessen zu bezahlen", sagte Heise rbb|24. Damit würden die unterschiedliche Bezahlung im Vergleich zu anderen Bundesländern "weitgehend" aufgehoben.

Noch immer fehlen 1.200 Lehrerinnen und Lehrer

Doch den Lehrermangel in Berlin wird das so schnell wohl nicht beheben. Im Juni fehlten für das neue Schuljahr laut Lehrerverband über 1.200 Pädagogen. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) setzt inzwischen vermehrt auf Quereinsteiger.

Lehrer allein machen aber noch keine Schule: Schulgebäude braucht man auch. SPD, Linke und Grüne haben versprochen, hier neue Wege zu gehen: Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE soll zukünftig bis zu 60 neue Schulen bauen und diese dann an die Bezirke vermieten. Auch dieses Versprechen wurde gehalten - doch Bildungsgewerkschafter Erdmann hat damit ein Problem - denn die GEW sieht darin die "Gefahr einer Privatisierung". Der Senat müsse in solchen Bereichen "viel transparenter" agieren, sagt der GEW-Vertreter.

Eine Volksinitiative hat sich gegen die Schulbaupläne mit der HOWOGE bereits formiert: Sie hat so viele Unterschriften gesammelt, dass sich nun das Abgeordnetenhaus damit beschäftigen muss.

Fazit: Auch das neue Schuljahr hält für Bildungssenatorin Scheeres jede Menge unangenehmer Prüfungen bereit.

Sendung: Inforadio, 17.08.2018, 6.30 Uhr 

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    Wer soll denn Schüler, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, sowie behinderte Schüler, die mit besonderer Fürsorge bedacht sein müssen, unterrichten? Das schaffen die besten Lehrer nicht. Auf der Strecke bleiben Schüler die wirklich was lernen wollen. Später wegen mangelnder Kenntnisse keine Lehrstelle finden. Der hohe Krankenstand der Berliner Lehrerschaft ist ein deutliches Signal für das Versagen r/r/g´er Politik. Aber ihre Kinder schicken sie lieber auf Privatschulen. Ich kann mich gut erinnern, im Jahre 2008 wurde Bildung in Dresden zur Chefsache erklärt. Seitdem geht es nur noch bergab.

  2. 6.

    was sollen jetzt die anderen über die tollste hauptstadt der welt denken, die sexy ist und diese probleme doch wohl lösen kann ? schließlich ist es wichtig, alle kinder vom staat erziehen zu lassen. kinderkrippe, kindergarten, ganztagsschulen, horte usw. usf. sind "in". vielleicht können ja die mitglieder der regierungsparteien und ihre Sympathisanten aushelfen und ihre freie zeit in kitas oder schulen investieren. auf eine gute ausbildung kommt es da eh nicht mehr an.

  3. 5.

    Wo hat denn der Senat versagt? Das Problem " Lehrermangel" ist ein gesamtdeutsches Problem! Vor 10 Jahren war sparen angesagt. In ähnlichen Foren schimpften die Leute über die ausufernde Verwaltung und über Lehrer die zu viel Freizeit haben. Die meisten meckerten darüber das diese MA auch noch von ihren Steuergeldern bezahlt werden.
    Der derzeitige Senat hat erstmals das sparen verlassen und gibt mehr Geld aus um die derzeitigen Probleme zu beseitigen.

  4. 4.

    Das stimmt dieser Senat hat auf ganzer Linie versagt .Im Grunde ist es ungenügend.

  5. 3.

    Ja , ich kann Ihnen da nur zustimmen.
    Alles was in der Zeit unter SPD Führung (in verschiedenen Kombinationen) gemacht wurde ist aus dem Rahemn gerlaufen. Keine Organisation sondern nur Verwaltung. die Privatisierung von KITAS ist ein großer Fehler gewesen, wozu
    gibt es denn dafür noch eine Verwaltung.
    Steuerverschwendung bei der Oper und dem BER und da gibt es noch viel viel mehr.

  6. 2.

    Schwach ausreichend? Ungenügend!!

  7. 1.

    Müller mit all seinen Senatsminister gehören zum Teufel gejagt. Schaden, von denen verursacht kann niemals wieder gut gemacht werden. Schuld sind die Berliner selbst.

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