Ein Ventilator macht die Hitze in einem Buero ertraeglicher (Quelle: keystone/Leanza)
Audio: Inforadio | 07.08.2018 | Sebasian Schöbel | Bild: keystone/Leanza

Dienstschluss um 14 Uhr möglich - Hitzefrei in der Bauverwaltung führt zu Kritik

Weil es in den Büros sehr heiß wird, dürfen die Mitarbeiter der Berliner Bauverwaltung in diesen Tagen schon um 14.00 Uhr nach Hause gehen. Dass die Arbeit aber auch nicht nachgeholt werden muss, stößt vielerorts auf Unverständnis.

Eine "Hitzefrei"-Regelung für die Mitarbeiter der Berliner Senatsbauverwaltung hat heftige Kritik ausgelöst. Die Mitarbeiter können angesichts extremer Temperaturen seit Dienstag drei Tage lang jeweils um 14.00 Uhr nach Hause gehen, ohne die versäumte Arbeitszeit nachzuholen.

Angeordnet hatte dies Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke). Grund sei die "Fürsorgepflicht gegenüber den Mitarbeitern", hieß es von einer Sprecherin. Die Regelung gelte allerdings nur für die drei Tage mit den höchsten Temperaturen in dieser Woche, also Dienstag, Mittwoch und Donnerstag. Die Arbeitstage würden trotzdem als vollständig gewertet werden, so die Sprecherin.

Auch CDU und FDP kritisieren Lompscher

CDU und FDP, aber auch der Bund der Steuerzahler finden das befremdlich. "Auch wenn Mitarbeitern in Behörden verständlicherweise Hitzefrei gewährt wird, die Arbeit darf deshalb natürlich nicht liegenbleiben", sagte der Sprecher für Bauen und Wohnen der CDU-Fraktion, Christian Gräff. Dass nun ausgerechnet Lompscher auf die Pflicht zur Nacharbeit verzichte, sei angesichts der Problem beim Wohnungsbau nicht nachvollziehbar.

Auch die FDP-Fraktion kritisierte Lompscher. "Was sich die Senatorin hier erlaubt, ist schon ungewöhnlich", sagte die finanzpolitische Sprecherin Sibylle Meister. "Der Wohnungsbau kommt nicht voran, Baugenehmigungen stehen aus, die neuen Regeln für Ferienwohnungen bereiten viele Probleme. Und Frau Lompscher gibt ihren Mitarbeitern sommerfrei. Das ist wirklich unglaublich."

Kritik kommt auch vom Bund der Steuerzahler Berlin. "Klar ist, kein Mensch kann bei 35 Grad produktiv arbeiten", sagte Vorstandschef Alexander Kraus. "Aber die Arbeit muss natürlich erledigt werden. Das gilt gerade für in einen Bereich wie der Verwaltung, in dem oft von fehlenden Kapazitäten die Rede ist, wenn Dinge sich verzögern."

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sieht Hitzefrei in der Verwaltung ebenfalls skeptisch: "Was wäre, wenn jeder aufhören würde zu arbeiten bei der Hitze", sagte er der "Berliner Morgenpost". Der öffentliche Dienst dürfe keine solchen Privilegien schaffen.

Klimaanlagen oder Lüftung fehlen

Eine Sprecherin Lompschers verteidigte die Regelung dagegen als angemessen. Die Senatorin wolle die Mitarbeiter vor gesundheitlichen Schäden durch die extrem hohen Temperaturen in den Büros schützen. Dort seien die Büros aktuell schon am Morgen oft 30 Grad warm. Später sei es dort teils unerträglich heiß, weil Klimaanlage, Lüftung oder funktionierende Jalousien in dem Gebäude fehlten, das demnächst saniert werden solle.

Die Kernarbeitszeit im Haus, in dem die Beschäftigten wie in anderen Verwaltungen in Gleitzeit arbeiteten, ende ohnehin um 15.00 Uhr, es gehe also letztlich um eine Stunde. "Dadurch kommt der Wohnungsbau nicht zum Erliegen", so Sprecherin Petra Rohland. Nicht jeder Mitarbeiter verlasse das Büro um 14.00 Uhr, zudem fingen etliche früher an als sonst üblich.

Kein Hitzefrei in der Wirtschafts- und Arbeitsverwaltung

Bereits in der Vorwoche hatten einige Senatsverwaltungen ihren Beschäftigten die Möglichkeit eingeräumt, wegen der Rekordhitze früher nach Hause zu gehen - mit oder ohne Berücksichtigung im Arbeitszeitkonto. Auch in dieser Woche haben sich einige Senatoren vorbehalten, so zu verfahren. Wie die "Berliner Morgenpost" am Dienstag berichtet, hoben Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) und Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke) die Regelung jedoch wieder auf, wonach Mitarbeiter ab 14 Uhr Dienstschluss bekommen. Lompscher ist inzwischen die einzige, die keine Nacharbeit verlangt.

Keine einheitliche Lösung in Berliner Verwaltungen

Eine einheitliche Lösung für die Berliner Verwaltung gibt es nicht. Arbeitsrechtliche Regelungen dazu finden sich in der Arbeitsstättenverordnung und ihren Ausführungsbestimmungen. Demnach müssen Arbeitsräume "eine gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur" aufweisen und es muss eine "ausreichend gesundheitlich zuträgliche Atemluft" vorhanden sein.

Werte ab 26 Grad in Räumen können demnach in Einzelfällen bereits zu Gesundheitsgefahren führen. Ab 30 Grad sind Maßnahmen vorgeschrieben, die Lage zu verbessern, etwa mehr Sonnenschutz, bessere Lüftung, das Bereitstellen von Getränken oder eben eine Verlagerung der Arbeitszeit. Ab 35 Grad gilt ein Raum als ungeeignet für Arbeit.

Das Wort "hitzefrei" taucht in der Verordnung allerdings nicht auf.

Sendung: Inforadio, 07.08.2018, 06:20 Uhr

Kommentar

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44 Kommentare

  1. 44.

    Ich habe volles Verständnis für eine geminderte Arbeitszeit bei dieser Hitze, wenn es keine Klimaanlage in den Büros gibt.
    Aber wer interessiert sich für die Berliner, die in der EInflugschneise Flughafen Tegel leben müssen? Man kann unmöglich bei 30 Grad Zimmertemperatur die Fenster schließen, aber eben deshalb ist der Lärm der minütlich landenden und startenden Flugzeuge unerträglich. Das Ganze grenzt nicht nur an, sondern ist Körperverletzung!

  2. 43.

    Ich selbst bin in der Hotellerie tätig und habe noch den Luxus in einem klimatisierten Gebäude zu Arbeiten.
    Mein Vater war bis zum Renteneintritt in einer Krankenhaus Großküche für das Essen der Patienten verantwortlich, dort hatte es jeden Sommer Temperaturen von über 40 Grad. Kurze Kleidung? Fehlanzeige da Hygienebereich. Hier hat man seinen Dienst auch verrichtet, sonst hätten Hunderte Leute in den Krankenhäusern vergeblich aufs Essen gewartet.

    Unter dem Gesichtspunkt stellt sich dann schon die Frage, wann ein Produktives Arbeiten nicht mehr möglich ist - und die Tatsache das andere unter schlimmeren Bedingungen eben Ihre Leistung bringen müssen dann als Neid abzutun, geht mir persönlich dann zu weit.

  3. 42.

    Pure Neiddebatte!
    So etwas gibt es nicht erst seit ein paar Tagen und nur weil darüber berichtet wird, bricht hier ein Sturm der Entrüstung los. Lächerlich!
    Was glauben Sie, liebe Aufreger, wo es sonst noch überall bessere Arbeitsbedingungen oder Vergünstigungen gibt?
    Aber nein - da geht’s einigen besser als mir und deshalb nöle ich herum ...

  4. 41.

    Ich bin weder Neidisch, noch möchte ich das Menschen, unter unerträglichen Umständen arbeiten müssen. Aber in diesem Fall geht es um Angestellte aus Steuermitteln. Hier sollte eine Vorbild Funktion hergestellt werden. Kann sein dass dies hier der Fall ist mit Vorschriften und Verordnungen von denen im Beitrag auch die rede ist. Mitarbeiter freizustellen und das ohne Ausgleich für das Unternehmen in diesem fall, eines von Steuermitteln finanzierten noch dazu. Das geht dann doch etwas weit. Ich kann mir ungerne Vorstellen, das ein Unternehmer das aus eigenen Interesse macht. Geld verschenken!
    Zum anderen habe ich meinen Beruf{Altenpfleger} aus freien Stücken gewählt und mir ist auch klar welche Unannehmlichkeiten damit verbunden sind. Wenn ich aber so etwas lese dann "stößt" es mir einfach auf. Nicht umsonst kann der fall der Privatisierung sein, das mehr Ideen Reichtum und mehr berufliches Engagement zu tage kommt.

  5. 40.

    Ich bin entsetzt. Wer fragt die Menschen in der Pflege. Ihnen hängt die Zunge am Boden und sie müssen arbeiten. Da fragt und hilft uns keiner. So eine Unverschämtheit. ...

  6. 39.

    Ich bin selbst im öffentlichen Dienst tätig. Angestellt nach TVöD. Und ich denke da gibt es ein Besserstellungsverbot. Also entweder alle oder keiner. Was sagt denn der Tarifvertrag für die Landesangestellten?

  7. 38.

    ja, ich bin neidisch :-) ich hätte auch gerne bezahlt frei. Aber weder "beim Siemens" noch im Mittelstand war das möglich, trotz Gesetz und Hitze. Kunden-Service nennt sich der Gedanke dahinter. Fehlt halt so´n bisschen im ÖD, wenn ich komm, ist da eh nie jemand zu sprechen. Heisst aber nicht, dass andere es nicht anders machen können.

    Und dennoch - ich ginge auch gerne gegen 14 Uhr heim, um 15 uhr im örtlichen Freibad dann, oder am See. Das wäre schön.
    Definitiv falsche Berufswahl.

    Mein Kind wird Lehrer oder was anderes im ÖD. Das ist das einzige, wozu ich wirklich raten kann :-)

  8. 37.

    Ja so müsste es sein .Aber was sollen die Menschen machen die draussen arbeiten müssen ?
    Da fragt keiner nach .

  9. 36.

    schon interessant, wie darüber gemeckert wird, dabei steht doch alles im Arbeitsgesetz.
    Ab 26°C in den Arbeitsräumen hat der Arbeitgeber für Abhilfe durch Kühlung, Getränk oder so zu sorgen, ab 36°C ist das Arbeiten in den Räumen unverantwortlich, und die Mitarbeiter dürfen bezahlt frei machen.
    Denn es ist die Aufgabe des Arbeitgebers ihnen geeignete Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen.

    Wenn er nun sagt, dass die Kernzeit nicht erst um 15:00 Uhr, sondern schon um 14:00 Uhr endet, dann ist es das mindesten, was der Arbeitgeber leisten !_muss_!

  10. 35.

    Großartig, wie ungehemmt sich hier der Neid Bahn bricht. Und wie gruselig, sich vorzustellen, was für Existenzen dahinterstecken.

    Ich (fernab des öffentlichen Dienstes tätig) bin daran interessiert, daß die Leute, die auch von meinen Steuern leben, ordentliche Arbeit leisten. Wann sie das tun, ist mir Wurst. Wenn es in den Büros unerträglich heiß ist, kann es ruhig "hitzefrei" geben. Daß die so nicht erbrachte Arbeitszeit nachgeholt werden muß, halte ich für selbstverständlich.

  11. 34.

    die Leute sind arbeitsfähig und kommen wie vertraglich vereinbart zu ihrer Arbeit. Arbeitszeiten sind vertraglich vereinbart. Wenn der Arbeitgeber in den Zeiten aber keine Räume hat, bei dem die Temperaturen entsprechend geregelt sind, denn ist es Versäumnis des Arbeitgebers.

  12. 33.

    "'Von zu Hause arbeiten', auf diese Idee muss man erstmal kommen."

    Was spricht dagegen? Das ist ein gängiges Konzept, das immer stärker um sich greift. Dieses sog. "Home Office" stammt aus der freien Wirtschaft und wird jetzt erst gerade langsam auf die Behörden übertragen.
    Das kann durchaus gut funktionieren und sehr sinnvoll sein. Insbesondere IT-Dienstleister sparen damit massiv Geld ein. Schließlich muss man somit für weniger Mitarbeiter Arbeitsflächen usw. beschaffen.

    Ganz so weit ist es im öffentlichen Dienst meines Wissens nach aber nicht ausgebaut.

    Im Übrigen halte ich nichts davon, dass die Arbeit nicht nachgeholt werden muss. Schließlich reden wir hier über Steuergelder. Ein privater Unternehmer könnte mit seinem Geld ja machen, was er will. Die Senatoren haben aber eine Pflicht gegenüber der Allgemeinheit!

  13. 32.

    Heute habe ich frei! Aber ich hatte die letzten Tage Dienst bzw. die heißen Tage der letzten Wochen und ich möchte hier auch stellvertretend Sprechen. Am Freitag hatte ich aufgrund von Verkehrsbehinderungen von 6-15h durchgearbeitet, ohne Pausen, nur damit die Versorgung der Klienten gesichert ist. Ich weiss nicht was das hier soll?! Wenn alle zu einen gelingen Beitragen, können wir SteuerGeld sparen ind es sinnvoll einsetzen. Mehr Hilfe für geflüchtet/Humanitäre Hilfe, mehr Geld in der Pflege usw. Beim Senat fürs Bauen könne Entscheidungen getroffen werden und es kann so die oft kritisierten langen Bearbeitungszeiten beschleunigen.

  14. 31.

    Das ist doch nur purer Neid. Was man selbst nicht bekommt, gönnt man auch den anderen nicht.

  15. 30.

    Leute! In 3 Tagen haben wir die große Hitze überstanden und dann pegelt sich das auf wohl erträgliche um die 25 Grad ein. Dann fängt wieder die Zeit an, in denen weibliche Angestellte in den Büros frieren. Wegen der 3 Tage noch lohnt die ganze Aufregung um einen Arbeitsschutz führsorglichen Arbeitgeber nicht. Arbeiten in stockigen Büros über 35 Grad geht wirklich definitiv nicht. Ich leide auch derzeit... aber als Angesteller im Mittelstand. Unser AG hat uns freigestellt, mal ganz früh anzufangen und dann evtl. nach der Siestazeit zu Hause im Schatten weiterzuarbeiten.

  16. 29.

    Ist halt die deutsche Mentalität bzw. die spezifische deutsche Kultur: Arbeit über alles. Wir leben um zu arbeiten. Mal 35 Grad gerade sein lassen geht für manche nicht.

    Und das bei den Temperaturen auch noch heiße Luft von der Opposition... ;)

  17. 28.

    Gott sei Dank mussten Sie heute bei dieser Wetterlage nicht arbeiten und waren daher nicht von diesen Arbeitsbedingungen selber betroffen. Oder haben sie etwa nebenbei über den ganzen Tag Kommentare geschrieben?

  18. 27.

    Jemand bekommt etwas, was man selbst nicht bekommt aber gerne hätte, und schon wird wieder gemeckert. Anstatt hier in den Kommentaren sollte man lieber seinen Chef belabern, aber nach oben treten kostet ist ja nicht so einfach.

  19. 26.

    Doch es ist weit hergeholt, oder meinen Sie das die Entscheidungen und Planungen besser werden, wenn sie unter diesen Bedingungen erbracht werden?

  20. 25.

    Leider ist Ihr Kommetar haltlos. Entsprechende Regelungen gibt es sehr wohl auch in der freien Wirtschaft bei verantwortungsvollen Arbeitgeber. Bei mir im Büro gilt exakt die gleiche Regel und ich arbeite bei einem privaten Finanzdienstleister.

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