Eine Lehrerin unterrichtet eine erste Klasse an einer Grundschule in Potsdam. (Quelle: Archivbild dpa von 2011/Jens Kalaene)
Video: Brandenburg aktuell | 17.08.2018 | Andreas B. Hewel | Bild: dpa/Jens Kalaene

Neues Schuljahr beginnt - Über 1.100 neue Lehrerinnen und Lehrer für Brandenburg

Auch in Brandenburg startet am Montag das neue Schuljahr. Um die inzwischen knapp 300.000 Schülerinnen und Schüler zu unterrichten, wurden über 1.100 neue Lehrkräfte eingestellt - mindestens jeder Vierte von ihnen ist Quereinsteiger.

Mit mehr als 1.100 neuen Lehrerinnen und Lehrern und einer weiter gewachsenen Zahl von Schülerinnen und Schülern startet das neue Schuljahr in Brandenburg. Für 20.200 Lehrkräfte und 289.000 Schüler beginnt am Montag der Unterricht, das sind rund 3.000 Schüler mehr als im Vorjahr. Darunter sind 22.400 Erstklässler.

Anteil der Seiteneinsteiger steigt auf über 25 Prozent

Die Zeit der großen Schulschließungen sei vorbei, sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am Freitag und ergänzte: "Wir können den Schulen sicher sagen: Der Pflichtunterricht laut Stundentafel ist für alle Schulen in Brandenburg gesichert." Möglich ist das aber nur aufgrund der hohen Zahl an Quereinsteigern, die ohne pädagogische Ausbildung an die Schulen kommen.

Der Anteil dieser Lehrer wuchs nach Angaben von Ernst von 21,2 Prozent im Vorjahr auf nunmehr 26 Prozent - wobei die Bildungsministerin versicherte, dass die Neu-Lehrer nicht alleine gelassen werden sollen. "Was wir zu diesem Schuljahr neu machen, ist, dass alle Seiteneinsteiger auch qualifiziert werden", sagte die SPD-Politikerin dem rbb-Nachrichtenmagazin Brandenburg aktuell.

Über ein Viertel der neuen Lehrer sind Quereinsteiger

Pädagogische Fachkenntnisse sollen künftig berufsbegleitend oder in einem dreimonatigen Kompaktkurs an den Schulen vermittelt werden. Dabei sollen die Kompaktkurse laut Ernst immer vor Beginn eines neues Halbjahres stattfinden. Den Angaben zufolge beginnen die ersten 70 am 1. November mit ihrer Schulung und steigen dann zum 1. Februar in den Unterricht ein.

Um von Beginn an genügend Lehrer fürs neue Schuljahr zu haben, müssen viele der Seiteneinsteiger am Montag aber ins kalte Wasser springen - noch ohne pädagogische Kenntnisse. Diese sollten dann berufsbegleitend vermittelt werden, sagte Ernst - mit 500 Stunden innerhalb von 15 Monaten.

CDU kritisiert steigende Zahl von Seiteneinsteigern

Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, Gordon Hoffmann, kritisierte die steigende Zahl von Quereinsteigern und forderte eine entsprechende Quote. Zwar könnten Seiteneinsteiger das Schulleben durchaus bereichern. "Es ist aber eine Frage des richtigen Maßes", meinte Hoffmann. "Wenn an einzelnen Schulen fast jeder zweite Lehrer keine Ausbildung hat, ist das Maß eindeutig überschritten."

Zahl der Lehrer-Studienplätze soll verdoppelt werden

Laut Prognosen des Bildungsministeriums werden die Schülerzahlen bis Mitte der 2020er-Jahre steigen. Die Zahl der notwendigen Neueinstellungen soll sich daher bis 2022 auf 1.318 erhöhen. Erst 2025 wird sie voraussichtlich unter 1.000 fallen. Daher soll auch die Zahl der neuen Lehramtsstudenten an der Universität Potsdam auf 1.000 pro Jahr mehr als verdoppelt werden. "Damit wird Brandenburg so viele Lehrer selbst ausbilden, wie das Land benötigt", sagte Bildungsministerin Ernst. Bislang verlassen rund 400 Absolventen jährlich die Hochschule.

Dass auch in diesem Schuljahr Unterricht ausfallen werde, bezeichnete Ernst als "Alltagsgeschäft von Schulen". Wer verspreche, dass kein Unterricht ausfällt, kenne sich mit der Realität von Schule nicht so gut aus, sagte die SPD-Politikerin. Brandenburg habe aber alle Stellen besetzt. Damit gebe es genügend Lehrerinnen und Lehrer, um die Stundentafel zu geben und alle Fächer zu benoten - "auch das ist uns in den letzten Jahren immer gelungen".

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Auch in Berlin viele Quereinsteiger

Auch der Landeselternausschuss in Berlin lehnt die vermehrte Einstellung von Seiteneinsteigern als Lehrer nicht rundweg ab, warnt aber vor ihrem Einsatz an Grundschulen. "Die Alphabetisierung der Kinder, das Beibringen von Lesen, Schreiben und Rechnen, sollte man den Profis mit einer universitären Ausbildung überlassen", sagte der Vorsitzende der Elternvertretung, Norman Heise, am Freitag der Nachrichtenagentur dpa.

In anderen Bereichen hingegen könnten fachlich geeignete Seiteneinsteiger, die zunächst keine pädagogische Ausbildung haben, durchaus eine Bereicherung für Schulen sein. Wegen Lehrermangels wurden zum neuen Schuljahr so viele Seiteneinsteiger eingestellt wie noch nie: In Berlin haben nur gut ein Drittel der 2.700 neuen Lehrkräfte auf Lehramt studiert.

Sendung: Brandenburg  aktuell, 17.08.2018, 19.30 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Dies ist eine Fehlplanung und Misswirtschaft der Regierenden in Potsdam. DÜMMLICHER geht's kaum noch. Möglicherweise auch Unfähigkeit der Regierenden ROT/ROTden Regierung.

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