Touristen am Checkpoint Charlie an der Friedrichstrasse in Berlin-Mitte (Quelle: dpa/Rückeis)
Bild: dpa/Rückeis

Leitlinien für Neubauten festgelegt - Brandwände sollen am Checkpoint Charlie sichtbar bleiben

Die Freiflächen am früheren Checkpoint Charlie sind Filetgrundstücke, ein Investor plant dort ein Hotel. Doch der Standort hat auch hohen symbolischen Wert für Berlin. Um Zoff bei der Bebauung zu vermeiden, wurde jetzt erst einmal die grobe Richtung festgelegt.

Für die Bebauung zentraler Grundstücke am ehemaligen Checkpoint Charlie sind jetzt Leitlinien festgelegt worden. Das hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am Dienstag bekanntgegeben. Sieben Testentwürfe für die Gestaltung der Kreuzung Friedrichstraße Ecke Zimmerstraße seien angeschaut und diskutiert worden - und daraus sein dann Empfehlungen für den nun folgenden Architekturwettbewerb entwickelt worden. In die Beurteilung ließ das Gremium demnach auch Meinungen aus einem Bürgerforum einfließen.

In der Beratungsrunde waren Architekten, der Senat, die Bezirke Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg und der Projektentwickler Trockland vertreten, dem die Baugrundstücke gehören. Das Unternehmen will auf den Grundstücken unter anderem ein Hotel errichten.

Experten setzen vier zentrale Eckpunke

In den Empfehlungen, wie die Neubauten aussehen sollen, finden sich mehrere Eckpunkte - einer legt die ungefähre Gebäudehöhe fest. "Hier wird die zweifache Blockbebauung ermöglicht, also etwa das Doppelte der Berliner Traufhöhe", sagte Senatssprecherin Petra Rohland am Dienstag rbb|24. In ihrer Mitteilung nennt die Verwaltung eine "Maximalhöhe von 60 Metern".

Ein Nein gab es für die Überbauung oder Teilüberbauung der Straße, die in einem Entwurf vorgeschlagen worden war.

Empfohlen wird, dass die Brandwände der angrenzenden Häuser weiter sichtbar bleiben. Dies war eine Forderung vieler Aktivisten und auch von Architekten in der Debatte um die Gestaltung des Platzes. Die Sichtbarkeit der Brandwände verdeutliche den Einschnitt der einstigen Teilung der Stadt in Sektoren, denn schließlich wurden hier einst Häuser abgerissen für die Errichtung der Grenzabsperrungen und Mauern.

Eine vierte, der zentralen Empfehlungen des Gremiums lautet, so Sprecherin Petra Rohland, dass auf beiden Seiten der Straße auch öffentlicher Raum entstehe. Das in einem der neuen Gebäude geplante Museum soll laut Stadtentwicklungsverwaltung "öffentlichkeitswirksam" gestaltet werden und solle "die Besonderheit des Ortes unterstreichen".

Die Einschätzungen sollen laut Senatsverwaltung jetzt noch ins Reine geschrieben werden und dann für die weitere Planung und Debatte genutzt werden.

Viele Interessen und dann auch noch die Geschichte

Idee dieses Gutachterverfahrens war es, "herausragende städtebauliche Konzepte" zu finden, wie es hieß. Zum einen sollen hier Hotel, Wohnen, Einzelhandel, Büros und Tourismus auf engstem Raum miteinander verknüpft werden. Andererseits soll auch die historische Bedeutung des Platzes gewürdigt werden: An diesem ehemalige Grenzübergang zwischen den sowjetischen und US-amerikanischen Sektoren hatten sich im Oktober 1961 Panzer beider Seiten kampfbereit gegenübergestanden.

Aktivisten gegen reine Touristenkulisse

Aktivisten hatten daher auch im Vorfeld gefordert, dass die sogenannten Brandwände der angrenzenden Häuser weiter sichtbar bleiben sollen - das Areal ist "einer der wenigen Orte, an denen die Grenze noch authentisch erlebt werden kann", heißt es in einem Positionspapier. Außerdem hatten die Aktivisten gefordert: "Eine Bebauung, die den Grenzverlauf wiederspiegelt und erlebbar macht, ist niedrigschwellig und damit besser als ein Museum." Auch sollten hier Wohnungen für "sozial durchmischte Mieter", Ateliers für Künstler und Kitas entstehen sowie Wohnungen, Kiezkneipen und soziale Infrastruktur, betonen die Aktivisten, denn nur könne der Ort auch Teil der Stadt bleiben und keine leblose Touristenkulisse.

Sieben Entwürfe, wie es am Checkpoint Charlie aussehen könnte

Sendung: Inforadio, 07.082018, 18 Uhr

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Im Grunde genommen gibt es in Berlin kein Symbol der Teilung und damit auch nicht der überwundenden Teilung. Höchstens die als etwas abgelegen empfundene Bernauer Straße käme als solches in Frage.

    Dem Brandenburger Tor ist die Teilung und auch die Überwindung der Teilung nicht anzusehen. Es sieht aus wie eh und je. Allenfalls Infowände verhelfen Wissen-Wollenden zu anderem Wissen. Die zwei Kopfsteinpflasterreihen gehen eher unter.

    Der Checkpoint Charlie ist zu einem Ort billigen Klamauks und der Skurrilitäten verkommen. Der Drang von Investoren, die bisherige Brachfläche zu bebauen, macht den Ort nicht besinnlicher. Die Brandwände markieren zwar eine Zäsur, doch angesichts einer eher effekthaschenden Bebauung verkommen sie zu einem Beiwerk.

    Ein grünes Band zieht sich durch Deutschland, dort, wo vormals Stacheldraht war. In Berlin nicht. Dafür scheint der Boden lukrativ und finanziell vergoldet zu sein.

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