Der Sportverein "Projekt Habula" aus Velten (Quelle: rbb/Brandenburg aktuell)
Video: Brandenburg aktuell | 17.08.2018 | Peter Huth | Bild: rbb/Brandenburg aktuell

"Projekt Habula" aus Velten - Neonazis getarnt als Drachenboot-Verein

Der Sportverein "Projekt Habula" aus Velten wirkt auf den ersten Blick wie viele andere. Doch beim genaueren Hinsehen zeigt sich eine rechtsextreme Gesinnung. Die soll hier unauffällig unter die Bevölkerung gebracht werden, sagt der Verfassungsschutz. Von Peter Huth

Wenn die Mitglieder des Vereins "Projekt Habula" aus Velten im Drachenboot sitzen und rudern, wirkt es auf den ersten Blick, als handele es sich um einen Sportverein wie viele andere. In ihren Youtube-Videos präsentieren sich die Mitglieder von "Projekt Habula" aus dem Landkreis Oberhavel als die netten Nachbarn von nebenan. Sie zeigen sich bei Festen mit Grill und Kindern gesellig, menschenfreundlich, familiär.

Doch schaut man genauer hin, wird die rechte Gesinnung hinter dem Verein deutlich. So zeigen etwa Youtube-Videos die Verbindung von Freizeitspaß und politischer Agitation: Zwischen Bildern paddelnder Männer sind in Frakturschrift Parolen wie "Kraft", "Gemeinschaft", "Kampf" und "Sieg" geschnitten. Außerdem sind zu entdecken: die Huldigung der rechtsextremen Kultband Lunikoff Verschwörung, ein Aufruf zur Rettung Europas vor der "Flüchtlingsflut", die Erinnerung an die Gründung der ersten NSDAP-Ortsgruppen in Berlin und Brandenburg 1922 – und ebenfalls auf einem T-Shirt: das Gipfelstürmer-Motiv des Neonazi-Kampfsportlabels "Black Legion" aus Cottbus.

Rechtsextreme beim Stadtfest Oranienburg

Dem Oranienburger Stadtverordneten Enrico Rossius (Linke) waren mutmaßliche Neonazis im Boot des "Projekt Habula" bereits beim Stadtfest 2017 aufgefallen. Er fotografierte die Kameraden und geriet deswegen mit ihnen aneinander; allen vorweg mit dem Veltener NPD-Stadtverordneten Robert Wolinski, der sich deswegen demnächst wegen Nötigung vor Gericht verantworten muss.

"Nazis dürfen Sport machen, sie sind ganz normale Menschen in dieser Gesellschaft", sagt Rossius. Aber mit rechtsextremer Propaganda oder Ähnlichem aufzufallen, gehe auf einer öffentlichen Veranstaltung, bei der selbst Parteien nicht zugelassen seien, nicht.

NSDAP-Wochensprüche auf Pullover

Der Verein lehnt ein Gespräch mit dem rbb ab. In einer veröffentlichten Stellungnahme heißt es: "Wir sind ein Sportverein und möchten nicht politisiert werden. Wir trainieren in unserem Verein in respektvollem Miteinander. Bei uns stehen der Spaß und der sportliche Erfolg an erster Stelle."

Doch warum stellt man dann NSDAP-Wochensprüche aus dem Zweiten Weltkrieg zur Schau – als Aufschrift auf einem Pullover? Und auch das Motto des Vereins "Furor Teutonicus" ist auf einem Plakat zu finden, das etwa für den Auftritt der rechtsextremen Band "White Resistance" wirbt. Zudem ist der Veranstalter des Konzerts im Drachenboot von "Projekt Habula" zu finden.

Verfassungsschutz: Rechte bei "Projekt Habula"

Für den Verein interessiert sich inzwischen auch der Verfassungsschutz. Frank Nürnberger, der Leiter des Verfassungsschutzes Brandenburg, erklärt: Extremisten strebten danach, "sich an die Bevölkerung heranzupirschen, ohne ihre extremistische Gesinnung offen zu erkennen zu geben". Es sei eindeutig, dass viele als Rechtsextremisten bekannte Personen hier einen Verein aufzögen, um an Wettbewerben teilzunehmen und damit ihre Ideologie unauffällig unter die Bevölkerung zu bringen.

Die Drachenbootsaison im Landkreis Oberhavel ist erst einmal zu Ende. Projekt Habula hat an Rennen etwa in Velten, Zerpenschleuse und Kremmen teilgenommen. Nun bleibt abzuwarten, welche Schlüsse die Veranstalter von Drachenbootrennen im Landkreis Oberhavel im kommenden Jahr aus den Erkenntnissen des Verfassungsschutzes ziehen.

Beitrag von Peter Huth

Kommentar

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10 Kommentare

  1. 10.

    Macht sich nicht eher der lächerlich der auf so eine unwichtige Nebensache hinweist?

    Und Randgruppen ist gut, das sind gefährliche Extremisten.

  2. 9.
    Antwort auf [Max Kluse] vom 21.08.2018 um 13:23

    Na Sie scheinen sich damit ja richtig auszukennen.

  3. 8.

    Na, beim VS sind sie auf jeden Fall in guten Händen. Ein kleines Beratungsgespräch sollte sicher drin sein und wenn sie sich fein anstellen, bekommen sie vielleicht auch ein bisschen Geld zugeschossen.

  4. 7.

    Es heißt PADDELN und nicht rudern.

    Was sonst im Artikel steht weiß ich nicht. Wenn der Autor direkt im ersten Satz diesen eklatanten Fehler macht, wird der Rest des Artikels qualitativ gleichwertig recherchiert sein.

    Sicherlich ein spannendes Thema, wie Randgruppen die breite Masse durchziehen, aber bitte kompetent recherchiert. So macht ihr euch einfach lächerlich.

  5. 6.

    Dieses Team ist mir durch z.B. schwarz-weiß-rot gefärbte Paddel in Neuruppin.
    Also interessant zu wissen, jedoch werdet Ihr erstaunt sein in wie vielen Teams solche gesinnung zu finden ist.
    Ich hoffe das der Verfassungsschutz und die Gesellschaft sich weiterhin dazu kritisch äußerst, dass dies nicht irgendwann oder nicht mehr als normal gilt.
    @Demokrat: forsche doch mal in unserer Geschichte und Gegenwart, welcher politischen Richtung mehr Menschen zum Opfer gefallen sind. Dies soll natürlich nicht dazu dienen Straftaten der extremen Linken zu rechtfertigen. Denk mal drüber nach.

  6. 5.

    An diesem Kommentar sieht man sehr deutlich die "extremistische bürgerliche Mitte", die nichts außerhalb ihres engen bürgerlichen Blickwinkel zu lässt und die Offenheit der Gesellschaft und ihrer vielfältigen politischen Modelle gefährdet. Nur dieser "stumpfe bürgerliche Murrks" ist zulässig. Hat der Verfassungsschutz auch die extremistische bürgerliche Mitte im Blick? Ich hoffe doch.

  7. 3.

    Rechte und Linke Rattenfänger sind alle gleich......keiner von denen kennt den Begriff der Demokratie, nur Polemik und dumpfes Gedankengut gegen Staat und Gesellschaft.
    Der großen Parteien sollten mal ihre Labermaschinen abstellen, die Realitsbrille aufsetzen und endlich mal wieder Politik machen um dem linken und rechten Dumpfbacken eine echte Klatsche verpassen und ihnen ihre Inhaltslosigkeit demonstrieren.

  8. 1.

    Danke für diesen Bericht! Die Unterwanderung der Gesellschaft durch rechtsextreme Gruppen, mit dem Ziel ihre Ideologie zu verbreiten, muss genau beobachtet werden!

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