Radfahrer auf der Schönhauser Allee
Audio: Inforadio | 22.08.2018 | | Bild: Annette Miersch/rbb

Streit um Verkehrsplanung in Prenzlauer Berg - Keine breiteren Radwege auf der Schönhauser Allee

Weil der Radverkehr auf der Schönhauser Allee immer mehr zunimmt, sollten eigentlich die Radwege verbreitert werden. Das sorgte für Unmut, nicht nur bei Autofahrern: Auch der Einzelhandel hatte etwas dagegen. Nun ist die Idee vom Tisch. Von Annette Miersch

Fahrradfreundlicher ist die Schönhauser Allee auch zwei Jahre nach der letzten Berlin-Wahl nicht: Baulich hat sich kaum etwas verbessert. Die Kolonne der Radfahrer quetscht sich nach wie vor auf schmalen Radwegen stadteinwärts Richtung Mitte oder stadtauswärts in den Ostberliner Norden. Am U- und S-Bahnhof Schönhauser Allee gibt es inzwischen zwar mehr Abstellmöglichkeiten für Räder - das war es dann aber auch.

Eine grundlegende Erneuerung der Verkehrsanlagen ist derzeit nicht geplant, sagt Pankows Stadtrat für Stadtentwicklung, Vollrad Kuhn (Grüne).  "Ganz einfach weil der Platz fehlt. Auch wegen der Straßenbahn kann man keine weiteren Einengungen machen."

Fahrräder auf einem Stellplatz in der Schönhauser Allee
Bild: Annette Miersch/rbb

Senat: Breite Radwege führen zum Verkehrschaos

Große Ideen, zum Beispiel eine Fahrspur für die Radler zu reservieren, sind vom Tisch. Eine Messung der Verkehrsströme im Auftrag des Senates habe ergeben, dass das zum Verkehrskollaps führen würde. Schließlich ist die Schönhauser Allee Bundesstraße und eine Hauptverkehrsader im Innenstadtbereich.

Viele Einzelhändler atmen deswegen auf, weiß Luisa Lorentz-Leder, Managerin der Allee Arcaden. "Auch wir sind auf den Autoverkehr hier angewiesen."

Die Angst vor einer Einschränkung des Autoverkehrs kennt Susanne Thomaier von der Technischen Universität inzwischen gut. Die Stadtplanerin hat an einem Projekt mitgearbeitet, das in den vergangenen Monaten für mehr Fahrrad-Freundlichkeit an der Schönhauser Allee geworben hat. 86 Händler hat Thomaiers Projektgruppe angesprochen. 15 haben sich am Ende aktiv mit eingebracht. "Aus meiner Sicht bleibt tatsächlich ein erhöhtes Bewusstsein bei den Händlern für das Thema Mobilität, für das Thema Einkaufen mit Fahrrad." Das sei wichtig für mögliche Umbaumaßnahmen.

Parklet in der Bergmannstraße
Bild: imago/Bernd Friedel

Vorausgesetzt, sie kommen. Und tatsächlich: Ab September soll es noch mehr Anlagen für Räder geben und weniger Parkplätze für Autofahrer. Zudem werden vier sogenannte "Parklets" am Straßenrand aufgestellt: Das sind erhöhte Sitzgruppen für Passanten direkt auf der Parkspur.

So eng wie die Schönhauser Allee ist dürften diese Straßen Möbel dann aber Autofahrer und Radler ausbremsen.

Kommentar

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22 Kommentare

  1. 22.

    Also ich sehe kein Problem. Eine Spur für Tram und KFZ. Damit ist sicher gestellt, dass die Tram gut Vorwärts kommt.Eine Spur Parken, Laden und Haltestelle. Und dann eine breite Spur für Radler. Den Fußgängern darf man auch ein klein bisschen mehr gönnen. Klar ist dann auch die Autofahrer hängen hinter der Tram statt im Stau an der nächsten Ampel, oder habe ich etwas übersehen.

  2. 21.

    >>>Viele Einzelhändler atmen deswegen auf, weiß Luisa Lorentz-Leder, Managerin der Allee Arcaden. "Auch wir sind auf den Autoverkehr hier angewiesen."
    Äh ja genau. Deswegen ist das Parkhaus so stark ausgelastet, dass die obersten Etagen seit Jahren an eine Strandbar vermietet sind.

  3. 20.

    Ganz schlimme Meldung.

    Verkehrschaos? Ist schon Realität für die Radfahrer und Fußgänger. Im Moment ist der Zustand der Schönhauser Alle katastrophal. Einige Menschen verstopfen mit ihren riesigen Metallkästen die Straße und verschmutzen die Umwelt auf Kosten aller anderen. Ganz neben gefährden sie alle anderen.

    Radfahrer auf Nebenstraße? Warum das denn? Die ökologischen Verkehrsmittel müssen ja wohl Vorrang haben.

  4. 19.

    Stimme sowohl dem "Unort" wie dem Mobiltätswahnsinn zu. Die geplanten Parklets, die die Leute zum Verweilen bringen sollen, sind lächerlich - Kaffee trinken an der Bundesstraße, wer soll das wollen? Und zur individuellen Mobilität - mittels Blechkiste: Ja, der Kollaps ist programmiert, wenn diese Denke, jeder müsse mit eigenem KFZ individuell mobil sein können in einem hoch verdichteten Ballungsraum, nicht mal hinterfragt wird. Da helfen auch E-Fahrzeuge und Car-Sharing nur sehr begrenzt weiter. Auch die erhöhen die Fahrzeugdichte. Ich bin auch sehr enttäuscht von der "grün" geführten Verkehrsverwaltung. Es gibt jetzt ein Mobilitätsgesetz, an dem wird fröhlich weitergeschrieben. Auf den Straßen jedoch ändert sich nichts.

  5. 18.

    Genau und ganz Berlin wird ein großer Park......
    Grüße von einem radelndem KFZ-Auchnutzer.......
    Andere Länder sind fortschrittlicher und auch ich als KFZ-Nutzer mit Rad-Ambition finde, dass in D eine massive Blindheit dank der KFZ-Lobby herrscht. Kluge Konzepte gäbe es beispielhaft zuhauf - sie werden aber nicht gesehen oder wollen nicht gesehen werden.
    Hauptsache immer mehr Versiegelung von wichtigen Flächen für Gebäude.....da sollte ebenfalls ein Riegel vorgeschoben werden.
    Also werden sich KFZ- und Nicht-KFZ-Nutzer weiter gegenseitig beharken, während sich die Granden in Politik und Wirtschaft zurücklehnen und milde lächeln.

  6. 17.

    Die Autolobby hatte wieder einmal klar die Nase vorne.

  7. 16.

    Der Pkw-Verkehr wird nicht weniger, nur weil die Politik es so will. Der LKW-Verkehr auch nicht - das ist aber ein anderes Thema. Lieferverkehr kommt im Verkehrskonzept auch nicht vor. Was haben wir - viele verschiedene Verkehrsteilnehmer und ... parkende Autos. Aber kaum Parkplätze und keine Parkhäuser. Warum werden in Berlin keine Parkhäuser (in Wohngebieten) gebaut? Siehe ersten Satz!
    Vancouver (ist weit weg) hat keinen ruhenden verkehr auf der Straße. Ist alles unten drunter. Saigon baut in die Hochhäuser die ersten vier Etagen zum Parken ein.
    Wenn parkende Autos an Straßen kaum eine Rolle spielen würden, hätte man mehr Platz für den rollenden Verkehr. Auch für breite Radspuren. Für PKW eine Spur reicht auf vielen Straßen. Es müssten (nur) die Ampelschaltungen, die Verkehrsführung an Kreuzungen und Lösungen für Lieferverkehr (und Handwerker) geschaffen werden.
    Prognose: Schafft Berlin nie.

  8. 15.

    So eine Straße ist doch für alle da, oder?! Eine Spur für Straßenbahn und Einsatz- und Rettungskräfte, Eine Spur für Rkw / Lkw, Eine (Auto-) Spur für Fahrräder... Dann komplett Tempo 30 und Parkplätze unter der U-Bahn - Problem gelöst!
    Jeder Autofahrer wird beim Verlassen seiner Karosse doch Fußgänger - einfach mal dran denken und versuchen alle anderen Verkehrsteilnehmer (egal welchen Alters!) zu verstehen. Die Schönhauser wäre komplett ohne Autos eine prima Flaniermeile, nur mit Lieferverkehr.
    Das ist im übrigen mein voller Ernst.

  9. 14.

    "Warum wird nicht parallel zur Schönhauser Allee ein vernünftiger Radweg angelegt? Also in den nebenan liegenden Straßen. "

    Weil die autofahrende Anwohner und zu beliefernde Gewerbetreibende etwas dagegen haben werden. Weil dann ist da ein Radweg bzw. haben die Fahrräder Vorrang vor Autos und vor allem fallen die Parkplätze weg.

  10. 13.

    Noch breitere Radwege? Sollen da jetzt 2 Autos nebeneinander drauf parken können oder wie?

  11. 12.

    Der Verkehrskollaps kommt doch sowieso, wenn den Leuten weiter suggerieren wird, dass sie Ihr Mobilitätdverhalten nicht ändern müssen. Also eine Fahrspur den Radfahrern. Das wäre vom anteiligen Verkehrsaufkommen auch gerecht.
    Das eine beruhigte Schönhauser Allee auch dem Einzelhandel helfen würde ist eh ja eh klar. Im jetzigen Zustand ist es eher Unort als Flaniermeile.

  12. 11.

    Ja richtig, die Fahrradwege müssten auf den Nebenstraßen ausgebaut werden. In Dänemark ist das teilweise auch so.

  13. 10.

    Der ginge doch nur unter der Hochbahn, aber z.B. U Eberswalder Strasse ist Schluss in Richtung stadteinwärts.

  14. 9.

    Wir sind in Deutschland - da sind in öffentlichem Dienst, Verwaltung und Politik Behäbigkeit und Aussitzen Programm - aber sicher nicht pragmatisches Denken und Handeln

  15. 8.

    Ein Zickzack Radweg wäre doch die Lösung

  16. 7.

    Wer sich "Prenzelberger" nennt, ist kein "alter" Prenzlauerberger" - nur so nebenbei.
    Die Entscheidung, die Fahrragwege nicht zu verbreitern, ist eine gute Entscheidung.
    Zumal ein Großteil der Radfahrer sowieso den Bürgersteig befahren und sich somit der Gefahr, unter ein Auto zu kommen, entziehen, aber stattdessen Fußgänger in Gefahr um Leib und Leben bringen, dem schwächsten Glied im Verkehr.
    Und @Frank, die Zeiten, wo die Grünen ein Gesicht hatten, sind doch schon längst vorbei. Für die Macht und/oder dem Machterhalt opfern sie schonmal ihre Ideale.

  17. 6.

    Warum wird nicht parallel zur Schönhauser Allee ein vernünftiger Radweg angelegt? Also in den nebenan liegenden Straßen. Auf die Idee scheinen unsere Verkehrsplaner nicht zu kommen. Vielerorts konnte ich das schon sehen. Der Autoverkehr wird vom Radverkehr getrennt. Folge: Weniger Unfälle.

  18. 5.

    Und wat is mit Konopke? Ick gloob, et hackt........
    Ick ess zwa keen Tier, aba det musset ja ooch nich sin - wa!? Ick faah ooch mit´n Rad üba de Schönhausa und de Prollradla wer´n ooch imma mehr - aba irjendwie klappt et immer noch jut - also allet jut..... Müssense halt alle n bischen mehr uffpassen und nich imma uff ihr Recht besteh´n....dann klappt et ooch mit´n Nachbaan.....klar?

  19. 4.

    " Eine Messung der Verkehrsströme im Auftrag des Senates habe ergeben, dass das zum Verkehrskollaps führen würde. "

    Den Verkehrskollaps gibt es bzw. zeichnet sich aber für die Radfahrer ab. Aber natürlich gehen Autos und Lieferverkehr vor. :|

  20. 3.

    Als alter Prenzelberger sage ich,eine vernûnftige Entscheidung...hier hat diesmal der Verstand gewonnen. Das hätte ich den Grünen garnicht zugetraut.

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