"Prohibition" steht auf dem Plakat einer Teilnehmerin an der Hanfparade. Vom Roten Rathaus aus zogen die mehreren hundert Teilnehmer zum Brandenburger Tor. (Quelle: dpa/Zinken)
Video: Abendschau | 11.08.2018 | Marcel T. Castro | Bild: dpa/Zinken

22. Berliner Hanfparade - Tausende demonstrieren für Legalisierung von Cannabis

"Aufklärung statt Verbote" - unter diesem Motto sind am Samstagnachmittag tausende Befürworter einer liberaleren Cannabis-Politik durch Berlin gezogen. In einer Deklaration forderten sie die Entkriminalisierung des Kiffens.

Mehrere tausend Befürworter von Cannabis sind am Samstag bei der 22. Hanfparade durch Berlin-Mitte gezogen. Der Veranstalter sprach am Nachmittag von "mindestens 6.000 Menschen im Demonstrationszug". Zuvor war am Mittag von zunächst 4.000 Menschen die Rede. Die Hanfparade ist nach Veranstalter-Angaben Deutschlands größte Demo für eine Legalisierung von Cannabis als Rohstoff, Medizin und Genussmittel.

Unter dem Motto "Aufklärung statt Verbote" zogen die Demonstranten bei Sonnenschein mit mehreren Musikwagen vom Alexanderplatz zum Regierungsviertel am Brandenburger Tor. Viele Teilnehmer waren mit selbstgebastelten Schildern und Transparenten unterwegs. Es wurden Slogans gezeigt wie "Ohne Gras kein Spaß", "Hope for dope" oder "Sag Nein zu Drogenfahndern". Andere trugen grüne Luftballons, auf denen Cannabis-Blätter abgebildet waren.

Grünen-Landeschef Graf unter den Rednern

"Noch immer verlieren Berliner ihren Führerschein, nur weil sie mit Cannabis zu Hause, im Park oder sonst wo erwischt wurden", sagte der Landesvorsitzende der Grünen, Werner Graf. Dies müsse bundesweit beendet werden. Aktivisten zeigten Plakate mit Slogans wie "Mach mich frei" oder "Hanf auf die Felder rettet die Wälder".

Vor dem Bundesgesundheitsministerium sollte eine "Berliner Deklaration" übergeben werden, die sich unter anderem gegen die Kriminalisierung von Kiffern richtet.

Auf einem großen, auf einen Wagen montierten Joint wurde eine "Zaubersteuer" gefordert. Wenn Cannabis legalisiert würde, könnte der Staat auch Steuern darauf fordern und so Milliarden einnehmen, hieß es.

Drogenbeauftragte: Cannabis ist nicht gleich Cannabis

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU) warnt hingegen vor einer Verharmlosung. Die Dauerdebatte um die Legalisierung der Droge "führt in die falsche Richtung", sagte sie im Juni. "Sie suggeriert gerade den Jüngeren, Cannabis sei eine ungefährliche Substanz - das ist schlicht und einfach falsch." Heutiges Cannabis habe mit der vergleichsweise schwachen Droge von vor 20 Jahren wenig gemein.

Der Cannabiskonsum bei jungen Deutschen ist in den vergangenen Jahren gestiegen - vor allem bei Männern. Nach einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) von Mitte Juni gaben 16,8 Prozent der 18- bis 25-Jährigen an, in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal Cannabis genommen zu haben. Im Jahr 2008 waren es noch 11,6 Prozent.

BZgA-Leiterin Heidrun Thaiss warnte, Cannabis könne die Gehirnentwicklung beeinträchtigen und zu Persönlichkeitsstörungen führen - insbesondere, wenn bereits in jungen Jahren regelmäßig konsumiert werde.

22 Jahre Hanfparade

Ausgewählte Parade-Slogans seit 1997:

2017 – Breiter kommen wir weiter!
2016 – Legalisierung liegt in der Luft
2013 – Meine Wahl? Hanf legal!
2011 – 40 Jahre sind genug! BtMG Adé
2010 – Cannabis ist (Welt)Kultur
2009 – Für eine freie Wahl!
2007 – Gib mir 5! Gegen Gift im Gras!
2005 – Wir sind das Hanf!
2004 – Get Wise - Legalize! Drogenfahnder zu Kleingärtnern!
2001 – Kein Krieg gegen Pflanzen
2000 – Legalize it globally!
1997 – Legalisierung jetzt! Mit Hanf in die Zukunft

Sendung: Abendschau, 11.08.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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37 Kommentare

  1. 37.

    @Scorpion
    Aber was ist mit "...dass Kiffen Schizophrenie hervorrufen KANN..." aber "...Alkoholkonsum ebenfalls schlimme Folgen nach sich ZIEHT..."?, aber fast egal, interessanter ist eher "...bei Gericht...". Aus meiner Sicht versagen Richter völlig, schon nach dem Abitur sollte ein Absolvent in der Lage sein, sich in fremde Themen einzuarbeiten. Die unterstellte Unabhängigkeit vermisse ich bei Urteilen gegen Kiffer, die immerhin ein schadfreies Delikt begingen. Bei Autofahrten mit für andere tödlichem Ausgang mildert die Behauptung, besoffen gewesen zu sein, das Urteil bis zum Freispruch (Niedersachsen, Schöppenstedt 2012).

  2. 36.

    Durch die jahrelange Betreuung von Menschen mit Spätfolgen durch Cannabiskonsum kann ich diese Aussagen bestätigen.
    Das ist keine "Easy-Peasy-Droge". Zumindest nicht dauerkonsumiert.
    Trotz aller Argumente für eine Legalisierung darf man das nicht ignorieren. Diese Tatsache wird aber weitgehend noch belächelt.
    Sich dauerhaft in Cannabis zu flüchten birgt viele gesundheitliche Gefahren, bis hin zu schweren psychischen Störungen und chronischen Krankheiten, inkl. Psychiatrieaufenthalten. Das Problem hier ist wie beim Alkohol, dass viele Kiffer ihren Konsum naiv beschönigen und verharmlosen.
    "Ein Joint in Ehren..."

  3. 34.

    "BZgA-Leiterin Heidrun Thaiss warnte, Cannabis könne die Gehirnentwicklung beeinträchtigen und zu Persönlichkeitsstörungen führen - insbesondere, wenn bereits in jungen Jahren regelmäßig konsumiert werde."

    Und damit es Jugendlichen erschwert wird, an Cannabis zu kommen, sollte es endlich Fachgeschäfte für Erwachsene geben, damit der Schwarzmarkt geschwächt wird.

    Außerdem wäre es angebracht, das Mindestalter für Alkohol auf 18 Jahre hochzusetzen, der schadet dem Gehirn (und nicht nur dem) noch deutlich stärker als Cannabis.

    Das wäre eine verantwortungsvolle und zeitgemäße Drogenpolitik. Die funktioniert in immer mehr Ländern ganz hervorragend – und hoffentlich auch bald in Deutschland. Das wäre sicher auch im Sinne von Frau Thaiss.

  4. 33.

    Man kann natürlich auch weiter die Polizei mit der Jagd auf Kiffer daran hindern, echte Verbrecher anzugehen. Für mich ist die Doppelmoral in dieser Sache einfach unerträglich. Einer Studie zufolge ist Alkohol mindestens genauso schädlich wie Heroin, darüber wird aber nicht soviel schwadroniert und Menschen mit Alkoholproblemen sogar allein gelassen, weil diese Sucht gesellschaftlich anerkannt ist. Seit wann ist Alkohol eine softere Droge als Cannabis? Natürlich hat JEDE Droge seine Nachteile und Schattenseiten, das haben auch viele pharmazeutische Topprodukte, allerdings wird in dem Falle eine Allround-Nutz- und Kulturpflanze verteufelt, die schon im Anbau echte Stärken zeigt. Ich fordere: Wenn Hanf nicht legalisiert werden soll, dann sollten alkoholische Getränke, Pestizide und starke Medikamente verboten werden, um glaubhaft ein Interesse an der Gesundheit der Bürger zu zeigen!
    Diese Doppelmoral ist unerträglich!

  5. 31.

    Da ich weder kiffe noch Schnaps trinke, lebe ich auf alle Fälle gesünder als viele Kommentatoren hier im Forum, Warum ich das weiß? Weil ich oft entsprechende Gutachten bei Gericht dolmetsche, die eindeutig belegen, dass Kiffen Schizophrenie hervorrufen kann und Alkoholkonsum ebenfalls schlimme Folgen nach sich zieht.

  6. 30.

    Alkohol und Nikotin töten jedes Jahr hunderttausende von Menschen und die Thaiss reiten auf dem Jugendschutz rum. Und der funktioniert nur mit einer Legalisation. Jeder der dagegen ist hat die Toten durch "Legal"Highs und die Prohibition mitzuverantworten!

  7. 29.

    Ich möchte Fr.Mortlers Schauermärchen zurechtrücken.
    Vor der Internetverfügbarkeit wurden sichergestellte Hanfpflanzen geschlechts-, reife- u. pflanzenteilunabhängig kompl. geschreddert und davon im Massenspektrometer der THC-Gehalt zur Einschätzung der Verwerflichkeit der (Missse-) tat für den Richter bestimmt. Der THC-Gehalt fiel erbärmlich gering aus, welcher Kiffer hat je mit Begeisterung Holzraspeln geraucht?, verwegene Polizisten schon? Der behauptete gestiegene Wirkstoffgehalt beruht auf diesem Zusammenhang, selbst wenn der THC-Gehalt sich verdoppelt hätte, würde immerhin noch eine ca. 500-gr.-Tüte zu rauchen sein, um sich der LD zu nähern, Fr.Mortler, zur Tat bitte... Es ist mir nicht angenehm, dass man mit mathematisch belegter Argumentation sich in DE sofort in die Brennnesseln setzt, mit X-Rechnen hats der Michel nicht so, amen.

  8. 25.

    Wir haben Ihren Kommentar nicht freigegeben, weil Sie einen anderen Kommentatoren persönlich beleidigt haben (und ihm unter anderem massiven Pharmazeutika- und Alkohol-Konsum unerstellten).

  9. 24.

    Leider nicht nur Psychosen, sondern auch Schizophrenie. Aber das will ja keiner wahrhaben. Ich stimme Ihrem Kommentar vollkommenen zu. Danke.

  10. 22.

    Mann sollte vllt. auch mal explizit erwähnen, dass unser europäischer "Fast"-Nachbar und Lieblingsreiseziel SPANIEN Cannabis als eines der ersten Länder weltweit defacto legalisiert hat. Kaum einer weiß das, da der Vertrieb nur im Rahmen von sogenannten Cannabis-Social-Clubs stattfindet. Diese sind äußerst unaufällig aber weit verbreitet (passable bis umfangreiche Abdeckung mit Clubs auch auf den Balearen/Kanaren). Manche der Clubs nehmen auch Touristen für eine einmalige Gebühr auf und dann kann man frei "shoppen". (Wollte das nur mal ergänzen, da bei dem Thema derzeit viel auf Kanada/USA geschaut wird, obwohl ein viel näheres, europäisches Land bereits eine sehr praktikable Lösung gefunden hat, welche weder die Konsumenten kriminalisiert noch der nicht-kiffenden Bevölkerung zuviel Akzeptanz abfordert (da sie offensichtlich nichts davon mitbekommen.)

  11. 21.

    rbb24.
    Wieder einmal die obligatorische Frage, ist mein Kommentar angekommen und gleich zensiert worden? Oder dürfen hier nur die Gegner ihre zweifelhaften Kommentare verbreiten, ganz zur Freude der Redaktion?

  12. 20.

    Wahrscheinlich gut gemeint, aber leider z.t. nicht wahr und kontraproduktiv Ihr Kommentar.
    Kiffen ist Drogenkonsum.
    Es geht bei der Legalisierung primär nicht darum, dass jeder soviel kiffen darf wie er will.
    Dauerhafter Cannabiskonsum hat häufig Charakterveränderungen, Wahrnehmungs- und Antriebsstörungen zur Folge.
    Kiffen macht auch nicht alle Menschen friedlich. Es kann Psychosen auslösen oder verstärken und auch aggressiv machen.
    Das sind längst überholte und widerlegte Sprüche aus der Flower-Power-Ära.
    Es gibt genug ernstzunehmende Argumente für eine Legalisierung.
    Diese gehören leider nicht dazu und spielen in die Hände der Gegner.

  13. 18.

    Es geht hierbei nicht um sie, sondern darum das bsp. Alkohol legal und selbstverständlich ist, und wer kiffen wil, soll das ab 18 jahren für sich selber entscheiden. Und wenn dem einen gut geht mein Gott in dieser kranken Welt. Und eins noch Kiffer sind friedliche Menschen. Wenn all unsere Präsidenten kiffen haben wir immer Frieden.

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