Archivbild: Jörg Steinbach in seinem Büro in Cottbus. (Quelle: dpa/Pleul)
Video: Brandenburg aktuell | 30.08.2018 | Michael Schon | Bild: dpa/Pleul

Präsident der BTU Cottbus als Gerber-Nachfolger - Jörg Steinbach wird neuer Wirtschaftsminister von Brandenburg

Nach dem überraschenden Rücktritt von Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber steht nun sein Nachfolger fest: Es wird BTU-Präsident Jörg Steinbach. Der gebürtige Berliner hat Chemie studiert und war zuvor bereits Präsident der TU Berlin.

Jörg Steinbach wird neuer Wirtschaftsminister in Brandenburg. Der Präsident der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg wurde am Donnerstagabend als Nachfolger von Albrecht Gerber vorgestellt, der aus persönlichen Gründen seinen Rücktritt zum 19. September angekündigt hat.

"Es fällt mir nicht ganz leicht, in die Politik zu wechseln" sagte Steinbach nach seiner Ernennung. "Aber ich freue mich auf diese spannende neue Aufgabe." Er versprach, dass die Strukturentwicklung in der Lausitz "eine zentrale Rolle" für ihn spielen werde. "Hier können jetzt Weichen gestellt werden, die einer ganzen Region zu Gute kommen". Deshalb sei es wichtig, dass Brandenburg "mit klarer Haltung" in der Kohlekommission auftrete.

Steinbach ist parteilos, schloss aber einen Eintritt in die SPD nicht aus. "Es gibt wichtige Gremien, in denen man nur als Parteimitglied Zugang hat."

Woidke: "Er kann Minister"

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke begründete seine Entscheidung "mit der außerordentlich hohen Sachkompetenz, dem nationalen und internationalen Renommee und der großen Verbundenheit Steinbachs mit dem Land Brandenburg". Steinbach sei ein "Glücksfall" für die Brandenburgische Technische Universität in der Lausitz gewesen. Deren Neuaufstellung nach der Fusion mit der Fachhochschule Senftenberg sei eine "Meisterleistung" gewesen, so Woidke. "Er kann Verwaltung, er kann moderieren und zusammenführen und entscheiden. Ich bin sicher: Er kann Minister."

Die BTU begrüßte die Entscheidung. "Mit Jörg Steinbach bekommt Brandenburg einen ausgezeichneten neuen Wirtschaftsminister", heißt es in einer Mitteilung der Universität. "Wir werden das Verfahren zur Auswahl einer neuen Präsidentin/eines neuen Präsidenten in Abstimmung mit dem Landeshochschulrat und der Hochschule schnellstmöglich auf den Weg bringen", kündigte Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) an. Steinbach übergebe eine sehr gut aufgestellte Hochschule.

Zustimmung kam auch von der Industrie- und Handelskammer Cottbus. Steinbachs Ernennung sei "ein wichtiges Signal für die Lausitz", erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Krüger. "Er wird die engagierte Arbeit des scheidenden Ministers Albrecht Gerber für tragfähige wirtschaftliche Perspektiven in Südbrandenburg fortsetzen."

Präsident der TU Berlin und BTU Cottbus

Steinbach hat an der Technischen Universität Berlin Chemie studiert und arbeitete nach seiner Promotion 1985 beim Pharmakonzern Schering. 1996 kehrte er an seine Alma Mater zurück und wurde Professor an der TU Berlin. Die machte den heute 62-Jährige 2002 zum Vizepräsidenten der Universität - und 2010 zum Präsidenten der Hochschule.

Vermittler im Flüchtlingsstreit

2015 wurde Steinbach Gründungspräsident der BTU, die er seitdem geleitet hat. Der Mann mit den vielen Ehrendoktortiteln genießt hohen Respekt, nicht nur in der akademischen Welt. Anfang 2018 schaltete er sich zum Beispiel in die Migrationsdebatte ein: Nach wiederholten Auseinandersetzungen in Cottbus zwischen Einheimischen und Flüchtlingen bot er sich in einer TV-Diskussion des rbb als Vermittler an. Er warnte davor, dass die BTU einen Kollateralschaden erleiden könne, was sich wiederum negativ auf die Stadt auswirken könne. Etwa ein Viertel der 8.000 Stundenten an der BTU stamme aus dem Ausland.

Die umstrittene Fusion von BTU Cottbus und Fachhoschule Lausitz hat Steinbach stets verteidigt. Es seit "der einzig richtige Weg" gewesen, sagte Steinbach einst in einem Zeitungsinterview.

Auch in die Debatte um die Zukunft der Lausitz hatte sich Steinbach immer wieder eingeschaltet. Er plädierte dafür, die BTU Cottbus-Senftenberg zum Ausgangspunkt eines Strukturwandels zu machen. Dafür hatte er immer auch mehr Geld vom Bund gefordert. Als Wirtschafs- und Energieminister wird er sich nun direkt damit beschäftigen können - was in der Region sicherlich Hoffnungen wecken dürfte. "Dies ist aber keine Aufgabe für 12 oder 13 Monate, sondern benötigt eine zumindest mittelfristige Perspektive", sagte der parteilose Wissenschaftler mit Blick auf die kommende Landtagswahl im Herbst 2019. Zu einem Ausstiegsdatum für die Braunkohleverstromung wollte sich Steinbach nicht äußern. Ein schneller Ausstieg sei schon deswegen nicht möglich, weil die Bergbaufolgekosten wie etwa für die Rekultivierung finanziert werden müssten, sagte er.

Die Grünen-Fraktion im Landtag forderte den bisherigen Uni-Präsidenten auf, sein Aufsichtsratsmandat beim Kohlekonzern LEAG niederzulegen. Dies sei mit einer unabhängigen Amtsführung nicht zu vereinbaren. Dazu erklärte Regierungssprecher Florian Engels auf Anfrage: "Selbstverständlich wird Herr Steinbach sein Aufsichtsratsmandat niederlegen." Auch seine Mitgliedschaft im Beirat Ost der Deutschen Bank werde Steinbach beenden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 30.08.2018, 16:00 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Für Brandenburg und die Lausitz sicher eine gute Nachricht, dass jemand dieses Formats Wirtschaftsminister wird. Aber für die BTU und vielleicht auch für ihn selbst ist das sehr riskant. Einen guten Nachfolger für die Uni zu finden, wird bestimmt nicht leicht. Und ob die SPD 2019 noch den Wirtschaftsminister stellt, ist auch fraglich. Jedenfalls drücke ich Herrn Steinbach ganz fest die Daumen, dass er in Potsdam genauso viel bewegen kann wie hier in Cottbus. Und dass er Cottbus und die Lausitz im Blick behält, wünsche ich mir. Auf geht`s!

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