Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD). (Quelle: rbb/Aktuell)
Video: Brandenburg Aktuell | 21.08.2018 | Hanno Christ | Bild: rbb/Aktuell

Aus persönlichen Gründen - Brandenburgs Wirtschaftsminister Gerber tritt zurück

Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) legt sein Amt nieder - aus persönlichen Gründen. Regierungschef Dietmar Woidke zeigte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz Verständnis für Gerbers Entscheidung.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) hat am Dienstag überraschend seinen Rücktritt erklärt.

"Die erforderliche Kraft für mein Amt und die damit verbundene sehr hohe Arbeitsbeanspruchung kann und will ich aus rein familiären Gründen - das betonte ich ausdrücklich - nicht mehr aufbringen", sagte Gerber am Vormittag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD).

Aus Regierungskreisen hieß es, ein Familienmitglied des 51-Jährigen sei ernsthaft erkrankt. Gerber selbst wollte sich zu den Hintergründen nicht weiter äußern. Zum 19. September werde er sein Amt aufgeben. Dann soll im Landtag in Potsdam ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin vereidigt werden.

Ministerpräsident Woidke sagte, Gerber habe die richtige Entscheidung getroffen - aus Verantwortung für seine Familie, aber auch aus Verantwortung für das Amt des Wirtschaftsministers.

Albrecht Gerber (SPD), Wirtschaftsminister von Brandenburg, unterhält sich am 30.05.2018 vor Beginn der Landtagssitzung mit Dietmar Woidke (SPD, r), Ministerpräsident von Brandenburg. (Quelle: dpa/Bernd Settnik)
Bild: dpa/Bernd Settnik

Seit 2014 Minister für Wirtschaft und Energie

Der gebürtige Schleswig-Holsteiner Gerber, der an der FU Berlin Politische Wissenschaft studiert hat, ist seit Anfang der 90er Jahre in Brandenburg politisch aktiv: Als Pressesprecher des SPD-Landesverbandes, später als Büroleiter der SPD-Regierungschefs Manfred Stolpe und Matthias Platzeck. Von 2009 bis 2014 war er Chef der Staatskanzlei in Potsdam.

Seit November 2014 ist Gerber Minister für Wirtschaft und Energie im Kabinett von Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) – seine Arbeitsschwerpunkte seitdem waren die Energiewende, die Zukunft der Braunkohlebeschäftigten in der Lausitz und Wirtschaftsansiedlungen in Brandenburg.

Gerber mischte auch in der Bundespolitik mit: Als Mitarbeiter des Parteivorstands, der so
genannten Kampa, war er auch am Wahlerfolg von Gerhard Schröder (SPD)
beteiligt, der 1998 Bundeskanzler wurde.

Weitere Reaktionen auf den Rücktritt

  • Görke würdigt Verlässlichkeit Gerbers

  • Grünen fordern jetzt Kurswende in der Kohlepolitik

  • Unternehmer mit Arbeit Gerbers zufrieden

  • Gewerkschafter zollen Respekt

Rücktritt führt zu erneutem Kabinettsumbau

Im September 2017 war bereits Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske (SPD) aus persönlichen Gründen zurückgetreten. Derzeit steht Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) wegen des Arzneimittelskandals unter Druck - aus der Opposition gab es bereits Rücktrittsforderungen.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsere Netiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

14 Kommentare

  1. 14.

    So argumentiert man wenn man selbst in der Kohle arbeitet oder Null Ahnung von der Materie hat. Den "Masterplan" für die Lausitz haben die Grünen schon vor 15 Jahren gefordert. Verhindert durch die SPD auf Druck der Kohlelobby.
    Man hätte es sanft haben können mit dem Übernahmeangebot von Greenpeace, aber nein lieber bejubelt man einen windigen Finanzinvestor nachdem Vattenfall zig Kreuze gemacht hat die Buden los zu werden.. Jetzt ist das Geschrei groß. Dieser Raubbau muss beendet werden. Das ist technisch machbar. Und wenn es die Politik nicht schafft sich gegenüber der Kohlelobby durch zu setzen muss es Massenproteste durch die Umweltverbände geben. Hier geht es nicht mehr um ein paar Arbeitsplätze sondern um die Zukunft unserer Kinder und Enkel.
    @Jörg, besser Sie machen sich kundig wie viel KW-Blöcke schon vor der "Bereitschaft" zur Stilllegung angemeldet waren. Das Hartz IV zahlt jetzt der Stromkunde, ohne das bisher ein Block jemals angefahren wurde.

  2. 13.

    Die sozialen Folgelasten bei dem staatlich herbeigeführten Kohleaustieg müssen auch durch staatliche Maßnahmen abgefedert werden. Insbesondere hier im strukturschwachen Gebiet der Lausitz müssen Kompensationsmaßnahmen her, damit sich die Gegend nicht entvölkert, weil es keine Arbeitsplätze mehr gibt.

    Einen "Masterplan" für die Lausitz und den Braunkohleausstieg gibt es nicht.

    Vergleichszahlen wären hier die jahrzehntelangen Subvention des Kohleausstiegs in NRW.

  3. 12.

    Dem mit dem "fremden Geld einfordern" muss ich widersprechen. Das Abschalten von Kraftwerken und Tagebauen ist nicht einer wirtschaftlichen Notwendigkeit wegen Unrentabilität sondern dem politischen Willen geschuldet. Und wenn die Gesellschaft das so will, muss auch die Gesellschaft, sprich das GANZE Land für die Konsequenzen aufkommen. Das ist nur recht und billig! Also Forderungen nach Investitionen in die Zukunft der Lausitz sind keine ungerechtfertigten Anmaßungen von Undankbaren und Kohlelobbyisten sondern Selbstverständlichkeiten, die mit gutem Recht eingefordert werden!

  4. 11.

    Die Kohlepolitik von Gerber war eine Blockadepolitik, die Brandenburgs Zukunft aufs Spiel setzt. Das ist völlig unabhängig vom konkreten Rücktrittsgrund. Ich schließe mich deshalb der Forderung der Grünen nach der dringend notwendigen Kehrtwende absolut an!

  5. 10.

    Der Unsinn wird auch nicht mit jeder Wiederholung wahrer. Die Unternehmen fordern doch Geld ein,damit sie sich niederlassen. Wenn man zu allem ja sagt,kann jeder Unternehmen anlocken.
    Dass Bundesländer so untereinander konkurrieren,sollte verboten sein.

  6. 9.

    "Gerber mischte auch in der Bundespolitik mit: Als Mitarbeiter des Parteivorstands, der so
    genannten Kampa, war er auch am Wahlerfolg von Gerhard Schröder (SPD)
    beteiligt, der 1998 Bundeskanzler wurde."
    Danke Herr Gerber für Ihren Beitrag zum Aufstieg der AfD in Brandenburg.

  7. 8.

    Was haben die Brandenburger eigentlich von ROT/ROT - Armut, Not und Elend sowie keine Perspektiven. Wer es in über 50 Jahren zu nichts brachte schaff es auch aktuell nicht. Die letzten 25 Jahre sind der Beweis dafür.

  8. 7.

    Liebe Waltraud,
    wenn Kloster Lehnin dank Gerber zur Abbaggerung für ein Kohleloch zur Disposition stünde hieße Ihre Volksinitiative sicher "rettet Kloster Lehnin".
    Merken Sie was ich meine?
    Die Energiewende ist sicher nicht Fehlerfrei aber bestimmt keine Katastrophe für diejenigen die Haus , Hof und Heimat für die Umwelt schädlichste Energiegewinnung hergeben sollen und erst recht nicht für die Menschen (über 70%) in Deutschland die eine Energiewende wollen weil sie erkannt haben das es einen menschen gemachten Klimawandel doch gibt.

  9. 6.

    Sie schreiben genau das, wofür Rot/Grüne Politik steht: fremdes Geld einfordern und umverteilen. Aus Respekt vor den persönlichen Gründen wollte ich das lange Aufzählen der "vergeigten" Großprojekte mit fremden Geld vermeiden. Viel wichtiger ist, das sich Harley Davidson in Eisenhüttenstadt niederlässt - wenn Sie verstehen was ich meine. Herr Tiefensee in Sachsen macht das vor: DHL, Batteriewerk usw.

  10. 5.

    Gerber ist selbst bekennender Kohlelobbyist und hat mit seiner Politik den notwendigen Strukturwandel seit Jahren massiv behindert. Die Gründe seines Rücktritts sind unerheblich.
    << permanenten Einsatz für die Interessen der Lausitz <<, das ist wohl ein Witz der suggerieren soll das in der Lausitz nur Bergarbeiter leben. Dem ist nicht so. Die Lausitz ist weit mehr als nur Kohle.
    Die jetzige Hektik bei der SPD ist nur der Angst vor der AfD geschuldet und das haben die sich selber eingebrockt.
    Die EU setzt gerade die Klimaziele hoch, das wird interessant bei der Argumentation in der Kohlekommission....

  11. 4.

    Er war in der Landesregierung einer der wenigen mit kritischen Denkansätzen, z.B. zur Energiewendekatastrophe. Dass Deutschland dadurch deindustrialisiert wird, hat er gewagt, laut zu sagen. Auf notwendige Taten müssen wir wohl vergebens hoffen. Ein besserer Nachfolger aus der Koalition ist nicht in Sicht. Wir danken ihm für die Funken Hoffnung und wünschen ihm und seiner Familie alles Gute.
    Waltraud Plarre
    Volksinitiative "Rettet Brandenburg"

  12. 3.

    Ich denke, Häme ist an dieser Stelle völlig unangebracht. Sie kennen die Gründe gar nicht, welche Herrn Gerber zu seinem Entschluss geführt haben. Vielleicht gibt es im privaten Umfeld Umstände, die diesen Schritt notwendig machen. Falls Sie in Brandenburg neu sind: in diesem Bundesland sind die Grünen eine marginale Größe, sie sind nicht an der Regierung beteiligt. Ihre Pauschalkritik an den Ergebnissen der Politik von Herrn Gerber ist zumindest im Punkt Braunkohleausstieg unbegründet. Ohne seinen permanenten Einsatz für die Interessen der Lausitz (und der Wirtschaft) würden die Kraftwerke und Tagebaue geschlossen, ohne dass ein Euro als Strukturhilfe fließen würde. Dass das Thema eines halbwegs gerechten Ausgleichs für die Lausitz überhaupt im Bundesmaßstab diskutiert wird, ist m.E. auch ein Verdienst von Herrn Gerber. Dafür danke.

  13. 2.

    In Brandenburg gibt es eine Wirtschaft durch die Landesregierung initiiert? Außer "Pleiten Pech und Pannen" gibt es nichts zu berichten. Wenn die Menschen nicht selber fleißig etwas unternehmen würden, könnten die Rot/Grünen doch "das Licht ausschalten". Oder ist etwa der seit Jahren erfolgreiche Strukturwandel in der Lausitz eine Erfolgsgeschichte? Brandenburger Lösung: Quereinsteiger

  14. 1.

    Die beste Meldung des Tages!

Das könnte Sie auch interessieren