Ein Mann geht am 25.01.2018 durch das Tor der Gedenkstätte Sachsenhausen in Oranienburg (Quelle: dpa/Sophia Kembowski)
Video: Brandenburg aktuell | 31.08.2018 | Karsten Zummack | Bild: dpa/Sophia Kembowski

Nach Medienbericht über Sachsenhausen - Polizei ermittelt wegen mutmaßlicher Hetze in KZ-Gedenkstätte

Wegen möglicher Volksverhetzung in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen ermittelt die Brandenburger Polizei. Nach einem Medienbericht sollen dort Besucher gestört und NS-Verbrechen geleugnet haben. Der Gruppe gehörten auch AfD-Parteimitglieder an.

Nach einem Medienbericht über hetzende Besucher in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen bei Oranienburg (Oberhavel) hat die Polizei Anzeige von Amts wegen gestellt. Ermittelt werde derzeit wegen des Verdachts der Volksverhetzung, sagte die Sprecherin der Polizeidirektion Nord, Dörte Röhrs, am Freitagmorgen rbb|24.

Grund für die Amtsanzeige sei, dass von Seiten der Gedenkstätte bisher keine Anzeige eingegangen sei. Laut Sprecherin Röhrs ist es möglich, dass der Straftatbestand im Laufe der Ermittlungen durch die Abteilung Staatsschutz noch geändert wird. Gegen wie viele Personen ermittelt wird, konnte die Sprecherin nicht sagen; auch nicht, woher diese stammen.

"Manifest rechte Einstellungen"

Der "Tagesspiegel" hatte am Donnerstag berichtet, während einer Führung im Juli hätte eine AfD-Besuchergruppe während einer Führung durch die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen gestört und mit rechten Äußerungen provoziert. Der Sprecher der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Horst Seferens, bestätigte am Freitagmorgen der rbb-Welle Antenne Brandenburg einen Vorfall, bei dem mehrere Besucher KZ-Verbrechen relativiert und die Existenz von Gaskammern angezweifelt hätten.

Es seien "manifest rechte und geschichtsrevisionistische Einstellungen und Argumentationsstrategien erkennbar" geworden, zitiert der "Tagesspiegel" Seferens. Dem Blatt bestätigte eine Regierungssprecherin "antisemitische und historisch unhaltbare Äußerungen", jedoch nur einer Person.

AfD- und nicht-AfD-Mitglieder in der Gruppe

Die Gruppe bestand aus 17 Personen aus dem Wahlkreis von AfD-Bundesfraktionschefin Alice Weidel sowie aus benachbarten Wahlkreisen, das teilte Weidels Büroleiter Daniel Tapp auf Anfrage von rbb|24 mit. Es seien sowohl AfD-Mitglieder als auch Personen, die nicht Mitglied der Partei sind, dabei gewesen. Der Besuch in Sachsenhausen sei einer unter vielen Programmpunkten gewesen, die in Zusammenarbeit mit dem Bundespresseamt ausgewählt worden seien. Bei dem Besuch der Gedenkstätte war Alice Weidel ihrem Büroleiter zufolge nicht anwesend.

Die Fahrt wurde laut "Tagesspiegel" vom Bundespresseamt finanziert. Dieses plant und organisiert unter anderem politische Informationsfahrten, zu denen Mitglieder des Deutschen Bundestages Besuchergruppen aus ihrem Wahlkreis nach Berlin einladen können.

Drecoll: Strafrechtlich relevante Äußerungen vermieden

Auch der Leiter der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Axel Drecoll, bestätigte, dass am 10. Juli die Führung einer Besuchergruppe am Ende abgebrochen worden sei. Teilnehmer hätten sich "mehrfach in dem Sinne geäußert, der ganz klar darauf zielte, offensichtlich die Verbrechen des NS-Regimes zu verharmlosen - beispielsweise durch eine Gleichsetzung mit angeblichen Verbrechen auf alliierter Seite". Strafrechtlich relevante Äußerungen seien aber nach Ansicht der Stiftung vermieden worden - daher habe die Stiftung bisher auf eine Anzeige verzichtet.

Entsetzen und Empörung bei den KZ-Überlebenden

Das Internationale Sachsenhausen Komitee war entsetzt über den Vorfall. Generalsekretär Dik de Boef erklärte am Samstag in Amsterdam, dass so etwas an diesem Ort möglich ist, "hätten die Überlebenden niemals für möglich gehalten". Die ehemaligen Häftlinge, Angehörige und Unterstützer aus 14 Nationen seien "schockiert".

Auch das Internationale Auschwitz Komitee war empört. "Die AfD und ihre Kernklientel entpuppen sich immer deutlicher als Ableger vom braunen Stamm, deren Aktivitäten endlich vom Verfassungsschutz beobachtet werden sollten", verlangte Vizepräsident Christoph Heubner. Im Internationalen Auschwitz Komitee sind eigenen Angaben zufolge Organisationen, Stiftungen und Holocaust-Überlebende aus 19 Ländern vereinigt. Die Geschäftsstelle ist in Berlin angesiedelt. 

Beim Holocaust-Mahnmal nahe dem Brandenburger Tor in Berlin sind indessen vergleichbare Fälle mit Besuchergruppen nicht bekannt. "Wir können derartige Vorfälle nicht berichten", sagte eine Sprecherin der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas am Freitag.

Sendung: Antenne Brandenburg, 31.08.2018, 09:00 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um eine Antwort zu verfassen.

Antwort auf [justice] vom 01.09.2018 um 20:04
Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

25 Kommentare

  1. 25.

    Nanu? Von ihnen eine Wessi/Ossi Debatte? Ich muß mich doch stark wundern. *feix*

    Mir ist es doch schaizegal wo und von wem eine Nazitruppe gegründet wurde. Was ist schlimmer, der skupellose Hetzer oder der Nachläufer?

    Wenn man aus der deutschen Geschichte gelernt hätte wüßte man das der eine nicht ohne das andere groß geworden wäre.

    "Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." , genau DAS machen wir gerade weil wieder Mitläufer rechten Rattenfängern nachlaufen PUNKT

  2. 24.

    Ich verstehe das ganze Geschimpfe auf die AfD nicht mehr. Die ist doch von Wessis gegründet worden und wird von Wessis geführt. Die wussten doch schon 1990 alles besser und was gut für die Mark ist :-(

  3. 23.

    Ich verstehe die Problematik der skrupellosen Provokationen und der psychologischen Spielchen, mit denen die Grenzen zum Nachteil des Anstandsgefühls aller billig und gerecht Denkenden verschoben werden sollen. Nutznießer solcher "künstlich erzeugten Aufreger" sind Massenmedien, die eben diesen Provozierenden eine Plattform zur Selbstdarstellung bieten. Daher stellt sich mMn die juristische Frage, ob natürliche und juristische Personen u. U. wegen unzulässiger Verbreitung von revisionistischen Äußerungen und Handlungen haftbar gemacht werden sollten. https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/sittenwidrige-schaedigung-826-bgb-369942

  4. 22.

    "In Anbetracht des folgendes Verzeichnisses, sollten irgendwelche Anzweifler sich besser verkriechen."

    Das machen die aber leider nicht, sondern schrei(b)en ihre Gesinnung nur noch lauter heraus.

    Die AfD macht es vor. Geschichtsrevionisten und Antisemiten in den eigenen Reihen mehr als nur dulden und auf der anderen Seite scheinheilig von Demokratie faseln.

  5. 21.

    Meine Übersetzung: Im März 1943 wurde der "Station Z" eine Gaskammer hinzugefügt. Diese Gaskammer wurde bis Ende des Krieges eingesetzt. Die Anzahl der vergasten Opfer ist unbekannt, denn die Transporte zur Vergasung wurden nicht in die Eingangsregister des Lagers eingetragen. Originaltext aus https://www.jewishvirtuallibrary.org/history-and-overview-of-sachsenhausen-oranienburg-concentration-camp

  6. 20.

    Zitat: "... die meisten Opfer wurden erschossen oder erhängt." - Sie meinen sicherlich die Todesopfer, denn der zwangsweise Aufenthalt im Konzentrationslager begründet ohnehin für sich den Opferstatus, denn im nationalsozialistischen Deutschland diente die Ausbeutung der Arbeitskraft der Häftlinge in erster Linie deren Vernichtung durch Arbeit. aus https://de.wikipedia.org/wiki/Konzentrationslager In Anbetracht des folgendes Verzeichnisses, sollten irgendwelche Anzweifler sich besser verkriechen. http://www.deutschland-ein-denkmal.de/ded/database/category?cat=kz.sah

  7. 19.

    "Meine Frage war ausschließlich rechtlicher Natur."

    Na klar... und mein Name ist Hase.

    Sie lassen hier keine Gelegenheit aus ihre Gesinnung zu verbreiten, insofern passt ihr "Beitrag" in eine ganze Reihe von ihren Kommentaren in denen sie ihre Sympathie zu einer im Kern rechtsextremen "Partei" äußern.

    Wie rechtsextrem diese "Partei" in Wirklichkeit ist hat sich an diesem Beispiel mal wieder überdeutlich gezeigt.

  8. 18.

    Pflichtbesuche reichen halt nicht um Menschen von einer verabscheuungswürdigen Gesinnung abzuhalten.

    q.e.d.

  9. 17.

    Hallo Sven, wie aus verschiedenen Quellen hervorgeht, gab es ab 1942/43 in Sachsenhausen eine Gaskammer. Sie wurde offenbar selten genutzt, die meisten Opfer wurden erschossen oder erhängt. Nur wenige Aktionen sind nachweisbar, etwa die Vergasung von 27 Ostarbeiterinnen Anfang Februar 1945.
    Hier ein paar Quellen:
    http://www.stiftung-bg.de/gums/de/geschichte/kzsachs/kzsachs06.htm
    http://www.deathcamps.org/gas_chambers/gas_chambers_sachsenhausen_de.html
    https://de.wikipedia.org/wiki/Gaskammer_(Massenmord)#cite_ref-50
    Günter Morsch (2011). Tötungen durch Giftgas im Konzentrationslager Sachsenhausen. In: Günter Morsch, Bertrand Perz, Astrid Ley: Neue Studien zu nationalsozialistischen Massentötungen durch Giftgas. Berlin.
    Eugen Kogon, Hermann Langbein, Adalbert Rückerl (Hrsg.): Nationalsozialistische Massentötungen durch Giftgas. 3. Auflage, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1995.

  10. 16.

    Meine Frage war ausschließlich rechtlicher Natur.

    Zu Ihrer Beruhigung, ich war schon als jugendlicher Deutscher etliche Male in Ausschwitz, aus eigenem Antrieb und nicht über staatlich finanzierte Reisen, weil mich die Verbrechen der Nazis umgetrieben haben.

    Ich kann den Vorgang nicht bewerten, da dazu keine Fakten vorliegen. Wenn sich Funktionäre der unterschiedlichsten Vereinigungen dazu äußern, ist das - rein rechtlich betrachtet- irrelevant.

    Wenn Sie mehr wissen, warum ermittelt wird, wo der mutmaßlich einzige Zeuge, der Gedenkstättenleiter Axel Drecoll bestätigt, daß strafrechtlich nichts dran ist an der Äußerung der fraglichen Person. dann erzählen Sie es doch.

    Selbst der mutmaßlich einzige Zeuge Axel Drecoll wird nur interpretierend zitiert; zur korrekten rechtlich Würdigung gehört das wörtliche Zitat des Beschuldigten. Und natürlich auch der Nachweis, daß das Zitat so realiter gemacht wurde.

    Da wird man das Ergebnis der Ermittlungen abwarten müssen.

  11. 15.

    Einspruch Euer Ehren! Im KZ Sachsenhausen gab es keine Gaskammern. Unendlich viele Generationen Junger Pioniere wie FDJler lernten bei ihrem damaligen Pflichtbesuchen in der NMG Sachsenhausen, dass es in Sachsenhausen keine Gaskammern gab. Ich bin einer davon.

  12. 14.

    Nur weil die Mitarbeiter der Gedenkstätte keine straftatsrelevanten Äußerungen erkannt haben, heißt das nicht, dass keine gefallen sind. Für die Bewertung sind die Strafverfolgungsbehörden zuständig, nicht die Mitarbeiter der Gedenkstätte. Und nochmal zu Frau Weidel: Die Personengruppe wurde über ihren Wahlkreis eingeladen und Angemeldet. Sicherlich ist sie nicht juristisch für mögliche Straftaten dieser Personen verantwortlich, sehr wohl aber moralisch."Sage mir wen du kannst, und ich sage dir, wer du bist"

  13. 13.

    Sie lassen uns ja schon länger an ihrer Gesinnung teilhaben aber manchmal sollten sie wirklich nochmal nachdenken bevor sie auf "Abschicken" tippen.

  14. 12.

    Es gibt absolut Nichts, das eine Verletzung der Würde der KZ-Opfer rechtfertigt.

  15. 11.

    Wenn es strafrechtlich nicht relevant ist, was die eine Person laut Gedenkstättenleiter da von sich gegeben hat, warum wird dann ermittelt?
    Aus dem RBB Beirag geht nicht hervor, weswegen dennoch ermittelt wird. Gibt es noch andere Zeugen?

    Und was hat damit die AfD Co-Chefin Weidel zu tun? Ist sie für alle Teilnehmer der Bundestagsreise , ggf. auch für die nicht AfD Mitgliedern dort verantwortlich?

    Ich würde an der Stelle von Weidel auf die soweit ersichtlich substanzlosen Vorhaltungen nicht reagieren.

  16. 10.

    Sie wird deshalb ins Spiel gebracht, weil die Personen aus dem Wahlkreis von Frau Weidel stammen, und die Fahrt von diesem organisiert wurde. Als nächstes hat scheinbar auch keiner der anderen anwesenden Personen aus der Gruppe eingegriffen. Sie haben also mindestens drei Optionen:Frau Weidel hat nicht die geringste Ahnung wen sie da in ihrem Wahlkreis als Mitglieder und Sympathisanten hat, sie weiß es, und es ist ihr egal, oder sie weiß, und unterstützt diese Geisteshaltung. Wie hätten sie es denn gern? Wie sollte der Kreisverband reagieren? Was wird Frau Weidel als Inhaberin des Wahlkreises Unternehmen? Sie können nicht einerseits die Dame als die Rettung des Abendlandes verkaufen, und gleichzeitig als armes unwissendes Hascherl, die man für nichts verantwortlich machen darf.

  17. 9.

    Übersetztes Zitat: "Die wahre Absicht des Holocaust-Revisionismus ist, den Nationalsozialismus wieder als akzeptable politische Alternative zu machen." aus http://www.nizkor.org/

  18. 8.

    Wer immer noch nicht erkannt hat, was diese "Partei" darstellt und will, dem ist nicht mehr zu helfen.
    Was muss noch geschehen bis der letze Depp begreift, was die "Politiker" dieser "Partei" vorhaben?

  19. 7.

    Wenn ich einen solchen Ort besuche, informiere ich mich schon vorher und weiß, was auf mich zukommt.Deswegen ist diese Sache mehr als provokativ, sie ist einfach unerträglich. Ich habe in meiner erweiterten Familie auch Mitglieder gehabt, die noch 1961 die Naziverbrechen leugneten; sie kamen allerdings aus der damaligen BRD.
    Was mich aber auch stört, weil es an Hinterhältigkeit nicht zu überbieten ist, werte Journalisten, ist dass in diesem Zusammenhang der Name Weidel ins Rennen gebracht wird. Das ist nicht in Ordnung, weil Weidel gar nicht dabei war, sie aber diesen Eindruck erwecken wollen, was ebenfalls unterirdisch ist.

Das könnte Sie auch interessieren