Sarah Mardini bei der Bambi-Verleihung 2016
Bild: BREUEL-BILD/Jason Harrell

Schwester von syrischer Olympia-Schwimmerin Yusra Mardini - Ermittlungen gegen Berliner Flüchtlingshelferin Sarah Mardini

Auf der Flucht vor dem syrischen Bürgerkrieg hatte Sarah Mardini zusammen mit ihrer Schwester Yusra ein Boot voller Menschen nach Griechenland geschleppt - schwimmend. Nun sitzt Sarah in griechischer Haft, weil sie Flüchtlingen geholfen haben soll.

Die griechische Justiz hat Ermittlungen gegen die in Berlin lebende syrische Flüchtlingsaktivistin Sarah Mardini eingeleitet. Der 23-Jährigen werden Mitgliedschaft in einem illegalen Netzwerk für Flüchtlingshilfe vorgeworfen, sagte ihr Anwalt Haris Petsikos am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Mardini befinde sich derzeit in Untersuchungshaft in Griechenland, ebenso wie ein weiterer Aktivist der Nichtregierungsorganisation ERCI, der Deutsch-Ire Sean Binder. Petsikos warf der Justiz "Kriminalisierung der Flüchtlingshilfe" vor.

Binder und Mardini, die 2015 zusammen mit ihrer Schwester Yusra vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen war, werden laut ihrem gemeinsamen Anwalt Petsikos zudem der "Verletzung von Staatsgeheimnissen" und "Hehlerei" beschuldigt. Die Verdächtigen weisen die Vorwürfe zurück. Mardini war ihrem Anwalt zufolge während mehrerer Taten, die ihr zur Last gelegt werden, gar nicht in Griechenland.

Griechische Behörden sprechen von "kriminellem Netzwerk"

Petsikos beantragte am Mittwoch die vorläufige Freilassung der 23-Jährigen aus dem Athener Korydallos-Gefängnis. Binder befindet sich in Haft auf der Insel Chios.

Mardini war am 21. August zusammen mit Binder und einem weiteren Aktivisten der Flüchtlingshilfsorganisation ERCI (Emergency Response Centre International), dem Griechen Nassos Karakitsos, auf der Insel Lesbos festgenommen worden. Die griechische Polizei hatte am Dienstag die Zerschlagung des "kriminellen Netzwerks" bekanntgegeben.

Die Behörden werfen den Aktivisten vor, Migranten bei der illegalen Einreise nach Griechenland geholfen zu haben. Dabei hätten sie auch mit organisierten Schleppern zusammengearbeitet, erklärte die Polizei. Gegen insgesamt 30 Mitglieder der NGO wird demnach ermittelt.

Yusra Mardini mit ihrer Schwester Sarah beim Schwimmtraining in Berlin
Olympia-Schwimmerin Yusra MardiniBild: AP Photo/dpa/Michael Sohn

Flüchtlingsboot nach Lesbos geschleppt

Die ERCI-Aktivisten hätten Informationen über die Ankunft von Flüchtlingen in Griechenland eingeholt, um sich dann um die Migranten zu kümmern. Die Informationen hätten die Aktivisten jedoch nicht an die griechischen Behörden weitergegeben, erklärte die Polizei. Über Spenden hätten die Verdächtigen einen "finanziellen Gewinn" für ihre Organisation angestrebt.

Sarah Mardini und ihre Schwester, die Olympia-Schwimmerin Yusra Mardini, waren im Jahr 2015 aus Syrien geflohen. In einem Schlauchboot voller Flüchtlinge versuchten sie, zur griechischen Insel Lesbos zu gelangen. Als das Boot eine Panne hatte, schwammen Sarah und Yusra stundenlang und zogen das Boot mit seinen 18 Insassen an einem Seil hinter sich her. Die Leistungssportlerinnen ließen sich in Deutschland nieder. Yusra Mardini nahm 2016 an den Olympischen Spielen in Rio teil - als Mitglied einer Flüchtlingsmannschaft. Sie hatte zunächst bei den Wasserfreunden Spandau trainiert, bevor sie nach Hamburg wechselte.

Unterstützung vom Spandauer Schwimmtrainer

Sarah Mardini ist Stipendiatin des Bard-College in Berlin. Dort studiert sie im ersten Jahr Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Sie sei "zutiefst idealistisch" und in der Flüchtlingshilfe engagiert, "das ist ihre Motivation", sagte der Direktor der Hochschule, Florian Becker. Das College stehe in Kontakt mit Mardinis Anwalt. Die Inhaftierung der 23-Jährigen bezeichnete Becker als "unverhältnismäßig", die Anschuldigungen enthielten zahlreiche "Irrtümer".

Der deutsche Trainer von Sarahs Schwester Yusra, Sven Spannenkrebs, verteidigte die Aktivistin. Die Syrerin und Binder seien "langjährige Ehrenamtliche". Sie hätten sich "niemals an illegalen Aktivitäten" beteiligt.

Sendung:  Abendschau, 29.08.2018, 19:30 Uhr

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13 Kommentare

  1. 13.

    Ich unterstelle erst einmal gar nichts. Merkwürdig nur dass hier die gleichen Leute die im Zusammenhang mit dem Euro, speziell im Fall Griechenlands, den Untergang der Menschheit sehen jetzt vollstes Vertrauen zu griechischen Behöreden haben.

    Bekannterweise waren griechische Behörden nicht ganz ehrlich (schöne Übertreibung) als es um den Zutritt zu Euro ging oder?

    Wie war das mit dem Pendel?

    Um auf ihr Niveau zu gelangen müßte sich sogar die Bild weit herunterbeugen.

  2. 12.

    Erschreckend, welche Obrigkeitsglaeubigkeit sich hier versammelt: Das Ende der DDR ist 3 Jahrzehnte her, der Griechische Staatsbankrott 8 Jahre, und Auffaelligkeiten bei bundesdeutschen Behoerden sind brandaktuell. Und hier werden in sauberem Amtsjargon Ermittlungen gegen und Kriminalisierungen von Menschen gutgeheissen, die offenkundig Leben retten wollten. Aber was sind schon Menschenleben und Vernunft gegen Ordnung und Staatsraeson.

  3. 10.

    Das mit den "Eiern" stimmt medizinisch gesehen.
    Ansonsten sollten wir die Untersuchung abwarten.
    Was das aber mit dem "Fall Amri" zutun haben soll, erschließt sich mir nicht so richtig. War wohl mehr ein Beitrag für die Aufmerksamkeit.

  4. 9.

    Wer solche Märchen auftischt und mit Hilfe von Anwälten in die Welt setzt, sollte gleich selbst - nebst Rechtsverdrehern - mit angeklagt werden!

  5. 8.

    @ichmeinjanur
    Mit anderen Worten Sie unterstellen den griechischen Behörden Unfähigkeit ?
    Was hat der Euro hiermit zu tun? Willkommen, auf das Bild Niveau von einem der ja immer nur meint zu meinen.
    Genauso wenig haben Sie eine Ahnung von der Arbeit des BfV.
    Betonen aber immer mit schöner Regelmäßigkeit die Unabhängigkeit der deutschen Justiz von Richtern, wenn sich hier kritische Stimmen zu äußern. Immer schön so, wie das Pendel gerade zu Ihren Gunsten schlägt.

  6. 7.

    "Zunächst glaube ich den griechischen Behörden mehr,als irgend welchen Anwälten."

    Haben sie den griechischen Behörden auch geglaubt wo es um den Euro ging? Oder glauben sie den Behörden dort wie unseren wenn es z.B. um das Attentat vom Breitscheidplatz geht?

    https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2018/08/amri-skandal-erreicht-verfassungsschutzpraesident-maassen.html

  7. 6.

    Danke, der Ansicht bin ich auch. So wie sich es darstellt, gibt es wohl einen Ermittlungsansatz.
    Und, wenn sich eine strafbare Handlung daraus ergibt, muss geurteilt werden.

  8. 5.

    Danke, der Ansicht bin ich auch. So wie sich es darstellt, gibt es wohl einen Ermittlungsansatz.
    Und, wenn sich eine strafbare Handlung daraus ergibt, muss geurteilt werden.

  9. 3.

    Zunächst glaube ich den griechischen Behörden mehr,als irgend welchen Anwälten.
    Warten wir doch mal ganz unaufgeregt die Ermittlungen ab. Wenn diese Schwimmerinnen sich strafbar gemacht haben, müssen sie auch dafür gerade stehen.

  10. 2.

    Jetzt werden wieder couragierte Menschen weggesperrt. Das ganze riecht doch nach politischer Einflussnahme!

    Freiheit für Sarah Mardini!

  11. 1.

    "Als das Boot eine Panne hatte, schwammen Sarah und Yusra stundenlang und zogen das Boot mit seinen 18 Insassen an einem Seil hinter sich her."

    Die Geschwister haben mehr Eier als alle Chemnitzer Nazis zusammen, Respekt...

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