Eine Frau hilft ihrer kleinen Tochter mit dem Kinderfahrrad zu fahren (Quelle: dpa/Christin Klose)
Video: rbb aktuell | 02.08.2018 | Bild: dpa/Christin Klose

Statistikamt veröffentlicht Zahlen - Mehr als ein Viertel der Berliner Eltern ist alleinerziehend

In Deutschland gibt es immer mehr Alleinerziehende. Allein in Berlin wachsen Kinder und Jugendliche bei nur einem Elternteil auf - meist bei der Mutter. Dabei haben viele Berliner Single-Eltern weiterhin finanzielle Schwierigkeiten.

Berlin belegt bei der Anzahl alleinerziehender Eltern einen Spitzenplatz in Deutschland: In mehr als einem Viertel der Haushalte (27,6 Prozent) wachsen Kinder und Jugendliche bei nur einem Elternteil auf - meist bei ihrer Mutter. Das geht aus der jüngsten Erhebung des Statistischen Bundesamts für 2017 hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Bundesweit hat nur knapp ein Fünftel der Kinder und Teenager (18,9 Prozent) Single-Eltern.

Fast 90.000 alleinerziehende Frauen in Berlin

Insgesamt gibt es in Berlin rund 100.000 Alleinerziehende, fast 90.000 sind Frauen, teilte die Senatsverwaltung für Gesundheit mit. Viele Berliner Single-Eltern kämpfen nach wie vor mit finanziellen Schwierigkeiten. Rund die Hälfte beziehe staatliche Sozialleistungen.

Gleichstellungssenatorin Dilek Kolat wies am Donnerstag darauf hin, dass Berlin zwar Hauptstadt der Alleinerziehenden sei, aber auch "Vorreiter bei Angeboten". Derzeit gibt es zwei bezirkliche Anlaufstellen in Reinickendorf und Marzahn-Hellersdorf. In diesem Jahr sollen Stellen in Lichtenberg, Mitte und Neukölln hinzukommen, so Kolat. Hier bekommen Alleinerziehende Hilfe beispielsweise bei der Suche nach einem Arbeits- oder Ausbildungsplatz oder einer Wohnung.

Generell ist das Armutsrisiko von Alleinerziehenden und ihren Kindern weiterhin doppelt so hoch wie in der übrigen Bevölkerung, wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilte. 

"Finanziell stehen sie nach wie vor oftmals schlechter da als Menschen, die in anderen Familienformen leben", sagte der Präsident des Statistikamtes, Georg Thiel, bei der Vorstellung der aktuellen Zahlen. Demnach ist jeder dritte Alleinerziehenden-Haushalt armutsgefährdet. Im Bevölkerungsdurchschnitt liegt die Quote bei 16 Prozent.

Zudem haben den Statistikern zufolge rund zwei Drittel der betreffenden Familien nicht die finanziellen Möglichkeiten, unerwartete Ausgaben von 1.000 Euro zu bestreiten, wie sie etwa für eine neue Waschmaschine anfallen könnten.

Verband fordert: Kindergrundsicherung nicht auf Hartz IV anrechnen

Der Verband der alleinerziehenden Mütter und Väter (VaMV) hat bereits vor der Bekanntgabe der neuen Statistik seine Forderung nach einer Kindergrundsicherung bekräftigt. Darin sollten alle staatlichen Leistungen für Kinder zusammengefasst werden, sagte Verbandschefin Erika Biehn am Mittwochmorgen im rbb. Um das Armutsrisiko für Alleinerziehende tatsächlich zu verringern, dürften andere staatliche Leistungen wie Hartz IV aber nicht auf die Kindergrundsicherung angerechnet werden.

Im Jahr 2017 gab es in Deutschland 1,5 Millionen Familien mit einem alleinerziehenden Elternteil. Das waren 200.000 mehr als vor 20 Jahren. Damit hatte knapp jede fünfte Familie mit mindestens einem minderjährigen Kind im Jahr 2017 eine alleinerziehende Mutter oder einen alleinerziehenden Vater.

 

Kommentar

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13 Kommentare

  1. 13.

    Ihre Aussage ist in meinem Augen einfach nur Frauenfeindlich. Ich bezweifle das Alleinerziehende Mütter von einem Lover wie Sie es formulieren Ausgehalten werden. Ich bin Alleinerziehend und Rinnen Neuen Partner zu finden gestaltet sich als sehr schwierig. Vor allem habe Ich mir noch nie etwas von Männern finanzieren lassen!!!

  2. 12.

    Alleinerziehend ? Eine alleinerziehende Frau hat meist zwei Einkommen. Harz4 oder Wohngeld ist ihr Grundeinkommen mit den sie recht und schlecht lebt. Sie ist arm. Aufgestockt wird dies von den Leistungen ihres Lovers. Er schläft bei ihr. Er läd sie ein und finanziert sie. Nicht immer. Aber immer öfter. Alleinerziehend und männlich? Pech gehabt.

  3. 11.

    "Früher" haben sich die Erzeuger auch noch Gedanken darüber gemacht, wie der Nachwuchs auch hochgezogen werden kann.
    Das ist "heute" anders, da ist der Staat bei 88 % der Vater. Das heißt dann eupehmistisch "Patchworkfamilie".

  4. 10.

    Diese Thematik ist ein schwieriges Feld. Niemand sucht sich aus Alleinerziehend zu sein. Allerdings ist auch hier nicht alles so wie es scheint.
    UHV z.B. kann aber nur gewährt werden, wenn der Kindsvater bekannt ist und auch genannt wird. Ich habe hier Dutzende Fälle, bei denen der Vater absichtlich nicht genannt wird oder das Kind auf einer "Party" entstand und schlicht nicht bekannt ist.
    Des Weiteren muss man auch klar stellen dass das gewohnte Niveau nach der Trennung u.U. nicht gehalten werden kann. Da gibt's dann keine Miele für 1000.-, sondern eine BoSi für 300.-
    Davon abgesehen bekommt eine Alleinerziehende Person mit 1 Kind unter 6 Jahren bereinigte (Sozial)Leistungen i.H.v. 1800.- inkl. Regelleistung für Mutter und Kind, Kosten der Unterkunft, Mehrbedarf Alleinerz., KiGe, UHV, zzgl. Leistungen gem. BuT (kostenlose BVG Nutzung fürs Kind, Zuschuss Sportverein+Essen, Schulbedarfsgeld, etc.). Der Staat tut also was ihm möglich ist.

  5. 9.

    Drum prüfe, wer sich ewig bindet, Ob sich das Herz zum Herzen findet. Der Wahn ist kurz, die Reu‘ ist lang. (Schiller)

  6. 8.

    Na es sind ja nach einer Trennung erstmal Mann und Frau allein. Insofern finde ich den Ausdruck "Single-Eltern" etwas kurios.
    Für mich sind das zwei SIngles, die zusammen Eltern sind.

  7. 7.

    Na wer im schicken Altbau wohnt, da muß es eben auch Miele sein...

    Aber mal im Ernst, wer sich ehrlich viele Fälle genau anschaut, wird schnell feststellen, daß Berlin durchaus auch beliebtes Zuzugsziel für Alleinerziehende ist. Das sollte bei Auswertung der Zahlen auch mal berücksichtigt werden.

    Und was den eingangs dargestellten Fall angeht, so sollte der rbb hier bitte besser recherchieren.
    Denn die dort angeführte Frau ist nicht alleinerziehend. Weitere Interna behalte ich für mich - und, nein, ich bin nicht der gehörnte Ehemann.

  8. 6.

    Ihr Kommentar zeigt ein interessantes Thema auf, aber der Artikel sagt hierzu eigentlich recht wenig. Die spannende Frage ist doch, ob durch Armut Familien zerrüttet werden oder durch diese durch die Trennung erst entsteht. (Bzw. jeweils das diesbezügliche Risiko steigt.)
    Ist Mann oder Frau erstmal alleine, ist es nur sehr schwer möglich, Vollzeit arbeiten zu gehen. Dazu kommt der Verlust des zweiten Einkommens.

  9. 5.

    Das fehlen von intakten Familien ist kennzeichnend für den Werteverfall unserer Gesellschaft, vor allem dem Vorzug materieller vor Familienwerten, die Angst vor Bindung und vor Verlust aufgrund gemachter Erfahrungen und unserer belibigen Gesellschaft.
    Für die Kinder traurig, aber der Mensch weiß dann nicht was ihm fehlt, da er es nie kennengelernt hat.
    Traurig, aber nicht umumkehrbar, über Generationen.

  10. 4.

    Also muss der Staat im Falle einer Trennung der Eltern einfach prüfen, ob er nicht für das betroffene Kind, das bei nur einem Elternteil überwiegend aufwächst, Kindergeld in dreifacher Höhe gewährt. Den Betroffenen fehlt es offensichtlich ja einfach nur an regelmäßigen Einnahmen in angemessener Höhe.

    Oder der Staat schraubt die Hürde für das Getrenntlebendürfen der Eltern höher.

    Mir erscheint die erstgenannte Lösung als die sinnvollere, obwohl die Allgemeinheit nichts dafür kann, wenn sich die Eltern trennen.
    Wenn aber in der Politik auch ernsthaft vertreten wird, dass Flüchtlinge zigtausendfach trotz gerichtlich bestätigter Ablehnung aus humanitären Gründen in der Bundesrepublik Deutschland leben dürfen sollen, dann erst recht sollte das Kindergeld in der vorbezeichneten Weise erhöht werden, weil Geld keine wirkliche Rolle zu spielen scheint.

  11. 3.

    Interessantes Foto. Ermittelt die Staatsanwaltschaft hier auch schon gegen das Kind? Ganz klar "Verunglimpfung des Staates"! Macht 2.500 Euro ...

  12. 2.

    Wenig überraschende, besorgniserregende Zahlen. Aber: 'ne Waschmaschine für 1.000 €?! Da bekommt man schon gute für nicht mal die Hälfte. Schlechtes Beispiel.

  13. 1.

    Könnte eine Ehe auf Jahre hinweg, den destruktiven Belastungen durch HartzIV standhalten?

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