Ein Banner hängt am Gebäude des ehemaligen Postscheckamtes am Halleschen Ufer (Quelle: rbb)
Video: Abendschau, 21.08.2018, Dorit Knieling | Bild: rbb

Investor droht mit Klage - Streit um Postscheckamt am Halleschen Ufer eskaliert

Rund um das markante Gebäude des alten Postscheckamtes am Halleschen Ufer geht es schon seit längerem nicht mehr voran. Investor und Bezirk haben sich kräftig in die Haare bekommen. Und keine Seite will derzeit einlenken.   

"Hier verhindert Rot-Rot-Grün in Friedrichshain-Kreuzberg 623 Wohnungen, 182 geförderte und 55 preisgedämpfte Wohneinheiten. Der Berliner Senat  sieht zu." Diese Anklage ziert seit neuestem das Gebäude des ehemaligen Postscheckamtes am Halleschen Ufer.

Aufgehängt hat das nicht genehmigte Plakat die Investorengruppe um Christoph Gröner. Er will den früheren Büroturm der Postbank zu Apartments umbauen und auch auf dem umliegenden Gelände Büros und Wohnungen errichten. Doch das Verfahren liegt auf Eis. Die Hauptschuld am Stillstand gibt Gröner vor allem dem zuständigen Baustadtrat von Friedrichshain Kreuzberg, Florian Schmidt (B'90/Grüne). "Wir könnten hier bauen, tun es aber nicht weil Verfahren behindert werden - aus welchen Gründen auch immer. Herr Schmidt verfolgt seine eigene Strategie."

Das Gebäude der Deutschen Post am Halleschen Ufer in Kreuzberg. (Quelle: rbb/Abendschau)
Seit Jahren gbt es Streit um das Areal | Bild: rbb/Abendschau

Neue Planung sieht weniger Wohnraum vor

Gröner hatte das Gelände vor fünf Jahren gekauft, zwei Jahre später  begann das Planungsverfahren.  2016 waren 710 Wohnungen vorgesehen. 182 Wohnungen sollten preisgünstig gefördert werden.

Anfang 2018 wurde aber um geplant. Nur noch 623 Wohnungen sollten entstehen. 203 davon gefördert. Die Begründung damals: Am lauten Halleschen Ufer seien Wohnungen ungünstig, zudem bestehe mehr Bedarf an Gewerbeflächen.

Weil nun aber weniger Wohnungen zugesagt wurden, stoppte der Bezirk die Baugenehmigung: "Wir haben Anfang Januar von der CG-Gruppe eine einseitige Konzeptänderung vorgefunden die dazu führt, dass wir am Ende 5.000 qm weniger Fläche an bezahlbaren Wohnraum haben. Und das ist nicht akzeptabel. Unter diesen Bedingungen kann der B-Plan nicht weiter geführt werden", erklärt Baustadtrat Schmidt seine Sicht der Dinge.

Investor und Baustadtrat schenken sich nichts

Die neue Planung sieht vor: Der Anteil der im Vergleich zu Wohnungen in der Regel lukrativeren Gewerbeflächen soll nun von 36 auf 43 Prozent steigen. Der Investor pocht auf seine Umplanung und droht mit einer millionenschweren Schadenersatzklage. "Wir haben das Grundstück gekauft, damit  hier ein großes, sinnvolles, ökologisches und menschenwürdiges Areal entsteht. Der Bezirk hat bis heute deutlich gemacht, dass er das nicht will. Wenn die Situation so bleibt, werden wir langfristig das Gewerbe vermieten, das ist gewinnbringend. Oder uns von dem Grundstück wieder trennen.", erklärt Gröner.

Der Baustadtrat gibt sich gelassen und verweist darauf, die Vorgehensweise des Investors bereits zu kennen: "Herr Gröner droht gern mit Sachen, das war schon immer so. Hier und da eine Millionenklage, das sind wir gewöhnt", lässt Schmidt den Großinvestor abblitzen. "So kann man in Friedrichshain-Kreuzberg nicht mit der Politik umgehen. Wir lassen uns nicht erpressen. Wir aktivieren Bauland, wo insbesondere landeseigene Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften bauen können. Wir sind nicht auf das Projekt von Christoph Gröner angewiesen."

Die Fronten sind verhärtet, doch nun will die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vermitteln. Ein Gespräch soll am 24. September stattfinden. Alle haben zugesagt.

Sendung: Abendschau, 21.08.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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24 Kommentare

  1. 24.

    "Wer mal die Sichtweise BEIDER Seiten hören will" (Hervorhebung durch mich). DER war gut.

    Zum einen haben wir da die WELT, Springers Kampfblatt, immer zur Stelle wenn es gegen RRG, vorzugsweise die Grünen oder Linken geht. Dass die WELT eher pro cDU und auf der Unternehmerseite steht dürfte bekannt sein.

    Aber der Autor, Hr. Fabricius setzt noch ein paar Sachen drauf, ich habe selten so eine einseitige "Berichterstattung" gelesen. Die CG Gruppe und somit die Conus Real Estate hat somit eine kostenlose (?) Werbebroschüre erhalten.

    "Urheber der außergewöhnlichen Protestaktion ist der umtriebige Bauunternehmer..."

    Außergewöhnlich? Illegal! Umtriebig? Ich würde sagen gerissen, im besten Falle schillernd. Ein Trump im Miniformat. Dann wird von einem "Häuserkampf" schwadroniert. Zum Schluß endet die tendenziöse "Berichterstattung" mit dem Versuch den Baustadtrat lächerlich zu machen.

  2. 23.

    Stimmt!

    Bezahlberer Wohnraum, eine gerechtere Verkehrsinfrastruktur, endlich notwendige Investionen statt "schlanker Staat" um mal nur einige zu nennen...

  3. 22.

    Ich kann persönlich den Streit kaum nachvollziehen, habe eher den Eindruck, dass das Projekt in Gänze verhindert werden soll, weil es nicht in die eigene Weltsicht passt.
    Es waren ursprünglich 710 Wohnungen geplant, davon wie vorgeschrieben 25% Sozialwohnungen (=178). Da die keinen Gewinn bringen, muss der Investor diesen aus den restlichen Wohnungen erwirtschaften. Seit dem 01.08.2018 sind 30% Sozialwohnungen vorgeschrieben. Bei nun 623 geplanten Wohnungen sind es immer noch (oh Wunder!) 182 Sozialwohnungen, also keine einzige weniger. Dazu kommen noch die Wohnungen mit gedeckelten Mieten. Ich kann die Umplanung ein wenig nachvollziehen, niemand baut als heiliger Samariter.
    Wer mal die Sichtweise beider Seiten hören will: https://www.welt.de/finanzen/immobilien/article181272004/Berlin-Dieses-Plakat-offenbart-den-Wohn-Irrsinn.html

  4. 21.

    "Die gesellschaftlichen und marktpolitischen Alternativen zu alldem, was heute bei uns vor sich geht, sind entweder nicht ausgereift oder in der Vergangenheit kläglich gescheitert."

    Ich will das jetzt nicht ausweiten, weil das in der Tat zu weit führen würde angesichts des Themas.
    Nur so viel: Meines Erachtens käme es darauf an, auf den großen Wurf schlichtweg zu verzichten.
    Es wäre gerade ein schrittweises Abschied-Nehmen von der Kollektiv-Neurose, besser sein ZU MÜSSEN.
    Wir gewinnen durch Können, nicht durch De-facto-Müssen.

    Menschen wie Gröner sind durch "Müssen" getrieben, insoweit muss ihnen auch durch "Müssen" geantwortet werden.

  5. 20.

    Langsam sollte auch der letzte erkennen, was er mit seinem Kreuzchen bei RRG angerichtet hat

  6. 18.

    Der Stimmungsmache mit der ASS-Scheuklappe ist am Start und erklärt die böse Welt der Investor, die natürlich auch Geld verdienen wollen.
    Wer vor Wochen den Bericht im RBB über die Verhandlungen zwischen Gröner und diesem grünen Baustadtrat gesehen hat, dem wurde klar, dass der Grüne keine Veränderungen haben will. Lieber Fahrradwege und das Gejammer über den fehlenden bezahlbaren Wohnraum in F'hain. Das aber das Klientel, was sich in F'hein breit macht, jede Miete bezahlt, nur um Inn zu sein und im angesagten Stadtquartier zu wohnen, scheint Herr Schmidt nicht auf seinem Schirm zu haben. Lieber verdrängt er die Realitäten.

  7. 17.

    Nur sind die Maximalprofitierer auch unsere Steuerzahler, im Normalfall. Aber nur den Erfolgreichen in die Taschen zu greifen und sich dann beschweren, dass andere die Schuld an der Misere tragen, - daran ist nicht nur ein sozialistisches Land gescheitert.

  8. 16.

    Schade, dass der Investor auch in einem Bezirk investieren wollte, wo anscheint Fahrradwege und BIO-Läden gebraucht werden. Wohnungen werden nicht gebraucht. Lieber werden Altmieter aus ihren Altbauwohnungen gejagt, damit sie finanziell potenten Mieter Platz machen. Das ist nach der Aufgabe des Görlitzer Platzes, dem Drogendealer-Museum nun die neue Einfallt der Grünen: jetzt werden Investoren vergrault.

  9. 15.

    Welche Parteien empfehlen sie denn Mietern in Berlin?
    Deutschland geht es ja so gut. Seit Jahren gibt es Steuer- und Exportüberschüsse. Laut offizieller Reichtumsuhr des DGB gibt es 8,6 Billionen Euro Bar- und Sparvermögen in Deutschland.
    Welche Parteien haben denn in den letzten zwei, drei, vier Legislaturperioden die politischen Rahmenbedingungen für bezahlbaren Wohnraum vorangebracht?
    Welche Parteien haben denn in den letzten zwei, drei, vier Legislaturperioden die Bedingungen bei Kitas und Schulen sowie der Zulassungsstelle oder am Flughafen verbessert? Oder bei der Pflege, Polizei und Feuerwehr?
    Das Grundübel wurde bereits beschrieben - siehe @Sigmar Nefe Berlin 22.08.2018 | 07:42 Uhr

  10. 14.

    So so, Herr Schmidt aktiviert Bauland. In den Medien hat er sich allerdings vor allem mit der Verwaltung des Mangels hervorgetan und hält genau wie Frau Lompscher private Eigentümer wohl für des Teufels.

  11. 13.

    Wenn solche "Investoren" verschreckt werden ist das gut für Berlin und seine Bewohner. Solche "Profitmaximierer" braucht kein Mensch.
    Und das weiß die Mehrheit der Berliner sehr gut, sonst hätten sie nicht RRG gewählt.

  12. 12.

    Wundert da sich noch jemand? Ein weiters Beispiel für die Politik des Versagens beim rot-rot.grünen Senat. Investoren werden immer wieder verschreckt. Hoffentlich kapieren endlich die Wähler das bei der nächsten Wahl.

  13. 11.

    "Herr Gröner ist nur ein Beispiel für viele mutige und herausfordernde (Groß)Unternehmer."

    Weder mutig, noch herausfordernd. Hr. Groener und die Consus Real Estate suchen den maximalen Profit. Das ist ihr gutes Recht.

    Recht ist es aber auch wenn eine Baugenehmigung zurückgezogen wird wenn der Investor das Feigenblatt "bezahlbaren Wohnraum" erheblich verringert.

    Herr Groener erinnert mich an die Betonriege der 70/80er Jahre in Westberlin. Wo nötig wurden Stadträte bestochen oder gleich die ganze Bezirkspartei gekauft. Antes lässt grüßen.

    Und weil das heute nicht mehr so einfach geht muß Hr. Groener schimpfen, drohen und hängt Plakate auf.

    Ganz schlechter Stil.

  14. 10.

    Gerade der Versuch, besser zu sein, mehr erreichen zu wollen und u.U. sein Vermögen zu mehren (was auch immer man als Vermögen betrachtet, nicht nur monetär) bringt uns voran. Das hat den Mensch seit Uhrzeiten zu dem werden lassen, was er heute darstellt. Sicherlich gibt es darunter auch böswillige und raffgierige Kreaturen.
    Auch Herr Gröner wird sich der Marktwirtschaft ergeben müssen, wenn er eine Zielrendite nicht erreicht. Das weiß er ohne Frage selbst.
    Die gesellschaftlichen und marktpolitischen Alternativen zu alldem, was heute bei uns vor sich geht, sind entweder nicht ausgereift oder in der Vergangenheit kläglich gescheitert.

  15. 9.

    Ich glaube, hier geht es mehr um die Umdrehung von Zweck und Mittel.
    Menschen können sich eine Bohrmaschine zulegen, um ab und zu ein paar Löcher in ihre Wand zu bohren als Befestigung für Schränke und Regale. Dann gibt es gewiss auch Menschen, die sich eine Bohrmaschine deshalb zulegen, um ihre Wände zu durchlöchern wie ein Schweizer Käse. Anlass dazu gäbe es immer reichlich.

    Geld kann einer Gesellschaft dienlich eingesetzt werden oder eine Gesellschaft kann zum Dienen zur Geldvermehrung angehalten werden. Das ist schon ein Unterschied.

    Keine Kommission und kein Politbüro könnte dies richten, nur die Überzeugung eines einzelnen Menschen selbst. Da scheint es bei Herrn Gröner, pardon, nicht weit her zu sein. Bei einer Handvoll anderer schon. Eine Gesellschaft "darf" den heftigsten Umtrieben auf jeden Fall nicht tatenlos zu sehen, will sie sich nicht selbst aufgeben.

  16. 8.

    In einem Land (und insbesondere in unserer wunderbaren Stadt), in dem die Bezeichnung "Investor" praktisch dem Verbrecher-Status gleichkommt, wundern mich die diesbezüglich oftmals negativ besetzten Kommentare nicht. Jedes Bau- bzw. Investitionsprojekt muss früher oder später nun mal Profit abwerfen. Man geht als Unternehmer ins Risiko, nimmt Kredite auf, stellt Mitarbeiter ein und muss selbstredend am Ende profitabel sein. Allein die Tatsache, das die Kosten am Bau nahezu wöchentlich steigen, sind in der Planungsphase schwer kalkulierbar. Hier müssen gegebenenfalls zwischenzeitlich Anpassungen am Konzept vorgenommen werden. Insbesondere die Verwaltung dieser Stadt verhinder (ich vermute aus eigener Erfahrung manchmal sogar vorsätzlich und mit süffisanter Genugtuung)das Unternehmertum. Alles was über ein Nagel-Studio oder eine Döner-Bude hinausgeht, ist schon suspekt. Herr Gröner ist nur ein Beispiel für viele mutige und herausfordernde (Groß)Unternehmer.

  17. 7.

    Ich will dazu doch einige Anmerkungen machen, nehmen Sie es einfach als Bedenken:

    Die Zukunft findet immer statt, sodass alle Projekte auf die Zukunft gerichtet sind. Spezielle Zukunftsprojekte, die "Zukunft" quasi als Markenzeichen verwenden, sind daher immer eine PR-Formulierung, die tatsächliche Inhalte eher zudecken als aufhellen.

    Auch der so bezeichnete "Erfolg" kommt recht schillernd daher, wird doch in dem Maße, wie er ausdrücklich herausgestellt wird, der Preis im übertragenen Sinne verschwiegen, der für ihn bezahlt werden soll.

    Deutschlands Größe bis 1914 geschah um den Preis der Kolonialisierung der Menschen auf anderen Kontinenten. Bei anderen Ländern wurde diese Art "Erfolg" und diese Art "Größe" noch bis ein paar Jahre nach dem 2. Weltkrieg betrieben. Bis nach diesem "Preis" gefragt wurde.

    Ich wende mich nicht gegen die Verwendung dieser Art Begriffe, nur dagegen, sie losgelöst quasi als Markenartikel und alleinige Begründung für etwas zu verwenden.

  18. 6.

    ... gestern Bildung heute Bauen - man mag schon kaum noch lesen was in dieser Stadt geschieht. Besagter Baustadtrat, der es im Leben zu nichts gebracht hat außer über sein linkes Parteibuch auf einen Posten zu rutschen der ihn überforder und auf dem er seine wirren Sozialideen ausleben kann behindert nun fröhlich die Entwicklung dieser Stadt. Es sind Unternehmen wie die CG Group denen diese Stadt ihr Flair und ihren Wohlstand zu verdanken hat - nicht die Unterlasser in der Verwaltung. Wo könnten wir stehen wenn das unsägliche Gespenst linksgrüner Spinnerei endlich verschwunden wäre!

  19. 5.

    Es gehört wohl schon sehr viel Investoren- und Architektenphantasie dazu, nahezu jedes Gebäude nahezu beliebig umbauen zu können. Die meisten 1960er und 1970er Jahre-Gebäude scheiden meiner Auffassung nach für ökologischen Umbau glattweg aus. Dies deshalb, weil sie unter ganz anderen Voraussetzungen gebaut wurden und die Umbaukosten schon fast astronomisch wären.

    Der einzige Grund, dieses recht nüchterne Hochhaus umzubauen und gestalterisch geringfügig aufzupeppen, ist die möglichst optimale Verwertung des Grundstücks. Wohnungen als Stapelware. Wer seine Wohnung nachts vor halb 2 nicht aufsucht und am Vormittag um 11 wieder hinausgeht, mag davon nicht viel mitbekommen, wer die Wohnung als Lebensraum begreift, schon.

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