Ein Finger zeigt am 30.09.2015 in Berlin an einem Fahrkartenautomaten auf das Feld "Einzelfahrschein" (Quelle: Britta Pedersen/dpa)
Audio: rbb | 31.08.2018 | Thorsten Gabriel | Bild: dpa/Britta Pedersen

Tarifsystem wird überarbeitet - VBB-Fahrscheine in Berlin werden wohl erstmal nicht teurer

Neue Zonen, neue Fahrscheine: In Berlin wird das Tarifsystem überarbeitet. Und  solange die Arbeitsgruppe noch berät, steigen die Ticketpreise in der Hauptstadt wohl nicht. Die Berliner Fahrgäste freut's - Brandenburgs Landkreise ärgert es ein bisschen. Von Thorsten Gabriel

Einzelfahrschein, Kurzstrecke, 4-Fahrten-Karte, Tagesticket, 7-Tages-Ticket, Monatskarte, Jahreskarte, 10-Uhr-Karte, Sozialticket, Schülerticket, Kleingruppenkarte - irgendwas vergessen? Bestimmt! Rund zwei Dutzend verschiedene Fahrscheine und dazu drei Zonen: A, B und C: Das ist das Berliner Nahverkehrs-Tarifsystem. Wer es regelmäßig nutzt, hat schnell Ideen für Verbesserungen.

Das gilt auch für Verkehrsexperten im Berliner Abgeordnetenhaus, wie Henner Schmidt von der FDP: "Zum einen finde ich, dass es da eine Lücke gibt zwischen der Kurzstrecke und dem ganzstädtischen Ticket. Da wär's ganz gut, wenn es da eine Zwischenstufe gäbe." "Ich würde ein Zwei-Stunden-Ticket richtungslos einführen, das heißt, dass man nicht mehr in eine Richtung fahren muss", sagt sein Parteikollege Oliver Friederici.

Friederici kann sich auch vorstellen, Tarifbereich B auf Brandenburg in einigen S-Bahn-Bereichen auszuweiten. "Es wäre sinnvoll, für die Pendler Park-and-Ride ins Tarifsystem einzubinden", schlägt Schmidt zusätzlich vor. Und AfD-Nahverkehrsexperte Gunnar Lindemann teilte mit: Er würde dringend das Firmenticket reformieren wollen, es billiger und auch für kleinere Unternehmen verfügbar machen.

Wenn Du nicht mehr weiter weißt, bilde einen Arbeitskreis

Während der Opposition kaum mehr bleibt, als Wünsche und Anträge zu formulieren, versucht es das Regierungslager seit nunmehr anderthalb Jahren mit einer Arbeitsgruppe. Das Ziel: das Tarifsystem reformieren und letztlich dafür sorgen, dass Bus- und Bahnfahren billiger und damit attraktiver wird. In der Arbeitsgruppe sitzt neben Regierungsfraktionen, Senatsverwaltung und Verkehrsverbund auch der Fahrgastverband IGEB mit am Tisch.

Dessen Vorsitzender, Christfried Tschepe, zeigt sich mit der Arbeit der AG grundsätzlich zufrieden - noch besser wäre es allerdings, wenn es bei der Verkehrsverwaltung einen Koordinator für das Thema Gäbe: "Das ist im Moment beim Staatssekretär angesiedelt, und ein Staatssekretär hat erfahrungsgemäß noch sehr viel mehr Aufgaben."

Keine Erhöhung - zumindest in Berlin

Und deswegen will gut Ding eben Weile haben. Mindestens noch das gesamte nächste Jahr über soll getagt werden. Und so lange wird es keine Ticketpreis-Erhöhungen geben - das haben SPD, Linke und Grüne in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart.

Eigentlich hatten sich Berlin und Brandenburg einmal darauf verständigt, dass die Fahrpreise für Busse und Bahnen jedes Jahr steigen sollen - und zwar orientiert an einem Index, der aus Lebenshaltungs-, Benzin- und Stromkosten errechnet wird. Das zumindest ist nun wohl nicht der Fall  - was in den Brandenburger Landkreisen offenbar Unmut erregt: Dort würde man gern ein bisschen bei den Preisen drauflegen.

Das hält der grüne Verkehrsexperte im Berliner Abgeordnetenhaus, Harald Moritz, für unproblematisch: "Im AB-Bereich, wird es keine Tariferhöhungen geben. Wenn in Brandenburg die Landräte sagen, sie brauchen eine Tariferhöhung, dann sagt der Koalitionsvertrag ja nicht nein. Die können durchaus das erhöhen."

Tariffragen Ende September im Aufsichtsrat

Dass Berlin Verzicht üben will, hält Henner Schmidt von der oppositionellen FDP für eine gute Lösung: "Das ist erstmal vernünftig, dass es da keine Tariferhöhungen gibt. Zurzeit steigen die Kosten ja auch nicht so dramatisch an. Also, da kann man durchaus warten, bis man wirklich ein Konzept hat."

Der CDU-Abgeordneten Oliver Friederici findet diesen Berliner Sonderweg falsch: "Tariferhöhungen müssen sein. Dass Rot-Rot-Grün das nicht möchte, weil sie damit wahrscheinlich ihre eigenen Wähler vergräzen, kann ich verstehen. So kann man aber keine Politik machen."

So kommen wird es aber wohl trotzdem, zur Freude der Fahrgäste in der Hauptstadt. Ende September will der Aufsichtsrat des Verkehrsverbunds darüber beraten.

Beitrag von Thorsten Gabriel

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Die zukunftsweisende Lösung ist "Berlin tariffrei" durch Steuerfinanzierung.
    30 Euro ÖPNV-Abgabe von jedem volljährigen Einwohner, sozialreduziert 20 Euro, Touristen 1 Euro pro Übernachtung.
    Dichterer Takt und ein Fahrradwagen in jedem Zug. Die Politik muss nur den Willen haben.

  2. 2.

    „Einführen“ eines Richtungslosen Tickets, dass währe ja wirklich was Bahnbrechendes. Ok, gab es schon einmal, bevor man diesen Humbug eingeführt hat. Die Logik als Fahrgast erschließt sich mir bis heute nicht, das ich für 2 Stunden bezahlen soll, aber nicht mehr zum Start zurück darf, obwohl ich ein gültiges Ticket habe. Simples Beispiel: Ich fahre von Mehringdamm zum KuDamm rund 20 Minuten für aktuell 2,80. Da bleiben mir noch 80 bezahlte Minuten übrig um im Anschluss wieder entspannt zurück zu fahren.
    Da ich nicht einsehe 5,60€ zu zahlen um mal kurz etwas zu shoppen, nehme ich lieber das Rad. Damit brauche ich auch rund 20 Minuten, muss nicht auf den Bus warten oder mich dort qutschen in den Menschenmengen und die BVG geht schlicht leer aus. Oder amazon verdient etwas mehr, weil ich nicht zum lokalen Einzelhandel fahre und mir den Kram meist selbst mit Porto billiger nach hause bekomme.

    Die Idee eines „Zwischentickets“ fände ich gut, auch wenn es die Tarifstruktur nicht besser werden lässt. Aber ein Ticket das zum Beispiel nur eine Stunde gilt und dafür dann nur 1,40€ kostet, währe ja ne potentielle Idee, zumal man in Berlin fast immer 30 Minuten reist. Oder man führt endlich ein elektroisches Plastik-Ticket ein, welches am Ende des Monats automatisch zum jeweils günstigsten Tarif abrechnet... Also ein transparentes elektronisches Ticketsystem mit Fair use Prinzip. Das währe jedenfalls eine echte Liebe von der BVG für ihre Kunden ;)

  3. 1.

    Eine Erhöhung wird kommen, wenn nicht dieses Jahr dann kommt sie nächstes Jahr. Spätestens mit dem Ergebnis, welches der Arbeitskreis irgendwann präsentieren wird, kommt eine größere Preiserhöhung. Die Begründung wird einfach sein, das neue System muss finanziert werden

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