Die Polizei kontrolliert einen Teilnehmer eines Aufmarsches von Neonazis am Samstag im brandenburgischen Neuruppin (Quelle: dpa/Pleul)
Audio: Radioeins | 08.08.2018 | Regio-Nachrichten | Bild: dpa/Pleul

Zahlen des Vereins Opferperspektive - Verein zählt mehr als 100 rechte Attacken in Brandenburg

Der Verein Opferperspektive für Betroffene rechter Gewalt hat bis Anfang August mehr als 100 rechtsextreme Angriffe in Brandenburg registriert. 97 Angriffe seien es im ersten Halbjahr 2018 - also von Januar bis Juni - gewesen.  80 Fälle seien rassistisch motiviert gewesen, teilte die Opferperspektive am Mittwoch in Potsdam mit.

Regionaler Schwerpunkt sei mit 22 Fällen Cottbus gewesen. Bei den meisten Angriffen handelte es sich den Angaben zufolge um Körperverletzungsdelikte. Davon waren 46 Fälle eine einfache und 33 Fälle eine gefährliche Körperverletzung.

Niveau bleibt stabil hoch

Im ersten Halbjahr 2017 wurden 98 Fälle gezählt - einer mehr als im ersten Halbjahr dieses Jahres. Im ganzen Jahr 2017 waren es 171 Fälle rechtsextreme Angriffe. 2016 wurden 221 Angriffe gezählt.

Das Niveau rassistischer Gewalt bleibe stabil hoch, hieß es von dem Verein, obwohl viele Gründe, die in den vergangenen drei Jahren für den Anstieg rechter Gewalttaten herangezogen wurden, derzeit nicht gegeben seien. Weder gebe es in diesem Jahr Landtags- oder Bundestagswahlen, noch kämen derzeit in hoher Zahl Geflüchtete in Brandenburg an. Auch gebe es außerhalb des Cottbusser Großraums derzeit keine starken politischen Aktivitäten rechter Gruppen im öffentlichen Raum.

Physische Gewalt und rassistische Diskriminierung

Dennoch registrieren die Berater des Vereins fast täglich neue Fälle, hieß es. So sei beispielsweise eine Frau, die mit ihrer Tochter im Supermarkt Persisch sprach, erst verbal rassistisch angegangen und dann geschlagen worden. In einem anderen Fall wurden den Angaben zufolge Moscheebesucher mit Steinen beworfen. Bei einem weiteren Angriff wurde laut Opferperspektive eine schwangere Frau mit ihrem Freund von vermummten Rechten angegriffen, weil die Neonazis glaubten, dass sie rechte Aufkleber abgekratzt hätten.

"Rassistische Gewalt ist in den vergangenen drei Jahren für einen Teil der Brandenburger Bevölkerung offenbar zu einer normalen und akzeptierten Handlungsweise im Umgang mit Migranten geworden", kritisierte der Verein Opferperspektive.

Neben den physischen Angriffen seien viele Betroffenen rechter Gewalt täglicher rassistischer Diskriminierung ausgesetzt, indem sie beispielsweise nicht in Sportstudios gelassen, in Läden nicht bedient oder auf der Straße beschimpft werden, erklärte der Verein weiter.

"Staatliche Stellen immer wieder überfordert"

Das Erleben dieser Feindseligkeit in Verbindung mit der Angst vor Gewalt belaste die Betroffenen psychisch stark und habe häufig schwerwiegende psychische Folgen. "Nach unserer Beobachtung sind staatliche Stellen, von der Polizei über die Justiz bis hin zu Ausländer- und Sozialbehörden immer wieder mit der aktuellen von massiver rechter Gewalt geprägten Situation überfordert und stellen kaum eine Hilfe für die Betroffenen dar", so der Verein.

Es zeige sich, dass die seit drei Jahren anhaltende Hochphase rechter Gewalt kein vorübergehendes kurzfristiges Phänomen sei. Deshalb müsse deren Schutz bei den staatlichen Stellen höchste Priorität haben.

Sendung: Antenne Brandenburg, 08.08.2018, 14 Uhr

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5 Kommentare

  1. 5.

    Bekanntlich als prominenteste "Sachbeschädigerin" mache ich auch vor Brandenburg nicht halt und das ist bitterst nötig!
    Wann endlich wird - auch dort - begriffen, dass Rechtsextremismus nun wirklich nicht kosmetisch (etwa mit 'Nivea') bekämpft werden kann!
    Allein meine Fuznde in Angermünde vor wenigen Tagen, nämlich mehrere Naziaufkleber vom 3. Weg. und da regen sich die BürgerInnen auf, wenn ich sie von den Regenrohren abkratze.
    Cottbus 'strotzt' nur nioch von Islam- und Asylfeindlichenfeindlichen Graffitis, die ich selbstverständlichübersprayt habe!

    Allein schon die Tatsache, dass auf Nazigräbern in Brandenburg die Hakenkreuze z.B. dran bleiben dürfen! (S MAZ vom 17.07.2012)

  2. 4.

    Nicht bloß entrüstet Fragen, sondern selbst mal recherchieren. Außerdem sagt der Titel im Artikel schon alles aus um wem es sich dabei handelt.

  3. 2.

    Warum werden Attacken von LINKEN verschwiegen?

  4. 1.

    Null Toleranz, ohne wenn und aber.

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