Valeska de Pellegrini, Wolfsbeauftragte des Landes Brandenburg der Abteilung Naturschutz. (Quelle: dpa/Pleul)
Audio: Inforadio | 17.11.2017 | Vis à vis mit Valeska de Pellegrini | Bild: dpa/Pleul

Brandenburgs Wolfsbeauftragte ist ein Jahr im Amt - Über 100 Anträge auf Hilfen gegen Wolfsrisse

In Brandenburg gibt es seit gut einem Jahr zwei Wolfsbeauftragte. Sie sollen bei Konflikten zwischen Mensch und Wolf vermitteln. Hauptbetroffene sind dabei Weidetierhalter, die um ihre Herden fürchten. Derzeit gebe es im Land 29 Wolfsrudel, ein einzelnes Tier und möglicherweise ein Paar, sagte die Wolfsbeauftragte Valeska de Pellegrini.

Die studierte Wald-Managerin hat zu Freilandwölfen und zu verwilderten Haushunden geforscht. Jetzt berät sie Schäfer, wie sie ihre Tiere schützen können und wo es Fördermittel gibt. In 430 Fällen von gerissenen Nutztieren wurde ein Wolf als Verursacher ermittelt oder zumindest nicht ausgeschlossen. An betroffene Tierhalter gingen seit 2007 bis Ende Juni dieses Jahres rund 252.000 Euro Entschädigung.

Hohe Zäune am besten mit Elektrizität

Die Wolfsbeauftragte empfiehlt zum Schutz vor Wölfen einen mindestens 90 Zentimeter hohen Zaun. Aber auch für Zäune bis 1,20 Meter Höhe gibt es laut Pellegrini Fördermittel. Am effektivsten seien Elektrozäune mit 4.000 Volt. Nach ihren Angaben haben Tierhalter in diesem Jahr schon mehr als 100 Fördermittelanträge mit einer Gesamtsumme von 420.000 Euro in Brandenburg eingereicht. Etwa 70 davon sind schon bewilligt, 40 derzeit in Bearbeitung. Mit dem Geld können Zäune oder die Anschaffung speziell ausgebildeter Herdenschutzhunde gefördert werden.

Außerdem gibt es eine Zahlung zum Schadensausgleich, wenn ein Wolf Weidetiere gerissen hat - vorausgesetzt, die Herde wurde ausreichend geschützt. Die Summe sei jedoch auf 15.000 Euro innerhalb von drei Jahren begrenzt, erklärt Pellegrini, deren Stelle zunächst bis Mai nächsten Jahres befristet ist.

Das erste Bundesland mit einer Wolfsverordnung

Viele Weidetierhalter drängen auf eine "Regulierung" der vor Jahren wieder heimisch geworden Wölfe, die auf der Roten Liste stehen. Als erstes Bundesland hat Brandenburg seit Jahresanfang eine Wolfsverordnung. Sie regelt, dass ein Wolf sofort geschossen werden darf, wenn er auf Menschen losgeht. Im Fall von Tierrissen sei die Tötung von Wölfen nur zulässig, wenn die Eigentümer zuvor "sämtliche zumutbaren Präventionsmaßnahmen" eingehalten haben, um ihre Herden zu schützen.

In Problemfällen, wenn Wölfe wiederholt gute Sicherungssysteme überwinden, befürwortet auch die Wolfsbeauftragte die Tötung: "Ich sage nicht, dem Wolf darf kein Haar gekrümmt werden."

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